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Sich selbst treu bleiben durch ein klares Nein

Es geht darum, Entscheidungen zu treffen und sich selbst treu zu bleiben“, sagt Tatjana Kiel auf die Frage, ob Nein sagen können zu einem erfolgreichen und glücklichen Berufsleben dazu gehört. Sie kümmert sich um die Planung und Verfolgung der nachhaltigen zweiten Karriere von Dr. Wladimir Klitschko. In diesem Zuge hat sie mit ihm die Methode F.A.C.E. the Challenge entwickelt.

Wie wichtig ist es, Nein sagen zu können, um beruflich und privat erfolgreich zu sein?

Nein zu sagen ist eine strategische Frage: Was tue ich und was nicht? Es ist mein Entscheidungsvermögen, ob ich A oder B wähle. Ich muss meine Kräfte bündeln, mich fokussieren auf das, was ich wirklich will. Sobald ich mich für das eine entschieden habe, sage ich zu dem anderen deutlich Nein und bleibe auch dabei. So bleibe ich mir treu.

Diese Haltung hat sich in meiner fast 15jährigen Zusammenarbeit mit Wladimir noch einmal stärker ausgeprägt. Durch ein klares „Nein“ gibt man sich selbst und seiner Umgebung ein orientierendes Wertesystem, an dem entlang alle arbeiten und die gesteckten Grenzen besser einschätzen können.

Ich will in den Spiegel schauen und hinter allem stehen können, zu dem ich Ja oder Nein, A oder B gesagt habe. Ich suche zuvor die Chancen, kläre die Risiken, finde Stärken und Schwächen heraus. Meine Entscheidungen basieren auf einer Kombination von Bauchgefühl und SWOT-Analyse. Auch in dieser Hinsicht macht es mir unglaublich Spaß, mit Wladimir Klitschko zu arbeiten. Er tickt da sehr ähnlich und unterstützt meine Art der Entscheidungsfindung für unser Unternehmen.

Strategisches Handeln bedeutet für mich, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden und das Gedankenspiel „Was wäre wenn“ zu unterlassen. Wenn ich mich erst einmal entschieden habe, gehe ich diesen Weg und trauere nicht dem anderen hinterher. Ich bleibe bei meiner Entscheidung und fühle mich gut damit.

In unserer Methode F.A.C.E. the Challenge haben wir genau diesem Thema „Entscheidungen treffen und sich sämtlicher Konsequenzen bewusstwerden“ den gesamten ersten Prozessschritt „F“ für Focus gewidmet. Wir wissen, dass jede einzelne Entscheidung eine Richtung vorgibt. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, muss ich mich entscheiden und dabei bleiben, weil ich sonst in den Zick-Zack-Kurs verfalle. Und Zick-Zack führt nirgendwohin – nicht beruflich und auch nicht privat. Ausdauer, die wir in unserer Methode „E“ für Endurance nennen, gehört zum Nein-Sagen ebenso wie zum Ja-Sagen dazu. Jede Entscheidung erfordert Durchhaltevermögen.

Was sagst Du lieber: Ja oder Nein?

Mir persönlich fällt ein Nein fast leichter als ein Ja. Ich treffe eine Entscheidung – A oder B. Oft bedeutet ein Nein keine Entscheidung gegen etwas, sondern vielmehr ein Ja zu etwas anderem.

Wenn ich etwas wirklich will, von einer Sache wirklich überzeugt bin, gibt es da für mich auch keine Frage, ob es noch kleine „vielleicht wäre das und das auch nett“-Optionen gibt. Wladimir nennt das „Besessenheit / Obsession“ und meint das ganz positiv. Nur wenn man von einem Ziel wirklich besessen ist, wird man alles dafür tun, es zu erreichen. Ganz gleich ob es schwierig ist, egal, welche Abstriche man an anderer Stelle machen muss und egal wie viele Neins es kostet, dieses eine große Ja zu erreichen. Ich bin da nicht ganz so totalitär, verstehe aber, woher Wladimirs Einstellung kommt und habe da auch für mich viel rausgezogen.

Ein Nein kann für alle Seiten etwas Positives haben, auch wenn es meinem Gegenüber zunächst schwerfällt, das zu akzeptieren.

Entscheide! Sonst entscheiden andere über Dich.

Und es gibt eine weitere Wahrheit, die ich aus der Zusammenarbeit mit Wladimir gelernt habe: Manchmal treffen Menschen Entscheidungen einfach für dich, wenn du es nicht tust.

Dann musst Du in der Lage sein, zu Deinem Nein zu stehen. Dann muss man in der Lage sein, auch im Nachhinein klar Nein zu sagen und diese Entscheidungen wieder rückgängig zu machen. Solche Situationen sind besonders anstrengend, helfen jedoch dabei, die eigene Positionierung zu stärken. Sie spornen an, die Entscheidung das nächste Mal  früher zu treffen und damit die Fäden in der Hand zu behalten. Wer aber bei schwierigen Gesprächspartnern zu seinem Nein steht, verschafft sich Respekt und die Sicherheit, dass nichts mehr über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird.

Wie sagst Du diplomatisch und gekonnt Nein?

Wenn ich für mich selbst eine Entscheidung treffe, spielt die Kommunikation darüber ja eher eine abschließende Rolle. Sie nimmt keinen Einfluss auf meinen Entscheidungsprozess.

Grundsätzlich nehme ich mir  – gerade wenn mein Bauch zu einem Nein tendiert – vorher die Zeit zu überlegen, welches meine stärksten Argumente sind – und beziehe dabei mit ein, was ihn oder sie verletzen könnte. Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein halbes Ja viel mehr und anhaltender verletzt als ein deutliches und begründetes Nein. Der andere spürt, wenn wir halbherzig Ja sagen, und läuft dann im Verlauf eines Projekts gegen unsichtbare Wände, die ihm schließlich doch zeigen, dass man das Ja nicht so gemeint hat.

Außerdem versuche ich, gleich zum Start eines Nein-Gesprächs zu vermitteln, dass ich Verständnis für mein Gegenüber und sein Anliegen habe. Zum Beispiel sage ich: „Ich weiß, ihr habt das Ziel…“ Anschließend mache ich deutlich, dass ich weiß, warum mein Gegenüber dieses Ziel hat. Wenn jemand beispielsweise mit uns zusammenarbeiten will, heißt das: „Ihr wisst, wir sind stark in diesem oder jenem Bereich“. Mit meiner Aussage „Eigentlich ist das eine tolle Idee..“ hole ich mein Gegenüber ab, gebe ihm meine Zustimmung.

Dadurch gelingt es mir, die Emotionen aufzunehmen, die der andere in der Angelegenheit hat. Dann bringe ich meine Argumente, die deutlich machen, warum etwas für mich nicht in Frage kommt: „Deshalb ist das nichts für uns…“. Diese Begründung ist sehr sachlich, ohne Emotionen. Das gelingt umso transparenter, je deutlicher ich weiß, wofür ich stehe und welchen Weg ich mit meiner Entscheidung verfolge. Im besten Fall kann mein Gegenüber so das Nein auch annehmen, verarbeiten und auch etwas für sich herausziehen.

Klappt das dann auch spontan?

Tatjana (lächelt): Ja, das klappt dann auch spontan. Wenn ich mir im Gespräch einen Augenblick nehme, mich zurückzulehnen und nur ganz kurz nachzudenken, funktioniert es gut. Allerdings nur, wenn man es ein paar Mal geübt hat. Dann bin ich auch in der Lage, mir die Konsequenzen aus einer Ja- oder Nein-Entscheidung sehr schnell vor Augen zu führen. Damit hat man die Fäden selbst in der Hand.

Was war das lehrreichste Nein, das Du bislang ausgesprochen hast?

Einmal kam ich als Teilnehmerin zu einem Termin. Erst im Termin selbst stellte sich heraus, dass ich das Treffen leiten sollte und unser Gegenüber am Tisch plötzlich all seine Erwartungen auf mich projizierte. Gut, ich bin ein pflichtbewusster Mensch. Ich habe in dieses Gespräch rasch Struktur gebracht und dafür gesorgt, dass wir eine Strategie entwickeln konnten. Das hatte sich einfach so ergeben und ich konnte meine Kompetenz unter Beweis stellen.

Plötzlich allerdings sah mich mein Gegenüber als seine direkte Ansprechpartnerin und ich hatte die Abwicklung des gesamten Projektes auf dem Tisch. Seit diesem Tag mache ich – selbst wenn solche Überraschungs-Meetings vorkommen – rasch klar, was die Konsequenzen sind, wenn ich zusätzliche Aufgaben ohne Unterstützung übernehmen würde. Ich grenze mich dann sofort ab, und kläre mit den anderen Anwesenden ihre jeweiligen Aufgaben in diesem Meeting und vor allem auch in der Nachbereitung und Nachbetrachtung. Das funktioniert sehr gut.

Das war von daher eher ein lehrreiches Ja.

 

 Seit 2007 arbeitet Tatjana Kiel mit den Klitschko-Brüdern. Seit 2016 ist sie als CEO von Klitschko Ventures für die Karriere nach der Karriere von Wladimir Klitschko zuständig. Sie bekommt jeden Tag zahlreiche Anfragen, die sich alle ein „Ja“ wünschen würden. Deshalb hat Tatjana Kiel in ihrer Position gelernt, zu einer charmanten Profi-Neinsagerin zu werden und sich auch in schwierigen Situationen durch ein klares „Nein“ Respekt zu verschaffen. Dies war ein einem männerdominierten Sport sehr wichtig,ist aber auch in der freien Wirtschaft eine Fähigkeit, von der sie stark profitiert.

Nein sagen ist für sie eine klare strategische Entscheidung.

 

Foto: Rieka Anscheit

Ich kann nicht heißt: Ich will nicht.

Im letzten Winter: Draußen vorweihnachtliches Matschwetter. Mit Freunden und Kollegen waren wir zum Bowling unterwegs. Wir bowlten was das Zeug hielt – zielten, schwitzten, ächzten. Wir hatten Spaß, auch nach den ersten Dutzend Pudeln*, die ich produzierte. Sie wissen, was ich meine? Die Bowling – Kugel hat drei Löcher. In eines kommt der Daumen. In die anderen versenke ich wahllos zwei andere Finger. Dann hebt man das gewichtige Ding an, holt Schwung, zielt auf die Kegel am Ende der Bahn, lässt los und … doing – in meinem Fall touchiert die Kugel grundsätzlich erst einmal die Seitenbande der Bahn .

Irgendwann kam der Ärger

Bei allen anderen fielen die Kegel um. Meine Kugel schlitterte jedes Mal dran vorbei. Mein gute-Laune-Pegel sank. Vor allem da auf der Nachbarbahn vier junge Leute einen Strike (alle zehn Kegel fallen beim ersten Wurf) nach dem anderen warfen – hmm, das sah echt gut aus bei denen. Ich begann zu beobachten. Vor allem den Trainer der Youngster. Mit dem geschulten Blick eines Trainers fiel ihm mein Starren auf.
Ruhig und gelassen schob er seinen massigen Körper zu mir herüber. „Wissen Sie, was Sie falsch machen, junge Frau? Sie stecken Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger in die Löcher – so wird das nie was. Sie müssen es mit Daumen, Zeigefinger und Ringfinger tun und der Ball wird viel ruhiger laufen.“
„Aha, na wenn Sie meinen“, dachte ich mir und begann meine Finger unnatürlich zu verrenken, um diese Fingerstellung hinzubekommen.

Das geht nicht! Das kann ich nicht!

Nach fünfzehn Minuten keine Änderung, der Ball knallte immer noch abwechselnd links und rechts an die Bande. Nur meine Finger konnte ich kaum noch bewegen. Himmel tat das weh, den Mittelfinger abzuknicken und die anderen drei zu benutzen. Und von Erfolg keine Spur!
Schmollend schlurfte ich zur Nachbarbahn: „Das geht nicht. Das kann ich nicht.“ Aus einer Höhe von zwei Metern traf mich ein Blick – in der Ausdruck irgendwo zwischen liebenswürdigem Großvater und strengem Weihnachtsmann.

„Hören Sie auf, sich selbst zu betrügen, junge Frau!“ „Wie bitte?“, schnappte ich zurück. „Ja, Sie machen sich selbst etwas vor. Ein ‚Ich-kann-nicht‘ gibt es nicht. Sie wollen nicht. Das ist die Wahrheit.“ Dazu fiel mir nichts mehr ein. Er hatte mich kalt erwischt. Ich blies die Lippen auf und trollte mich: „Was soll’s – ist doch nur Bowling“…

Tief in Gedanken versunken stapfte ich später durch den Schneematsch nach Hause: „Selbstbetrug. Von wegen“, grummelte es in mir noch die halbe Nacht.

Selbstverantwortung übernehmen

In den nächsten Wochen begann ich genauer hinzusehen Der Spruch des Alten klebte in meinem Kopf wie Kaugummi am Schuh. Bei jedem ‚Ich kann nicht‘ kam ich mir ertappt vor und begann eines nach dem anderen auseinanderzunehmen. Und jedes Mal fiel mir auf – er hatte Recht. Ich hatte mir eine Geschichte über mich selbst erzählt. Eine Geschichte, die ich ändern konnte.

Wie oft nutzen wir die bequeme Ausrede ‚Ich kann nicht‘ wenn wir nicht bereit sind, die Investition in Mühe und Schweiß zu erbringen, die es manchmal kostet, etwas zu erreichen, was uns das Leben nicht auf einem Silbertablett servieren will. Oder wie oft sind wir einfach nicht ehrlich genug, die Entscheidung ‚Ich will nicht‘ zu treffen und dazu zu stehen.

Zuversicht: eine bewusste Entscheidung

Es stimmt – Zuversicht ist eine bewusste Entscheidung. Ich kann mir aussuchen, ob ich Dinge tun will, sie immer und immer wieder versuche, auch wenn sie unbequem sind. Ich entscheide mich zu trainieren, zu schwitzen, manchmal an mir zu zweifeln, fast zu verzweifeln. Oder ich entscheide mich, damit aufzuhören. Meine Talente woanders einzubringen.

Doch so wie die Entschlossenheit reift, es wirklich anzupacken, wachsen auch Zuversicht und Vertrauen und es stellen sich oft Mitstreiter und Hilfe von ganz unerwarteter Seite ein.

Welche Stories erzählen Sie sich über sich selbst?

 

 

* Ein Pudel ist ein Fehlwurf, der in einer der beiden Auffangrinnen rechts und links der Bahn landet statt die Kegel sauber umzulegen.

(Foto Skeeze/Pixabay)

 

 

 

Tu was dran ist. Das Wichtige. Das Richtige.

Genug vom täglichen To-Do-Marathon? Dann setzen Sie Prioritäten und entscheiden selbst, was Sie tun und was Sie lassen!

Wichtig oder Dringend? Finde es raus!

Kunde, Chefin, Telefon, WhatsApp oder Chat…, sobald etwas von außen unsere Aufmerksamkeit verlangt, (ver-)schenken wir die meist sofort. Selbst wenn es uns von unseren eigentlichen Zielen abhält! Doch wenn Ihr täglicher Deadline-Marathon Ausmaße angenommen hat, die Sie nachts nicht mehr schlafen lassen, dann ist es höchste Zeit für ein Zeit-Management, das Ihre Prioritäten berücksichtigt!

Klar, Zeit kann man nicht managen. Das ist bekannt.

Doch wie folgen Sie dem, was Ihnen am Wichtigsten ist? Was bekommt Priorität, wenn es ‚brennt‘? Finden Sie zuallererst heraus, welche Erwartungen Sie selbst und andere an Sie stellen. Erkennen Sie das „Wozu?“, dann das „Was?“ und das „Wann?“. So befreien Sie sich von versteckten Zeitfressern und schaffen Raum für das Wesentliche.

So geht’s

Zuerst Auftrag klären

Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und schreiben Sie auf, weshalb Sie überhaupt auf der Gehalts- oder Honorarliste stehen. Wie lautet Ihr Auftrag? Welche Ergebnisse werden von Ihnen erwartet? Wofür werden Sie bezahlt?

Dann Aufgaben zusammentragen

Teilen Sie ein zweites Blatt wie folgt.

Aufgaben Liste Katrin Klemm

Betrachten Sie jetzt einen typischen Arbeitstag und notieren im linken Feld alles, was Sie den Tag lang tun. Schreiben Sie wirklich alles auf.

Dann nehmen Sie zwei farbige Stifte. Markieren Sie mit der ersten Farbe alles, was direkt dazu beiträgt, Ihren Auftrag zu erfüllen. Mit der zweiten Farbe markieren Sie die Dinge, die Sie dabei unterstützen. Also all das, was – ließen Sie es ausfallen – es erschweren, aber nicht unmöglich machen würde, Ihren Auftrag umzusetzen.

Alles, was Sie künftig mit mehr Ruhe und Konzentration tun möchten, ist in der ersten Farbe markiert. Das übertragen Sie ins Feld rechts oben. In das verbleibende Feld schreiben Sie, wozu Sie „Nein!“ sagen werden (Farbe zwei).

 

Katrin Klemm StoryTelling Training StoryWork Coaching Prioritäten

 

Prioritäten setzen – das kleine ABC und D

Nach dem Eisenhower-Prinzip teilt man Dinge in dringende und wichtige Aufgaben ein.

Dringend sind Aufträge, die zu einem bestimmten Termin erledigt sein müssen. Präsentationen, die zu einem festgesetzten Zeitpunkt stattfinden und deren Termin durch nichts zu verschieben ist, zum Beispiel. Oder die Fertigstellung von Weihnachtskarten, deren Versand nach dem 24. Dezember keinen Sinn mehr macht. Weil Kunden, Chefs oder Kollegen hier oft Druck machen, konzentriert man sich schneller darauf, als einem lieb ist. Doch möglicherweise sind sie nicht wichtig für Ihre Ziele. Wichtig sind Aufgaben, die ertragreiche Auswirkungen haben. Das sind oft strategische, langfristige oder präventive Dinge wie Business-Pläne, Team-Aufbau oder Weiterbildungen.  Aus „dringend“ und „wichtig“ kann man ein Raster aufbauen, das für jeden – je nach Branche, persönlicher Einstellung (etwa: Wie schnell will ich mich zurückmelden, um als zuverlässig zu gelten?) oder Verantwortung im Job – unterschiedlich aussieht:

 

Prioritäten deiner Story Katrin Klemm

 

  • A-Aufgaben sind wichtig und dringend: Sie müssen sofort selbst anpacken. Hier steht viel auf dem Spiel. Entscheiden Sie sich, das Problem schnell zu lösen, manchmal ist es eine Krisensituation (etwa wenn ein wichtiger Kunde droht abzuspringen).
  • B-Aufgaben sind wichtig aber (noch) nicht dringend: Nehmen Sie sie in ihre Zeitplanung auf und bearbeiten Sie sie. Reservieren Sie sich dafür ein Zeitfenster und halten dieses unbedingt ein! Hier darf Sie kein Kollege und kein Telefon stören. So vermeiden Sie es, solche Aufgaben – im Strudel der Sofort-Anforderungen Dritter – auf die lange Bank zu schieben und dann in Hauruck-Aktionen abarbeiten zu müssen.
  • C-Aufgaben sind weniger wichtig bis unwichtig, aber dringend: Hier stecken sie, die typischen Unterbrechungsfallen (Anrufe, Mails, Kollegenwünsche). Wenn Sie delegieren können, tun Sie es. Bündeln Sie E-Mail-Bearbeitung, Telefonate, Recherchen und andere Termine in Blöcken. Wenn ein Kollege Ihre Hilfe braucht, vereinbaren Sie einen Termin (zu dem sie dann auch konzentriert für ihn da sind).
  • D-Aufgaben sind unwichtig und nicht dringend: Versenken Sie diese Aufgaben zügig im Papierkorb. Wenn Ihnen das zu heikel ist, legen Sie sie für eine Woche auf einen Extra-Stapel, prüfen Sie diese am Freitagabend und entsorgen Sie sie, wenn sie feststellen, dass kein Mensch danach gefragt hat.

Überprüfen

Schauen Sie sich jetzt noch einmal Ihre Liste von ganz oben an. Sagen Sie noch zu den gleichen Aufgaben ‚Ja‘ oder ‚Nein‘? Sortieren Sie sie neu.

 

Übrigens:
Es kommt vor, dass uns eine unwichtige oder nicht dringende Aufgabe Freude bereitet. Manche Dinge entspannen uns, selbst oder gerade weil sie keine große Bedeutung haben. Dazu gehören sowohl Social Media Aktivitäten im Netz als auch ein bisschen Klatsch auf dem Gang, manchmal sogar die Ablage, um den Kopf frei zu bekommen. Wenn Sie nicht darauf verzichten wollen, dann entscheiden Sie sich bewusst dafür, sie zu tun. Setzen Sie sich dafür ein Zeitlimit, stellen den Wecker und tun Sie es mit Genuss. Ist die Zeit abgelaufen, ist konsequent Schluss damit.

 

Diese Übung ist ein Auszug aus dem Buch Der Tag an dem Bella verschwand. Der Business-Roman für Berufserfolg und ein leichtes Leben im Alltag

Ja sagen und versteckte Chancen nutzen

Manchmal ist auch ein Ja schweren Herzens sinnvoll, denn man kann nie absehen, welche Optionen sich aus dem nächsten Schritt noch ergeben“, rät Regina Mehler. Sie ist Expertin für Innovation, Querdenken und Marketing-Strategien.

Wie wichtig ist es Nein zu sagen, um beruflich und privat erfolgreich zu sein?

Das ist extrem wichtig. Ich sollte mir darüber im Klaren sein, was ich erreichen will. Umso klarer und fokussierter ich bin, desto schneller kann ich Ja sagen oder Nein sagen. Als ich selbst in Richtung Europe für meinen letzten Arbeitgeber gehen sollte, wäre damit verbunden gewesen, nach England oder in die USA gehen zu müssen. Ich habe innerlich gespürt, dass die Zeit einfach durch war, dass das keine Option mehr für mich war. Ja, alle waren überrascht über mein Nein. Doch die Klarheit des Nein hat beide Seiten vorangebracht.

Wie sagen Sie diplomatisch und gekonnt Nein?

Ich wähle immer den empathischen Weg. Zuerst gehe ich auf die Bedürfnisse des anderen ein. Um im dritten Satz dann ein klares Nein zu formulieren.

Was war das lehrreichste Ja, das Sie bislang ausgesprochen haben?

Ich hatte vor einigen Jahren das Angebot, meinen damaligen Job nicht mehr aus Deutschland heraus zu machen, sondern von Zürich aus zu arbeiten. Mir schwebte aber vielmehr 
England oder USA als nächster Standort vor, was zu diesem Zeitpunkt aber keine Option war. Also sagte ich schweren Herzens Ja.

Der Start war nicht einfach, aber nach kurzer 
Zeit ergab sich die neue Möglichkeit für das Unternehmen den russischen Markt aufzubauen. Und dies war einer meiner größten Erfolge überhaupt. Ich mochte die Möglichkeit, aus 
Nichts etwas Neues zu entwickeln.
Mein Learning bei der Sache war, dass man nicht immer absehen kann, welche Optionen sich aus dem nächsten Schritt ergeben können. Und wenn es
 sich gerade nicht besser beeinflussen lässt, dann sollten man zumindest versuchen, mit der weniger charmanten Alternative zu starten und zu sehen wie es sich vielleicht doch entwickeln lässt.

Regina Mehler ist Expertin für Innovation, Querdenken und Marketing-Strategien. Seit mehr als zwanzig Jahren hat sie unterschiedliche IT-Marken auf- und ausgebaut sowie erneuert und erhielt dafür unter anderem den Europäischen Corporate Design Award in Gold. 2010 gründetet sie die Women Speaker Foundation, inzwischen größter „Pool of Female Excellence“ mit dem Ziel, die Frauen auf die Bühne zu bringen, die etwas zu sagen haben. Mit 1st-row unterstützt sie Menschen, ihre Positionierung zu klären und sich zu einer Personal Brand zu entwickeln –  empathisch, wertschätzend und auf Augenhöhe.

 

Sobald ich weiß was ich will, ist Mut ganz einfach

 

Düsseldorf Mai 2015. Ausgelassen dröhnen die Rhythmen aus den Boxen. Es glitzert und flimmert. Strassbesetzte Tanzkleider, elegante Fräcke, viel Haut konkurrieren um das auffälligste Outfit. Das gehört dazu, wenn die besten Paare Deutschlands und Europas um die Titel bei den Offenen Deutschen Meisterschaften im Equality Tanzsport kämpfen.

C-Klasse Latein der Damen: Der Auftakt zu einem Jive. Plötzlich stolpert der Blick. Was ist das? Eine Jeans zwischen all dem Glamour? Mutig oder einfach nur tollkühn in dieser Glitzerwelt? Ich trau meinen Augen nicht. Das ist doch Melani, die mir vor einer halben Stunde noch erzählt hat, sie sei nur zum Zuschauen hier, eine feste Trainingspartnerin habe sie noch immer nicht gefunden. Und was ist das dann bitte? Im Moment legt sie gerade mit Jacky ein Feuerwerk aufs Parkett.

Im Finale tanzen noch sieben Paare. Am Ende erobern sich Jacky Logan (London) & Melani D. (Wismar) mit der Startnummer 37 einen glänzenden dritten Platz auf dem Treppchen. Bronze in der C-Klasse Latein.

Von Null auf Hundert. In Jeans. Denn darauf kommt es nicht an…

„Ich wusste nicht was auf mich zukommt und hab das Beste draus gemacht“

Jetzt ich es wissen. Mit der Frau muss ich reden.

Katrin: Wie kam es zu diesem spontanen Auftritt?

Melani: Eigentlich wollte ich schon vor zwei Wochen mit einer Tanzpartnerin, die ich gerade ein paar Tage kannte, in Berlin zu einem Turnier antreten, endlich Equality tanzen. Ich bin schon seit Jahren auf der Suche, doch nie hatte es geklappt. Bisher hatte ich nur im traditionellen Tanzsportbereich mit Herren getanzt. Selbst wenn ich mich eigentlich nicht gern unvorbereitet auf die Tanzfläche stelle, sagte ich damals „Was soll’s wir probieren das jetzt einfach aus.“ Doch kurz vor dem Auftritt wurde mir klar, dass die Chemie, die beim Tanzen so unglaublich wichtig ist, überhaupt nicht stimmte. Deshalb hab ich auf mich gehört und es abgeblasen. Auch wenn ich sehr enttäuscht war.

So bin ich nach Düsseldorf nur zum Zugucken gekommen. Abends auf dem Ball wollte ich ein bisschen schwoofen – das geht immer. Jacky kannte ich flüchtig, wir waren uns in London mal auf einem Turnier begegnet. Sie war die Organisatorin, ich wieder mal nur Zuschauerin. Deshalb war ich komplett überrascht, als Jacky mich ansprach: „Willst Du mit mir tanzen?“ „Auf dem Ball heute Abend?“ erwiderte ich. „No – jetzt gleich“, gab Jacky zurück. Ihre Tanzpartnerin hatte sich bei einem Sturz am Vortag ernsthaft verletzt und so konnte das Paar nicht mehr antreten. Meine Entscheidung fiel innerhalb von Sekunden: „Ja, ich will“.

„Was hast du zu verlieren“, hab ich mir gedacht

Ich bin zum Schwoofen hier. Dann kann ich doch auch gleich damit anfangen. Mit Jacky. Ich will Spaß haben und deshalb tanze ich. Und ich wollte Jacky etwas zurückgeben. Sie hat mir eine Chance gegeben – so unerwartet. Da hab ich sie ergriffen.

Katrin: Spaß haben…? Für die meisten bedeutet Turniertanz jahrelanges hartes Training. Und Du willst einfach Spaß haben?

Melani: Turniertanz – da steht bei mir nicht der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund. Wenn ich tanze, dann will ich fürs Publikum tanzen. Ich will sie mit meinem Gefühl anstecken. Ich spür die Musik in mir. Auf dem Parkett hab ich die Chance, genau das zu teilen. Ich will sie begeistern mit dem was ich tue. Die Freude am Tun, die ich in mir trage, soll das Publikum spüren können. Und diese Freude ist ganz unabhängig davon mit wem und wie gut ich tanze. Also hab ich nicht groß drüber nachgedacht.

Tanzen ist mein Leben, ich habe schon ganz früh angefangen – immer fehlte ein Tanzpartner. Dann kam der Moment, in dem ich zwei Frauen tanzen sah und dachte „Wow, so wie die will ich auch tanzen“. Die Leidenschaft wohnt praktisch in mir. Es gibt nichts Wichtigeres in meinem Leben. Ja, auch in meinem Beruf als Lehrerin bin ich leidenschaftlich und dort ist mein Glück nicht so an andere geknüpft. Doch zum Paartanzen braucht man nun mal eine/n Tanzpartnerin.

Katrin: Gab es auf dem Parkett Ängste oder Zweifel?

Melani: Ab dem Moment, als ich zu Jacky sagte „Lass es uns probieren“ hatte ich keinen Augenblick mehr Zweifel an mir selbst. Jacky führt. Ich folge. Viel wichtiger war mir, Jacky die Sicherheit zu vermitteln, dass das mit mir schon passt, dass es ihr gelingen wird, mich zu führen.
Ich habe mich allein darauf konzentriert was in diesem Augenblick wichtig war. Ich musste nur spüren was sie von mir möchte und mich dann darauf einlassen. Und das hat sich großartig angefühlt, nicht nur bei den paar Minuten, die wir uns im Flur eingetanzt haben. Sondern auch auf der Tanzfläche. Wenn Dinge einfach funktioniert haben, die wir vorher kein einziges Mal geübt hatten…

Katrin: Welche Deiner persönlichen Stärken hast Du eingesetzt?

Melani: Ich kann mich gut einlassen, kann sehr deutlich reagieren, wenn ich klare Signale bekomme. Zum Beispiel beim Führungswechsel im Jive (Anmerkung: Es ist charakteristisch für den Equality Tanzsport, dass Führende/r und Folgende/r die Rolle wechseln. Das erlaubt raffinierte Choreografien, stellt aber besonders hohe Ansprüche an beide Tanzpartner/innen). Ich hatte vorher keine Ahnung, wo man das einbauen kann. In dem Moment als von Jacky der Impuls kam „Jetzt bist du dran“ hab ich einfach gemacht. Ich habe mich einfach nur gefreut, tanzen zu können, das Publikum mit meiner Freude anzustecken und es hat wunderbar funktioniert.

Außerdem ist mir klar, dass ich eine gute Portion an Selbstdarstellungswillen brauche, wenn nicht nur die Blicke des Publikums sondern auch die Augen der kritischen Wertungsrichter auf mich gerichtet sind. Turnier bleibt Turnier. Doch in dem Moment in dem ich mich da hinstelle weiß ich das und mag ich das.

Katrin: Die Finalrunde der sieben Paare war vorbei, die Siegerehrung stand bevor. Was ging Dir durch den Kopf?

Melani: Puh, wir hatten es ohne jegliche Vorbereitung ins Finale geschafft, da konnten wir ja froh sein, wenn wir einen siebten Platz erreicht hatten. Als die Paare aufgerufen wurden, dachte ich die ganze Zeit „Jetzt, jetzt höre ich gleich meinen Namen“. Platz 7, Platz 6, Platz 5 … noch immer keine Startnummer 37. Platz 4 – wir sind es nicht – jetzt blieben nur noch die Medaillenplätze. Da flog meine Hand wie von allein hoch zur Siegerfaust. Da war ich schon sehr stolz.

(off the records: still bei sich hatte sie gedacht „Wie großartig ist das denn, jetzt habe ich ohne Vorbereitung und in Jeans andere abgehängt die monatelang trainiert haben und im super Outfit angetreten sind.“  Ihrer Kollegin erzählte sie am Montag danach, sie hätte ja eigentlich nicht viel geleistet. Sie habe ja nur getan, was sie gern tut und dafür noch eine Medaille bekommen.)

Katrin: Jetzt bist Du zurück im Alltag – wie geht es weiter?

„Ich mach einfach.“

Melani: Naja, im Alltag nehme ich mich stärker zurück – da ist mir die Rampensau eher fremd. Und doch stelle ich mich immer wieder mir unbekannten Situationen. Ich glaube, ich mach einfach. Natürlich frage ich nach, was genau man von mir erwartet. Doch weil ich hinter den Dinge stehe, die ich tue, gelingen sie. Und die Suche nach einer Tanzpartnerin geht natürlich auch weiter.

Katrin: Dein Tipp an andere Frauen, damit Sie es in ihrem Job aufs Treppchen schaffen?

Melani: Habt den Mut etwas zu tun, einfach zuzupacken, wenn sich eine Chance bietet. Auch dann wenn ihr noch nicht hundertprozentig genau wisst, was zu tun ist. Mach dir deine Stärken klar und dann vertraue darauf.

Bildquelle: Flickr/ Dörte Lange