Kann Storytelling echt sein

Seit meinem Interview mit Petra Sammer im Juni 2021 lässt mich EIN Thema nicht mehr los

Wie echt kann Storytelling sein?

Über die Einladung von Andrea Bernard  – der Fachfrau für Case Studies  – habe ich mich deshalb sehr gefreut. In Sachen #echtsein sind wir Weggefährtinnen. Was also lag näher, als ein paar der folgenden Fragen zu klären:

  • Wenn wir von #echtsein im Storytelling sprechen, meinen wir immer wahrhaftiges Storytelling
  • Storytelling ist immer dann echt, wenn es neben Siegen und Erfolgen auch den schwierigen Weg dorthin transparent macht
  • Der Blick von außen – durch eine StoryCoach oder Case Study Copywriterin – kann helfen, eine gute Geschichte souverän, überzeugend und authentisch zu erzählen.
  • Eine wahrhaftige Geschichte über sich selbst zu erzählen braucht oft Mut. Denn authentisch kann auch mal “autsch” sein.
  • und dann ist da noch die Sache mit der Scheibengardine …

Du willst lieber gleich zuschauen? Mit Klick auf den #echtsein gehts zum ganzen Video mit Untertitel und Unterkapiteln, damit du direkt zum Abschnitt springen kannst, der dich besonders interessiert.

 

kann storytelling echtsein katrin klemm im gespräch mit andrea bernard

 

Die Sache mit der Scheibengardine…

Im folgenden Auszüge aus dem Transkript, bearbeitet und gekürzt für bessere Lesbarkeit.

[00:54.61] – Katrin Klemm

Dann schnappe ich mir gleich mal die erste Frage, weil ich deinen Job so interessant finde. Wenn ich mir vorstelle, Andrea, die Case Study Copywriterin, schreibt eine Case Story über Andrea, was wäre drin und was würde sie “echt” machen?

[01:16.35] – Andrea Bernard

Oh, Katrin, das ist eine super Frage. Ja, wenn ich praktisch darüber nachdenke, über mich eine Geschichte zu schreiben. Vielleicht sogar im Business Kontext, dann ist das so ein bisschen für mich, wie, wenn ich in einer Rotweinflasche sitze und draußen auf das Etikett gucken soll, um zu sagen, was in dieser Flasche drin ist. Ich finde das unglaublich schwierig über mich selber zu erzählen, weswegen ich mich darauf spezialisiert habe, aus anderen die Geschichten herauszuholen.

Aber ich stelle mir die Gegenfrage Katrin, wie sieht es bei dir aus? Gerade als Story-Coach ja auch für Menschen, die ihre Lebensgeschichte, ihre Life Story schreiben wollen. Was wäre denn deine Geschichte über dich selber?

[01:59.29] – Katrin Klemm

Den Begriff Story-Coach muss ich oft erklären, weil ich häufig höre, Storytelling, ja das ist ja hier dieses Marketing Gedöns.

Als StoryCoach beherrsche ich das Handwerkszeug des Storytelling.

So nutze ich saubere Strukturen, die eine Geschichte braucht. Gleichzeitig bin ich fasziniert von der Magie, die entsteht, wenn sich eine richtig gute Geschichte wie von selbst entwickelt.

Und als Story-Coach schaue ich so ein bisschen hinter die Schleier der Geschichten, die wir uns selbst erzählen und hinter die Geschichten, die wir anderen erzählen. Das ist für mich ein Handwerkszeug, wenn es darum geht, was mache ich aus der Geschichte, die mich geprägt hat?

[03:28.55] – Andrea Bernard

Mein Herz brennt dafür, bei anderen die Geschichten zu entdecken und aus ihnen herauszulocken.

[03:42.200] – Katrin Klemm

Und das ist ja auch ganz fantastisch. Ich selbst musste auch erst mal meine eigene Blockade überwinden, ich komme aus dem IT Business. Und da ist alles 0 oder 1, quadratisch, praktisch, gut. Und ich habe Jahre gebraucht zu akzeptieren, dass ich eine Faszination für die Magie  von Geschichten habe.

Als ich dann kapiert hatte, dass ich ja nicht das eine oder das andere sein muss, als ich diese Angst weggeschmissen hab, ja, wenn die strukturierten Kunden dann das erfahren, dass ich auch andere Sachen kann, dann wollen die mich nicht mehr, als ich begriffen habe, wie das zusammenpasst, dann lief es plötzlich. Und das ist genau die Mischung in jeder persönlichen Life Story. Es ist immer beides.

[04:25.880] – Andrea Bernard

Und woran merke ich jetzt, dass so eine Life Story echt ist?

Wie hilfst du deinen Kundinnen, Kunden echte Geschichten zu erzählen?

[04:38.33] – Katrin Klemm

Ich habe bei Petra Sammer gelernt:

“No conflict, no story”.

Das heißt, ganz, ganz behutsam lade ich die Frauen ein, – 80 % meiner Klient*innen sind Frauen – zu schauen, wo waren eigentlich die dicken Konflikte in meinem Leben? Wo waren die kleinen Konflikte in meinem Leben? Was hat sich daraus entwickelt? Weil, wie gesagt, wenn alles schick war, ist es PR, dann ist es nicht echt.

Und ich seh grad die Frage von Petra Sammer, was ist echt? Ich habe mich entschieden, dass ich keine Definition geben will. Für mich ist echt aufrichtig. Es ist das, wo ich im Herzen und mit dem Verstand überzeugt bin, dass ich das mit der Welt teilen will. Selbst wenn das nicht ganz einfach ist.

Authentisch kann manchmal ganz schön autsch sein.

Andrea: Was ist bei dir echt? Wie ist das, wenn du echte Geschichten aus Kunden herausholen willst? Ist da auch so dieses, “Ach, machen Sie mir mal ne nice PR-Geschichte”? Wie machst du das?

[06:06.14] – Andrea Bernard

Genau …, wie hole ich die aus meinen Kunden praktisch? Oder fragen die mich, mach uns doch mal eine coole Case Study, also eine Case Study oder Kunden-Erfolgsgeschichte, Fallstudie ist ja etwas, wo praktisch meine Kunden schon mal nicht über sich selber erzählen, sondern wiederum einen Perspektivwechsel machen und eine Geschichte ihrer Erfolgskunden erzählen. Also sich einen ihrer Kunden nehmen, die mit ihnen einen Erfolg hatten. Die zufrieden sind, die glücklich sind und deren Geschichte erzählen.

Ein ganz wichtiger Perspektivwechsel, der auch dazu führt, dass die Geschichte meiner Meinung nach glaubwürdiger und echter wird. Weil  weil mein Kunde eben nicht über sich selber erzählt, nicht werberisch sein eigenes Produkt lobt, sondern seinen Kunden fragt und sagt, “Sag doch mal, wie ist das eigentlich?

Wie hat dir mein Produkt eigentlich geholfen?

Da kommen natürlich auch Kunden auf mich zu, die sagen, ich hätte gerne so eine Case Study. Und wenn ich dann sage ,”Ja, dann müssen wir den Kunden interviewen”, “Wie, da müssen wir den Kunden interviewen? Ach so, da müssen wir ein Interview führen?”

Ja, du willst die Geschichte deines Kunden erzählen. Die kannst du nur erzählen, wenn du ihn gefragt hast.

Weil wenn du sagst, was du denkst, was der Kunde von deinem Produkt hatte, dann ist es ja im besten Falle Hörensagen bzw. dann ist das halt nur in deinem Kopf. Und das ist schon mal, finde ich ganz wichtig, um um eben echte Kundengeschichten zu bekommen.

Da ist natürlich die Frage, was ist echt? Und auch da sage ich genau wie du gesagt hast, “Ohne Konflikt keine Geschichte”. Finde ich super. Sehe ich bei den Case Studies genauso. Und das ist auch immer mein Thema bei diesen Interviews, die ich führe.

Ich sage, “Erzählt doch mal auch, welche Schwierigkeiten ihr gemeinsam gemeistert habt, denn erst wenn man gemeinsam Kunde und Anbieter durch Schwierigkeiten auch hindurchgegangen ist, kann man auch sagen, mit dem kann ich wirklich arbeiten, mit der hat das wirklich geklappt, auch wenn es mal irgendwie schwierig wird.

[08:27.86] – Katrin Klemm

Ja und ich sehe auch schon im Chat Petra, Martina… Der Bereich von echt, wahrhaftig, authentisch. Es ist so ein großes Feld, in dem es sich bewegt. Lass mich vielleicht ein sehr konkretes Beispiel geben.

Echt? Authentisch? Wahrhaftig?  Ein weites Feld.

Ich gehe mit der Life Story im Mai wieder nach Portugal. Da hat sich jetzt gerade eine Teilnehmerin angemeldet und für die stimmte alles am Angebot. Alles fein. Sie hatte nur genau eine Frage. Ich spreche immer davon, dass ich radikale Kooperation fördere.

Ihre Frage war, “Sag mal, radikale Kooperation. Ich komme gerade aus einer Ausbildung und da musste ich leider miterleben, dass Leute nicht feedback-geschult waren und sich unter der Gürtellinie gegenseitig Sachen um die Ohren gehauen haben. Das will ich nicht haben, weil das hat niemanden vorangebracht.”

Diese Frage hat mich eingeladen, radikale Kooperation noch mal tiefer zu durchdenken. Wenn im Workshop die Ingenieurin neben der Kindergärtnerin sitzt und nehmen wir noch eine Werbeagentur-Chefin dazu. Die sitzen nebeneinander und haben vollkommen unterschiedliche Blicke auf die Welt.

Und es ist erlaubt, wenn die Kindergärtnerin jetzt der Ingenieurin erklärt, “Du, wenn bei mir so ein Steppke seine Schnürsenkel zubindet, um dieses Problem zu lösen, dann geht der so und so voran. Das ist eine Einladung an die Ingenieurin genau zuzuhören. Weil es einfach so ist, dass manchmal andere unsere blinden Flecken viel besser und viel schneller und viel leichter sehen. So lernen wir voneinander, auch wenn wir völlig verschieden sind.

Es heißt aber gleichzeitig auch, dass ich das immer mit einer Absicht mache.

Ganz klare Absicht: es ist wertschätzend und bringt mein Gegenüber voran.

Das sind bei mir der Inhalt der Mitteilung, der sehr klar sein darf und klar sein soll. Und auf der anderen Seite meine Absicht, in der ich erzähle, was ich wahrgenommen habe und was ich mir wünsche. Das ist für mich ein Thema, das sich immer wieder entwickelt.

[10:56.11] – Andrea Bernard

Hm, absolut. Finde ich so einen wichtigen Punkt, dieses, wann gibt man dem anderen Feedback, nutzt es dem anderen, ist es konstruktiv? Ist es positiv? Wie hilft es dem anderen sozusagen? Also wahrhaft sein oder echt sein oder authentisch sein heißt ja nicht,  dem anderen einfach nur etwas sagen, weil man das jetzt gerade denkt und ihn verletzen. Das bringt überhaupt nichts.

Ich blende auch noch mal kurz ein, was Petra (Sammer) schreibt, finde ich sehr wichtig. “Ich denke echt heißt nicht gleich wahr”. Ich denke auch, dass es da viele Unterschiede gibt. Sehr interessantes Thema zwischen Echtheit und Wahrheit ist ein Unterschied.

Echt heißt auf jeden Fall wahrhaftig.

Wahrhaftig heißt für mich zum Beispiel eben auch, dass das, was ich erzähle, dass die Geschichten, die ich erzähle, dass die mit meinen Werten und mit meinen Wertevorstellungen und mit dem wie ich handle und mit dem, was ich ansonsten mit diesen Menschen im Kontakt bin, übereinstimmt.

Dass es stimmig ist, dass die Menschen sagen, “Ja, in der Geschichte erkenne ich Andrea wieder, so, wie sie auch heute, morgen, gestern und übermorgen gehandelt hat oder handeln wird.

Ähnlich sehe ich das auch bei Case Studies von Unternehmen. Natürlich formen wir die Geschichten. Natürlich haben wir Strukturen für so eine Case Study. Natürlich nehmen wir bestimmte Elemente, um einen roten Faden zu bilden.

Und natürlich ist so eine Case Study oder Kundenerfolgsgeschichte eine Erfolgsgeschichte. Am Ende steht ein Erfolg, aber sie stimmt eben mit den Werten und mit den Grundsätzen dieses Unternehmens überein. Und man merkt, es gibt ein stimmiges Bild. Das finde ich halt, das finde ich sehr wichtig.

Ich sehe, wir kriegen ganz, ganz viele Kommentare….

Ah, “idealisiertes Bild”.

[12:55.97] – Katrin Klemm

Zur Intention zu stehen, das ist für mich auch so, ich geh da raus und ich habe eine Absicht. Ich nutze eine Geschichte. Häufig passiert es mir auch, dass ich Geschichten erzähle und es wieder mal nicht gemerkt habe.

Ich habe ungefähr 25 Jahre gebraucht, um herauszufinden, dass das Storytelling ist, was ich da schon mein ganzes Leben mache. Mag sein, dass es absichtslos war. Aber heute nutze ich sie sehr konsequent und ich sag das auch, weil ich es gerne möchte, dass es meinem Gegenüber leichter fällt.

Katrin, ist das jetzt schon nicht mehr wahrhaftig, weil, so wie Marcus jetzt hier schrieb, nicht nur aus Verkaufszwecken, völlig idealisiert?

Verkaufszwecke ja. Idealisiert, vergiss es. Denn ich glaube, im Kino, sagen wir, was hatten wir vorhin – Rotkäppchen ohne den Wolf, Dornröschen ohne die Spindel, Windows ohne Bugs, Kanzlerduelle ohne technische Pannen – würden wir uns nicht lange angucken, wenn dieses Kribbeln, wenn dieses, wird er es schaffen, wir er es  nicht schaffen, wenn das fehlt, warum sollte ich dann da so lange drin sitzen?

[14:24.09] – Andrea Bernard

Ja, und ich finde, Geschichten müssen auch immer etwas transportieren. Auch um auch noch mal auf Marcus zurückzukommen, dieses nicht nur aus Verkaufszwecken. Also, erzähle Geschichten, die die Menschen bewegen und nicht, die sie in irgendetwas hinein überreden oder tricksen sozusagen.

Eine Geschichte muss einen Wert haben.

Eine Geschichte muss auch in sich immer einen Wert haben, ganz unabhängig davon, was ich jetzt verkaufen will vielleicht. Und auch bei den Case Studies sehe ich das so. Also so eine Case Study, wo jetzt praktisch ein Unternehmen beschreibt, wie seine Lösung bei irgendeinem Kunden ganz konkret funktioniert hat und welche Ziele, Erfolge das gebracht hat, die hat in sich einen Wert.

Die erzählt etwas darüber, wie man so eine Lösung implementieren kann, welche Erfolge man damit erzielen kann, was für dieses Unternehmen wichtig war, wie die sich da geschlagen haben und so weiter und so fort.

Und das ist bei einer Case Study ganz klar, mit einer Case Study möchte ich mein Produkt verkaufen als Anbieter, in dem ich diese Case Study schreibe.

Aber ich möchte auch Visionen bieten. Ich möchte sagen, so könnte diese Lösung oder auch ähnliche Lösungen meinetwegen anbieten oder so könnt ihr Erfolge erzielen oder so arbeiten wir mit unseren Kunden zusammen oder oder oder oder. Und ich finde, diese Geschichten müssen in so einer Geschichte auch rüberkommen, sodass es nicht nur darum geht, etwas zu verkaufen. Absolut.

[15:52.30] – Katrin Klemm

Ja, ich bin schon gleich wieder auch bei der nächsten großartigen Frage, oder vom Statement von Petra: “Radikale Kooperation als Arbeitsprinzip. Was ist die Story dazu?”

Ich sage ja. Das ist ein Begriff, den ich mal gehört habe, den ich sehr interessant und sehr, sehr spannend fand und habe dann bei mir geguckt, wie, was ist eigentlich so in meinen Kundenumfeld los gewesen.

Und ich habe eine Geschichte gefunden, wo ich mir dachte, da hätte ich vielleicht ein bisschen mehr radikale Kooperation gebraucht.

Wie geht radikale Kooperation?

(Was meine LifeStory-Teilnehmerinnen von Radikaler Kooperation halten)

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her – ich habe viele Jahre auch als Change & Transformation Managerin gearbeitet – der Kunde war vom Umfeld her schwierig. Es war IT, ich will jetzt nicht zu viele Details nennen. Und vielleicht hätte ich die Finger davon lassen sollen, aber die wollten mich unbedingt. Ich war empfohlen worden, die haben keinen anderen Berater reingelassen. Ich hätte ein paar Dinge anders und besser machen können. Ich habe immer wieder sehr transparent kommuniziert, was ich sehe, wo man Dinge anders tun sollte.

Auch die bittere Pille ansprechen.

Ich habe in meiner ganzen Transparenz eines vergessen und das ist eine ganz authentische Weigerung (eine Veränderung überhaupt zuzulassen). Ich hätte aufhören sollen. Ich hätte ihnen ganz klar machen sollen, wenn wir diese Bedingungen nicht schaffen können, dann bringt es nichts, wenn ich mich zu Tode arbeite und drei andere Leute sich auch zu Tode arbeiten in diesem Unternehmen.

Und gleichzeitig ist es mir gelungen, bei fünf oder sechs Menschen in diesem Unternehmen ein Feuer anzuzünden, das – Theorie? Keine Ahnung, Hypothese –  wäre ich nicht da gewesen und so vehement dran geblieben, heute, da nicht auf kleiner Flamme des Fortschritts brennen könnte.

Aber was ich jetzt gelernt habe für mich, ich würde einen solchen Auftrag in Zukunft ablehnen. Auch wenn das schön und attraktiv ist. Aber diese Art der radikalen Kooperation, dieses wertschätzende, bis hierher und nicht weiter und das sind die Bedingungen, das ist für mich die Geschichte, meine sehr persönliche Geschichte, dass ich sage, okay, was heißt für mich radikal?

[18:17.46] – Andrea Bernard

Also ja, geht mir bei Case Studies auch so. Es gibt auch Projekte, wo ich sage, da bin ich nicht der richtige Partner dafür. Und mich da auch nicht hinein begebe. Ich hatte auch schon Kunden, …, wo ich auch das Gefühl hatte, ich bin nicht der richtige Partner dafür. Und die Kooperation ist nicht ideal. Und dann gesagt habe, ich denke, wir sollten aufhören. Und dann aber der Kunde kam und sagt, nein, du bist genau die Richtige.

[18:51.58] – Katrin Klemm

Genau das würde mich wirklich interessieren, Andrea. Bekommst du, ich hoffe, ich formuliere es jetzt richtig…

Unmoralische Angebote?

Also, kriegst du manchmal auch unlautere Anfragen, wo jemand sagt, “Mach mir hier ein bisschen Sahne-Soße drüber, wasch mich, aber mach mich nicht nass? Wie gehst du da vor? Wie klärt ihr das?

[19:11.59] – Andrea Bernard

Das ist eben das Schöne an der Case Study, dass ja der Prozess so klar ist. Dass ich mit meinem Kunden, der eine Case Study über seinen Kunden haben möchte, spreche, dann sage, du brauchst auf jeden Fall einen Kunden, der auch bereit ist, für die Case Study zur Verfügung zu stehen.

Der auch bereit ist für ein Interview, also zumindest schriftlich. Aber das habe ich bisher auch nur einmal erlebt, in einem Sonderfall.

Ohne Interview geht das nicht.

Daraus schreiben wir dann die Case Study. Dann natürlich hatte ich auch schon Kundenanfragen, die gesagt haben, ja, das mit dem Interview, das machen wir dann (ohne den Kunden). Wir wissen auch, wie das gelaufen ist. Und wir müssen dann nur noch ein paar Zitate dann aus dem Unternehmen holen. Die sind einverstanden, aber da holen wir dann nur noch ein paar Zitate, die man dann einbauen.

Und man sieht auch ganz viele Case Studies, wenn man im Internet sucht nach Studies. Der Großteil der Case Studies ehrlich gesagt, das sehe ich auf zwei, drei Blicke, dass das wahrscheinlich eine Geschichte ist, die der Anbieter selber geschrieben hat. Dann hat er sich noch ein paar Zitate rein geholt.

[20:08.29] – Katrin Klemm

Plauderst du aus dem Nähkästchen, woran erkenne ich das? Du als Profi erkennst das, würde ich das auch erkennen?

[20:14.68] – Andrea Bernard

Ich glaube, du würdest das auch erkennen, weil du einfach merkst, dass die Zitate nicht zur Geschichte passen. Dass die Geschichte im Prinzip, dass die Zitate auch zu viel zu allgemein sind. Die klingen wie eine Kundenstimme. “Kooperation war super”. Vielleicht steckt auch noch irgendein Erfolg mit drin, aber es erzählt nichts Echtes aus dem Prozess.

Gefakte Stories: Menschen werden nicht gefragt.

Die Zitate, die drin sind, sind nicht konkret aus einem ganz kleinen Detail. Wenn man die gesamte Geschichte liest, merkt man auch, dass die Geschichte geschrieben ist, ohne dass Personen erwähnt werden und wie die dann in der Zusammenarbeit, wie das funktioniert hat.

Die Menschen dahinter fehlen in den Geschichten und die müssen ja auch fehlen, weil sie ja nicht gefragt wurden. Ja, und deswegen bei einer Case Study, ich will auch immer, dass beim Kunden ich mindestens zwei Personen im Interview habe. Ich bin der totale IT-Nerd. Was mich noch viel stärker interessiert, sind die Menschen dahinter, wie die mit der Technologie umgehen, wie die frustriert sind oder wie sie glücklich sind.

Wie ihnen die IT in ihrem täglichen Leben hilft und diese Geschichten will ich in den Case Studies haben. Und die hast du nur, wenn du ein Interview führst und wenn du die anderen Case Studies liest, dann sind die, da sind einfach nur die Fakten aneinandergereiht.

Ja, und wenn dann noch ein, zwei Zitate drin sind, die mit den Fakten, die einfach so herausgelöst sind, dann weißt du eigentlich schon, dass da kein Interview stattgefunden hat. Das zieht die Menschen nicht mit.

[21:50.41] – Katrin Klemm

Auch hier bin ich gerne bereit, eine von meinen Geschichten zu teilen. Es ist ja so ein bisschen, Missgeschicke, Krisen, Rückschläge, die gehören zum Leben wie die Erfolge, wie die Highlights, wie alles andere. Das ist das Leben, das ist Ebbe und Flut, das ist hell und dunkel.

Meine Tanztrainerin sagte immer, wenn ihr im Walzer eine schöne Pose haben wollt, müsst ihr vorher tief ins Knie gehen.  Wir lernen aus Fehlern. Ich sage dann immer, über sieben Brücken musst du gehen.

Zum Beispiel lade ich als Life Story Coach, die Klientinnen immer dazu ein, Termine mit sich selber zu machen, Zeit für sich selbst einzuräumen, zu sich selbst auch mal besonders freundlich zu sein. Bei mir sind das nicht sieben Brücken, bei mir sind das eher siebzig!

Ja, also was ich schon alles ausprobiert habe, um zu sagen, wie bekomme ich es hin? Eine richtig schöne Balance, weil ich ja alle Tools probiere, die ich meinen Kundinnen vorstelle. Ich muss die erst selber ausprobiert haben, sonst kann ich nicht sagen, ob es funktioniert.

Und von diesen gescheiterten Versuchen – ich habe in 14 Tagen wieder eine Veranstaltung mit meiner LifeStory-Community in Hamburg, wo es genau darum geht – erzähle ich wirklich ganz offen, was habe ich ausprobiert, was war daran gut? Wie habe ICH es vermurkst.. Denn eine andere Teilnehmerin könnte ja mit dem gleichen Tool super Erfahrungen machen.

Katrin Klemm Andrea Bernard live - kann Storytelling echtsein

Weg mit der Scheibengardine

Ich bin da nicht mehr hinter der Scheibengardine. Wenn ich mit meiner Geschichte echt  – wenn ich wahrhaftig bin, dann ziehe ich diese Scheibengardine zur Seite. Ich putze mein Fenster, und Menschen, die dann draußen vorbeigehen dürfen mich sehen.

[24:14.30] – Andrea Bernard

Genau, wie Rotkäppchen eben erst durch den Wald muss. Der Wolf muss erst die Großmutter fressen und der Jäger muss erst helfen, damit wir praktisch mit der Story auch mitleben. Natürlich kann man so was jetzt zum Beispiel in so einer Case Study von einem Kunden natürlich nicht in voller Dramatik darstellen.

Was oft dramatisch ist tatsächlich, ist das “Davor”. Also, dass der Kunde, bevor er dann diese Lösung gefunden hat oder dieses Produkt eingesetzt hat, große Probleme hatte, ja. Und lange gesucht hat oder irgendwie eine interne Lösung hatte, wo die Excel-Tabellen und die Zettel rumflogen und das ging irgendwie gar nichts mehr.

Aber während der Zusammenarbeit da dann auch Hürden aufzuzeigen, ist natürlich immer so ein bisschen schwierig. Weil, im Gespräch kommt es durchaus. Aber es dann tatsächlich auch in die Geschichte zu schreiben und dann auch tatsächlich zu sagen, ja, das, wir sind da gemeinsam durchgegangen und wir haben da gut rausgefunden, wie du sagst…

Da finde ich, ist die Rolle eines externen Copywriters besonders wichtig, dann zu sagen, doch, tut es rein, das ist gut. Ihr zeigt ja, wie toll das gelaufen ist und so weiter. Es ist ja auch nichts, wo ihr jetzt irgendwie, was weiß ich, wo wir irgendwie schlecht dasteht oder so.

Die Copywriterin zeigt Licht UND Schatten

Das ist eine meiner wichtigsten Rollen, dafür zu stehen, dass das Hoch und Tief, dass Licht und Schatten mit reinkommt. Natürlich in Maßen, weil, es ist ein Marketingtool, ganz klar Case Studies.

[25:54.49] – Andrea Bernard

Martina schrieb vorhin: “Wie mal jemand gesagt hat, man muss jemandem die Wahrheit nicht wie einen nassen Waschlappen ins Gesicht klatschen.”

[26:10.16] – Katrin Klemm

Schön gesagt. Das nehme ich auch mit. Den nassen Waschlappen und die Scheibengardine sind schon mal zwei meiner Takeaways heute, danke Martina.

[26:17.89] – Andrea Bernard

Ich sehe auf LinkedIn manchmal auch so Geschichten, wo dann so ganz am Ende kommt: Was lernen wir jetzt daraus? Oder was will ich dir damit sagen? Und dann kommt so ganz plakativ.

Lass den Leser selbst entdecken

Oftmals will der Leser das selber entdecken, der will selber irgendwie die Schlussfolgerung daraus ziehen und man muss sie irgendwie andeuten. Aber man muss sie nicht immer schwarz auf weiß hinschreiben, finde ich.

[26:45.16] – Katrin Klemm

Hm, ja, man könnte jetzt als Takeaway sagen, und jetzt tue ich genau das, was du nicht willst. Man könnte jetzt als Takeaway sagen, wann immer das Leben dir in den Hintern tritt, du kannst auf jeden Fall noch eine gute Story daraus machen.

Wie transparent sind wir mit unserer Story

[27:33.18] – Katrin Klemm

Wir sind Menschen. Wir sind noch nicht künstliche Intelligenzen und wir haben Gefühle und wir haben Ängste, was der Mensch halt so hat. Das heißt, warum sind wir manchmal so ein bisschen intransparent? Weil wir befürchten, uns könnte was Schlimmes passieren. Ja, auch da, kleine Übung setz dich hin und schreibt die zehn schlimmsten Dinge auf, die dir passieren könnten.

Die andere Seite ist, wir versuchen ja mit unserer Geschichte etwas zu erreichen, oder? Wir versuchen ja durch Intransparenzen zu verbergen, dass wir auch irgendwo einen kleinen Haken haben. Wir befürchten, dass unsere Hoffnung, dass wenn wir uns nicht so strahlend da draußen darstellen, dass wir dann nicht kriegen, was wir wollen. Aber ich meine Leute, Menschen, die meisten Menschen, sind nicht doof. Man spürt es ja häufig, dass das da etwas nicht stimmt.

Wir spüren, wenn da was nicht stimmt.

[28:37.93] – Andrea Bernard

Ja, absolut. Zumindest nach sehr kurzer Zeit dann. Die Enttäuschung ist umso größer. Und ich habe das jetzt auch gerade in dem Buch von Seth Godin gelesen: “All Marketers Lie, All Marketers Tell Stories”. Also alle Marketing Experten oder Fachleute lügen bzw. erzählen Geschichten.

Er sagt eben, wenn man mit einer guten Geschichte jemanden sozusagen dahin trickst, dass er ein Produkt kauft oder so, was sich dann als falsch herausstellt, also als falsches Versprechen, dann ist die Enttäuschung und das negative Feedback und der Backlash umso stärker.

Das ist die schlimmste Art von Marketing, Leute mit solchen Sachen über den Tisch zu ziehen. Und da aber den, ich sage mal, da den Unterschied zu finden oder da, ne, wie erzähle ich eine Geschichte über ein Produkt, die toll ist und die die Leute mitreißt und die trotzdem mit dem Produkt stimmig ist, ja. In dem Sinne wahr. Das ist, glaube ich, die hohe Kunst.

Zum Beispiel, wenn man jetzt, die häufigste Frage meiner Kunden, wenn Sie eine Case Study über einen Ihrer Kunden schreiben wollen, ist ja: Wie kriege ich meinen Kunden dazu, ja zu sagen? Und da ist ganz oft so, je größer das Unternehmen ist, umso schwieriger ist das. Weil eben die Rechtsabteilung mit dabei ist, die PR-Abteilung und weil eben bestimmt auch solche Fragen eine Rolle spielen. Wie echt können wir sein? Was können wir nach draußen geben?

Das ist wirklich eine gute Frage. Ich glaube aber, dass auch wir, dass auch Freiberufler und kleine Unternehmen sich die gleichen Fragen stellen. Auf jeden Fall.

… eine Nachricht von Petra (Sammer) …,dass Case Studies meist so langweilig sind.

“Ja, suuper langweilig, weil sie meist viel zu langatmig die Lösung anpreisen. Niemand schaut sich einen Film an und guckt 100 Minuten lang Lösung.”

Genau. Das nehme ich mir noch mal ganz stark zu Herzen, Petra, Ja. Das ist natürlich immer ein Spagat, finde ich auch, zwischen mir, meinem Kunden und dem Endkunden, der vorgestellt wird. Wie können wir die Geschichte so machen, dass alle glücklich sind und dass sie spannend ist für den Leser?

Gleichzeitig muss ich auch sagen, manchmal sagen Leute, das ist jetzt super spannend, weil sie genau nach dieser Lösung gesucht haben, weil sie der Leser sind, weil sie der Leser sind, der darüber nachgedacht hat, der dieses Problem hatte, der so eine Lösung gesucht hat und der dann sagt… Und die lesen jedes Wort. Vor allen Dingen die Deutschen habe ich immer das Gefühl. Im Amerikanischen ist es immer eher, da wollen die Leute mehr die Gefühle, “it’s awesome”. Und die Deutschen wollen immer die Zahlen und die Fakten über die Lösung sehen.

[33:20.81] – Andrea Bernard

Ich habe jetzt hier von Marcus: “Die eigenen Grenzen  in klarer Haltung zu den eigenen Stärken in der Beratung kann gerade gut sein, weil es ja immer auch um Vertrauen geht.”

Vertrauen! Das ist so ein wichtiges Wort.

“Gerade in Unternehmen, die sich in einem Problem outen.” Ja, genau. Aber auch Vertrauen aufbauen. Case Studies sind da eines der Tools, um Vertrauen aufzubauen, zu den potenziellen Kunden. Genau.

[33:42.98] – Katrin Klemm

Frage: Bekommst du denn eigentlich mit, wenn du abgeliefert hast, die Case Study. Ist dann bei dir der Prozess zu Ende? Kriegst du noch Infos, wie dann die Adressaten der Case Study auf die Case Study reagieren?

[33:59.45] – Andrea Bernard

Also leider noch zu wenig, wobei ich da auch noch zu wenig hinterher bin. Ich müsste ja eigentlich praktisch auch Case Studies über meine Case Studies sammeln, also meine Kunden immer wieder fragen, was hattet ihr denn für Erfolge damit? Wie viel Kunden habt ihr gewonnen?

Ich habe das mal gemacht und dann auch gehört, dass zum Beispiel eine Kundin von mir – sie ist Marketingberaterin – sie hat dann dank der Case Study, die wir gemacht haben, eine neue Beratungskundin gewonnen, die auch tatsächlich mir auf LinkedIn geschrieben hat: “Ich habe jetzt dank der Case Study, das war so anschaulich, jetzt auch diese Beratung in Anspruch genommen.”

Bei größeren Unternehmen höre ich es selten. Aber ich habe natürlich schon auch viele Kunden, die regelmäßige Kunden sind, die immer wieder Case Studies machen wollen. Und da frage ich dann auch immer wieder nach und die erzählen mir dann auch, “Die Case Study ist super angekommen. Wir haben jetzt andere Kunden dadurch.”

Oder, auch ganz oft, “Wir haben jetzt mit dem Kunden, der in der Case Study gefeatured wurde, noch mehr gemacht, das hat sich noch mehr vertieft. Diese Bindung zwischen uns, und die haben uns jetzt noch für andere Sachen angefragt und wir sind uns sicher, das wäre nicht so gewesen und mit so viel Begeisterung, wenn wir nicht diese Case Study gemeinsam gemacht hätten.”

[35:20.69] – Andrea Bernard

Wie ist das bei dir, wenn deine, wenn deine Kundinnen praktisch ihre Geschichten, ihre Storys finden, ihre Life Story finden? Hörst du dann auch darüber, was sie damit gemacht haben, was ihnen das gebracht hat? Machst du Case Studies über deine Kunden?

[35:38.15] – Katrin Klemm

Das habe ich bisher außer einem sehr persönlichen Interview mit einer Teilnehmerin noch nicht getan. Aber man sieht es ja gerade an dem, was ich jetzt für das letzte Jahr in Portugal gemacht habe. Ich habe mich zum ersten Mal getraut, den Frauen ein Mikro unter die Nase zu halten und gesagt, “Komm, lass mal reden”. Und ich bin sehr, sehr erstaunt, was Teilnehmerinnen auch mitgenommen haben.

Und der zweite Aspekt ist, so eine Life Story hat einen Tag davor, dann geht es ins Prototyping am Ende der Zeit, in der wir zusammen arbeiten gibt es einen Tag, an dem die Prototypen ausgewertet werden. Das sind dann zum Teil schon kleine Case Studies. Wenn ich also als Teilnehmerin festgestellt habe, so wie ich mir das vorgestellt habe mit dem Leben, das funktioniert gar nicht, muss ich noch mal nachschärfen.

Also wir lernen sehr viel durch das Erzählen dieser Geschichten. Außerdem biete ich immer an, ich baue so eine ganz kleine minikleine feine Community auf und wir treffen uns dann noch so viermal im Jahr, um wirklich dran zu bleiben, wie entwickelt sich die Geschichte weiter?

Ich nenne das auch in der letzten großen Einheit so, lass uns ein “Sequel” schreiben. Ich nehme mir dann Rocky zum Vorbild. Kein Mensch hat gedacht, dass es nach dem ersten Film einen zweiten, dritten und so weiter gibt. Damit lade ich wirklich ein, auch über die Grenzen des Jahres hinweg zu schauen und so weiter. Und da bekomme ich sehr klare Rückmeldung. Ist mir wichtig.

Mir ist dieser echte menschliche Kontakt einfach wichtig.

[37:09.96] – Andrea Bernard

Hm, absolut ja. Macht dann ja auch das, wie soll ich sagen, auch wieder das Authentische aus. Dass du wirklich daran interessiert bist, dass du die Empathie hast, dass du wirklich praktisch deine Kundinnen dazu bringen willst, ihre Geschichten zu finden und damit im Leben weiterzukommen.

[37:26.42] – Katrin Klemm

Das ist Transparenz hinsichtlich Produktkommunikation und so. Lass uns die Frage erweitern:

Wie transparent bin ich denn mir selbst gegenüber?

Wie viele blinde Flecke habe ich? Wie echt bin ich mir selbst gegenüber? Ist es echt? Ist es wahrhaftig, wenn ich einfach sage, ich sehe, da wäre was zu bearbeiten? Und ich schiebe weg. Kann genauso echt und wahrhaftig sein, weil es vielleicht zu wehtun würde. Oder ist es wahrhaftig, dass ich sage, oh my god, Pandoras Box? Na dann, Deckel auf und wir schauen mal, was passiert. Genaus das mag ich einfach so an den, ja, an den echten Geschichten.

[38:18.25] – Andrea Bernard

..Katrin, man erzählt über sich selber Geschichten. Hilft es nicht, und das ist ja auch deine Arbeit mit deinen Kundinnen, wenn du jemand hast, der dir die Fragen stellt, der da ist, der dir zuhört, der von außen praktisch dich da anregt. Das hilft doch, oder?

[38:38.89] – Katrin Klemm

Ja, ich bin auch wieder beides. Ich bin ein enorm freundlicher Mensch, und gleichzeitig ich bin ein Mensch, der sehr klar auf den Punkt kommt. Und ja, es hilft. Es hilft, sich nicht zu verstecken.

Es hilft, mutig hinzuschauen.

Auch da wieder, keine Rotkäppchen-Geschichte ohne Wolf. Wo ist mein Wolf? Und warum bringt’s mir jetzt was, den entweder an die Leine zu nehmen oder zu sagen, ja, dann friss doch die Großmutter! Ich befreie sie dann. Ja, natürlich und klar, es macht auch viel mehr Spaß.

[39:12.05] – Andrea Bernard

Ja, wir brauchen die Resonanz. Wir brauchen jemanden, der zuhört und der Resonanz gibt. Zum Beispiel gab es ganz tolle Räume auf Clubhouse,  wo jemand was erzählt hat und dann eine Resonanz kommt von der anderen Seite. Wo man ein Feedback bekommt zu dem, was man gerade gesagt hat. Und dann geht es zur nächsten Geschichte weiter. Das finde ich unglaublich wichtig.

[39:34.58] – Katrin Klemm

Für wen zahlt es sich aus, dich als Case Study Copywriterin zu engagieren und bei wem würdest du sagen, das bringt uns beiden nix?

[39:54.26] – Andrea Bernard

Also ich finde jeder oder jede.  … Also jeder, der Kunden hat und der sagt, ich hätte mindestens einen Kunden, wo ich sage, da gibt es eine Geschichte zu erzählen, der Kunde war glücklich. Ich weiß vielleicht noch nicht, was die Geschichte ist, aber da habe ich wirklich was erreichen können. Da habe ich gesehen, dass meine Dienstleistung, mein Produkt was bringt. Jeder dieser Menschen, finde ich, könnte und sollte solch eine Case Study schreiben.

Und ich komme an der Stelle rein, dass ich sage, ich kann in mehrerlei Hinsicht helfen. Zum Ersten kann ich dem Unternehmen oder dem Freiberufler klar machen, was könnte deine Geschichte sein? Welcher Kunde könnte das sein? Ich gucke von außen auf deine Produkte drauf. Ich stelle die Fragen, die vielleicht auch ein potenzieller Kunde stellen würde. Ich bin nicht betriebsblind.

Und ich helfe dir auch bei der Auswahl des Kunden, den du vorstellen möchtest. Ich habe früher als Journalistin gearbeitet, dann als Unternehmensberaterin in der Marktforschung. Das heißt, ich habe sie in mir jahrelang eben diese Begeisterung, wie man Interviews führt.

Und zwar nicht wie ein Interview, also Frage 1, Frage 2, Frage 3, sondern als Gespräch. Das ist mein Herzblut. Ich kann dafür auch einen Leitfaden entwickeln, den ich daneben liegen habe und wo der andere trotzdem nicht merkt, dass ich da Fragen vor mir liegen habe. Das hilft total.

Es hilft auch sehr, dass ICH die Fragen stelle, dass ich diesen Kunden interviewe, weil es immer schwer ist, dem direkten Anbieter, mit dem man zusammengearbeitet hat, direktes Feedback zu geben.

Selbstlob ist schwierig.

Jetzt zu sagen, oh, das ist so toll mit dir gelaufen. Das ist viel einfacher, wenn ich das einer dritten Person erzählen kann. Aber auch Sachen, die vielleicht schwierig gelaufen sind. Oder zum Beispiel auch die Frage, als du diesen Lösungsanbieter gewählt hast, was waren vielleicht auch deine Zweifel vorher oder solche Sachen auch zu sagen.

Es bleibt alles vertraulich und was in die Geschichte am Ende reinkommt, wird auch gemeinsam entschieden. Du hast das letzte Wort. Du kannst erst mal ganz frei erzählen.

Dann habe ich natürlich auch den Vorteil, dass ich weiß, wie man so eine Geschichte anschließend schreibt. Es kommen ja ganz viele Fakten zusammen. Man könnte wahrscheinlich zehn Geschichten erzählen, aber man muss sich auf eine Geschichte konzentrieren.

Komplexe Lösungen sind immer sehr gut, weil die schwer zu erklären sind oder auch Beratungslösungen, weil auch da schwer von außen zu sehen ist, wie läuft dieser Beratungsprozess? Solche Sachen eignen sich natürlich ganz besonders für eine Case Study.

[43:38.18] – Katrin Klemm

Also das heißt, wenn es schwierig zu erklären ist und ich gleichzeitig aber bereit bin, auch über Zweifel, über Gedanken, die man nicht so auf dem Tablett vor sich herträgt, nachzudenken. Ich denke gerade an einen Film. “Guck mal, wer da spricht.” Ich würde jetzt wieder sagen: ” Scheibengardine weg!”. Und dann machen wir aus dem Film “Guck mal, wer da ist oder guck mal, wer das ist.” Dann wird’s was.

[44:05.78] – Andrea Bernard

Ja, was waren auch die Zweifel vorher vielleicht? Wie man das dann schreibt, ist eine andere Frage, wie man das darstellt. Warum habe ich diesen Anbieter gewählt? Was hat mich dann überzeugt? Denn sonst wäre ich heute nicht hier und würde diese Geschichte erzählen. Wie ist die Zusammenarbeit gelaufen? Wie haben wir gemeinsam Hürden gemeistert und was hat mir das gebracht?

Eine Case-Study ist keine Werbebroschüre.

Das Ganze wird journalistisch geschrieben, nicht werberisch. Es ist keine Werbebroschüre. Auch das ist ein wichtiger Punkt von mir. Ich gebe dann die Case Study meinem Kunden und der tut dann die ganzen Buzzwords wieder rein. “Und über die Lösung müssen wir jetzt hier, da müssen wir die ganzen Features noch mit reinschreiben.” Und ich sag dann: “Nein, das ist keine Werbebroschüre, das ist eine journalistische Geschichte”.

Aber ich sehe, wir sind gerade, Wahnsinn, wir haben schon wieder 45 Minuten gesprochen, Katrin. Der Hammer! Und wir haben noch so viele Kommentare. Ich glaube, wir könnten noch zwei Stunden reden, aber ich merk auch schon, dass meine Stimme langsam versagt.

[45:06.43] – Katrin Klemm

Da müssen wir uns noch mal was Neues ausdenken!

Also das muss ich sagen. Es ist unglaublich, wie inspirierend eure Kommentare sind zum Weitermachen, Nachdenken, zum Antworten, zum neue Fragen spinnen. Ja, ich bin total fasziniert.

[45:48.67] – Andrea Bernard

Ja, stimmt da hat Petra auch recht, “Viele Case Studies werden nur geschrieben, weil der Auftraggeber sich selbst loben will.” Ich finde ja immer besser, wenn der Auftraggeber den Kunden lobt. Der Kunde ist der Held, sage ich immer.

“Storytelling ist immer Inszenierung.” Ja, natürlich. Klar. “Man wählt Bausteine aus.” Natürlich. Ja. Absolut. Ja.

Das ist richtig. Sonst müssen wir Blair Witch gucken, den Film “Blair Witch”. Ich weiß nicht, ob du den kennst, Katrin. Der hat ja ganz stark, einfach mit der Kamera drauf und in den Wald und so. Das war natürlich auch inszeniert, wirkte aber sehr, sehr, sehr spontan.

Katrin, hast du zum Abschluss noch was, was du den Zuschauern mitgeben möchtest, was dir wichtig ist, was du nochmal raushauen möchtest?

[46:50.33] – Katrin Klemm

Ich bleib bei der Scheibengardine. Es lohnt sich. Es lohnt sich, dieses Ding ab und zu mal wegzuziehen. Es ist in Ordnung, wenn man es ab und zu mal da hängen lassen will, weil man nicht in allem gesehen werden will. Es ist nichts falsch und es ist nichts richtig.

Für mich ist Wahrhaftigkeit wirklich ein großes Gut.

Probier’s aus. Auch wenn es mal schiefgehen kann. Wie gesagt, wenn dir das Leben in den Hintern tritt, haste immer noch eine gute Chance, eine Geschichte draus zu machen.

[47:29.85] – Andrea Bernard

Richtig. Ich denke auch immer, echt ist etwas oder wahrhaftig ist etwas, was man nicht erklären kann. Aber man kann es spüren, wenn man es sieht.

Genau, die Scheibengardine, die bleibt jetzt auch für immer in meinem Gedächtnis.

Katrin, ich danke dir. Ich danke euch allen auch, dass ihr da wart. Ich brauch jetzt, glaube ich, eine Kanne Tee und ein Lutschbonbon. Das war super. Vielen, vielen, vielen Dank.

[48:03.04] – Katrin Klemm

Sehr, sehr gern. Es hat mir viel Spaß gemacht. Bis bald.

 

Ein Sommerexperiment – eigentlich zwei

Ich will meinen ersten Roman schreiben. Drei Businessromane gibt es schon. Das heißt, ich weiß, wie Bücherschreiben funktioniert. Und dass es richtig viel Arbeit ist.

Roman schreiben. Kann ich das?

Schiebe ich einen belletristischen Roman – auf den ich schon lange Lust habe –  deshalb seit Jahren vor mir her? Ich finde einfach nicht die Zeit dazu, denn das daily-StoryCoaching-Business macht mir einfach so viel Freude und schenkt mir ständig neue Ideen. Ganz verschiedene Roman-Schreib-Experimente habe ich schon gemacht, um endlich anzufangen. Die halte ich dann drei, maximal vier Wochen durch und schon kommt mir wieder das Leben dazwischen.

Ein Sommerexperiment

Doch jetzt habe ich mir eine Woche Schreibauszeit in der Nähe von Berlin genehmigt, jetzt will ich es wissen. Danach werde ich neu entscheiden. Entscheiden, ob ich für den Rest meines Lebens noch eine ernsthafte Romanschreiberin werde oder nicht. Und was ich tun kann, um wirklich dranzubleiben.

Für die zwei Stunden im Zug von Hamburg nach Berlin habe ich das Buch von Bettina Ramm dabei. Ihr zweites: „Der unsichtbare Riese“ Auch Bettina hat im letzten Jahr ein Sommerexperiment gemacht. Sie hat sich drei Monate Zeit genommen und dieses Buch ist dabei herausgekommen. Es liest sich leicht und flüssig. Bis plötzlich sanft, doch unüberhörbar ein Gong in meinem Verstand angeschlagen wird. „Was man nicht tut, das will man im Grunde überhaupt nicht.“ (frei aus der Erinnerung zitiert) Dieser leise Nachhall des Gongs lässt mich seitdem nicht mehr los. Will ich vielleicht gar keine Romane schreiben?

Der unsichtbare Riese taucht auf

Der unsichtbare Riese, so besagt die Geschichte von Michael Neill, sei immer an unserer Seite und erledige Dinge für uns, wenn wir ihn um Hilfe bitten und dann machen lassen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Doch ich bin neugierig – das will ich ausprobieren.

In meinem einwöchigen Sommer-Schreib-Experiment werde ich beobachten wie es mir mit Bettinas Ideen ergeht. Schon ihr erstes Buch “Das muss doch auch anders gehen” habe ich verschlungen. Und jetzt werde ich testen:

Was wäre, wenn

… ich eine Woche lang aufhöre zu kontrollieren?

Wenn ich statt all dessen was ich tun müsste oder sollte, statt dessen, was mein Verstand durchs Megafon brüllt, einfach das tue, wozu ich in dem Moment gerade Lust habe und alles andere ignoriere? Wenn ich gelassen davon ausgehe, dass dieses dann genau das Richtige für diesen Moment ist? Und der ganze Rest wunderbar funktionieren wird. Also wenn ich schreibe schreibe ich. Wenn mir nicht nach Schreiben ist, dann recherchiere ich vielleicht. Und wenn gar nichts geht, ruhe ich mich aus.

Ob das funktioniert? Oder ob ich sauer auf mich werde, wenn ich nicht schnell genug Ergebnisse sehe?

Was wäre, wenn

… es mir gelingt genau das, was dann passiert, mit allen Sinnen wahrzunehmen?

Zu erleben, zu erfahren, zu spüren? Neugierig zu entdecken, was da direkt vor meiner Nase noch alles stattfindet? Erfahrungen im Außen oder Innen, die ich sonst nicht wahrnehme, weil ich entweder vorbeirenne oder mich abwende, weil ich sie nicht aushalten kann? Oder will?

Was wäre, wenn

… ich aufhöre, mir selbst im Weg zu stehen, und jeglichen Versuch von Grübeln und Nachdenken stoppe, sobald ich mich dabei ertappe?

Autsch, das könnte hart werden, denn ich bin unglaublich brillant im Nachdenken. Das heißt, meist denke ich vor: „Was könnte passieren, welche Situationen muss ich einkalkulieren und was tue ich dann?“ Wenn die Situation dann vorbei ist, ist keine meiner Befürchtungen eingetreten, aber ich habe vorab schon mal mächtig viel Zeit und Energie verbrannt. Wie wäre es, wenn ich mir selbst aus dem Weg gehe?

Was wäre, wenn

… ich mich darauf einlasse, mich verbunden zu fühlen mit dem Leben, mit der Quelle und wach werde für die Momente in denen es „mich schreibt“.

In denen einfach das in die Tasten fließt, was schon lange da ist. Kostbare Augenblicke, in denen ich gar nichts mehr tue, sondern nur geschehen lasse? Boah, das macht mir schon jetzt beim Aufschreiben Gänsehaut. Bin ich bereit und in der Lage, so viel Vertrauen aufzubringen?

Ich mach das jetzt

So, das soll jetzt erstmal reichen für 7 Tage. Mehr Zeit habe ich mir im Moment nicht eingeräumt. Wieso eigentlich nicht? Zack, schon denke ich nach. Stop it, Katrin. Ich werfe mich jetzt einfach in mein Experiment  und werde berichten, wie es ausgegangen ist.

4 Tage später – Boxenstop #1

Tag 1: Ich mache ich erstmal gar nichts, außer mit herzlichen Menschen gute Gespräche führen. Siehe da – jedes Gespräch schenkt mir Ideen für meine Geschichte. Läuft.

Tag 2: Am Morgen bin ich schier erschlagen von der Fülle meiner Möglichkeiten. Wo fange ich bloß an? Ich baue mir eine Struktur auf. Darin bin ich gut. Dann bitte ich den Riesen. Abends habe ich eine klare Vorstellung, wie es weitergeht. Erstaunlich.

Tag 3: Die Erkenntnisse heute sind eher körperlicher Natur

  • Wenn ich zum Schreiben reise – immer die externe Tastatur mitnehmen.
  • Unbedingt von Beginn an regelmäßige Dehnungsübungen in den Schreibprozess einbauen, sonst gibt es eine Muskelkatastrophe.
  • Mach das verflixte Smartphone aus, wenn du ernsthaft schreiben willst.
Katrin Klemm Sommerexperiment Roman schreiben

Einladung zum Frühstück: ein guter Grund genussvoll zu prokrastinieren

Tag 4: Halleluja, aber so was von Riesenerlebnis… Am Vormittag ein super Lauf – komme meiner Protagonistin auf die Spur. Mittags kurzes Tief. Ich gebe ihm nach – Powernap mit einer 10 Hz Meditation von Jason Stephenson. Nach 8 Minuten bin ich wieder topfit.
Plötzlich ein fieses technisches Problem – die Papyrus-Software frisst meine Kapitel. Bin genervt, probiere alles Mögliche. Nix funktioniert. Werde knurrig. Muss ich jetzt nochmal komplett von vorn anfangen? Zukunftspanik. Der Riese ist vergessen. Aber immerhin schaffe ich es zurück ins Hier und Jetzt. Es gibt ein Supportforum bei Papyrus. Ich grase alles ab. Keiner kennt mein Problem. Ich poste meine Anfrage ins Forum, bleibe ruhig und frage konkret.

Teamwork mit dem Unsichtbaren Riesen

Dann entferne ich mich vom Problem. Wunderbarer frischer Salat zu Mittag. Nach dem Espresso ist eine Antwort da. Mit einer Vermutung zur Ursache und der Bitte, die Datei an den Support einzuschicken. Na gut. Noch während ich die Mail an den Support formuliere, kommt mir ein Gedanke. Ich folge dem Impuls, halte kurz die Luft an uuuuund … muss nicht mehr beim Support anfragen, kann jetzt weiterschreiben. Jippieh – lieber Riese, du und ich wir sind ein tolles Team.

Boxenstop #2

Tag 5: Es kommt auf die Abwechslung an. Auch beim Schreiben. Keiner zwingt mich, die ganze Zeit nur eines zu tun. Sicher, wenn der Roman dann erstmal begonnen ist, wird Schreiben die Haupttätigkeit sein. Doch ich erlaube meinen Gedanken, auch mal woanders zu spazieren. Ich plane kreative Pausen ein. Sie gehören dazu. Ich genieße sie und lasse mich überraschen, was daraus wird.

Tag 6: Schon wieder ist es passiert, ich beginne viel später als gedacht mit dem Schreiben. Und es fühlt sich nicht gut an. Verflixtes Social Media. Ab heute höre ich sehr bewusst hin, wenn ich mal wieder „mal eben schnell“ denke. Ich streiche diese Floskel meinem Wortschatz. Dieses „mal schnell“ wird bei mir nie was und klaut mir nur Zeit. Ich schreibe es mir auf und lege es für die nächste Pause bereit.

Fazit: Die Entscheidung ist gefallen

Tag 7: Ja, ich werde dieses Buch schreiben. Es wird für die nächsten Monate (vielleicht Jahre) ein weiteres Projekt sein, so wie andere Storytelling-Projekte und das StoryCoaching für meine Kund*innen. Doch ab sofort gibt es keine Termine am Freitag mehr außer der Verabredung mit mir und meiner Tastatur.

Ich werde testen, ob es sich im Homeoffice mit Unterstützung des unsichtbaren Riesen genauso gut schreibt, wie in meiner Berliner Sommeridylle

Im Gepäck auf der Fahrt zurück nach Hamburg habe ich jetzt:

  • eine gut sortierte Materialsammlung für den Roman
  • die Kapitelstruktur
  • erste Figurenskizzen
  • Fitness in meinem Profi-Schreibprogramm

Was danach geschah

Seit zwei Tagen bin ich zurück in Hamburg. Die Bahnfahrt habe ich genutzt, um im Unsichtbaren Riesen bis Seite 175 zu lesen. Entdecke, dass es für Bettina Phasen heftigen Zweifels am Riesen gab.

Bin also vorgewarnt, als an meinem heimischen Schreibtisch erstmal gar nichts mehr geht. Nervige Post von Ämtern. Termine, die durcheinanderpurzeln, Verpflichtungen auf die ich keine Lust habe. Das fühlt sich gleich wieder zu viel an, um so entspannt am Roman weiterarbeiten zu können, wie ich es eine Woche lange genossen habe. Fast will ich mich dem freien Fall hingeben „das darf doch jetzt alles nicht wahr sein.“

Doch, ist es aber. Und es liegt NUR an mir, ob ich ein Drama draus mache oder nicht. Blitzschnell höre ich auf zu grübeln und erledige die Dinge dann, wenn sie dran sind. Nicht früher! Außerdem erlaube ich mir zu beobachten, ob sich manches vielleicht von allein erledigt. Und ich bleibe mit allen Sinnen wach dafür, wie es mir damit geht.

Überlebt der Riese in meinem Alltag?
Falsche Frage!

Ich entscheide mich, ihm einen Platz in meinem Leben einräumen. Ich meine, er ist ja eh da. Also geht es nicht ums “Ob”, sondern um das “Wie”. Deshalb werde ich mich häufiger mit ihm unterhalten.

Dann und wann werde ich mir wieder einwöchige Schreibauszeiten nehmen – liebe Freund*innen, wenn ihr im Urlaub seid und ich eure Wohnung einhüten soll, herzlich gern.

Falls du neugierig auf Bettinas Buch geworden bist: hier kannst du es kaufen. Wenn du Bettina erst besser kennenlernen willst, schau dir gern unser Gespräch an.

Wenn du auch ein Sommerexperiment machst, schreib mir gleich unten in die Kommentare. Ich bin schon mega gespannt.

Diesen Beitrag habe ich eingereicht bei der Blogparade von Cordula Natusch

Outtakes 2020

Blick hinter den Kulissen einer StoryCoach. Oder die Frage: Mit welcher Story hast du dich in diesem Jahr selbst überrascht?

Der StoryLetter – neu, persönlich, regelmäßig

Fragst du dich auch, wo dieses Jahr geblieben ist? Was das ist, das seit Jahresbeginn über uns hinweg und durch jede von uns hindurchfegt? Und das uns mit Sicherheit auch noch eine Weile begleiten wird? Keine Sorge – das wird kein weiteres Big-C-Lamento. Denn es ist, wie es ist.

Wir leben in herausfordernden Zeiten.

Ich persönlich durfte in diesem Jahr extrem viel lernen und habe in den letzten Tagen eine Entscheidung getroffen.

Ab sofort schreibe ich wieder regelmäßig meinen StoryLetter. Doch er wird keiner dieser Newsletter sein, die ununterbrochen kostenlosen Content, Content, Content liefern, mit dem du dein Business zum Fliegen bringst, schlank und schön im Schlaf wirst, dein ganzes Leben optimierst, kurz – über Nacht ein ganz anderer und viel besserer Mensch werden kannst.

katrin klemm storycoach du bist richtig wie du bist

Genau so wie du bist, bist du richtig.

Aber was wird der StoryLetter denn dann? Wofür soll es sich lohnen, ihn überhaupt zu öffnen und sich dann noch die Zeit zum Lesen zu nehmen? In einer Zeit, in der sich unsere Aufmerksamkeit spätestens nach 50 Zeilen verkrümelt und die meisten lieber sowieso ein Video gucken als lesen wollen.

Es wird ein ganz persönlicher Newsletter, so als bekämst du von mir einen guten alten handgeschriebenen Brief. Natürlich wird es immer um Stories gehen – du weißt, die sind mein Motor und eine meiner großen Lieben.

  1. Ich gebe dir Einblicke hinter die Kulissen meiner Arbeit als StoryCoach und StoryTelling-Trainerin; Gedanken und Ereignisse teilen, die mich inspirieren.
  2. Natürlich werde ich Arbeitsweisen und Tools vorstellen, mit denen sich Stories besonders gut entdecken, entwickeln und nutzen lassen.
  3. Ich will dich inspirieren und herausfordern, dein Leben immer wieder durch eine neue überraschende Brille zu sehen. Damit es sich so entwickeln kann, wie du es dir wünschst.
  4. Du sollst von den vielen Ideen, die ich in diesem Story-Jahr dazu umgesetzt habe, natürlich profitieren. Hier gibts ein paar davon.
  5. Und wie ich von meinen Klientinnen nie Dinge verlange, die ich nicht selbst ausprobiert habe, lasse ich dich ehrlich und ungeschminkt auch an meinen Flops teilhaben. Kennst du schon die Fortsetzung meiner Heldinnen-Story die inzwischen schon 5 Monate ohne happy end an meinen Nerven zerrt?

Mir liegt am Herzen, über Dinge zu schreiben, die dich zu den Stories deines Lebens interessieren und weiterbringen. Deshalb lade ich dich ein: Erzähl mir von deinen Wünschen und stelle mir Fragen, die du gern beantwortet haben möchtest.

Abonnieren kannst du den StoryLetter gleich rechts im Kasten.

Ich freu  mich drauf, für dich zu schreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

September- Zwischenbilanz 2020

Mein unglaubliches Storyjahr

Unser Jahr ist jetzt 9 Monate alt. Perfektes Alter für ein Baby, um zur Welt zu kommen. Dass die menschlichen Natur das auch nach Jahrtausenden so hält, schafft eine gewisse beruhigende Konstante in unserem Leben, oder?

Blicke ich auf mein Jahr zurück, dann habe ich den Stall schon jetzt voller 2020er-Kinder fröhlich, frühreif und irgendwie unglaublich. Vieles von dem, was heute zu meinem Alltag gehört, hätte ich mir im Januar nicht in meinen kühnsten Träumen ausgemalt. Geht’s dir auch so?

Im Januar startete mein persönlicher Prototyp: “Wie lässt es sich in vier Wochen Workation im Ausland Schreiben und Genießen?” Meine Top-Erkenntnisse:

  • Am besten geht’s, wenn es lecker ist. Dafür ist Thailand das perfekte Land.
  • Ich werde nie wieder über Menschen lästern, die ihr Essen in Social Media posten.
  • Ich brauche Struktur, um zu schreiben: Zeiten, Orte, konkrete Ziele. Schau an, wie treu mir meine alten Projektmanager-Muster immer noch sind.
  • Mit weniger Planung entstehen die besseren Stories und das wie von selbst. Aha, wir arbeiten dann mal weiter am Loslassen, Katrin.
  • Wie Nr. 3 und Nr. 4 gemeinsam funktionieren sollen? Ich habe noch keinen blassen Schimmer. Das wird der Prototyp 2021 zeigen (allerdings eher in Mecklenburg-Vorpommern als in Thailand).

Zurück aus Asien, bereits mit der Maske im Flieger dann mit Kopfsprung in die Online-Welt.

katrin klemm storytelling auch mit maske

Himmel, welche Tools teste ich alles, um meinen Klienten und Teams ein so persönliches und intensives Arbeiten zu ermöglichen, wie sie es von mir gewohnt sind. Ok, es bleiben immer zwei Scheiben und ein Mikro dazwischen, doch es funktioniert großartig, und – ich fürchte mich nie wieder vor einem neuen Tool. Alle kochen nur mit (digitalem) Wasser.

Dann geht es im Raketentempo weiter

  • April Start der ersten Online-Interviews, Stephanie Selmer lädt mich in ihren Podcast ein – Storytelling im Change Management
  • April Das letzte Buch der Bella4Business Reihe ist schon Ende 2019 erschienen, doch echte Lesung mit Publikum ist nicht drin. Also lese ich online – auch um Mut zu machen, die es heftig aus der Spur geworfen hat: Mentaler Reboot mit dem New Deal
  • Juni – ich starte meinen allererstes exklusives Webinar “Großes Kino für dein Business” – die Teilnehmerinnen bekommen viel mehr als sie erwartet hatten und ich bin happy, dass wir trotz technischer Anlaufschwierigkeiten nicht nur eine großartige Zeit miteinander haben, sondern auch über die unglaublichen Business-Stories, die die Frauen am Ende entwickeln.
  • Juli Sicherheit und Finanzen sind ein großes Thema in diesen Zeiten, ich teste Finanzgeschichten vom Buffet Welche Stories erzählen wir Frauen uns selbst über unseren Umgang mit Geld? Welche davon bringen uns voran und welche in Stress? An diesem Abend kommt alles auf den Tisch. Entspannt und lecker.
  • Juli – mit zitternden Nerven und weichen Knien stehe ich vor der Kamera für die Digitale Karrieremesse der Sticks and Stones mit “Zeig dich und deine Story. Für eine authentische Karriere”. Ich interagiere mit 187 Teilnehmer*innen, die ich nicht sehen kann. Ein Abenteuer der dritten Art. Doch der Vortrag bekommt die zweihöchsten Einschaltquoten der ganzen Messe.
  • Im August schufte ich gefühlt Tag und Nacht. Mehr als einmal will ich aufgeben. Doch es klappt. Nur wenige Stunden vor Abgabeschluss (nostalgische Erinnerung an die Diplomarbeiten) wird er fertig und jetzt gibt es ihn zu kaufen – egal ob ich da bin oder nicht – mit einem Klick – meinen allerersten selbstproduzierten Online-Kurs in einem echten Online-Shop “Geschichten für dein Business gibts wie Sand am Meer“. Schon über 120 Menschen arbeiten jetzt mit Hilfe meiner Videos daran, lieber ihre authentischen Geschichten zu finden, statt im Netz nur bei anderen abzugucken.
  • September Mit Abstand und Lüften darf jetzt auch der StoryTeller wieder stattfinden, das Thema “Krise als produktiver Zustand” – eine ganz neue Vernetzung entsteht.
  • Die Teilnehmer*innen der dritten Runde von Design your LifeStory haben unglaubliche Improvisationen meistern müssen und sind mit beeindruckenden Lebensentwürfen im Sommer in ihr Prototyping gegangen. Inzwischen läuft seit September die vierte Runde – endlich wieder ganz echt und live mit drei phantastischen Teilnehmerinnen.
  • Für Oktober/ November habe ich noch eine Überraschung in der Pipeline. So viele haben mich schon gefragt, wann es endlich losgeht. Auch das wird wieder ein fröhlicher Selbstversuch.

Während ich – fast ein bisschen atemlos – all das runterschreibe, was in diesem Jahr bereits rund um das Thema STORY entstanden ist, dann spüre ich in mir eine tiefe Ruhe, Sicherheit und Lebensfreude, die Raum finden dürfen, weil ich 2020 wirklich angekommen bin in meinem Leidenschaftsthema.

Wie ist es dir in diesem Jahr bis jetzt ergangen?

Welche Geschichten hast du erlebt? Welche Hindernisse überwunden?

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Heldenstory – ganz alltäglich

Eine Heldenstory erleben immer nur die anderen!?

Vergiss es! Du steckst täglich in deiner mittendrin!

Das glaubst du nicht? Dann überspring meine und lies gleich Hier weiter

Jetzt als Fortsetzungsroman

Update vom 11. September  – die besten Stories haben Fortsetzungen, oder? Aktuelle Staffel: wird es der Heldin gelingen ihre Nerven zu behalten…?  Hier weiter

Das ist meine Heldenstory vom 5. Mai 2020.

Gestern Abend im Video-Call war das schon komisch mit meinem HP-Laptop. Der Netzstecker steckt, doch die Ladestandsanzeige in der Symbolleiste sinkt von Minute zu Minute. Wie kann das sein? Bei 20 % brechen wir unseren Call ab. Ich muss dringend rausfinden, was hier los ist. In Zeiten von Corona und Onlinearbeit bin ich drauf angewiesen, dass das Gerät reibungslos funktioniert. Hat die Steckerleiste einen Kurzschluss? Probiere andere Steckdosen. Alle in Ordnung. Gerät lädt nicht. Ist der Anschlusspin verdreckt? Sauber! Rechner runter- und wieder hochfahren. Nichts ändert sich. Außer dem Ladestand, der sinkt. Und siiinkt. Und siiiiinkt. Die 1. Hilfe-Anleitung sagt: Akku ausbauen! Mein Laptop hat keinen Akku, den ich ausbauen kann… Kurz vor Mitternacht geb ich auf. Ladestand 12 %. Lass das Gerät an der Steckdose. Wird schon gut gehen.

Doch mein Gefühl funkt mir das Gegenteil.

Meine letzte Datensicherung ist eine Woche alt. Ich war sehr fleißig diese Woche…(habe allerdings keine Datensicherung in irgendeiner Cloud, keine Synchronisation der Daten auf dem Smartphone). Mein Moralometer unkt auch…

 

Heldenstory mit Ansage

Letzter Blick zum Schreibtisch – die Mini-LED neben der Ladebuchse: ein gespenstisch rotes Glimmen. Winzig wie meine Hoffnung. Das wird eine unruhige Nacht.

Morgens, noch im Bett, entwerfe ich meinen Masterplan: welche Daten müssen unbedingt gesichert (Steuern, Podcast- und Video-Input, Trainingsunterlagen für meine LifeStory diese Woche), welche Termine oder Kontaktdaten notiert werden? Und wo sind die Garantieunterlagen des Laptops? Er ist erst 5 Monate alt.

Um 8 Uhr blinzelt mir die rote LED entgegen. Kein Wunder ist über Nacht geschehen. Ladestand noch immer 12 %. Mir wird ganz anders. In Zeiten von Homeoffice mit geplanten Calls, Weiterbildung, Onlinematerial das erstellt werden will – das gibt ne Katastrophe… Meine innere Selbstzerfleischungskrähe krächzt: „Ja hättest du mal ne Datensicherung gemacht, hättest du…, hättest du…“. Der Katastrophenminister in meinem Kopf lamentiert volles Rohr: „Du wirst deine Kunden enttäuschen, wirst die Woche vergeuden, den Auftrag verlieren…“, jaulend rauft er sich die Haare. Ich atme tief durch.

Atmen hilft immer gegen Panikattacken.

Notfallplan anschmeißen. Ich fahre den Rechner hoch, sichere das allerallerwichtigste, kontaktiere den HP-Support-Avatar. Der kennt mein Gerät nicht, aber ich darf online ein Ticket einstellen. Meine Gedanken rasen, füttern den Katastrophenminister: „Arbeitsausfall für Wochen, in der Krise kein neuer Laptop zu bekommen, was soll bloß werden…“ Das Telefon klingelt – Journalistenanfrage für ein Interview zur Gewaltfreien Kommunikation im Business für die OWUp? Ich simse zurück „Ne, heute bestimmt nicht, habe gerade wenig gewaltfreie Gedanken: Scheiß-Laptop“. Kurze Nachricht an eine Businesskollegin mit der ich in zwei Tagen zum Call verabredet bin: “Wird knapp werden, hier gerade Ausnahmezustand”. Sie bedauert mich ein bisschen, zeigt ganz viel Mitgefühl. Wow – das tut gut.

„Reiß dich zusammen!“

Diese Stimme in meinem Kopf kenne ich doch: „Hallo liebe Oma!“ Ihre Ansagen waren früher selten nett, doch geholfen haben sie immer. Ich rufe den HP-Support an. Nach 3 Minuten hab ich einen echten Menschen dran. Hurra. Er gibt mir das Gefühl, mir wirklich helfen zu wollen. Viel wert in diesen Zeiten. Wir testen das Gerät, das mit 5 % auf dem letzten Loch pfeift. Ergebnis der Diagnose: Akku und Netzteil völlig ok. In exakt diesem Moment verglimmt das letzte Leuchten des Bildschirms. Alles schwarz, auch kein LadeLED-Licht mehr. Nicht mal ein Fünkchen Rot.

Seine Lösung „Ich schicke ein neues Netzladekabel los, das ist dann in 5 Tagen bei ihnen“ ist für mich keine Lösung. Denn meine Intuition sagt mir, dass das nicht die Ursache ist. Sollte die sich in der nächsten Woche bestätigen, darf ich wieder anrufen, HP holt den Laptop ab und schickt ihn nach Indien. „Das kann dann nochmal 3 Wochen dauern.“ Der junge Mann am Supporttelefon leidet mit mir, doch er muss sich an die Vorschriften halten. Mehr als einen Monat ohne Laptop? Meine ungesicherten Daten fliegen dann einmal um die Welt und sind nach der Reparatur vermutlich futsch. Vier Wochen ohne Rechner. In Online-Only-Zeiten.

Inzwischen laufen mir die Tränen.

„Hättest du nur“, schnarrt die Krähe. „Halt den Schnabel“, fauche ich zurück. Sie schüttelt sich, behält meine Panik mit ihren blanken Äuglein im Blick. „Muss ich halt einen neuen Rechner kaufen.“ Höhnisches Krächzen „Issss klar, bei der Marktlage.“ „Die Lager sind leer“, das hatte auch der HP-Mann gesagt. Atmen, Katrin! Weiterdenken!

Positive Erfahrungen abrufen!

Stimmt, die PC Feuerwehr 112 – die haben mir schon einmal schnell und konkret geholfen. Ich rufe an. Ja – es ist ein Mitarbeiter in der Nähe. Oh my god – hallelujah. Herr Koch kommt nach einer Stunde, öffnet den Laptop, legt die Eingeweide bloß, nimmt den Akku raus, schließt das Ladekabel an. Läuft. Also – läuft jetzt. Im Moment. Das könnte sich wieder ändern. Vermutlich ist das Betriebssystem Matsch. Die Hardware ist ok, doch Windows kann nicht erkennen, dass der Akku voll ist.

So als wäre nach einem üppigen Essen dein Magen übervoll. Doch bekommt dein Gehirn nicht mit, dass genügend Brennstoff für Bewegung da ist, verweigern deine Muskeln den Dienst und du kannst nicht mehr vom Tisch aufstehen.

Nein – also es liegt nicht am Kabel. Das Zuschicken des neuen Kabels wird gar nichts bringen. Während Herr Koch schraubt, reden wir kurz über die Globalisierung der Produktion – ja, nach Indien schicken ist billiger als unser Geld in Deutschland zu investieren. Wir haben uns an so viele Dinge gewöhnt. Doch er könnte mir helfen, rasch und unkompliziert – in zwei Stunden das Betriebssystem neu aufsetzen. Doch das wird HP nicht bezahlen. Ihnen ist es vermutlich egal, dass ich vier Wochen nicht arbeiten kann. Ich rufe den HP-Support zurück „Sie brauchen kein Kabel schicken!“ Die junge Frau kann das nur ins System eintragen. Ob HP die Rechnung übernehmen würde, kann sie nicht beantworten, verspricht Rückruf des Kollegen (der ist nach 7 Stunden noch immer nicht erfolgt).

Fortsetzung folgt …

Atmen. Adlerperspektive.

Ich erkenne, was hier mit mir passiert – Angst, Trauer, Ärger – Emotionen haben mich überflutet. Doch ich bin ausgestiegen, kann wieder klar denken. Ich bin ruhig und gelassen, habe einen Plan für die nächsten Schritte. Wie das geht, hab ich im NEW DEAL beschrieben. Hier lese ich dir das Kapitel zum Mentalen Re-Boot vor.

Ich bin StoryCoach. Ich erkenne die Muster.

Du auch? Es ist immer wieder die gleiche Geschichte: ein Mensch wird in seinem alltäglichen Leben von einer Herausforderung kalt erwischt (in C-Zeiten vier Wochen ohne Laptop). Er muss sich stellen, die Reise beginnt. Er begegnet Widersachern, die ihn piesacken und überzeugen wollen, dass er sein Ziel niemals erreicht (hallo Krähe, hallo Katastrophenminister). Er trifft auf Verbündete, die alles tun, um ihm aus der Krise herauszuhelfen. Ob lebendig (Danke Martina Bloch, danke Herr Koch) oder in anderen Welten unterwegs (danke liebe Oma), oder innere Stärken (ich hab als Coach all meine Tools selbst ausprobiert und weiß, wie ein mentaler Reboot funktioniert). Der Kampf wird gekämpft, wird bestanden und die Erkenntnis als Geschichte an andere weitergetragen.

Das war meine Heldenreise, ganz ohne Schwert oder magisches Cape.

Die Heldenstory – ein ganz normales Geschehen.

Doch das sind sie, unsere Stories.

Du glaubst noch immer, eine Heldenstory ist nur was fürs Kino? Nur was fürs Fernsehen oder Bücher? Nur was für die anderen?

Wach auf! Du steckst mitten drin.

Du selbst. Jeden einzelnen Tag.

Schau zurück auf deinen Tag heute. Dann geh Schritt für Schritt durch das universelle Muster.

  • Wie bist du heute in deinen Tag gestartet? Wo war das? Wann? Und wer war dabei?
    Schreib es auf…
  • Wann gab es einen Moment in dem du dachtest: „Oh nein, das kann nicht wahr sein“? oder „Muss ich jetzt wirklich…?“ Der Augenblick in dem du in ein schwarzes Loch gefallen oder in eine (mentale) Matschpfütze gestolpert bist? Wann ist dir heute etwas passiert, mit dem du nicht gerechnet hast? Was fühlte sich wie Krise an? Oder schon wie der Vorhof zur Hölle?
    Schreib es auf…
  • Was hast du daraus gemacht? Und wer oder was hat dir dabei geholfen? Ein Mensch von außen, der Unterstützung angeboten hat? Ein vertrautes Tier – Hund, Katze, Pferd-  das dich mit seinem intensiven Blick angeschaut hat als könne es nicht glauben, dass du nur so tatenlos herumsitzen willst? Eine verborgene Stärke, die du in dir trägst, und dich doch jedes Mal von Neuem daran erinnern musst, sie zu nutzen, um dich aus einer kniffligen Situation zu befreien oder ein klein bisschen die Welt zu retten? Für dich oder die, die dir am Herzen liegen?
    Schreib es auf…
  • Und wie ist es ausgegangen? Wenn du jetzt darauf zurückblickst: Was hast du erfahren, was hast du gelernt? Das kann dich stolz machen. Oder auch ein kleines traurigen Bedauern zurücklassen, falls es schief gegangen ist. Und ein “Ok, beim nächsten Mal mach ich es anders.“
    Schreib es auf…
  • Und wenn du jetzt deine Geschichte vom heutigen Tag erzählen würdest – deinen Kindern vor dem Schlafengehen, der besten Freundin am Telefon, dem Kumpel in der Kneipe (oder beim virtuellen Bierchen) – wie klingt sie, deine Geschichte der Alltagsheld*in, die/der du bist?

Ich bin eine leidenschaftliche Sammlerin von Heldenstories des Alltags. Schreib mir gern deine. Ich freu mich drauf..

 

Dienstag, 5. Mai 2020/ 19:57 Uhr – aktueller Akkuladestand: 100 %

Donnerstag, 7. Mai / 9:30 Uhr – Update für alle, die mitgefiebert haben: Rückruf von HP am Mittwoch 10 Uhr – der Laptop muss nicht nach Indien. Aktueller Akkuladestand: 83 %

DIE ZWEITE STAFFEL

humor katrin klemm storytelling

 

Mittwoch, 29. Juli / 10 Uhr – exakt das gleiche Problem: kein Akku, kein Strom, Rechner tot. Exakt die gleiche Regelkonformität von HP, die mich keinen Schritt weiter kommen lässt. Geduldig teste ich alles durch, was mir der Supporter am Telefon anweist. Wieso ist mir das Ergebnis schon vorher klar? Kennst du auch manchen Film schon so gut, dass du die Dialoge oder einzelne Schlüsselsätze mitsprechen kannst? Weil du ganz genau weißt was kommt?

Wenn du meine Heldenstory vom Mai oben gelesen hast, errätst du, wie es weitergeht ….. Trommelwirbel…. Jaaaaa: “Schicken sie das Gerät ein für 3 Wochen”. Diesmal hab ich gottseidank eine Datensicherung, hätte aber wieder keinen Laptop für Wochen. Erneut Herr Koch, der mir aus der Patsche hilft. Diesmal muss der ausgebaute Akku aber draußen bleiben, sonst bleibt das Gerät tot. Und so läuft der Laptop, der ja eigentlich für mobiles Arbeiten vorgesehen ist (nicht sarkastisch werden, liebe Heldin) ab jetzt nur noch an der Steckdose. Aber er läuft. Und ich komme an der bitteren Wahrheit nicht vorbei, dass ich in ein neues Gerät investieren muss.

Enttäuschung ist nur das Ende der Täuschung

Ende August telefoniere ich mit dem Beschwerdemanagement von HP und lerne, dass ich mir ein vernünftiges Gerät hätte kaufen müssen, wenn ich es ernsthaft als Businessgerät nutzen will. Auch eine spannende Aussage für mich als Freiberuflerin, die seit mehr als einem Jahrzehnt auf HP vertraut hat. Nun gut, eine Enttäuschung ist halt das Ende einer Täuschung. Ich bin als Einzelunternehmerin gar kein Zielobjekt für HP.

Montag, 31. August/ Herr Koch richtet den neuen Laptop ein. Er läuft. Sogar im Akku-Betrieb. Aufatmen.

Donnerstag, 10. September/ Anruf bei HP: “Ich würde das Gerät jetzt gern einschicken.” Der sehr freundliche HP-Supporter beginnt das Regelwerk der Tests abzuspulen. Ich: “Wir können den Akku nicht testen, der Akku ist nicht mehr drin.” Er: “Bitte testen sie trotzdem.” Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll… Das Ergebnis “Sie können das Gerät nur zur Reparatur einschicken, wenn der Akku drin ist.” (hatte ich bereits erwähnt, dass es sich bei dem HP Pavillion um ein Gerät handelt, bei dem nur ein Fachmann den Akku ausbauen kann?)

Freitag, 11. September / Das Beschwerdemanagement bittet mich per Mail, den Sachverhalt zu schildern… Ich bleibe gaaanz ruhig, ich schreibe ja gern…

 

 

Wut, Angst, Ärger? So kommst du mit deinen Emotionen klar

Corona und -gefühlt- kein Ende

In diesen Frühjahrstagen begegne ich Menschen, die die Chancen dieser Corona-Episode erkennen, die die Welt derzeit in Atem hält. Auch wenn sie leider große Opfer fordert.

Doch ich begegne auch vielen, die die Herausforderung zu überwältigen droht, die unsere Leben gerade aus der gewohnten Bahn wirft. Wir sind es nicht gewohnt, uns mit Angst, Trauer oder Wut auseinander zu setzen. Im Normalzustand sind wir geübt darin, diese Gefühle leichter zu verdrängen.

Geht es Dir auch so? Wenn auch nur manchmal? So hier und da, wenn Du ganz für Dich bist? Da hab ich hier ein paar Ideen für Dich.

Ideen für den mentalen Re-Boot.

In einem Kapitel meines 3. Buches “Der Tag des doppelten Neustarts” erfährst Du, wie Du Dich aus eigener Kraft aus einem Tief befreien kannst.
Du musst zunächst mal gar nichts tun. Lehn Dich zurück. Ich lese Dir vor.

Neugierig geworden? Hier findest Du mehr zum Selbstcoaching mit Business-Stories.

Du willst es nicht allein anpacken? Dann schreib mir, wie ich Dich unterstützen kann. Das geht auch online ganz wunderbar.

Komfortzone? Wie du ihre Grenzen sprengst.

Der Sommer 2013 war die richtige Zeit für ein Abenteuer. Ich hatte Lust die Grenzen der einen oder anderen Komfortzone zu sprengen… Heute zaubert mir diese alte Story ein Grinsen ins Gesicht.

Ich hatte es getan. Hatte es riskiert. Und muss sagen, es war nicht der leichteste Tag in meinem Leben. Doch hinterher war ich stolz drauf wie Bolle. Endlich war meine höchstpersönliche Komfortzonengrenze gesprengt. Ob es sich gelohnt hat? Tja …

Wie gut kennst du deine Komfortzone?

Ja genau – diese mentale Kuschelecke, in der wir uns wohl und behütet fühlen. In deren gepolsterten Grenzen wir uns behaglich eingerichtet haben, wie in einer gut belüfteten, blumenmustertapezierten Gummizelle mit Roomservice. It’s safe babe.

Nein – kein Wort gegen Komfortzonen. Sie besitzen vorbehaltlose Berechtigung für jede von uns, der ihre Sicherheit lieb und teuer ist. Sie beschützen uns vor der Gefahr, unsanft zu landen, falls wir plötzlich Lust auf‘s Gleitschirmfliegen bekommen. Sie bewahren vor potentiellem Spott der Welt, beim Drang ad hoc eine flammende Rede zum Schutz der Pandas auf dem Rathausmarkt loszulassen. Auch frustrierenden Anfällen von Selbstmitleid, a la „Siehste, hab’s doch gleich gewusst, der Chefposten ist einfach eine Nummer zu groß für dich“, verwehren Komfortzonengrenzen den Zutritt. Sie bilden unser zuverlässiges Bollwerk gegen all die niederträchtigen Reaktionen, die uns drohen, sobald wir uns ungefragt auch nur einen Zentimeter zu weit aus dem Fenster lehnen.

Doch leider haben Komfortzonengrenzen Löcher…

Vielleicht nur so zart wie die hauchfeinen Poren einer Vierzehnjährigen, aber immerhin.

Bei mir war es der verlockende Duft von Car2go, der hier durchsickerte. Monate vorher hatte ich das eigene Auto abgeschafft und war seither ganz begeistert von der flexiblen Art, mich durch die Stadt zu bewegen. Die flotten Flitzer gab’s im Zugriff (fast) immer und überall in der City. Nur einen Nachteil hatte das Ganze: ich war gezwungen, immer vom Schreibtisch meines Homeoffice zu ordern. Mein freundliches zuverlässiges Moby konnte keine Apps. Und beim Zugriff übers Internet brach ich mir regelmäßig die Augen. Andere zückten nach coolen Events, Theater oder Workshops einfach ihr Smarty und schon kamen sie unkompliziert, bequem und günstig nach Hause.

Mein Selbstbild stand felsenfest – moderne, technisch ausreichend begabte Frau von heute mit großer Neugier auf coole Tools. Doch den Umstieg vom Mobil- auf das Smartphone schob ich seit Monaten vor mir her. Denn es funktionierte doch noch hervorragend. Ich konnte alles damit tun, was ich brauchte – reden, schreiben, zuhören, fotografieren (na gut, die Qualität war nicht mehr so der Hit)

Wann bist du zuletzt deinem Komfortzonengrenzen-Spreng-Meisterlein begegnet?

Du kennst sie auch, diese fiesen winzigen Sensoren, die seismografisch registrieren, dass wir irgendwie feststecken. Zwar sind wir noch nicht bereit, den nächsten Schritt zu gehen, aber irgendwie auch nicht mehr rundum happy. Es könnte sich um dein persönliches Komfortzonen-Sprengmeisterlein handeln, wenn

  • du schnell genervt, rasch gelangweilt oder nie zufrieden bist
  • deine Gedanken ständig um ein „man müsste mal“ kreisen
  • das „was wäre wenn“ immer häufiger als Gast am Frühstücktisch hockt
  • du dich häufiger bei scheelen Blicken auf all jene erwischst, bei denen Dinge einfach smarter funktionieren

Natürlich ist was dran am Sprichwort „Better the devil you know“, alternativ: das Mobiltelefon, das dir vertraut ist. Hat ja keine Eile mit der Veränderung. Nur hat die kuschelige Komfortzone leider zwei klitzekleine Nebenwirkungen:

  1. Die akute Gefahr, geistig zu verfetten – dann wird es irgendwann nur noch langweilig.
  2. Das Risiko, dass das Leben selbst einem in den Hintern tritt und man dann nicht mehr wählen kann.

Mich hat Nummer Zwei erwischt. Mein treues Moby trat in den Display Streik. Zunächst kein Problem – die Jahre im Projektmanagement haben mich an Workarounds gewöhnt. So lange ich das Gerät nicht zuklappte, konnte ich noch die Hälfte der Inhalte erkennen. Benutzte ich es wie gewohnt, war eine Neueinwahl fällig. Und die Car2go App wollte ich immer noch. Und dass der Kollege mit Smarty das verrückte Straßenschild auch gestochen scharf knipsen konnte, wenn er keinen Fotoapparat dabei hatte, wurmte mich langsam immer mehr.

Na, Lust bekommen, deine Komfortzonengrenze zu sprengen?
So geht’s in fünf überschaubaren Schritten

Schritt 1: Nimm all deinen Mut zusammen und wage ein Experiment.

Binde in Gedanken deine Zweifel an einen Luftballon und lass sie fliegen. Besonders Sicherheitsbewusste nutzen zum Anbinden die nächste Straßenlaterne. Da kannst du sie hinterher wieder abholen (falls du sie noch brauchst). Tun so, als könntest du schon alles, was du brauchst. Nur für eine Stunde oder einen Tag. Keiner sagt, dass es perfekt werden muss.

Ich lieh mir für ein paar Stunden das Smarty der Freundin, nur um zu testen. Selbstverständlich hielt ich mich strikt an ihre Ansage, was mir tun erlaubt und was verboten ist. Sie ist mutig und erlaubt viel, verbietet wenig. Also probierte ich – war schon ungewohnt mit all der Wischerei über das Display. Ein Anruf kam rein. Ich wurde nur ein winziges bisschen panisch, als ich nicht sofort wusste, wie ich den annehmen soll. Aber sonst ging’s mir gut.

Schritt 2: Parke alle Ausreden, die dich davon abhalten, etwas Neues auszuprobieren.

Stelle dir eine hübsche Box auf. Brummt eine Ausrede in deinem Kopf herum, höre zu, schreibe sie auf und verstaue sie in der Box. Für alle Designverliebten gern hübsch verknotet mit Bändchen. Den Pragmatikerinnen reicht eine Büroklammer. Rein in die Box. Deckel zu. Nur für einen Tag. Wenn du willst, darfst du sie morgen gern alle wieder rausholen.

Ich hätte, sollte, müsste doch – eine Liste, was das Smarty alles können soll, Preisvergleiche, technische Daten, jetzt bloß keinen Fehler machen, den Vertrag wirst du erst in 24 Monaten wieder los. Bla, bla und bla, ich weiß, wovon ich spreche. Meine Box ist blau und ich bin der Büroklammertyp. Farbige Büroklammern.

Schritt 3: Triff einen ganz neuen Menschen.

Denn die, die du schon gut kennst, werden dich eher auf deiner Komfortzonencouch festdübeln als dich da runterzuholen. Menschen, die ein bisschen anders, wilder, unbequemer sind als du selbst, geben einen guten Turbo für deinen Grenzübertritt ab.

Wild entschlossen stürmte ich in den Telefonshop. Handyverkäufer gehörten sonst eher nicht zu meinem bevorzugten Umgang. Ich begegnete ihnen verhalten misstrauisch. Denn sobald sie technikverliebt und superschlau auf mich herablächeln, komme ich mir uralt und technisch vollkommen unterbelichtet vor. Da musste ich durch. Beim dritten Shop funktionierte es. ‚Mein‘ Mr. Smartphone-Man war jung, freundlich und hörte meinen Wünschen geduldig zu. Peinliche Wissenslücken half er mir souverän zu überspielen. Er sprach eine klare Empfehlung aus und begründete sie einleuchtend. „Whow“, dachte ich. „Den würde ich mir gern als leuchtendes Beispiel für meine Trainings ausleihen. Trotzdem gehe ich nochmal mit Moby und ohne Smarty nach Hause. Ich musste wohl Abschied feiern.

Schritt 4: Schau dir die Dinge vor denen du dich fürchtest genau an.

Dann kalkuliere dein Risiko und entscheide, wie viel du auf‘s Spiel setzen kannst und willst. Alles andere steht nicht zur Debatte. Spielgeld ist Spielgeld und der Rest bleibt im Safe.

Der Tag der Entscheidung. Ich war bereit zur Trennung, ein für alle Mal. Akzeptiert. Doch zwei Tropfen Angstschweiß zierten meine Stirn bei dem Gedanken, durch den Umstieg auf das neue Gerät meine gut sortierten Kontaktdaten zu verlieren. Mr. Smartphone-Man hatte mir angeboten, den Datentransfer im Shop zu probieren. Hatte mir trotzdem erklären lassen, wie ich selbst diese kostbaren Schätze sichern kann. Das hat zu Hause wunderbar funktioniert. Doppelt hält besser. Auf all den Spielkram aus Mobys Tiefen – alte Bilder und Podcasts war ich bereit zu verzichten. Kaum erwähnenswert, dass natürlich alle Daten –  auch die Spieldaten unbeschadet auf Smarty gelandet sind. Uff.

Schritt 5: Streiche Vorbehalte, die du gegen neue ungewohnte Wege und Menschen hast jetzt ganz bewusst. Bleibe neugierig, was du außerhalb der Komfortzone noch entdecken kannst.

Nun hatte ich ein Smartphone – und konnte immer noch reden, schreiben, zuhören, fotografieren (die Qualität ist eine Wonne). Statt mich vor Mr. Smartphone-Man zu blamieren hatten wir uns nicht nur großartig unterhalten, sondern ich hatte auch eine Menge dazugelernt.  Und noch ein Wunder war geschehen. Meine kleine Schwester, die sich selbst den Technik-DAU  der Stadt nennt, hatte gleich am nächsten Tag mit flottem Tippen, Halten, Wischen ein paar sinnlose Features meines Smartys eins-zwei-drei beseitigt. Und dann ganz nebenbei demonstriert, wie ich das Foto meiner Baby-Nichte aus einer Konversation in die Galerie verschiebe. Cool. Sie macht das einfach so. Und ich guck mir rasant alles ab.

Eins, zwei, drei war Smarty dann mit Websites und Terminkalender gefüttert (das war für mich 2013 noch absolutes Neuland). Doch seitdem ging Business deutlich fixer. Die erste App, die ich mir heruntergeladen habe? Car2go na klar

Für mich scheint der Sommer eine wirklich gute Zeit für Experimente zu sein. Schau mal im Sommer 2021.

Und wenn du mit deinem kleinen Komfortzonengrenzenspreng-Experiment jetzt schon so weit gekommen bist, nimm dir doch gleich die nächste Komfortzone vor. Verrätst du mir im Kommentar, was du dir als nächstes vornimmst?

k wie Kopf putzen

Kopf ab oder Tatort Kallersche Gärten

Zwei Stunden lang habe ich neulich Köpfe abgeschnitten. Schnipp. Schnapp. Einen nach dem anderen. Ratsch – auch mal ein ganzes Bündel Blütenköpfe, wenn alles zu spät war. Auf den Knien im Beet rückst du nur ganz mechanisch zum nächsten Busch vor. Oder du wechselst die Stellung, sobald dir bei der ungewohnten Tätigkeit die Knie ächzen. Sonst passiert nicht viel. Die Hände beschäftigen sich wie von selbst. Gedankenwellen fluten sanft hin und her. Schnipp. Schnapp.

Wie gut es tut, ab und zu mal ein paar alte Köpfe abzuschneiden. Genau wie verblühte Gedanken. Die nicht mal schlecht gewesen sind. Sie haben genauso geblüht wie andere und zum Zauber sommerlicher Schönheit beigetragen. Zu ihrer besten Zeit waren sie genau am richtigen Platz. Sie sind gekeimt, waren winzige Knospen, haben sich entwickelt und bekamen Bienenbesuch. Sie haben sich Nahrung und Wasser aus der Erde gezogen, wurden von der Sonne gewärmt und dann im genau richtigen Augenblick – oft wissen Margeritenblüten es ebenso gut wie unsere Gedanken, wann es Zeit ist, die Blütenblätter zu entfalten – haben sie sich der Welt geschenkt. Dann strahlen sie eine Zeitlang vor sich hin. Wie kleine Sonnen erfreuen sie sich an sich selbst und bezaubern jeden der vorbeigeht.

Und eines Tages ist es vorbei. Man sagt ‚sie hatten ihre Zeit‘. Sie verblassen und verdorren, werden zum unansehnlichen Fleck am Strauch.

Die anderen Blütenköpfe am Strauch knurren – unhörbar für ein Menschenohr – wenn die Alten, die Verbrauchten sie um Nährstoffe und Wasser betrügen, die sie selbst nun nicht mehr brauchen, braun und verdorrt wie sie aussehen.

Hören sie sie auch manchmal grummeln in ihrem Kopf? Die neuen, die frischen Gedanken, die jetzt endlich Raum wollen, für die es an der Zeit ist zu blühen? Säßen da nicht die alten noch so fest an ihren Stängeln. Vielfältige Arten verblühter Gedanken gibt es in unseren Köpfen. Die

  • die uns noch nie etwas gebracht haben „ich bin einfach nicht gut genug
  • die uns krank machen „ich kann das nicht mehr ertragen, doch sag ich was, dann wird es noch schlimmer
  • die uns erfolgreich davon abhalten, uns zu bewegen „ich müsste mal…
  • die uns klein und hilflos halten „ich kann doch nicht…
  • die uns den Selbstbetrug erträglich machen wollen „wenn ich erst…, dann…

Auch diese Gedanken haben ihre Zeit, in der sie irgendeinen Nutzen bringen. Sicher. Doch eines Tages sind sie abgenutzt, aufgebraucht und bringen gar nichts mehr. Das Rascheln ihres toten Laubes raubt anderen Ideen-Knospen die Kraft zum Reifen und Blühen. Dann ist es Zeit für die Schere – Heckenschere, Gedankenschere, Papierschere. Schnipp. Weg damit.

Leg los – schaff dir Platz im Kopf für das was dran ist. Notiere dir alle Gedanken, die dir in letzter Zeit mehr Zaudern und Schaden als Nutzen gebracht haben. Schreib auch Gedanken auf, die schon uralt und verwelkt sind. Vielleicht sind es ja noch nicht mal mehr deine eigenen. Schreib alle auf. Und dann setz die Schere an, zerschnipsel sie in kleine Fetzen. Bring sie zur nächsten Papiertonne. Dann atme tief durch. Sei neugierig, wie viel Raum die neuen Triebe jetzt haben.

Stück für Stück gewinnen meine Margeritenbüsche wieder an Farbe. Das Leuchten der frischen Blüten erobert sich die Macht über das Graubraun zurück. Schnipp schnapp. Neue Ideen strecken ihre Köpfe ans Licht. Endlich können sie durchatmen. Inspiriert pumpen frisch geschlüpfte Gedanken ihre Lungen voller Sauerstoff. Wir strahlen wieder, richten uns auf, orientieren uns neu, schauen mit leuchtenden Augen in die Welt. Da ist jetzt Raum… Platz für Neues.

 

k wie Kakadu

Von Frauen und Kakadus

In der WELT von heute eine Randnotiz: Kakadus, die planen und ihren Fressimpuls zeitweilig unterdrücken können, wenn dafür leckerere Nahrung in Aussicht steht. Papageienvögel seien in der Lage zwischen sofortigem Nutzen und künftigem Gewinn abzuwägen, schreiben Forscher der Universität Wien. Sie rückten Futter einer gewöhnlichen „Leckereien-Stufe“ wieder raus, wenn sie im Tausch dafür etwas besonders Leckeres erwarten können.

Das erinnert mich an das Marshmallow-Experiment der späten Sechziger. Kindern, die der Verlockung der süßen Versuchung länger standhielten, bescheinigte man in Kontrollstudien in den Neunzigern höhere schulische und universitäre Erfolge. Seither zählt man die Fähigkeit, einen langfristigen Nutzen dem kurzfristigen vorzuziehen zu den Zeichen höherer Intelligenz. Das ist sicher nicht von der Hand zu weisen.

In der Welt um uns herum ist Geduld allein das falsche Signal, wenn in Gesundheits- und Pflegeberufen noch immer Frauen von hoher fachlicher und sozialer Kompetenz keine angemessene finanzielle Anerkennung erzielen können. Geschweige denn, wenn wir uns in einer zunehmend alternden Gesellschaft fragen müssen, wo denn der Nachwuchs in dieser Branche herkommen soll.

MEHR Verdienst für viel Dienstist das Motto des Equal Pay Day 2013 in Hamburg.

Sie haben immer die Wahl – aushalten, abwarten, daran glauben, dass noch etwas Besseres kommt. Oder jetzt und sofort etwas für den gerechten Ausgleich tun – für unsere Gesellschaft und für sich selbst. Wenn Sie anpacken und sich Anregungen und Handwerkszeug für ihr berufliches Weiterkommen holen wollen:

Herzlich willkommen auf dem Equal Pay Day in Hamburg

  • 21. März 2013
  • 17:00 – 21 Uhr
  • in der Patriotischen Gesellschaft, Eingang Börsenbrücke 10

Das Programm in Hamburg: Speednetworking, Podiumsdiskussion und gratis Coaching

Übrigens – auch die Kakadus warten nicht mit unendlicher Geduld auf ihre Cashewnuss. Die Hälfte entschieden sich nach vierzig Sekunden neu.

Geduld können. Packen wir Beharrlichkeit und Entschlossenheit dazu. Dann müssen sich Frauen nicht länger mit kleinen Bröckchen zufriedengeben.