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Happy BestAger

Paula kommt nach Hause: „He, auf der letzten Party waren richtig viele Ältere.“
Katrin: „Was heißt denn Ältere?“
Paula: „Na so über 45…“

Noch im letzten Jahr war das der Augenblick, meine rechte Augenbraue hochzuziehen und zu denken „Aaah ja…!“

Heute grinse ich mir eins. Denn es ist ein wunderbares Gefühl, mich mit 57 zu den BestAgern zählen zu dürfen, jeden einzelnen Tag.

  • Ist das Leben in diesem Alter jeden Tag ein Zuckerschlecken? Nope! Mein Körper braucht mehr Aufmerksamkeit. Hab zuhören gelernt, auch wenn es manchmal richtig bitter ist, wenn die Selbstbestimmung  bröckelt. Aber gut, nennen wir es “work in progress”.
  • Habe ich Angst, das Leben könnte plötzlich zu kurz sein? Nein, Angst ist da keine. Nur die Gewissheit, alt genug zu sein, um mich nicht mehr mit Sinnlosigkeiten abzugeben. Oder mich über Dinge zu ärgern, die das Ärgern nicht lohnen.
  • Bringen mich Idioten, die mich in die Kiste “50 Plus = nicht mehr leistungsfähig” stecken wollen auf die Palme? Nö! Denn ich habe gelernt, wirklich zuzuhören, beide Seiten zu sehen, und zu entdecken, was mein Gegenüber wirklich braucht.
    In schwierigen Gesprächen bleibt der Polarstern mein Mittel der Wahl. Langjährige Berufserfahrung schenkt mir die Sicherheit, alles, was ich lernen will, auch lernen zu können.
  • Geht mir noch jemals etwas schief? Ja selbstverständlich! In diesem Jahr platzen einige Ideen, die ich mir sooo schön ausgemalt hatte. Doch ich erlaube mir heute, das zu betrauern, so lange es nötig ist.
    Verschwende keine Kraft mehr an ein Pokerface. Denn ich habe noch sooo viele neue Ideen, die umgesetzt werden wollen. Neues Spiel, neues Glück.

Deshalb freue ich mich sehr, ab jetzt Teil der Wir BestAger Community zu sein. Es ist eine Plattform für Menschen 50 Plus, die einen neuen,  selbst bestimmten Weg gehen wollen. Wir sind lebendig, neugierig, aktiv und tatendurstig.

In einer kleinen Umfrage bei LinkedIn wollte ich wissen, was Lebensmitte eigentlich bedeutet. Schau mal, wie unterschiedlich die Sicht darauf ist.

Umfrage Lebensmitte Katrin Klemm

 

Und deshalb: Lasst uns gemeinsam neue Geschichten erzählen.

Was ist deine Lieblingsgeschichte über die Zeit nach der Lebensmitte?

Einfach mal Nichtstun? Von wegen einfach

Nichtstun.. das ist doch nicht auszuhalten?!

Es dunkelt bereits, als während meiner Workation in Portugal der Strom ausfällt. Was jetzt? Mein Buch ist fast ausgelesen. Den Laptop-Akku Strom will ich für Notwendiges aufsparen. Dann sitze ich da und denke “Machst‘e einfach mal nichts”.

“Einfach mal nichts…” 🤣 Ich höre mich selber lachen. Für mich ist das überhaupt nicht einfach.

Und für dich?

Sagen wir „Heute tu ich mal nichts!“ was tun wir dann wirklich? Oder auch gerade nicht?

Geben wir unserem Nichtstun eine Struktur?

Nehmen wir an, es ist noch früh am Morgen…

Tun wir das Lebensnotwendige? So etwas wie Aufwachen (ok, das passiert von selbst), Aufstehen, Tee kochen, Tee trinken, aus dem Fenster schauen… Welche Tätigkeiten bleiben, wenn wir nichts tun?

Mein Nichtstun hat eine Menge mit Büchern zu tun. Wenn ich nichts anderes tue als zu lesen (vielleicht mit Espresso und leckeren Kleinigkeiten), behaupten Freunde, das wäre ja nicht Nichts.

Ja, was ist es denn dann?

Löcher in die Luft starren, mich spüren? Ich erfahre in meinen gelegentlichen Nichtstun-Experimenten schmerzlich die Anstrengung die es mich kostet, wenn ich noch nicht mal lesen soll.

Sag mir: Wie sieht dein Nichtstun aus?

  • Womit ist es gefüllt?
  • Was tust du (nicht) in genau dieser Zeit?
  • Betrachtest du dein Umfeld?
  • Lässt die Gedanken wie beim Meditieren kommen und gehen?
  • Oder fließt du mit deinen Gedanken und lässt dich überraschen wohin?
  • Wie oft tust du nichts? Oder wie lange?
  • Was kostet es dich? Planung, Überwindung, die Entscheidung, alles wegzulassen, was nicht notwendig ist?
  • Fällt es dir allein oder gemeinsam mit anderen leichter?

Nichtstun braucht eine Entscheidung.

Seien die Angebote, mich abzulenken oder dem „Ich will nur schnell noch…“ zu folgen noch so verlockend, ich spreche meine Entscheidung laut für mich aus: „NEIN das alles ist jetzt nicht dran. Ich entscheide mich jetzt für die Stille.“

Esther Schweizer, 2022 zu einem berührenden Clubhouse-Talk zum Nichtstun bei mir zu Gast, sagte damals sinngemäß:

“Ich gebe meine Sinne anders nach außen. Plötzlich passiert etwas von außen nach innen und von innen nach außen. Ich bin BEI MIR… eine vollkommen neue Qualität. Dinge passieren. Und ich sehe ihnen dabei zu. Nichts ist gut oder schlecht. Es ist einfach. Und das reicht. „ (Mehr von Esther über gute Pausen auf der Bühne)

Seuffz…

So weit bin ich mit Nichtstun noch lange nicht.

Andere meditieren, wandern oder malen Mandalas. Tatjana Kiel strickt, um abzuschalten.

Ich bügle (für manche eine entsetzliche Vorstellung). Beim Bügeln kann ich ganz bei mir sein. Es ist ein absichtsloses Tun, bei dem die Gedanken frei fließen können und nichts müssen. Die Hände wissen was sie zu tun haben, der Kopf ist frei…

Oder ich koche. Nie nach Rezept. Denn so „muss“ ich nichts, sondern darf frei auf die Einladung reagieren, die ein Lebensmittel mir sendet.

Will ich überhaupt Nichtstun?

Nichtstun, habe ich mal gelesen, wäre das Schweigen der Geschichten. Das Verstummen des inneren Storytellings. Also theoretisch. Denn bei mir geht’s in der Stille erst so richtig los.

Sofern bin ich im Nichtstun wohl eine ziemliche Versagerin.

Selbst wenn ich am Meer bin, stundenlang auf die Wasseroberfläche starre, ist da keine Ruhe. Die Geschichten flitzen wie Krabben, fluten wie Wellen auf mich zu.

Doch genau das mag ich ja. Genau so bin ich. Und plötzlich mit mir im Reinen.

Also, wenn das nächste Mal der Strom ausfällt, werde ich

  • Ein- und Ausatmen, und mir ganz bewusst dabei zuhören. Vielleicht ist das ein guter Start für alle, denen Nichtstun so wenig leicht fällt wie mir.
  • Mich darauf einlassen was mir das Leben gerade anbietet. Vertrauen, dass die Situation mir dann schon zeigen wird, was sie von mir will.

So weit ich also vom italienischen Dolce far niente – dem Genuss, sich auf’s Nichtstun einzulassen – noch entfernt bin, so wie ich Lauflernschuhe fürs Nichtstun brauche: Ich bin unterwegs, lade den inneren Frieden immer wieder zu mir ein und schaue, was passiert.

Was ist deine Geschichte übers Nichtstun?

Und du? Wie sieht dein Nichtstun aus?

 

 

Foto: Nina Grützmacher

Umwege erhöhen die Ortskenntnis

Jahrelang habe ich mich nicht mehr so gründlich verirrt wie in den verwinkelten Gassen des Fischerstädtchens Olhao in Portugal. Morgens auf der Suche nach dem Bahnhof finde ich den Supermarkt. Am Nachmittag will ich Wasser holen und frag mich „War der Supermarkt nicht gerade noch hier?“ Hat mich mein Orientierungssinn verlassen?

Natürlich könnte ich GoogleMaps nutzen. Doch wozu? Ein Blick aufs Display, die Augen gesenkt – das bringt mich nicht weiter in dem, was ich hier wirklich will:

Das Land und seine Menschen kennenlernen.

Ich will

  • Zuhören, und ein paar Worte Portugiesisch lernen.
  • Hinschauen und Details entdecken.
  • Spüren, wie die Menschen ihr Tagwerk entspannt bewältigen. Wie sie selbst knifflige Dinge mit einem Lächeln auf die Reihe kriegen, das mir in Deutschland nicht oft begegnet.
  • Kraft tanken und mich auf Neues einlassen.

Katrin Klemm auf Workation in Olhao Portugal - entdeckt die schönsten Details auf Umwegen

Es leben die Umwege.

Drei Dinge, die mich Umwege bisher – nicht nur in Portugal – gelehrt haben:

  1. Langsamer gehen. Denn habe ich mich erstmal verirrt, bringt Hektik gar nichts. Du übersiehst die entscheidenden Hinweise, die dich zum richtigen Ziel führen.
  2. Gelassenheit, die sich in einer inneren Heiterkeit zeigt, einem „mich-über-mich-selbst-lustig-machen“. Das erinnert mich daran, dass Streben nach Perfektion ein Witz ist. Das hilft in jedem Alltag weiter (Vorsicht, gilt nicht für Menschen im OP!).
  3. Die Sicherheit, am Ende doch anzukommen. Oft an dem Ort oder Ziel, die ich erreichen wollte. Das weckt Vorfreude auf das nächste Labyrinth, das bestimmt schon irgendwo auf uns wartet.

Die Workations in Portugal lassen mich Luft holen, wenn ich den Wald vor lauter Zielen nicht sehe. Sie stärken meinen herzlichen Respekt und die Wertschätzung für die Portugies:innen, die aus ihrem Leben immer das Beste machen.

Meine Gastgeberin Paula sagt:

“Wir sollten uns weniger stressen, die ganze Zeit darüber nachzudenken, was wir aus unserem Leben machen wollen. Wir sollten es so leben, wie es gerade ist. Denn das ist unser Leben.”

Details aus Portugal Katrin Klemm auf Workation

Am Ende der Woche habe ich das Leben im Hier und Jetzt genossen. Ich bin ich wieder ganz klar, was ich als nächstes tun werde.

Es fällt mir schwer, Abschied zu nehmen und ich erwische mich dabei, immer neue Umwege zu erfinden  – doch ich weiß, schon am 29. April 2024 bin ich wieder in der Gegend. Nur ein paar Kilometer weiter in Tavira heißt es dann wieder DesignYourLifeStory.

Lust auf einen Umweg zu dir?

Hast du Lust, dabei zu sein? Dir eine konsequente Auszeit von deinem Alltag zu nehmen und mal in Ruhe hinzuschauen, wohin dich die Umwege in deinem Leben noch führen sollen?

Schau dir an, was die Frauen erlebt haben, die im Frühjahr 2023 dabei waren.

Melde dich gern bei mir und wir schauen, wie sich das für dich lohnt. Die Gruppe ist klein, nur maximal 4 Frauen und eine Mentorin und ich.

 

 

 

So sterben wir. Fakten und Geschichten – GoodRead Nr. 3

MyGoodReads: – 6 Bücher – 6 Wochen – 6 Blickwinkel- mein Sommerexperiment, um zu zeigen, welche Geschichten hinter StoryCoaching stecken. Herzliche Einladung zum Dialog, wenn du die Dinge ähnlich oder ganz anders siehst.

August in Hamburg. Kurz vor Mitternacht. Drinnen tobt die Party. Draußen sprechen N. und ich nun schon zwei Stunden. Die Nachtkühle ignorieren wir. N. liegt mir am Herzen. Und sie hat Krebs. Aktuell haben sie ihn im Griff. Phantastisch, welche Möglichkeiten moderne Medizin heute hat. Trotzdem, gesund ist sie nicht mehr.

Für N. kommen die Fragen. Das Leben will es jetzt wissen: Was kommt am Ende? Und was in der Zeit davor?

Sterben? Passiert mir nicht.

So gern würden wir glauben „Es trifft ja immer nur die anderen“.
Irrtum. Auch unser Ablaufdatum steht fest. Wir kennen es nur noch nicht.

So sterben wir

Roland Schulz

Im letzten Jahr habe ich behutsam begonnen, mir eine neue Haltung dazu zu erobern. Ein Einblick: “Wie kann Abschied fröhlich sein” – Interview mit einer Bestatterin.

Damals ist mir Roland Schulz Buch als fordernder Wegbegleiter zum ersten Mal begegnet. Lass es mich dir heute ans Herz legen.

Der moderne Mensch denkt über den Tod wie über den Weltraum: Er existiert zweifelsohne irgendwo da draußen – aber im tiefsten Herzen sind wir sicher, niemals durch seine Dunkelheit zu wandeln.“ (Schulz, Seite 18)

 

Wozu ich es lese.

Es werden viele Geschichten über das Sterben erzählt. Keine/r weiß, welche wahr sind. Dabei wünschen wir uns doch alle ein gutes Ende. Vielleicht sollten wir dann beginnen, uns für diese Geschichten zu interessieren. Um zu verstehen, was in unserer Macht liegt und was nicht.

Damit ich N. besser zuhören kann. Und einfach da sein.

Worum geht’s? Schlaglichter.

Die krumme Kraft der Kommunikation. Den Unfug, den Gesunde plappern, wenn wir nicht wissen, wie wir mit Krankheit und Tod natürlich umgehen können.

Wie sich Sterben anfühlt und wann es beginnt.

Dass Trauer mitten im Leben erlaubt ist. Auch die um dich selbst. (Dazu habe ich hier schon mal geschrieben)

Der knifflige Papierkram, der Fragen ans Leben aufwirft.

Sterben ist hart, Sterben schmerzt. Die Möglichkeiten der Palliativmedizin, und warum wir danach fragen müssen.

Der Papierkram beim Sterben

Wenn du gestorben bist, wird der Papierkram auch nicht weniger. Die gute Nachricht: der geht dich dann nichts mehr an. Doch ist die Bürokratie nach dem Tod beeindruckend. Eine Maschinerie, die sich beeinflussen lässt, wenn man weiß wie.

Roland Schulz hat für sein Buch mit Fachleuten gesprochen, die beim Sterben dabei sind, und die übernehmen, wenn dein Ende noch nicht das Ende ist: Hospiz- und Krankenhauspersonal, Bestatter, Menschen in Krematorien, einem Thanatopraktiker, Bestatter*innen, Verwaltungsbeamten, einem Trauerbegleiter.

Fun-Fact: Nicht nur wir glauben, dass Verdrängen uns beim Überleben hilft. Stellt Schulz den Profis die Frage nach den persönlichen Vorkehrungen für den eigenen Tod, haben sie oft genau so wenig getan, wie die meisten von uns. Auch Spezialist*innen für Sterben schieben es gern vor sich her, ihren Kram zu regeln. Wie menschlich.

Was es in mir auslöst.

  • Ein tiefes Gefühl von Verbundenheit durch die Gewissheit: diesen Weg gehen wir alle.
  • Frieden im Blick auf das Ende. Und die Bereitschaft, das Sprechen dem Schweigen vorzuziehen.
  • Lebensfreude, als tiefe Fähigkeit, mich an allem zu erfreuen, was jetzt ist.

Ich empfehle das Buch:

Mutigen Menschen, die sich ehrlich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen wollen, und dabei mehr Lust auf Klartext, als auf gute Ratschläge oder psychologischen Samthandschuhe haben.

Jedem und jeder, der/die sich ihrem Unbehagen oder ihrer Angst vor dem Unbekannten stellen wollen und nach einem guten Anfang suchen.

Dir, liebe N.

Ziele sind nützlich, doch manchmal geht es ohne besser – GoodRead Nr. 2

MyGoodReads: – 6 Bücher – 6 Wochen – 6 Blickwinkel- mein Sommerexperiment, um zu zeigen, welche Geschichten hinter StoryCoaching stecken. Herzliche Einladung zum Dialog, wenn du die Dinge ähnlich oder ganz anders siehst.

Dein Ziel ist im Weg

Dr. Martin Krengel

Ein „Hab ich es doch geahnt“-Buch, das mich aufatmen lässt.

Wozu ich es lese.

Von Kindesbeinen an habe ich gelernt: der Mensch braucht Ziele.

Später als Profi: Jedes Coaching muss mit einer Zieldefinition beginnen. Ein Gesetz, an das ich mich lange gehalten habe. Doch mit zunehmender Erfahrung kam das Unbehagen, der Widerstand, etwas in Beton zu gießen, das noch gar nicht dran war.

Doch erscheint es uns nicht allen hin und wieder wie eine sichere Bank, uns an Gelerntes, an Gewohntes, an diese Art von Gesetzen zu halten? Selbst wenn diese Gesetze von Menschen gemacht wurden, die uns gar nicht kennen? Nicht unser Wesen, nicht unsere Art und Weise, das Beste zu leisten. Ich habe schon länger ein gesundes Misstrauen gegen feste Ziele oder vorgeschriebene Methoden.

Versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen wohlgeformte Ziele. Weckst du mich mitten in der Nacht, rattere ich dir die SMART-Kriterien heute noch auswendig runter. Sie sind ein praktisches Hilfsmittel. Wenn sie gut sind.

Was ist gerade dran in meinem Leben?

Und wenn sie gerade dran sind. Doch die Frage muss erlaubt sein: sind es wirklich Ziele und ihre exakte Definition, die gerade dran sind?

Denn auch ich habe mich dabei ertappt, vor lauter Feinschliff am Ziel mich davor zu drücken, endlich ins Machen zu kommen. Ich hab mich selbst um die Chance gebracht, meine superduper Ziele zu erreichen.

Heute leg ich los, teste den Weg und das Ziel darf daraus entstehen.

Worum geht’s im Buch? Schlaglichter.

Wir sollten nicht stärker an unseren Zielen arbeiten, sondern an deren Realisierung.

Kannst du dein Ziel nicht perfekt formulieren und schiebst diesen Schritt immer wieder auf, dann verschiebst du in Wahrheit dein Leben. Stop it! Now!

Ist dein Ziel so groß, dass du zwar mächtig beeindruckt bist, was du alles erreichen willst, doch liegt dir gleichzeitig schwer wie ein Sack Zement auf deiner Brust, dass dir die Luft zum Loslaufen fehlt, dann ist es das falsche Ziel. Schmeiß den Sack runter. Vergiss das Ziel für einen Moment. Hole tief Luft und lauf los.

Sobald das falsche Ziel aus dem Weg ist, wird es plötzlich leicht. Manchmal wird das bessere Leben daraus geboren, WEIL ein erstes Ziel NICHT erreicht wurde.

Ziele sind Mittel zum Zweck. Nie der Zweck selbst.

Denn Ziele sind manchmal nur ein Mittel zum Zweck.

Hast du zum Beispiel eines dieser: “Ich will reich werden”- oder “Ich will in einem Jahr eine Million verdienen” – Ziele, dann schau genauer hin. Das Geld ist nie der Zweck selbst, sondern immer nur das, was es dir bedeutet, was du damit machen (sparen, spenden, dir was leisten) oder erreichen (Gefühl der Sicherheit im Alter, eine gute Sache unterstützen, als Belohnung) willst. Frag dich, wofür dein Ziel (WAS) steht, dann mach und genieße das WIE.

So entstehen Prototypen, die Phantasie durch Fakten ersetzen. Nur so schaffen wir uns lebendige echte Eindrücke. Kann sein, dass diese noch unvollständig sind, doch wir sind einen großen Schritt weiter.

Deshalb geht auch kein LifeStoryDesign – ganz gleich ob in Hamburg, Portugal oder Online ohne eine mehrwöchige Prototyping-Phase zuende. Wenn du während des Ausprobierens über Informationen und Erkenntnisse stolperst, dann sind die echt und keine Denkblasen.

Kleine Erfolgserlebnisse machen schneller Spaß als große Ziele am Horizont.

Weil ein kleines Scheitern viel weniger schmerzhaft ist als monatelange Planung und harte Arbeit, die mit der Realität wenig zu tun hat, starte deshalb Testballons, so oft und schnell du kannst.

Was es in mir auslöst:

Eine herrlich heitere Gelassenheit mit Abstand zu betrachten, was immer ich früher als eherne „Gesetze“ im Coaching gesehen habe. Denn auch so ein Gesetz ist nichts anderes als eine alte Geschichte. Ist sie nicht länger nützlich, nehme ich dankbar mit, was sie mich gelehrt hat. Der Rest kommt ins Archiv.

Den Genuss prickelnder Aufbruchstimmung, die entsteht, sobald ich mich entscheide: Jetzt mach ich einfach mal. Denn jede Entwicklung braucht eine Entscheidung (Den Kreislauf zeig ich dir hier im Video). So habe ich meine Blogartikel früher mit großer Ernsthaftigkeit geplant. Heute schreibe ich einfach los. Sag mir gern in den Kommentaren, ob du die alten oder die neuen lieber liest.

Die Offenheit für das richtige Timing: Wenn ein Ziel dran ist, ist es dran. Und wenn nicht, dann erfreuen wir uns so lange am Weg. Das heißt, wenn du ins Coaching kommst, und hast ein klares Ziel = super. Wenn du mit einer vagen Vorstellung von “irgendwas muss hier anders werden” kommst, zwing ich dich nicht ins Ziele-Korsett, sondern schlage dir vielleicht zunächst ein Stop & Grow vor. Und dann sehen wir weiter. Oder

Ich empfehle dir das Buch, wenn du:

  • “Pickel” bekommst, weil schon wieder eine/r von dir wissen will, welche Ziele du in deinem Leben hast.
  • dir mehr Gelassenheit wünschst, was das Formulieren deiner Ziele angeht.
  • nach der Sommerpause ganz neu mit eigenen Zielen für den Rest des Jahres umgehen willst.

Wie gehst du an Ziele ran? Bist du eher Typ „Zuerst immer gute Ziele definieren“? Oder Typ „Einfach mal machen“? Oder ganz anderer Typ?

Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Leben ist jetzt

Das Leben ist jetzt.

Schönheit, Vergänglichkeit, Erneuerung: all das steckt in einem einzelnen Moment.

Die Kirschblüten an der Hamburger Alster sind dafür gerade ein eindringliches Symbol. Ende März: die Knospen platzen fast. Die Ahnung, bald geht es los mit der rosafarbenen Pracht. Doch die Tage bleiben gefühlt endlos nass und kalt. Sogar Frost haben wir nachts. Dann endlich – zwischen blassem Rosé und knalligem Pink explodiert Schönheit vor Grauhimmelkulisse, verspricht Frühling und Erneuerung.

Wenn…, ja wenn nur nicht der Regen alles wieder zunichtemacht.

Jahrelang habe ich gebangt: Wie lange hält die empfindliche Pracht?

Doch Leben ist jetzt.

Heute habe ich verstanden: Sorgen sind sinnlos. Denn ob ich mich sorge oder nicht, der Regen kommt sowieso. Das lässt mich den Moment – mein persönliches Hanami – das Blüten betrachten, viel intensiver genießen.

Ich denke an Doris Dörries Film Hanami von 2008. Sie beschreibt darin nicht nur die Schönheit der Bäume. Sie erzählt die Geschichte von Rudi, der – unheilbar erkrankt – nach dem unerwarteten Tod seiner Frau an ihren Sehnsuchtsort Japan reist, um ihr versäumtes Leben nachzuholen. Mich hat schon damals der Versuch, Vergebliches dennoch zu versuchen, sehr berührt.

Doch Leben lässt sich nicht nachholen, es ist immer jetzt und hier.

Halte einen Augenblick inne in dem was du gerade tust, ganz gleich wo du gerade bist: am Schreibtisch, im Meeting, im Bus, im Wartezimmer.

Atme aus und finde deine Antworten zu:

Schönheit: Was entdecke ich gerade Schönes um mich herum?

  • Menschen, ihren Blick, ihre Gesten?
  • Dinge, ihre Farben oder Formen?
  • Die Sounds der Stadt oder Natur?
  • Mich selbst im Spiegelbild einer Schaufensterscheibe?

Vergänglichkeit:

  • Was wird es nur heute für mich geben?
  • Was macht diesen Augenblick kostbar, weil er sich niemals (oder erst im nächsten Frühjahr) wiederholen wird?
  • Was genieße ich deshalb jetzt mit allen Sinnen, und sei es nur ein paar Sekunden lang?

Erneuerung: Wohin bin ich unterwegs? Wohin soll mein nächster Schritt mich führen?

  • Jetzt gerade oder in den nächsten Stunden oder Tagen: ein wichtiger Termin, eine entscheidende Verhandlung, die Kita, der Einkauf, ein Krankenbett?
  • Mit weitem Blick: in diesem Jahr, in meinem Job, meinem Leben? Ist das gerade wirklich mein Weg? Wie kann ich mutig neu beginnen?

Bei aller Eile, mit der wir oft durchs Leben rennen:

Es lohnt sich, hin und wieder bewusst den Moment zu betrachten.

Jeder Augenblick ist wie eine Kirschblüte im April. Denn unser Leben ist jetzt. In diesem Moment.

Leben ist jetzt. Genieße den Moment, jeden Augenblick deiner eigenen LifeStory. Katrin Klemm StoryCoaching

Das nächste Hamburger Kirschblütenfest ist am 19. Mai 2023. Sehen wir uns zum Feuerwerk an der Alster?

Oder – wenn du nicht mehr warten und dein Leben in die eigenen Hände nehmen willst, die nächste Hamburger Design your LifeStory startet bereits am 10. Mai.

Denn dein Leben ist jetzt. Und alles Neue beginnt in diesem Moment. Worauf wartest du noch?

Lass uns miteinander sprechen.

 

Gelassen und entspannt performen

Wenn dir die Stimme versagt

Claudia kommt zum Coaching um ihr Lampenfieber zu bekämpfen. Sie will sich in Präsentationen vor großen Gruppen wohl und sicher fühlen. Sie hat Zahlen und Fakten dabei und schon eine rechte konkrete Vorstellung, was sie ihren Zuhörer:innen vermitteln will. Doch beim Testlauf ist ihre Stimme wie abgeschnitten. Verspannungen schnüren ihren Körper in ein Korsett. Sie bekommt kaum Luft. Unsicher vermeidet sie Blickkontakt.  Rasch ist klar „da steckt etwas ganz anderes dahinter“.

Da steckt etwas anderes dahinter

Diese und ähnliche Situationen zeigen, dass wir uns gerade selbst eine innere Geschichte erzählen. Die Stresssymptome sind offensichtlich, doch wir haben keine Idee, worum es wirklich geht.

Bewusst oder unbewusst wiederholen wir alte Überzeugungen, die wir auf unserer Lebensreise gelernt und verinnerlicht haben, zum Beispiel

  • “Ich bin nicht gut genug.”
  • “Wen interessiert denn, was ich zu erzählen habe?”
  • “Das können doch andere viel besser.”
  • “Ich werde bestimmt einen Blackout haben!”

In der aktuellen Situation sind sie weder relevant noch nützlich. Doch sie kleben in unserem emotionalen Gedächtnis wie ein Kaugummi am Schuh und hindern uns daran, unsere PS auf die Straße zu bringen.

Zeit für Wingwave® – Coaching

Dann ist Zeit für Wingwave® – Coaching. Die bewährte Kurzzeit-Methode zur effektiven Stressbeseitigung wird nicht nur im Business genutzt. Auch im Spitzensport, in Schule und Studium, zum Stressmanagement und für Künstler hat sie sich bewährt.

Schnell und punktgenau ist Wingwave® geeignet für alle beruflichen Herausforderungen, die über deine persönliche Lebensqualität entscheiden. Die Einsatzgebiete sind so vielfältig wie die Gelegenheiten, die Stress auslösen können. Deshalb ist es immer deine höchst individuelle Situation, für die wir gemeinsam eine Lösung finden:

  • Gewinne Sicherheit in Präsentationen und allen entscheidenden Gesprächen, ganz gleich ob du öffentlich vor bekanntem oder unbekanntem Publikum auftrittst.
  • Löse Konflikte mit einem oder mehreren Gesprächspartnern auf, die dich nachts nicht schlafen lassen oder in deiner Karriere behindern.
  • Mach die Bahn frei für einen beruflichen Neustart. Lass stressende oder enttäuschende Erlebnisse der Vergangenheit hinter dir.
  • Erhöhe deine Leistungsfähigkeit und Kreativität in beruflichen und persönlichen Schlüsselsituationen. Gewinne mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Befreie dich von Leistungsdruck und anderen mentalen Blockaden.
  • Überwinde Ängste wie Flugangst, Lampenfieber oder Prüfungsangst und hole dir deine persönliche Gestaltungsfreiheit zurück.
  • Erobere dir Gelassenheit und Lebensfreude zurück, trenne dich von ungesundem Leistungsanspruch und atme endlich wieder durch.

Mit einem Messer: Mord begehen oder Brot schneiden?

Durch gezielte Augen-Bewegungsmuster und einen Muskeltest decken wir Claudias emotionale Blockaden auf und “drehen” sie, verwandeln sie in kraftspendende Geschichten. So setzt sie die scharfe Klinge eigener Emotionen und Überzeugungen nicht weiter für mentalen “Selbstmord” ein, sondern nutzt sie, um sich in Ruhe ihr “Präsentations-Brot” zu schmieren.

Sie verabschiedet sich von alten Überzeugungen, entdeckt alternative Ideen, schafft sich praktische Handlungsfreiheit, ihren Auftritt neu zu gestalten, und legt einen inspirierenden Auftritt hin. Ihr Gehirn hilft ihr dabei!

10 Tage später schreibt sie mir:

Nach einem Einzelcoaching bei Ihnen habe mich gut aufgestellt gefühlt und war mit meiner ersten Präsentation nach langer Zeit persönlich so zufrieden, dass ich mich in Zukunft auch an weitere Vorträge heran wagen werde. Die Kombination aus Ihrer Fachkompetenz, Ihrer sehr einfühlsamen Art und der WingWave Methode war für mich genau das Richtige. Ich bin einfach begeistert wie es Ihnen in kürzester Zeit gelungen ist, mich auf den richtigen Weg zu bringen. Wenn ich wieder einmal ein Coaching zu Präsentationsfragen benötige, sind Sie meine 1.Wahl. (C.S.)

Gelassen und entspannt: Rein ins Leben – Raus aus dem Stress

Her mit der Power für dein nächstes Abenteuer.

Es ist keine Zauberei. Doch auch nach Jahren für mich immer noch verblüffend, wie leicht und schnell sich positive Veränderungen einstellen. Oft reichen schon drei Treffen zur erfolgreichen Bearbeitung eines Themas.

Gelassen und entspannt: Mehr Wingwave®-Erfolgsgeschichten in der Presse

Wingwave knapp und kompakt 

 

 

Magie hinter hölzernen Türen

2020 – 2023 Same same. Different? Magical!

Drei Jahre ist es her, dass ich dieses Interview ursprünglich geführt habe. Drei lange Jahre in denen eine Pandemie auf unterschiedlichen Kontinenten unterschiedliche Spuren hinterlassen hat. Erst heute geht es live.

Doch beginnen wir von vorn.

Zwischen den Stahl-Stein-Glas-Ungetümen der lärmenden Chang Klan Road duckt sich ein Häuschen. So unscheinbar, dass du es leicht übersiehst.

Ein winziges Häuschen in Chiang Mai, hier beginnt die Geschichte

Vor drei Jahren bin ich meiner Intuition gefolgt, habe die Straßenseite gewechselt, den gut gekühlten Gastraum zielstrebig durchquert, und ein märchenhafter Garten zieht mich in seinen Bann. Ein Ort des Friedens und der Stille im hektischen Treiben der 500.000-Einwohner-Stadt. Eine Magie aus allen Farben umfing mich. Hölzerne Tore überall. Mir verschlug es den Atem.

Heute bin ich vorbereitet. Endlich trete ich wieder ein durch diese mächtigen hölzernen Türen, und fühle mich zu Hause. Mitten in Asien. In Thailands Norden. In Chiang Mai.

Katrin Klemm und die magische Geschichten des Wooden Door Cafe

„A place with some magical attraction“

Der Grund dafür sind zwei so herzliche Menschen – Parim und Sam – die ich schwer vermisst habe in der Zeit, als Reisen unmöglich oder mehr als kompliziert war. Sie sind es, die diesen Ort so besonders machen. Und ihre Geschichte.

Eine Geschichte von ….

  • Begegnen, Verlieren und Wiederfinden
  • Unerfüllten Plänen, das Beste, was uns passieren kann
  • Magischen Türen, die sich von allein öffnen, wenn die Zeit reif ist
  • Der Leichtigkeit des Lebens, sobald wir akzeptieren, dass wir verschieden ticken
  • Dem Perfect Match im Café und im Leben

Parim stammt aus Nepal, ist in Singapur aufgewachsen, hat in der Schweiz das Gastronomiehandwerk gelernt. „Nicht ganz freiwillig“, gibt er zu, denn eigentlich wollte er Musik machen. Doch für seine Eltern keine Option. Gut für ihn, denn in den fünf Jahren Schweiz begegnet er Sam zum ersten Mal. Sam – ihr Thai Name ist Sirilada (den für Europäer komplexen Nachnamen mit 14 Buchstaben findest du im About ihrer Webseite . Sie studieren das gleiche Fach, sind sich auf Anhieb sympathisch.

Dann verschwinden Telefone, Jobs in verschiedenen Ländern stehen an, Beziehungs-Umwege wollen gegangen werden. Zehn ganze Jahre sorgen dafür, dass sie sich aus den Augen verlieren und erst durch „Zufall“ wieder begegnen.

Die richtigen Dinge geschehen, wenn sie dran sind

Die Beiden sagen:
Es war einfach nicht die richtige Zeit. Wir sollten wohl erstmal jede/r unsere eigenen Dinge auf die Reihe bekommen. Und dann – nach zehn Jahren – fielen auf einmal Dinge an ihren richtigen Platz wie Puzzlesteine, und dann passte es. Zehn Jahre später begannen wir wirklich miteinander zu reden.

Sam erzählt, dass ihre Mutter all diese wunderbaren Türen, die uns – geheimnisvolle Hüter einer längst vergangenen Zeit – hier im Café umgeben, schon seit 20 Jahren sammelt. Einfach so, weil sie sie mag. Ein großer Teil davon stammt aus Nepal, Parims Heimat. Lange Zeit stehen die Prachtstücke einfach nur in der Garage. Der Raum, in dem heute die Barista-Maschine zischt, war das Wohnzimmer eines Bed & Breakfast.

Hölzerne Türen im Wooden Door Cafe - magic

Es ist 2018. Sam und ihre Mutter stecken in der Renovierung dieses Wohnzimmers, als Sam Parim – der arbeitet zu der Zeit als Restaurant-Manager in Katar – um Rat bei der Renovierung bittet.

Parim:
Ich habe ihr geholfen. Sie ließ mich wählen zwischen A und B, ich empfahl A und dann entschied sie sich natürlich für B (Spoiler: das wird sich zum Muster ihrer gemeinsamen Geschichte entwickeln). Eigentlich unnütz, dass sie mich überhaupt gefragt hat. Aber es war gut, weil sie am Ende genau das bekommen hat, was sie wollte.”

Mein ursprünglicher Plan war es, in Bangkok zu arbeiten. Ich hatte ein paar Angebote. Doch eigentlich gab es in meinem Leben immer ein Ziel: etwas Kleines im Gastgewerbe zu starten. So etwas wie einen Café oder Bistro, dann ein Restaurant, was Größeres. Ich wollte etwas mein Eigen nennen, das langsam wachsen, sich entwickeln darf. Das wäre ein Start.”

Sam, ihre Mutter und auch Parim sind überzeugt, dass Vorsehung im Leben immer ihre Hand im Spiel hat. Als die Frauen wissen wollen, warum er Wooden Door nicht gleich hier und jetzt starten will, weiß er „Ok, das ist ein Zeichen.“ Er sagt ganz schnell Ja, lehnt alle anderen Angebote ab und beginnt in Chiang Mai – gemeinsam mit Sam – seinen Traum zum Leben zu erwecken.

So beginnt das Experiment Sam und Parim, und mit ihm die Geschichte des Wooden Door Café.

Sie erzählen von den Anfängen:
2018, als das Wooden Door Café nur ein B&B war, gab es nur Kaffee. Die Leute fingen an, unseren Kaffee zu mögen – und kamen nur dafür. Aber wir wollten auch die Leute aus der Gegend involvieren. Die wollten, dass wir Thai-Food anbieten. Aber weißt du, um uns herum gibt es so viel Thai-Food. Die Frau von nebenan macht das seit 20 Jahren. Ich kann das unmöglich besser hinbekommen als sie. Und selbst wenn – was tue ich dann vielleicht den Leuten rings um uns herum an, wenn die Leute nicht mehr zu ihnen kommen, sondern hier her. Dann verlieren sie ihre Jobs? Nein!

Wir sind viel in der Gegend herumgelaufen, haben uns umgeschaut und uns entschieden: Wir konzentrieren uns auf das Frühstücks-Angebot! Außerdem gibt es keine guten Torten in der Umgebung. Alles viel zu süß. Deshalb hat sich Sam entschieden, Backen zu lernen – ganz als Autodidaktin.” Beeindruckt strahlt er sie an. „Zu Beginn konnte sie gerade mal Kaffee machen. Und Backen erfordert so viel Talent. Ich habe keins. Ich kann gut kochen. Aber im Backen bin ich furchtbar.

Sie die Torten, er das Essen. Passt!

Sam:
Du hast es ein paar Mal probiert…“ (So schallend, wie die beiden synchron losprusten, kann ich mir die Ergebnisse lebhaft vorstellen)

“Eigentlich habe ich angefangen zu backen, weil er so oft daran gescheitert ist. Er hat es versucht, und ich dachte, das kann doch nicht so schwer sein. So habe ich mit Cheesecake angefangen und das Resultat…, Parim beendet den Satz, “war viiiel besser als meins.“ “Genau das,” hakt Sam ein, “war der Moment in dem ich mich entschieden habe „Oh das sollte ich öfter machen.“

Ich will von Parim, dem Macher, wissen, wie leicht es ihm fällt, seine Frau auch wirklich machen zu lassen.

Parim:
„Ich vertraue ihr. Immer wenn sie eine neue Torte ausprobiert, bin ich ihr erstes Versuchskaninchen. Ich darf ganz offen sagen „das ist zu süß, das ist noch nicht gut, da fehlt Salz.“ Andererseits bin ich auch nicht der Nabel der Welt. Es hängt nicht nur von meiner Meinung allein ab. Es gibt ja auch Leute mit einem anderen Geschmack.

Viele Menschen, die mal hier waren kommen wieder. Und wir wollen, dass sie sich als Teil des Cafés fühlen. Sie beeinflussen das Café und sind – wie die Familie – auch für mich die ersten Kunden, wenn ich etwas Neues ausprobieren will. Sie sind sehr direkt und sagen mir, wenn etwas nicht schmeckt. Sie versuchen nicht mal, es nett zu formulieren. Sie sagen uns sehr direkt, wenn der Preis nicht zur Qualität des Essens passt. Das hilft uns besser zu werden.”

Alles köstlich im Wooden Door Cafe Chiang Mai

Gegen Zweifel hilft: What’s next?

Gab es eine Zeit, in der du am Wooden Door Café gezweifelt hast? .

Parim:
“Irgendwie bin ich der Motivator. Sam meint immer, ich sei zu zuversichtlich. Aber weil ich in meinem Leben schon viele Fehler gemacht habe und schon viel schief gegangen ist, hatte ich viele Gelegenheiten zu lernen. Genau diese Erfahrungen helfen mir dabei, die Dinge immer positiv zu sehen. Auch wenn es mal Tage gibt, an dem wir zu wenig Kunden haben, der Monat mau aussieht und wir uns denken „ach das wird niemals funktionieren“, dauert es nicht lange, bis ich mich frage „Ok. What‘s next? Was können wir jetzt tun?“

Sam ist die Perfektionistin. Selbst wenn ihre Torten einfach WOW! aussehen, Sam ist immer noch nicht zufrieden. Sie sucht ständig nach einem Weg, es noch besser hinzubekommen.

Bei Parim heißt „Imperfect is also perfect“. Das reicht Sam noch lange nicht.

Sam:
„Er ist mein Berater.“ (sie schmunzelt)

Parim:
“Schon klar. Ich bin der Berater und dann macht die Kundin doch was sie will. Aber (er grinst zurück) – das ist in Ordnung. Denn nicht jede Entscheidung, die ich treffe ist richtig. Einige meiner Rezepte sind auch von ihr – und es funktioniert. Manchmal muss ich Kompromisse machen, obwohl ich darauf gar keine Lust habe. Aber die Leute lieben ihre Rezepte.

Die Speisen, die ich kreiere gehen zum größten Teil auf meine Mum zurück, es sind Einflüsse aus meiner Kindheit. Der gebackene Toast zum Beispiel, dazu nutzte meine Mutter Ghee. Ich nutze geschmolzene Butter. Das ist viel besser als nur trockener Toast.

Oder das Omelett, das ihr gerade gegessen habt, es ist ein Originalrezept meiner Mutter. Sie hat mir einen Rat gegeben: Mach es ganz einfach, und dann würze es gut und üppig. Sie hat mich in die Geheimnisse des Himalaya Salzes eingeweiht – ein Schatz meiner Heimat Nepal. In den meisten Speisen, die ihr hier bekommt, ist es enthalten.”

Die gemeinsame Reise hat uns zu dem gemacht, was wir sind.

Sirilada Punjasawadwong-Rai & Parim Rai Wooden Door Café mit Katrin Klemm

Frage: Wenn ihr etwas noch einmal machen müsstet – und die Frage stellt sich nach 2 Jahren Corona-Pandemie mit ganz neuem Beigeschmack, viele Läden, Restaurants und Cafés in Chiang Mai stehen heute leer – was würdet ihr anders machen?

Sam:
“Nichts.”

Parim:
“Nein, wirklich nichts, weil die Reise, die wir gemeinsam unternommen haben, uns genau zu dem gemacht, was wir jetzt sind.

Schau, zuerst wären wir nicht mal auf die Idee gekommen, uns an Essen zu versuchen. Zuerst haben wir gerade mal zusammen Kaffee gekocht, wir hatten keine Idee, wohin uns diese Reise führen würde. Keine Idee davon, Kuchen anzubieten. Wir haben ihn von außerhalb bezogen. Doch Sam war nicht glücklich damit. Also hat sie selbst ausprobiert, wie es besser geht.

Für uns geht es gar nicht in erster Linie um den Profit. Wir wünschen uns, dass Menschen kommen und hier eine gute Zeit haben. Wenn du beginnst zu kochen, geht es auch nicht um das Geld. Es geht darum, dass Menschen kommen, weil sie hungrig sind und dein Essen mögen.

Klar, gibt es viele, die uns sagen, euer Kaffee ist zu günstig, das Essen ist zu billig. Wir sagen Nein, der Preis ist schon in Ordnung, auch wenn wir natürlich unsere Kosten decken. Doch für uns ist es das ganze Ambiente, das Lebensgefühl. Wenn du hier bist und deine Zeit hier genießt, das kannst du nicht mit Geld bezahlen.”

Inzwischen bewegt sich mein Kopf wie der eines Wackeldackels automatisch auf und ab. So sehr nimmt mich die Geschichte der beiden gefangen. Jedes Wort kann ich spüren und schmecken.

Es stimmt:

„This place have some magical attraction.“

Magical attraction behind the story of Wooden Door Cafe Chiang Mai

PS:
Wenn du meine Leidenschaft für gutes Essen und lebendige Stories kennst, weißt du, dass ich bei kulinarischen Highlights immer parteiisch bin. Deshalb schau dir an, was andere über das Wooden Door Café sagen.

Anfang 2024 werde ich wieder hier sein, denn die beiden haben neue Pläne (noch topsecret!) Und wenn du in Chiang Mai bist, reise nicht ab, ohne selbst einmal die Magie hinter den Hölzernen Türen und mit ihren Menschen zu erleben.

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Willkommen 2023 – liebe dein Scheitern

„Freu dich über jeden Dreck,…”

Den Satz hat mir meine Oma beigebracht. Geboren 1920 hat sie das ein hartes Leben lang gelernt.

Ich kann ihre Weisheit gerade gut gebrauchen. Denn mein Jahreswechsel ist von duftender Sch*e begleitet. Dunkelheit. Hundehaufen. Bemerke es erst, als das Auto der Freundin stinkt. Die Pfiffis aus meiner Straße (mit ihren Menschen) hatten wohl beutelfreien Ausgang. So ein Sch*

Es gibt Menschen, die behaupten ernsthaft, das bringe Glück. Ich solle es als Omen für ein tolles 2023 nehmen. Echt jetzt?

Wir scheitern alltäglich.

Andererseits… hat nicht jede/r von uns ab und zu mal Sch*e am Schuh?

  • Verabredungen oder Aufträge, die platzen
  • Kund*innen, die dich veräppeln
  • Kolleg*innen, die sich vor den blöden Aufgaben drücken
  • Ein Virus, der dich umhaut, wenn du es überhaupt nicht brauchst
  • …ergänze die Liste gern um deine Lieblings💩

Aus Scheitern lernen wir am besten.

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die offen teilen, wenn was schief gegangen ist. Die uns mit auf die Reise nehmen, uns Version 2 ihres Versuches zeigen – auch der ist dann vielleicht nicht perfekt. Dann eben Version 3. Oder 4. Spannend, mitzuerleben, wie sich Dinge entwickeln, die nicht auf Anhieb funktionieren.

Das ist der beste Stoff für saftiges #Storytelling! Oder wie ein japanisches Sprichwort sagt: „Schwierigkeiten machen ein Juwel aus dir.“

2022 war die perfekte Juwelenquelle. Und keine/r von uns hat eine Ahnung, was 2023 für uns bereithält.

Also lass es uns anpacken:

Nehmen wir uns etwas vor, das uns wirklich berührt und mit Leidenschaft erfüllt. Hängen wir uns rein und probieren immer wieder aus, was möglich ist. Jeder Schritt in ein neues Kapitel deiner LifeStory ist ein Prototyping.. Wer sagt denn, dass gleich alles beim ersten Mal perfekt sein muss?

Lass uns träumen, ausprobieren und gelassener scheitern

Trauen wir uns zu träumen, zu gewinnen, zu scheitern, uns den Sch* abzukratzen und weiterzumachen.

Für 2023 wünsche ich dir

  • Spannende Experimente und Entscheidungen, denn du bist der einzige Mensch, der genau weiß, was richtig für dein Leben ist und was falsch. Deshalb entscheide dich und probiere dich aus. Nur so lernst du.
  • Ein paar geplatzte Träume und verfehlte Ziele als Hinweise, dass manche Dinge in Ruhe reifen wollen. Denk dran: Bestes Storymaterial!
  • Vertrauen in dich und andere.
  • Wohlwollen, heitere Gelassenheit und die Fähigkeit, gelegentliche Absurditäten mit Humor zu nehmen.
  • Menschen zu begegnen, die du (noch) nicht kennst. Reichst du ihnen die Hand, können sie Weggefährten für neue Wege werden.

Hab ein wundervolles 2023 mit kraftvollen neuen Geschichten im Innen und im Außen.

Foto Myriam Coburger

No rush! Inner Stories – ein Adventsexperiment.

Können wir unsere inner stories verändern?

Mein Selbstexperiment über die Geschichte “Zeit ist knapp”.

Ich renne nicht! Das habe ich mir für den Dezember fest vorgenommen. Doch es ist mehr als ein Vorsatz. Wie es dazu kam steht hier. Wie mir mein Experiment Tag für Tag gelingt, schreib ich für dich auf. Der aktuellste Tag steht immer ganz oben.

Freitag 23. Dezember

Es ist wundervoll kitschig, dabei so echt und einfach großartig. Während ich diese Zeilen am Küchentisch tippe, schneidet meine Mutter den Rotkohl für das traditionelle Weihnachtsessen. Morgen bei den Klößen kommt es unbedingt auf das richtige Timing an, da gehört ein bisschen Hektik dazu. Doch heute hat alles Zeit, kein bisschen Eile.

Wenn wir auf dem Markt Bekannte treffen, bleiben wir stehen und schnacken. Wir nehmen uns Zeit beim Essen, klönen, gucken Märchenfilme und sind EINFACH nur zusammen. Dieses EINFACH hat in den letzten Jahren einiges an Arbeit, viele Gespräche und auch hin und wieder Tränen gekostet. Doch dafür gibt es nun schon lange keine Weihnachtsdramen wie in anderen Familien mehr. Heute fühle ich mich gesegnet mit Eltern, mit denen ich alles besprechen kann. Wo wir nichts mehr zurückhalten sondern auch schwierige Themen auf den Tisch kommen dürfen. Jenseits allen Weihnachts-Werbe-Kitschs freue ich mich von Herzen, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Doch in mir ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Ich habe noch keine einzige Weihnachtskarte geschrieben, kann die innere Unruhe nicht vollständig unterdrücken, wenn ich die Grüße von anderen lese oder die Jahresrückblicke auf LinkedIn. Sollte ich nicht auch? Ich atme die Unruhe weg und frag mich, welche Inner Stories mich so arg triggern.

Dankbarkeit und Verbundenheit, die ich gern ausdrücken will? Schlechtes Gewissen, weil es alle tun – nur ich nicht? Das schlechte Gewissen, weil ich nicht schon längst damit angefangen habe, und vermutlich Menschen vergessen werde, die mir auch am Herzen liegen? Oder weil sich das nach Faulheit anfühlt, und Faulheit bisher in meinem Lebenskonzept nicht vorkam? Oder weil ich dann Chancen für 2023 verpasse? Na gut, ein bisschen Vorfreude auf den DeepDive am 4.1.23 habe ich schon gestreut.

Aber alles andere? Natürlich könnte ich…, die Zeit ist da. Noch einmal tief durchatmen und mich entscheiden, hier zu sein. Es ist alles eine Frage der Entscheidung, oder? Dass ich noch nicht wirklich ruhig bin, das halte ich jetzt einfach mal aus.

Donnerstag 22. Dezember

Ich spaziere durch die Stadt aus der ich komme, und doch nicht mehr zu Hause bin, genieße es, freie Zeit zu haben, absolut nichts tun zu müssen. Mit einer guten Freundin aus Schulzeiten trödle ich durch Dresden. Ich schaue in Gesichter, entdecke ehemals vertraute Orte ganz neu. Die Stadt hat sich so sehr verändert. Manchmal stehe ich da wie ein Kind dem Puzzlestück Nr. 1.001 in der Hand. Das 1.000 Teile-Puzzle liegt längst vollständig auf dem Tisch, mein Stück ist zu viel, findet keinen Platz mehr.

So viele Erinnerungen an gestern vermischen sich mit der Intensität des Jetzt. Könnte ich mir vorstellen, noch hier zu leben? Nein. Doch es ist schön zu Besuch zu sein. Zeit zu haben, sich treiben zu lassen.

No rush im Advent Katrin Klemm Storytelling

Montag 19. Dezember

Na das ist doch mal ein ganz besonderes Erlebnis von Stillstand. Die offizielle Wetterwarnung vor eisglatten Straßen macht die Entscheidung leicht. Wir verlängern unseren Aufenthalt in Karlsruhe um eine weitere Nacht, es ist sicherer. Es fühlt sich völlig entspannt und selbstbestimmt an. Mit unserer Herberge vor Weihnachten hätten wir es viel schlechter treffen können.  Denn auch wenn das Hotel Santo baulich schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist, es bleibt charmant und hat wohlwollendes herzliches Personal, das sich beim Frühstück Zeit für einen Schnack nimmt und auch nachts um 2 Uhr noch eine Wärmflasche besorgt.

Sonntag 18. Dezember

Karlsruhe. Sankt Stephan. Die Weihnachtsgeschichte heute.

Zeit haben. Hinschauen. Entdecken. Nachdenken zulassen.

No rush im Advent Katrin Klemm Zeit Stories zu erleben

Freitag 16. Dezember

Abstand von Orten, an denen wir zu arbeiten gewohnt sind, weckt oft den Blick auf ganz neue Details. Heute verlasse ich meinen Schreibtisch zum letzten Mal 2022 und mache mich auf die Reise in die Feiertage zum Jahreswechsel. Das heißt nicht, dass es nichts mehr zu tun gibt. Das heißt für mich eher Orte zu finden, an denen ich Lust habe, das eine oder andere noch zu erledigen.

Es heißt auch, mich einzulassen auf eine Zeit ohne Taktung, auf inneres Erleben, wann was dran ist. Auf der Reise gibt es immer Geschenke zu entdecken, sobald ich es mir erlaube mir für die Schönheit in den Details Zeit zu nehmen. Wirklich hinzusehen. Im Hier und Jetzt zu sein.

Katrin Klemm no rush im Advent - Storytelling - Selbstexperiment Blick für Details

Donnerstag 15. Dezember

Du denkst, schlimmer geht’s nicht. Dann entdeckst du, dass du dich geirrt hast.

Aus dem Mittwoch war noch ein super Tag geworden. Er war lang, intensiv. Mit Coaching und Newsletter und Schreibkurs. 23:00 Uhr  ich war gerade dabei den Rechner runterzufahren, entdecke ich eine freundliche Mail von Austrian Airlines, dass von unseren Rückflügen aus Thailand einer gecancelt wurde (und  keiner der anderen Anschlussflüge mehr passt). Wir sollten uns im Service-Center melden. Na gut, dachte ich, machste gleich.

Du weißt vermutlich, wie Wartelistenmusik klingt. Nach 60 Minuten war ich noch der Meinung (ich war von Warteplatz 77 auf 44 vorgerückt), die der Lufthansa könne ich ganz gut aushalten. Nach 90 Minuten war ich leicht genervt (inzwischen Platz 7). Nach 116 Minuten wollte die Dudelmusik mir wohl was Gutes tun und die Verbindung brach ab. Was hätte ich in dieser verschenkten Lebenszeit alles tun können. Neiiiin, ruhig und entspannt war ich da nicht mehr und an entspanntes Einschlafen nicht mehr zu denken.

Ich sende den Newsletter raus, da kommt zu den geplanten Jobs noch die Steuererklärung 21 reingeflattert und will geprüft werden. Eine ganz wunderbare Klientin hängt heute in den Seilen. Wir vertagen uns (im begründeten Ausnahmefall bin ich da sehr unkompliziert). Diese zwei Stunden nutze ich dann, um doch wirklich beim achten Versuch einen echten LH-Menschen an die Leitung zu bekommen und 35 Minuten später habe ich neue Tickets. Geht doch… aber ich bin sowas von platt. Und renne gefühlt ganz heftig im Moment.

Fast bin ich versucht, mein Selbstexperiment aufzugeben. 15:30 Uhr Mittagessen. Nudeln helfen immer.

Und dann gebe ich mich geschlagen. Es werden Dinge liegenbleiben, die nicht liegen bleiben sollten. Doch morgen Vormittag verlasse ich meinen Schreibtisch. Und ich könnte jetzt meine Netzwerkverabredung absagen und bis Mitternacht durchrocken. Mach ich nicht. Echte Menschen sind einfach wichtiger.

Mittwoch 14. Dezember

2:30 Uhr och nö, ne? Um diese Uhrzeit über Themen und Formulierungen für den ungeschriebenen Newsletter nachzudenken – völlig überflüssig. Und doch liege ich wach.

5:00 Uhr “Wie soll ich das alles noch bis zum Jahresende hinbekommen?” Gedanken kreisen unablässig. Und ich weiß, dass es so vielen von euch genau so geht. Ich habe kein Patent dafür. Ich experimentiere nur.

8:00 Uhr – die Vögel lärmen vor dem Fenster. Na gut, wenn es sein muss… Dabei ist es doch so schön warm und kuschlig unter der Decke. Meine Gedanken wandern zu jenen, die so weit davon entfernt sind, meinen einfachen Luxus zu genießen. Menschen auf der Straße überall, Kinder und Frauen… Ich unterstütze in diesem Jahr Tatjana Kiel und Dörte Kruppa, die mit ihrer Initiative #WeAreAllUkrainians Unglaubliches geleistet haben. Hast du noch Weihnachtsgeld übrig, HIER ist es gut aufgehoben.

Die Stimme meiner Großmutter im Kopf “Reiß dich zusammen!” (ehrlich gesagt, hat sie es noch drastischer ausgedrückt). Doch mein STOP ist laut. Denn Zusammenreißen gehört in die Kiste mit den old stories. Heute weiß ich, dass ich entscheiden kann. Ich entscheide mich, aufzustehen – ich werde sehen, was alles in diesen Tag passt.

Dienstag 13. Dezember

Ich bin kurzsichtig und muss deshalb hin und wieder für eine Durchsicht 😉 zur Augenärztin. Um den Augenhintergrund sehen zu können, bekomme ich Tropfen, die die Pupillen erweitern – in der Zeit kann ich nicht viel sehen. Und noch weniger tun. Es hat sich gelohnt. Angeblich habe ich nicht nur den schönsten Augenhintergrund, den sie seit Jahren gesehen hat (ab heute denke ich “Innere Schönheit” ganz neu) sondern ich habe auch ausgehalten, nichts zu tun.

Zugegeben – es hat sich sehr nach Hölle angefühlt. Denn eigentlich wollte ich heute den letzten Newsletter des Jahres mit den Weihnachtsgeschenkrabatten zur LifeStory in Portugal und vier neuen SchnupperWorkshops zum Minipreis versenden. Doch da ich – 20:15 Uhr, draußen stockdunkel – noch immer mit Sonnenbrille vor dem Monitor sitze, wird das heute nichts mehr. Langsam wird’s eng mit der Arbeitswoche. Ich halte das aus, ich halte das aus, ich ooom… No rush ist manchmal viel schwerer als gedacht.

Sonntag 11. Dezember

Der kleine König Dezember – nach 15 Jahren zum letzten Mal im Goldbek-Haus. Ein Abschied. Doch dank des Stückes immer wieder Neubeginn. Denn da sind noch sehr viele Träume in sehr vielen Schachteln.

In den letzten Stunden des Sonntags schaffe ich dann alle – wirklich alle Stapel wegzuräumen. Und das in Ruhe. Am Sonntag. Schau mal an, was alles geht, wenn die Zeit knapp ist.

Samstag 10. Dezember

Das no rush Experiment zeigt Folgen. Im Büro stapeln sich die Stapel. Das halte ich gerade nicht so gut aus.

Freitag 9. Dezember

Meine kleine Schwester heiratet. Jetzt aber wirklich. Was vorher geschah

Donnerstag 8. Dezember

Wieso ist es schon so hell, als ich aufwache? Mist, verpennt. 40 Minuten bis Altona, heute ist mein letzter Kurstag im Lotsenhaus bei Hamburg Leuchtfeuer. Das schaffe ich nie. Es sei denn, ich renne. Doppelchallenge. Renne ich oder nicht? Halte ich es aus, zu spät zu kommen? Oder renne ich doch, ergreife ich den Zipfel der Chance, in letzter Sekunde pünktlich zu landen? Also Ausnahme: ich renne.

Ab Hauptbahnhof fährt die S-Bahn Umleitung. 2 x Umsteigen bis Altona. Glückwunsch, Rennen lohnt sich nicht.

Mit drei (!) Minuten Verspätung nehme ich Platz in der Gruppe. Vor dem Fenster flockt in genau diesem Moment behutsam der erste Schnee der Saison in dicken Fetzen. Die Schneefetzen trudeln gemütlich. There is no rush (so lange kein Wind sie durch die Gegend bläst). Was bläst mich bloß die ganze Zeit an?

Und als gegen Abend der Kurstag Trauerbegleitung zuende geht, hat der Begriff der Zeit in der Beziehung zu Tod und Sterben eine ganz andere Dimension bekommen. Das Rennen wird so unwichtig…

Die Zeit ist, was sie ist. Ob wir nun rennen oder nicht.

Mittwoch 7. Dezember

Zu meinen Stärken gehört es, Meetings pünktlich auf die Minute zu beenden. Das ist meine Vorstellung von Respekt vor unserer knappen Ressource Zeit dieser Tage. Am Nachmittag erlebe ich ein Kundinnentreffen ohne feste Agenda. Nur mit dem Ziel, dass alle etwas Positives daraus mitnehmen. Ziel erfüllt, Zeit 1A eingehalten, kein bisschen gerannt. Bin gespannt was sich entwickeln wird.

Abends beim Schreiben mit Barbara Pachl ist es heute nicht leicht, was aufs Papier zu bringen. Störrische Wörter. Normalerweise sind der Timer für die verbleibende Schreibzeit und ich beste Freunde. Heute zerrt er die Angst vorm Versagen auf den Tisch. Hm. Hinschauen. Akzeptieren was ist. 21 Uhr  – der Timer hat Feierabend und mein Text heute eine besondere Tiefe.

Fazit: Das ist ja interessant.

Dienstag 6. Dezember

7 Uhr – beim Aufwachen der Schreck „Bis zur Workation sind es nur noch 4 Wochen?!“ Sollte ja eigentlich ein Grund zum Freuen sein. Doch meine Gedanken rattern auf Autopilot: “Was ist bis dahin alles noch zu tun? Wie soll ich das noch unterbringen?”. Meine persönliche Notbremse ist das zu mir selbst gesprochene Mooooment. Mit vier „o“. Mindestens. Das hilft sofort. Dann sortiere ich den Tag und lege los. Ganz in Ruhe, wenn auch ohne Frühstück. War nicht hungrig, also was soll’s.

Am Abend…

Kennst du auch das Gefühl „Heute habe ich nix geschafft. Aber so viel gemacht!“? Willkommen im Club.

Dabei gab es ein intensives Coaching, direkt danach ein stärkendes Netzwerk-Date mit meiner WOL-Gruppe von 2020. Ladies ihr seid so zauberhaft – und ich schätze es enorm, mit euch seit 2 Jahren einmal im Monat ein Stück gemeinsam zu gehen. Da ist so viel Ruhe drin, da muss nichts, da darf alles ausgesprochen werden.

Am Nachmittag dann Sichtgläser für die Tauchmaske (Workation!), Balkonblumenkästen in den Keller, neuen Drucker angeschlossen – das flutscht heute in Ruhe völlig problemlos, auch wenn die Technik sonst nicht immer mein Freund ist.

Jetzt setze ich mich in Ruhe an den Schreibtisch und schau genauer hin, was ich alles erledigt habe. Weil es dran war. Weil ich mich entschieden habe, es genau so zu priorisieren.

Fazit: Fühlt sich gut an, so viel Klarheit. Ruhig. Trotz Schreck in der Morgenstunde.

Montag 5. Dezember

Der Kalender für die vorletzte Arbeitswoche ist voll. Meine Versuchung, drei Gänge hochzuschalten pulsiert.

12:00 Uhr mittags – und schon sehen die nächsten 3 Tage wieder ganz anders aus als geplant. Ich atme durch: Das wird scho.

Beim Essen am Nachmittag dann kalter Entzug. Fies! Die Gabel noch im Grünkohl, bin ich in Gedanken längst aufgestanden, um “mal eben schnell” den Espresso anzustellen. Kann ja kochen, während ich … Und zack, in die Rennfalle getappt. Bin froh, dass ich nicht allein esse und deshalb physisch sitzen bleibe, bis der Teller leer ist.

Klingt nach Kinderkram? Erschreckenderweise nicht. Es haut mich ganz schön um, zu spüren, wie schwer mir no rush wirklich fällt. Danach brauche ich Bewegung, geh für eine Freundin ihren Lieblingstee einkaufen. Renne zweimal, um die Ampel noch bei Grün zu erwischen. Hätte nicht sein müssen, es kommt auch wieder Grün. Doch ich halte es heute nicht aus.

Fazit: oha, das wird wohl doch nicht ganz so einfach.

Sonntag 4. Dezember

Keksbacktag mit den Kindern. Bin ziemlich spät aufgewacht. Doch was soll’s. In diesem Jahr verzichten wir auf die traditionelle Soljanka danach. Eine Suppe, die wir alle am Abend nach der Zuckerflut lieben und gut gebrauchen können. Doch die verlangt einen umfangreichen Einkauf und Stunden für die Zubereitung. Ich entscheide mich für die weltbeste Tomatensoße der Welt. In aller Ruhe. Sie ist köstlich und ich bin bis zur letzten Backminute völlig entspannt.

Samstag 3. Dezember

Heute ein Tag ganz für mich allein. Ist es eigentlich der erste in diesem Jahr? Zeit, nichts zu tun. Das heißt bei mir nicht gar nichts tun. Es heißt, mich treiben lassen und tun, worauf ich Lust habe. Heute ein schönes Frühstück, Flaschen endlich ins Altglas bringen, in meinem zweiten Wohnzimmer – der Zentralbibliothek in Hamburg – herumsitzen, mich mit meinem Franzbrötchen, dem Cappucino und vier Büchern wie ein Zwerg an dem zu hohen Tisch zu fühlen. Lieblingsespresso in der Rösterei kaufen und bei Thalia aus der Flut der Kalender einen für die Eltern auswählen. Dann verlasse ich die viel zu rummelige Innenstadt. Ganz piano.

Zu Hause einen Kakaokaffee und „Wenn Katzen Weihnachten feiern“ – entdecke die Geschichte von Kater Schmidt, der aus Tavira – meinem Herzensort der LifeStory – stammt. Kann nicht widerstehen, lese als Adventsüberraschung ein Audio für meine Teilnehmerinnen ein. Freue mich still vor mich hin. Telefoniere mehr als eine Stunde mit meiner Mutter. Das haben wir schon lange nicht mehr gemacht.
Abends Rosenkohl mit Semmelbröseln, Knoblauch, Pfeffer  – ein Gedicht. Dazu einen Glühwein mit viel Zimt und Nelken. Versacke bei Alice – einem Film über Alice Schwarzer. Lohnt sich.

Fazit: Kein einziges Mal gerannt. Wow.

Freitag 2. Dezember

Heute geht der letzte Teil der portugiesischen LifeStory aus 22 zu Ende. Eine der Teilnehmerinnen ist heftig erkältet. Wir basteln uns ein hybrides Meeting – denn das haben die Frauen, die sich in diesem Jahr auf ihre Reise zu sich selbst – und mit mir nach Portugal gemacht haben, mehr als verdient. Es war eine intensive Arbeit, die sich gelohnt hat.

Auch wenn der Tag heute um acht begonnen und erst kurz vor Mitternacht geendet hat, wenn er lang und intensiv war: Gerannt bin ich nicht.

Donnerstag 1. Dezember

Zack, da sind sie schon. Mit der gleichen Zuverlässigkeit wie Lebkuchen ab Anfang September in den Supermärkten, trudeln die ersten Mails und Karten ein, mit besten Wünschen für einen besinnlichen, gemütlichen, friedlichen Advent mit Kerzenschein, Plätzchenduft, und Kuschelrückzug und …

Stop! Glaubt irgendjemand wirklich, was er/sie da schreibt? Hand auf’s Herz, wem gelingt denn Besinnlichkeit in den letzten Wochen des Jahres noch?

Sicher, viele schreiben und wünschen es uns. Doch wen kennst du, der/dem das wirklich gelingt… Ich bisher keine/n.

Keine Selbständige, die hektisch in den letzten Aufträgen hängt, die der Kunde unbedingt noch 22 fertigbekommen will. Keine Angestellte, die bis Jahresende neben Weihnachtsfeiern auch noch alle Projekte unter Dach und Fach bringen muss, die Budgets ausgeben, die neue Finanzplanung aufstellen. Keine Mutter – ganz gleich ob Fest oder Frei, die nicht hektisch Weihnachtsgeschenke ranschafft oder die Teenager bei ihren letzten Klassenarbeiten vor Weihnachten unterstützt. Keine Tochter, die nicht schon das komplizierte Wer-besucht-wen-wo-an-welchem-Weihnachtstag-Jenga austüftelt. Jeden Abend eine andere Veranstaltung und am Wochenende ist Großkampftag im Kekse backen.

Besinnlichkeit? Fehlanzeige.

Dabei sind viele von uns ganz schön durch mit dem Jahr.

Puh.

Ich auch.

Ich will nicht rennen. Das nehme ich mir jedes Jahr vor. Hat bisher noch nie funktioniert.

Ich werde nicht rennen. Zack, und schon erwische ich mich doch dabei, noch schnell auf den letzten Drücker, nur heute, ab morgen ist es anders…

Ich renne nicht! Mit Ausrufezeichen. Oh, das fühlt sich gut an. Denn das ist kein Vorsatz, das ist Jetzt und Hier. Ganz im Moment. Ich entscheide mich jeden Augenblick neu. Na das ist doch mal ein interessantes Experiment. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte.

Für die Coaches und alle anderen Schlaumeier unter uns: natürlich ist ein Satz mit einer Verneinung drin kein wohlformuliertes Ziel. Aber ich will im Moment auch kein Ziel. Ich will den Weg entdecken, will ausprobieren, wie es sich anfühlt, nicht zu rennen. Bin neugierig, herauszufinden, was ich stattdessen tue. Wo die Alternativen zur adventlichen Rennerei liegen. Für mich. Und ob es die überhaupt gibt.

Stay tuned. Ich bin es auf jeden Fall.

Ist dir das alles völlig fremd? Schaffst du das mit besinnlichem Advent? Teil gern dein Geheimnis mit mir. Gleich hier in den Kommentaren.