Heldenstory – ganz alltäglich

Eine Heldenstory erleben immer nur die anderen!?

Vergiss es! Du steckst täglich in deiner mittendrin!

Das glaubst du nicht? Dann überspring meine und lies gleich Hier weiter

Jetzt als Fortsetzungsroman

Update vom 11. September  – die besten Stories haben Fortsetzungen, oder? Aktuelle Staffel: wird es der Heldin gelingen ihre Nerven zu behalten…?  Hier weiter

Das ist meine Heldenstory vom 5. Mai 2020.

Gestern Abend im Video-Call war das schon komisch mit meinem HP-Laptop. Der Netzstecker steckt, doch die Ladestandsanzeige in der Symbolleiste sinkt von Minute zu Minute. Wie kann das sein? Bei 20 % brechen wir unseren Call ab. Ich muss dringend rausfinden, was hier los ist. In Zeiten von Corona und Onlinearbeit bin ich drauf angewiesen, dass das Gerät reibungslos funktioniert. Hat die Steckerleiste einen Kurzschluss? Probiere andere Steckdosen. Alle in Ordnung. Gerät lädt nicht. Ist der Anschlusspin verdreckt? Sauber! Rechner runter- und wieder hochfahren. Nichts ändert sich. Außer dem Ladestand, der sinkt. Und siiinkt. Und siiiiinkt. Die 1. Hilfe-Anleitung sagt: Akku ausbauen! Mein Laptop hat keinen Akku, den ich ausbauen kann… Kurz vor Mitternacht geb ich auf. Ladestand 12 %. Lass das Gerät an der Steckdose. Wird schon gut gehen.

Doch mein Gefühl funkt mir das Gegenteil.

Meine letzte Datensicherung ist eine Woche alt. Ich war sehr fleißig diese Woche…(habe allerdings keine Datensicherung in irgendeiner Cloud, keine Synchronisation der Daten auf dem Smartphone). Mein Moralometer unkt auch…

 

Heldenstory mit Ansage

Letzter Blick zum Schreibtisch – die Mini-LED neben der Ladebuchse: ein gespenstisch rotes Glimmen. Winzig wie meine Hoffnung. Das wird eine unruhige Nacht.

Morgens, noch im Bett, entwerfe ich meinen Masterplan: welche Daten müssen unbedingt gesichert (Steuern, Podcast- und Video-Input, Trainingsunterlagen für meine LifeStory diese Woche), welche Termine oder Kontaktdaten notiert werden? Und wo sind die Garantieunterlagen des Laptops? Er ist erst 5 Monate alt.

Um 8 Uhr blinzelt mir die rote LED entgegen. Kein Wunder ist über Nacht geschehen. Ladestand noch immer 12 %. Mir wird ganz anders. In Zeiten von Homeoffice mit geplanten Calls, Weiterbildung, Onlinematerial das erstellt werden will – das gibt ne Katastrophe… Meine innere Selbstzerfleischungskrähe krächzt: „Ja hättest du mal ne Datensicherung gemacht, hättest du…, hättest du…“. Der Katastrophenminister in meinem Kopf lamentiert volles Rohr: „Du wirst deine Kunden enttäuschen, wirst die Woche vergeuden, den Auftrag verlieren…“, jaulend rauft er sich die Haare. Ich atme tief durch.

Atmen hilft immer gegen Panikattacken.

Notfallplan anschmeißen. Ich fahre den Rechner hoch, sichere das allerallerwichtigste, kontaktiere den HP-Support-Avatar. Der kennt mein Gerät nicht, aber ich darf online ein Ticket einstellen. Meine Gedanken rasen, füttern den Katastrophenminister: „Arbeitsausfall für Wochen, in der Krise kein neuer Laptop zu bekommen, was soll bloß werden…“ Das Telefon klingelt – Journalistenanfrage für ein Interview zur Gewaltfreien Kommunikation im Business für die OWUp? Ich simse zurück „Ne, heute bestimmt nicht, habe gerade wenig gewaltfreie Gedanken: Scheiß-Laptop“. Kurze Nachricht an eine Businesskollegin mit der ich in zwei Tagen zum Call verabredet bin: „Wird knapp werden, hier gerade Ausnahmezustand“. Sie bedauert mich ein bisschen, zeigt ganz viel Mitgefühl. Wow – das tut gut.

„Reiß dich zusammen!“

Diese Stimme in meinem Kopf kenne ich doch: „Hallo liebe Oma!“ Ihre Ansagen waren früher selten nett, doch geholfen haben sie immer. Ich rufe den HP-Support an. Nach 3 Minuten hab ich einen echten Menschen dran. Hurra. Er gibt mir das Gefühl, mir wirklich helfen zu wollen. Viel wert in diesen Zeiten. Wir testen das Gerät, das mit 5 % auf dem letzten Loch pfeift. Ergebnis der Diagnose: Akku und Netzteil völlig ok. In exakt diesem Moment verglimmt das letzte Leuchten des Bildschirms. Alles schwarz, auch kein LadeLED-Licht mehr. Nicht mal ein Fünkchen Rot.

Seine Lösung „Ich schicke ein neues Netzladekabel los, das ist dann in 5 Tagen bei ihnen“ ist für mich keine Lösung. Denn meine Intuition sagt mir, dass das nicht die Ursache ist. Sollte die sich in der nächsten Woche bestätigen, darf ich wieder anrufen, HP holt den Laptop ab und schickt ihn nach Indien. „Das kann dann nochmal 3 Wochen dauern.“ Der junge Mann am Supporttelefon leidet mit mir, doch er muss sich an die Vorschriften halten. Mehr als einen Monat ohne Laptop? Meine ungesicherten Daten fliegen dann einmal um die Welt und sind nach der Reparatur vermutlich futsch. Vier Wochen ohne Rechner. In Online-Only-Zeiten.

Inzwischen laufen mir die Tränen.

„Hättest du nur“, schnarrt die Krähe. „Halt den Schnabel“, fauche ich zurück. Sie schüttelt sich, behält meine Panik mit ihren blanken Äuglein im Blick. „Muss ich halt einen neuen Rechner kaufen.“ Höhnisches Krächzen „Issss klar, bei der Marktlage.“ „Die Lager sind leer“, das hatte auch der HP-Mann gesagt. Atmen, Katrin! Weiterdenken!

Positive Erfahrungen abrufen!

Stimmt, die PC Feuerwehr 112 – die haben mir schon einmal schnell und konkret geholfen. Ich rufe an. Ja – es ist ein Mitarbeiter in der Nähe. Oh my god – hallelujah. Herr Koch kommt nach einer Stunde, öffnet den Laptop, legt die Eingeweide bloß, nimmt den Akku raus, schließt das Ladekabel an. Läuft. Also – läuft jetzt. Im Moment. Das könnte sich wieder ändern. Vermutlich ist das Betriebssystem Matsch. Die Hardware ist ok, doch Windows kann nicht erkennen, dass der Akku voll ist.

So als wäre nach einem üppigen Essen dein Magen übervoll. Doch bekommt dein Gehirn nicht mit, dass genügend Brennstoff für Bewegung da ist, verweigern deine Muskeln den Dienst und du kannst nicht mehr vom Tisch aufstehen.

Nein – also es liegt nicht am Kabel. Das Zuschicken des neuen Kabels wird gar nichts bringen. Während Herr Koch schraubt, reden wir kurz über die Globalisierung der Produktion – ja, nach Indien schicken ist billiger als unser Geld in Deutschland zu investieren. Wir haben uns an so viele Dinge gewöhnt. Doch er könnte mir helfen, rasch und unkompliziert – in zwei Stunden das Betriebssystem neu aufsetzen. Doch das wird HP nicht bezahlen. Ihnen ist es vermutlich egal, dass ich vier Wochen nicht arbeiten kann. Ich rufe den HP-Support zurück „Sie brauchen kein Kabel schicken!“ Die junge Frau kann das nur ins System eintragen. Ob HP die Rechnung übernehmen würde, kann sie nicht beantworten, verspricht Rückruf des Kollegen (der ist nach 7 Stunden noch immer nicht erfolgt).

Fortsetzung folgt …

Atmen. Adlerperspektive.

Ich erkenne, was hier mit mir passiert – Angst, Trauer, Ärger – Emotionen haben mich überflutet. Doch ich bin ausgestiegen, kann wieder klar denken. Ich bin ruhig und gelassen, habe einen Plan für die nächsten Schritte. Wie das geht, hab ich im NEW DEAL beschrieben. Hier lese ich dir das Kapitel zum Mentalen Re-Boot vor.

Ich bin StoryCoach. Ich erkenne die Muster.

Du auch? Es ist immer wieder die gleiche Geschichte: ein Mensch wird in seinem alltäglichen Leben von einer Herausforderung kalt erwischt (in C-Zeiten vier Wochen ohne Laptop). Er muss sich stellen, die Reise beginnt. Er begegnet Widersachern, die ihn piesacken und überzeugen wollen, dass er sein Ziel niemals erreicht (hallo Krähe, hallo Katastrophenminister). Er trifft auf Verbündete, die alles tun, um ihm aus der Krise herauszuhelfen. Ob lebendig (Danke Martina Bloch, danke Herr Koch) oder in anderen Welten unterwegs (danke liebe Oma), oder innere Stärken (ich hab als Coach all meine Tools selbst ausprobiert und weiß, wie ein mentaler Reboot funktioniert). Der Kampf wird gekämpft, wird bestanden und die Erkenntnis als Geschichte an andere weitergetragen.

Das war meine Heldenreise, ganz ohne Schwert oder magisches Cape.

Die Heldenstory – ein ganz normales Geschehen.

Doch das sind sie, unsere Stories.

Du glaubst noch immer, eine Heldenstory ist nur was fürs Kino? Nur was fürs Fernsehen oder Bücher? Nur was für die anderen?

Wach auf! Du steckst mitten drin.

Du selbst. Jeden einzelnen Tag.

Schau zurück auf deinen Tag heute. Dann geh Schritt für Schritt durch das universelle Muster.

  • Wie bist du heute in deinen Tag gestartet? Wo war das? Wann? Und wer war dabei?
    Schreib es auf…
  • Wann gab es einen Moment in dem du dachtest: „Oh nein, das kann nicht wahr sein“? oder „Muss ich jetzt wirklich…?“ Der Augenblick in dem du in ein schwarzes Loch gefallen oder in eine (mentale) Matschpfütze gestolpert bist? Wann ist dir heute etwas passiert, mit dem du nicht gerechnet hast? Was fühlte sich wie Krise an? Oder schon wie der Vorhof zur Hölle?
    Schreib es auf…
  • Was hast du daraus gemacht? Und wer oder was hat dir dabei geholfen? Ein Mensch von außen, der Unterstützung angeboten hat? Ein vertrautes Tier – Hund, Katze, Pferd-  das dich mit seinem intensiven Blick angeschaut hat als könne es nicht glauben, dass du nur so tatenlos herumsitzen willst? Eine verborgene Stärke, die du in dir trägst, und dich doch jedes Mal von Neuem daran erinnern musst, sie zu nutzen, um dich aus einer kniffligen Situation zu befreien oder ein klein bisschen die Welt zu retten? Für dich oder die, die dir am Herzen liegen?
    Schreib es auf…
  • Und wie ist es ausgegangen? Wenn du jetzt darauf zurückblickst: Was hast du erfahren, was hast du gelernt? Das kann dich stolz machen. Oder auch ein kleines traurigen Bedauern zurücklassen, falls es schief gegangen ist. Und ein “Ok, beim nächsten Mal mach ich es anders.“
    Schreib es auf…
  • Und wenn du jetzt deine Geschichte vom heutigen Tag erzählen würdest – deinen Kindern vor dem Schlafengehen, der besten Freundin am Telefon, dem Kumpel in der Kneipe (oder beim virtuellen Bierchen) – wie klingt sie, deine Geschichte der Alltagsheld*in, die/der du bist?

Ich bin eine leidenschaftliche Sammlerin von Heldenstories des Alltags. Schreib mir gern deine. Ich freu mich drauf..

 

Dienstag, 5. Mai 2020/ 19:57 Uhr – aktueller Akkuladestand: 100 %

Donnerstag, 7. Mai / 9:30 Uhr – Update für alle, die mitgefiebert haben: Rückruf von HP am Mittwoch 10 Uhr – der Laptop muss nicht nach Indien. Aktueller Akkuladestand: 83 %

DIE ZWEITE STAFFEL

humor katrin klemm storytelling

 

Mittwoch, 29. Juli / 10 Uhr – exakt das gleiche Problem: kein Akku, kein Strom, Rechner tot. Exakt die gleiche Regelkonformität von HP, die mich keinen Schritt weiter kommen lässt. Geduldig teste ich alles durch, was mir der Supporter am Telefon anweist. Wieso ist mir das Ergebnis schon vorher klar? Kennst du auch manchen Film schon so gut, dass du die Dialoge oder einzelne Schlüsselsätze mitsprechen kannst? Weil du ganz genau weißt was kommt?

Wenn du meine Heldenstory vom Mai oben gelesen hast, errätst du, wie es weitergeht ….. Trommelwirbel…. Jaaaaa: „Schicken sie das Gerät ein für 3 Wochen“. Diesmal hab ich gottseidank eine Datensicherung, hätte aber wieder keinen Laptop für Wochen. Erneut Herr Koch, der mir aus der Patsche hilft. Diesmal muss der ausgebaute Akku aber draußen bleiben, sonst bleibt das Gerät tot. Und so läuft der Laptop, der ja eigentlich für mobiles Arbeiten vorgesehen ist (nicht sarkastisch werden, liebe Heldin) ab jetzt nur noch an der Steckdose. Aber er läuft. Und ich komme an der bitteren Wahrheit nicht vorbei, dass ich in ein neues Gerät investieren muss.

Enttäuschung ist nur das Ende der Täuschung

Ende August telefoniere ich mit dem Beschwerdemanagement von HP und lerne, dass ich mir ein vernünftiges Gerät hätte kaufen müssen, wenn ich es ernsthaft als Businessgerät nutzen will. Auch eine spannende Aussage für mich als Freiberuflerin, die seit mehr als einem Jahrzehnt auf HP vertraut hat. Nun gut, eine Enttäuschung ist halt das Ende einer Täuschung. Ich bin als Einzelunternehmerin gar kein Zielobjekt für HP.

Montag, 31. August/ Herr Koch richtet den neuen Laptop ein. Er läuft. Sogar im Akku-Betrieb. Aufatmen.

Donnerstag, 10. September/ Anruf bei HP: „Ich würde das Gerät jetzt gern einschicken.“ Der sehr freundliche HP-Supporter beginnt das Regelwerk der Tests abzuspulen. Ich: „Wir können den Akku nicht testen, der Akku ist nicht mehr drin.“ Er: „Bitte testen sie trotzdem.“ Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll… Das Ergebnis „Sie können das Gerät nur zur Reparatur einschicken, wenn der Akku drin ist.“ (hatte ich bereits erwähnt, dass es sich bei dem HP Pavillion um ein Gerät handelt, bei dem nur ein Fachmann den Akku ausbauen kann?)

Freitag, 11. September / Das Beschwerdemanagement bittet mich per Mail, den Sachverhalt zu schildern… Ich bleibe gaaanz ruhig, ich schreibe ja gern…

 

 

4 Kommentare
    • Katrin Klemm sagte:

      Das freut mich, Saskia – ich bin gespannt, wie lange der Akku weiter lädt. Und wie es mit HP weitergeht. Werde morgen nochmal anrufen und versuchen ihnen mitzuteilen, dass ich das Kabel nicht brauche und sie Ressourcen schonen können.

      Antworten
  1. Marianne sagte:

    Oh Frau! Das war spannend. Danke für das Teilen einer solchen brenzligen Situation und Danke für die praktischen Hinweise, wie Heldenstories aussehen und ablaufen und wie Frau sich helfen kann.
    An sich und seine Fähigkeiten zu glauben tut gut. Schön dass Du mal wieder festgestellt hast, wie gut Du bist!
    Danke für die Story.

    Antworten
    • Katrin Klemm sagte:

      Ja, liebe Marianne, wir sollten uns alle häufiger mal den einen Moment nehmen, den es (nur) dauert, genauer hinzuschauen, was wir Frauen alles leisten. Und das gerade in der aktuellen Zeit.

      Antworten

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