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Alte Stories neu erzählt: Abschied

Wie kann Abschied fröhlich sein?

Lange habe ich nicht mehr so von Herzen gelacht wie bei meiner Weiterbildung im Lotsenhaus Hamburg . Das Thema: „Abschied und Bestattung“. Ein Thema, bei dem vielen das Lachen im Halse stecken bleibt.

Mit Julia Kreuch ist das ganz anders. Ihr kerniges Lachen ist ansteckend. Sie macht Tote schön und sagt über sich „Ich bin genau da, wo ich sein will“. Wenn sie uns zeigt, was alles möglich ist auf der letzten Reise, dann gehört der Tod ganz natürlich zum Leben.

Julia ist Bestatterin.

Das war sie nicht immer.

Wir unterhalten uns über:

  • ihre Arbeit und den Weg dorthin.
  • das was sie jeden Tag für Menschen tun kann, die Lebenden und die Toten
  • Abgrenzung im Job als Naturtalent
  • bezahlbare Abschiede
  • die alte Geschichte mit der Pietät „So was fragt man doch nicht“

Julia, ich habe das Gefühl, dein Lachen spiegelt deine Art, mit Abschied und mit den Lebenden humorvoll umzugehen. Dadurch nimmst du dem Tod ein Stück den Schrecken. Doch verlangt man von einer Bestatterin nicht eine seriöse Ernsthaftigkeit? Wie passt das mit deiner Lebenslust und deinem Humor zusammen?

Zuerst mal Nein, es ist gar kein trauriger Job. Er ist ganz, ganz wundervoll. Für mich ist das wirklich der schönste Beruf der Welt: Ich bin ein Menschenfreund und habe hier ganz viel mit Menschen zu tun. Ja, die Menschen sind traurig. Aber ich bin ja nicht diejenige, die das Leid geschaffen hat. Weder kreiere ich Krebs, noch fahre ich mit dem Auto irgendjemand tot, noch bringe ich Menschen auf andere Weise um.
Ich helfe einfach, wenn der Trauerfall eingetreten ist.

Abschied ist wichtig

Im Lotsenhaus ist uns das Abschiednehmen sehr wichtig, und wir können das richtig gut. Wir können Abschied sehr fröhlich gestalten. Fröhlich ist vielleicht das falsche Wort, aber man kann es so gestalten, dass es zu dem Verstorbenen passt.

Streichholz im Sarg - Storytelling

Was gehört alles zu dieser Gestaltung des Abschieds? Wie stelle ich mir den Job der Bestatterin vor? Wo fängt er an? Wo hört er auf?

Der fängt ganz klassisch mit dem Anruf an: eine Person ist verstorben. Unsere ersten Fragen sind dann: Wo ist sie verstorben und war der Arzt schon da? Wie schnell können wir diese Person überführen?
Das heißt, Überführungen gehören bei uns dazu, und am liebsten holen wir die Verstorbenen tatsächlich ins Lotsenhaus. Hier können wir sie waschen, ankleiden und jetzt kommt der wichtige Part für den Abschied.

Den Tod gestalten und begreifen

Gestalten und begreifen, das heißt Abschied von Anfang an. Wir sind der Meinung, dass man den Tod besser versteht, wenn man den Verstorbenen noch mal gesehen hat, sich verabschiedet hat. Das ist für uns super super wichtig.

Ich bin jetzt bald zwei Jahre hier. In zwei Jahren hatten wir nur ein einziges Mal die Situation, wo wir davon abraten mussten, weil wir den Sterbenden nicht mehr zeigen konnten. Ansonsten kann man die Hand zeigen, man kann den Fuß zeigen, man kann irgendwas zeigen. Die/ der Angehörige hat die Chance, sich zu verabschieden. Damit begreifen wir den Tod als eine neue Stufe, der ja auch in meinem eigenen Leben eine große Veränderung hervorruft.

Die eigene Geschichte neu schreiben

Große Veränderungen. Da sind wir mitten in deiner persönlichen Geschichte. Du bist noch nicht so lange Bestatterin. Bevor du vor zwei Jahren als Minijobberin im Lotsenhaus angefangen hast, warst du Partner-Managerin bei Xing. Welche Ähnlichkeiten haben die Aufgaben? Worin unterscheiden sie sich?

Ja, es gibt Überschneidungen. Beide Jobs haben mit Menschen zu tun. Auch wenn das bei Xing natürlich Business-to-Business war, das waren ja keine Maschinen mit denen ich zu tun hatte.

Was ich schon immer gemacht habe, war Social Selling. Ich kenne all die ganzen Vertriebsmethoden theoretisch und praktisch. Doch ich habe es immer in meiner Art gemacht. Im Partner-Management ist das ein Geben und Nehmen, man hilft sich gegenseitig.

Als Bestatterin helfe ich Menschen in ihrem ganz persönlichen Leben. Für eine ganz kurze Zeit bin ich Teil ihres Privatlebens. Und das hat bei meinem Gegenüber nichts mit dem Beruf zu tun.

Abschied: ein ganz persönlicher Job

Ich greife wirklich ins Privatleben ein und bin für eine Weile ein Teil davon. Das ist der riesige Unterschied. In den Wochen nach dem Tod gebe ich den Angehörigen Hausaufgaben, sage ihnen, was sie zu tun haben, wie wir die Trauerfeier gestalten, und dann entlasse ich sie wieder. Aber erst mal bin ich da ganz schön tief drin.

Ich stelle es mir nicht leicht vor, sich da abzugrenzen. So wie ich als Coach bist du ein MenschenMensch. Wir mögen Menschen und sind sehr empathisch. Wie bekommst du es hin, dich abzugrenzen zu den Menschen, die dir ihre Verstorbenen anvertraut haben; die dann aber in ihr Leben weitergehen.

Grenzen sind nötig. Oder nicht?

Hm, ich habe das einfach. Ich glaube, nur deswegen kann ich diesen Job machen. Das habe ich nicht gelernt, oder so. Im Praktikum hatte ich schon die Sorge: „Kommen jetzt die Verstorbenen zu mir nachts ins Bett, nehme ich das mit?“ Doch ich habe relativ schnell gemerkt, dass sie nicht kommen.

Natürlich, über manche Familie, manche Fälle, über die denke ich vielleicht länger nach. Länger kann für mich aber auch schon eine halbe Stunde bedeuten. Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit hin und zurück, und in dieser halben Stunde entsteht Abstand. Wenn ich zu Hause ankomme, ist es dann meistens schon Vergangenheit. Da gibt es für mich keine Methode. Ich kann das einfach. Es ist ein Naturtalent.

Alte Geschichten renovieren

Als StoryCoach weiß ich, dass wir Menschen uns Geschichten erzählen, um die Welt besser zu verstehen. Da sind auch eine Menge alte Geschichten dabei, die uns am Leben hindern und dringend renovierungsbedürftig sind.

Falsche Bilder - alte Stories vom Abschied

Als ich begonnen habe, mich mit Abschied und Trauer zu beschäftigen [So fing es an] , hatte ich auch solche alten Geschichten im Kopf. Die eine, dass Bestatter vergrämte, verhutzelte alte Männer sind, die mit ihren Bestattungsinstituten grundsätzlich die Familien der Verstorbenen abzocken. Ist ja schließlich ein lukratives Geschäft. Bei anderen ging es um Pietätlosigkeit, das Wort habe ich von meiner Großmutter gelernt. Es heißt mich „So was fragt man nicht!“.

Welche alten Geschichten begegnen dir im Alltag rund um den Abschied? Welche sollten dringend korrigiert werden?

Ich merke tatsächlich oft, dass unsere Angehörigen irritiert sind, weil wir im Lotsenhaus drei Frauen sind. Denn diese mittelalten, grauhaarigen, kurzärmlige Hemden tragenden Bestatter, die sind schon noch allgegenwärtig. Das sehe ich auf Friedhöfen.

Lebe ich in meiner alternativen Bestatter Blase? Ja schon.

Doch wenn ich mich mit anderen Bestattern austausche, höre ich immer wieder gruselige Geschichten. Von Menschen, die abgezockt werden, von viel zu teuren Särgen, die für eine Einäscherung verkauft werden.

Was mir nachhaltig hängengeblieben ist: Viele Angehörige bekommen von Mitarbeitern der Bestatter gesagt, sie sollen ihre Verstorbenen nicht mehr angucken und sich nicht verabschieden. Na ja, warum machen das viele Bestatter? Weil sie keinen Bock haben, die Verstorbenen zu versorgen. Das finde ich schon übel.
Ist das immer der Grund? Nicht immer, vielleicht hatte sich der Mensch schon zu sehr verändert. Sie sind ja im Tod so unterschiedlich wie im Leben. Die Medikamente, die Chemo, wann ein Mensch gefunden wird, der einsam gestorben ist – da kann es sein, dass es wirklich nicht geht. Aber immer, wenn ich höre, dass man sich nicht verabschieden soll, gehen bei mir die Alarmglocken an. Machen das alle? Nein, aber das begegnet mir schon oft.

Was das Abzocken angeht, wir gehen ganz transparent mit den Preisen um. Wir haben eine Preisliste, da wird nichts gewürfelt nach dem Motto: „Für die Familie kostet der Sarg so viel. Für die andere Familie, die viel reicher aussieht, kostet der mehr.“ Im Erstgespräch sprechen wir über diese Preisliste, denn wir brauchen Handlungsvollmachten. Aber wir schreiben auch ein Angebot und betrachten das als lebendes Dokument.

 Transparenz gibt Sicherheit

Gleich zu Beginn zeigen wir den Angehörigen transparent, was auf sie zukommt. Wenn wir dann im Prozess beginnen: „Welches Catering nehmen wir, welche Blumen?“, da kann sich noch viel ändern. Nicht immer wird’s teurer. Oft wird es günstiger, weil wir uns für andere Sachen entscheiden. Wenn wir mit der Familie zum Beispiel den Abschied privat in der Gartenlaube der Oma machen, weil sich die Familie das so wünscht.

Aber da sind wir schon bei dieser Pietät. Ja, Angehörige fragen nicht nach der Gartenlaube. Aber ich bin ja nicht doof. Gerade wenn ein Mensch überraschend verstirbt, dann muss die Familie auf einmal 10.000 Euro irgendwo herhaben. Da kann man doch nachfragen. Gibt es eine Sterbegeld-Versicherung? Sollen wir die Rechnung splitten? Sollen wir sie später stellen? Ich möchte, dass sie sich darüber keine Sorgen machen müssen.
Wir finden heraus, wie wir einen Abschied oder eine Feier gestalten können, auch wenn nicht so viel Geld vorhanden ist. Dann ist es eben in dem Schrebergarten oder was auch immer.

Worüber reden wir weniger gern übers Geld oder über Tod?

Da haben wir gleich zwei Tabu-Themen, über die wir Deutschen nicht so gern sprechen. Geld und Tod. Wenn wir nicht darüber sprechen, können wir so tun, als ginge es uns alles nichts an.

Neue Geschichten über die letzte Reise

Welche alten Geschichten über Tod und Abschied sollten wir außerdem neu schreiben?

Ich sage all meinen Familien, gerade bei einer Trauerfeier, dass wir beim Abschied doch das Leben des Verstorbenen feiern. Wir feiern, wie lange er Teil in der Familie, im Freundeskreis, im Kollegenkreis war, was man alles erlebt hat und nicht, dass er jetzt tot ist. Natürlich sind wir traurig, aber es sollte doch die Dankbarkeit, die Freude überwiegen, wie lange man/sie ihn im besten Fall hatte.

Das habe ich für mich selbst schon sehr früh entdeckt. Ich war Anfang 30 als mein Opa gestorben ist. Natürlich war ich traurig, aber ich war so dankbar. Wer hat denn bis Anfang 30 seinen Opa? Er war Tierarzt, er hat mir das Reiten beigebracht und noch so viel mehr. Ich war Anfang 30 und kein Kind vom fünf Jahren. Was für ein Glück hatte ich da. Jetzt ist er tot. Das ist traurig, doch er war einfach alt. Diese Dankbarkeit und diese Freude, dass man jemanden lange hatte, das wichtig.

Jeden Tag neu entscheiden

Unser Leben ist ja ein Kreislauf aus Entscheidungen und Entwicklungen. Du scheinst in beiden richtig gut zu sein. So wie zu der Zeit in der du Abschied von deinem Managerinnen-Job genommen hast. Wie kam das? Gab es einen Moment, wo du gesagt hast: Jetzt muss ich aufbrechen, jetzt will ich was anderes? Das was ich jetzt mache, das ist es nicht?

Gab es den richtigen Moment? Na ja, ich musste mich ja irgendwann entscheiden. Ich hatte schon länger drüber nachgedacht. Hinweis: Darüber wie alles anfing und was Julia in ihrem Leben als „Nomaden Kind“ vorher alles erlebt hat spricht sie in einem ausführlichen NDR Interview .

Zuerst hatte ich ein Praktikum, dann den Minijob neben XING. Das zwei Jahre lang parallel, das war anstrengend. Das hätte ich nicht mehr lange durchhalten können. Da habe ich mir gedacht: Was soll mir denn passieren? Im schlimmsten Fall gehe ich zurück zu Xing. Wenn nicht dorthin, dann gehe ich zur LinkedIn oder Pinterest oder wie sie alle heißen. Mit einem Einstieg in den Job klappt das im Vertrieb immer wieder, denn das wollen nicht allzu viele Menschen machen.

Manchmal muss man einfach ausprobieren

Man muss doch Dinge zwischendurch mal ausprobieren. Was soll denn passieren? Also vielleicht habe ich da auch meine Luftschlösser gebaut. Wie es sich entwickeln wird? Ich kann es jetzt noch nicht wissen und selbst wenn, dann wird es doch wieder anders, als geplant.
Aber ich möchte nicht an meinem eigenen Grab stehen und denken „Ach hätte ich mal! Warum habe ich bloß nicht?“ Dann fliege ich lieber mal auf die Schnauze.

Man muss das Leben nicht so verbissen sehen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich nicht als Karrierefrau sehe. Das war ich nie. Ich habe auch bei Xing mein Team geliebt, meinen Job geliebt. Aber ich wollte da nicht unbedingt Geschäftsführerin werden. Ich bin zufrieden. Mir ist auch mein Privatleben wichtig. Ich reise super gern. Ich will meine Freunde sehen, ich will hier in Hamburg was erleben. Und das kann ich nicht, wenn ich von morgens um sechs bis abends um elf arbeite.

Sich auf das Leben einlassen

Ich glaube, wir sollten echt einfach mutig sein und Dinge ausprobieren. Klar könnte jetzt auch jemand sagen: „Du hast keine Kinder, hast keine Familie!“. Aber trotzdem habe ich ja einen Partner und eine Eigenverantwortung. Aber wir sollten alle immer mal ein bisschen mutiger sein und Dinge ausprobieren.

Sich aufs Leben einlassen. Das ist ein Tipp an alle Frauen, die spüren: Ich bin nicht mehr am richtigen Platz, ich fühle das. Doch aus Sicherheitsgründen bleibe ich lieber da.

Julia, neben deiner Neugier aufs Leben, deiner Lebensfreude, deiner Risikobereitschaft sehe ich bei dir auch diese Fähigkeit, sich aufs Leben einzulassen. So eine wunderbare Gabe. Und das perfekte Schlusswort.

Vielen, vielen, vielen Dank für dieses intensive Interview.

Eine allerletzte Frage noch:
Für Menschen, die sich langsam an das Tod und Abschied herantasten wollen, welche Bücher empfiehlst du für den Einstieg?

  • Eric Wrede, der Bestatter von Lebensnah: The End
  • Roland Schulz: So sterben wir . Das ist schon ein bisschen harte Kost, keine bequeme Lektüre.
  • Caitlin Doughty: Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird. Sie ist als Bestatterin um die Welt gereist und hat sich verschiedene Arten des Abschieds angeschaut.

Bin ich ein Story-Freak?

Kann Leidenschaft zur Außenseiter*in machen?

Meine Express-Heldenreise durchs Tal der Verzweiflung und die…

Im Mai hat mich Katja Frauenkron, die DEICHGRAFIKERIN zu einem Interview in ihren Blog eingeladen. Wir kennen uns aus dem Woman Entrepreneur Club und ich schätze Katja sehr. Deshalb freue ich mich besonders, tippe drauf los, schicke ihr die Antworten auf ihre drei Fragen. Ihre Rückmeldung stürzt mich kurzfristig in gepflegte Verzweiflung.

Katja ist für mich nicht nur inspirierende Künstlerin. Sie sagt, dass sie auch ein feines Gespür für plattes Werbegewäsch hat. Das glaub ich ihr sofort.

Doch jetzt schreibt sie mir, dass ich das Interview ausschließlich werblich genutzt hätte. Das könne man machen, doch sie persönlich empfinde das als zu viel. Drei Fragen wären ja eine Einladung, auch eine andere, nicht berufliche Facette von mir zu zeigen. So wie der Beitrag jetzt wäre, könnte er auch 1:1 auf meiner Webseite stehen.

Uff…. Ich muss schlucken.

Was hab ich da in meiner Leidenschaft nur angestellt?

Denkpause.

Erkenntnis, weshalb sich #echtsein lohnt.

Was war passiert:

Einerseits hatte ich echt, authentisch, wahrhaftig von dem berichtet, was mich gerade umtrieb. Ich war frisch aus Portugal von der LifeStory zurück, schrieb gerade am Tagebuch meines portugiesischen Lebensgefühls und es sprudelte nur so aus mir heraus.

Andererseits hatte ich völlig übersehen, dass das was mir zutiefst vertraut ist, was immer Tag für Tag die Leidenschaft in mir entfacht für andere – nicht nur Katja -möglicherweise sehr werblich rüberkommen könnte.

Meine Aha-Momente:

  1. Ich bin so sehr, was ich tue, dass es für mich interessanterweise keine Grenzen dazwischen gibt. Und selbst nach längerem Nachdenken geht es mir außerordentlich gut damit.
  2. Sollten andere das werblich empfinden, bin ich bereit, damit zu leben. Denn auch das ist letztlich eine Geschichte, die wir uns selbst erzählen. Das Wunderbare an Stories? Sie tragen so viele unterschiedliche Bedeutungen in sich, dass Raum für alle Meinungen bleibt.
  3. Ich habe eine natürliche Gabe (und jede Menge Erfahrung und Training), ganz leicht die Story hinter allem und jedem zu finden (mag sie sich auch noch so gut verstecken). Dass ich sie nur erzähle, wenn ich gefragt (oder beauftragt 😉) werde, unterstützt mich dabei, Übergriffigkeiten zu vermeiden.
  4. Stories sind und bleiben meine Leidenschaft. In allen Formen. Punkt.

Ja, vielleicht bin ich ein Story-Freak.

Stöbere ich in Wikipedia nach Freak, so hätte man mich früher “verrückt, verkrüppelt, unnormal” genannt. Heute darf ich eine Person sein, “die eine bestimmte Sache, ein Hobby über ein normales Maß hinaus betreibt, sie zum Lebensinhalt macht”. Und ich “kenne mich definitiv besser” mit all den Chancen, Möglichkeiten und Geschenken, die uns Storytelling bietet – “aus, als eine Person, die dem Schnitt der Bevölkerung entspricht”.

Hier ein Beispiel, wie ich das uralte Format der Heldenreise nutze, um mir meine eigenen Geschichten im Express-Tempo anzuschauen.

Expressformat für die Heldenreise im Storytelling wie ich sie nutze Katrin Klemm

Deshalb danke ich Katja sehr, dass sie meine  Lehrerin auf diesem Erkenntnisweg war. Hier geht’s zum Blogartikel.

Was mich interessiert:

  • Welche Leidenschaft hast du zu deinem Beruf gemacht?
  • Wie trennst du das, was du beruflich tust und das, wofür du privat brennst?
  • Oder geht das eine genau so lückenlos in das andere über wie bei mir?

Lass mir gern einen Kommentar da. Ich freu mich auf den Austausch.

Vom Träumen ins Tun. So geht es.

Wünschen – wollen – planen – tun

So kommst du vom Träumen ins Handeln

1999 war es nicht mehr als eine vage Idee, ein stiller Traum, ich könne irgendwann nur noch mit den Menschen zusammenarbeiten, mit denen ich es wirklich will. Mich auf das konzentrieren, was ich am allerbesten kann und am liebsten von früh bis spät in den Abend tun würde. Doch ich war angestellt in einem Großkonzern. Ich hatte spannende Herausforderungen zu meistern, gewiss.

Doch ich tanzte nach Regeln, die andere bestimmt hatten. Lange träumte ich nur so vor mich hin. Doch meine Sehnsucht wurde stärker und stärker. Jahrelang bildete ich mich weiter, traf Menschen, die mir RoleModels wurden, probierte aus, stolperte über Hindernisse und stand wieder auf. Ich machte Pläne und verwarf sie wieder, kam nicht wirklich ins Tun. War sauer auf mich selbst, wollte mehrfach in den Sack hauen und konnte doch von der Idee nicht lassen.

Bis zu dem Tag als ich mich entschieden habe

Genau in dem Augenblick, in dem aus meinen Wünschen und Absichtserklärungen ein fester Wille, ein Plan und echtes Handeln wurden, habe ich sprichwörtlich den Rubikon überschritten. Die Metapher geht Caesars Entscheidung zurück, mit seinem Heer den Fluss Rubikon zu überschreiten, mit Normen zu brechen, Neuland zu betreten und ins Abenteuer zu ziehen. Es ist der Augenblick der Entscheidung, der Tat.

Träumst du auch schon dein halbes Leben von einer Idee, die du ach so gern umsetzen würdest?

Doch bist du nicht bereit, den Rubikon zu überschreiten, wirst du kaum vorwärtskommen. Deine Ziele bleiben ewig ungelebte Träume.

Wo stehst du im Moment?

Die folgende Do-it-yourself-Anleitung ist ein Auszug aus Der Tag an dem Bella verschwand, dem Roman für Selbstcoaching mit Business-Stories.

Finde heraus, vor welchem Schritt du stehst und was du als nächstes konkret tun kannst, um vom Träumen ins Tun zu kommen.

Von Träumen ins Tun kommen mit StoryCoach Katrin Klemm

1 Vermuten

Meist fängt es mit einem Kribbeln im Bauch an, einer vagen Idee, die dich nicht mehr loslässt. Es geht um Zu- und Abneigungen, um Stimmungen, Lust und Unlust, diffuse undeutliche Körperreaktionen. Was dahinter steckt, will sich noch nicht deutlich offenbaren. So richtig schlau wirst du aus diesem unbewussten Bedürfnis noch nicht.

Ich habe mit den Jahren gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören und ihm zu vertrauen. Ich weiß heute, wenn da eine Ahnung herumzappelt, die immer und immer wieder kommt, dann ist es was Wichtiges. Also lasse ich es zu.

Werde wach für deine Intuition. Vertraue deinem Bauchgefühl. Welche Bilder tauchen auf? Welcher Gedanke lässt dir eine wohlige Gänsehaut über den Rücken laufen? Was flüstert deine innere Stimme? Achte genau auf die Dinge, bei denen du dir schon im nächsten Moment vielleicht wieder sagst „Ich doch nicht“, „Wie soll das bloß gehen?“.

Noch nichts Tun!

Hab den Mut, weiter zu spinnen! Hinter den verrückten Ideen stecken oft große Sehnsüchte und Leidenschaften. Tue noch gar nichts, außer dir selbst einmal aufmerksam zuzuhören.

2 Wünschen

Jetzt bekommt die Sehnsucht eine Stimme. Ein Bild formt sich, eine Idee wird konkreter: Was treibt dich an? Woher kommt diese Lust darauf, etwas zu tun? Sobald du dir deiner wahren Bedürfnisse bewusst wirst, spürst du, wie deine Unruhe und auch die Bereitschaft wachsen, endlich ins Handeln zu kommen.

Fasse in Worte, was es ist, das dich an deiner Idee fasziniert. Finde heraus und formuliere, worum es dir wirklich geht, was deine Augen leuchten und dich vor lauter Vorfreude nicht mehr schlafen lässt. Wenn es (zu) viele tolle Ideen sind, schau genauer hin: Welche davon sehen besonders lohnenswert aus, um sie in ein konkretes Ziel zu verwandeln? Wie viel wärst du bereit für die Umsetzung deiner Idee zu investieren? Denke nicht nur ans Geld. Es geht auch um dein Zeitbudget oder darum, welche lieb gewonnenen Gewohnheiten du bereit bist, dafür aufzugeben. Schreib es auf oder sprich darüber: mit Freund*innen, Kolleg*innen, einer/m Coach.

Überquere den Fluss

Jetzt geht es über den Rubikon. Hier fängt echtes Handeln an. Jetzt haben deine Absichten so viel Energie getankt, dass es wirklich losgeht. Du hast deine Entscheidung getroffen – es ist dein Moment ’of no return’. Das Schiff legt ab. Das Ufer bleibt zurück.

Komme ins Tun - schreib das nächste Kapitel deiner Träume mit StoryCoach Katrin Klemm

Kannst du dich an einen solchen Moment in deinem Leben erinnern? Ja? Dann kennst du wahrscheinlich das überraschend angenehme Gefühl, das sich in diesem Augenblick der Entscheidung einstellt. Kein Wunder! Du bist nicht mehr hin- und hergerissen. Es gibt kein Zögern mehr. Du findest auf einmal Zeit, dich ganz auf die Umsetzung zu konzentrieren. Aktiv getroffene Entscheidungen machen den Kopf frei und sorgen für Motivation. Du bist endlich raus aus deiner Komfortzone.

Mein Start ins Unbekannte war 2004 der Schritt in die Selbständigkeit. Dass das jetzt bald 20 Jahre her ist, kann ich manchmal selbst kaum fassen. Doch mich hielt nichts mehr im Konzern, ich war bereit fürs Abenteuer Coaching.

3 Wollen

Jetzt bist du fest entschlossen auf die andere Seite zu kommen. Du lässt alle Bedenken und Ausreden hinter dir. Es ist vorbei mit Wenn und Aber. Nichts und Niemand kann dich daran hindern, dein Vorhaben umzusetzen und die Tragfähigkeit deiner Entscheidung zu testen.

Mach dir noch einmal deine Absicht klar. Wofür stehst du ein, was bist du bereit zu investieren, damit dein Plan gelingt? Formuliere dein Ziel konkret. Sprich deinen Entschluss laut aus. Definiere, wo du hin willst. Wofür bist du bereit, dich nicht nur zu interessieren, sondern dich auch zu committen, wenn es darauf ankommt? Spüre in dich hinein: Wie wird es sich anfühlen, wenn du dein Vorhaben erfolgreich umgesetzt hast. Was tust du, wer bist du dann?

4 Planen

Du weißt jetzt, WAS du willst. Jetzt packe das WIE beim Schopf. So erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, deine Absichten zu realisieren und dein angestrebtes Ergebnis zu erreichen.

Entwirf Strategien, entwickle Pläne, die es dir erlauben gezielt zu handeln. Konzentriere dich auf das Wesentliche und setze Prioritäten. Was konkret wirst du tun und bis wann, damit dein Vorhaben gelingt? Womit beginnst du? Wen oder was brauchst du als Verbündete oder Unterstützung? Überprüfe auch, was du schön bleiben lassen wirst – welche alten Gewohnheiten keinen Platz mehr in deinem Leben haben – um dein Ziel nicht zu gefährden. Plane nicht zu detailliert und rechne schon jetzt damit, dass sich Pläne ändern können. Dein Plan soll dir  zur Orientierung dienen, keine Fessel werden.

Ich hab es mit dem Planen manchmal übertrieben. Und liebe alte Gewohnheiten haben mir manche schlaflose Nacht beschert. Doch das ist eine andere Story 😉.

5 Handeln – dein Tun ist nicht mehr aufzuhalten

Entschlossen und engagiert gehst du jetzt an die Umsetzung deines Vorhabens. Jetzt legst du los, gehst einen Schritt nach dem anderen. Du probierst (dich) aus und arbeitest ausdauernd auf dein Ziel hin. Du verfolgst deine Pläne, setzt vorhandene Ressourcen ein, beschaffst alles, was noch fehlt und lässt dich nicht irritieren.

Geh los - kraftvoll auf das nächste Kapitel deiner persönlichen Geschichte zu. Katrin Klemm StoryCoach aus Hamburg unterstützt dich gern dabei.

Es hilft beim Umsetzen, wenn du deine Aufmerksamkeit klar auf dein Ziel ausgerichtet hältst. Blende Störfaktoren, die nicht direkt dazu beitragen, dein Ziel zu erreichen für den Moment aus. Hilfreiche Frage, wenn du dich dabei erwischst, dich abzulenken: Wie trägt das. was ich hier gerade tue, dazu bei, mein Ziel zu erreichen? Glaub mir, ich habe diese Frage täglich mindestens einmal gebraucht 😉.

Umgib dich mit Menschen, die deine Ziele unterstützen, dich fördern und challengen, dran zu bleiben. Aktiviere dein Netzwerk an Unterstützer*innen. Bremse Nörgler*innen, Besserwisser*innen und Bedenkenträger*innen aus.

Diese Kraftquelle hab ich lange unterschätzt. Heute bin ich stolz darauf, Teil von LadiesMentoring zu sein.

Überprüfe gelegentlich – einmal im Monat reicht – die Leuchtkraft deiner Wünsche: Wofür bist du angetreten? So bleibt der wahre Antrieb auch über eine längere Distanz wach und hilft dir unerwartete Hindernisse zu überwinden.

6 Bewerten

Glückwunsch, du hast es geschafft. Jetzt ist die Zeit für einen Soll-Ist-Vergleich. Sowohl auf der Fakten- als auch auf der emotionalen Ebene. Hast du genau das erreicht, wonach du dich gesehnt hast, was deinen Wünschen entsprach?

Nimm dir die Zeit für eine persönliche Retrospektive und analysiere. Zum Beispiel:

  • Bin ich zufrieden?
  • Was habe ich mir anders vorgestellt?
  • Was lief besser als erwartet?
  • Wo bin ich hinter meinen Wünschen zurückgeblieben?
  • Welche (inneren) Grenzen musste ich überwinden? (als Caesar damals den Rubikon überschritt, setzte er sich über geltende Regeln hinweg. Doch wer echte Innovationen sucht, muss das manchmal tun.)
  • Worauf sollte ich beim nächsten Mal stärker achten?
  • Und überhaupt: War das Ziel das richtige? Wenn ja – Party! Wenn nicht: Du kennst jetzt den Weg über den Rubikon und kannst jederzeit neu starten.

Du hast Fehler gemacht, bist vom Weg abgekommen? Pfeif drauf, das kommt vor. Betrachte deine Fehler grundsätzlich als deine Chance zu lernen. Und vielleicht hast du ja auf dem Umweg etwas Spannendes, Nützliches oder Inspirierendes entdeckt.

Du bist jetzt entschlossen loszulegen und brauchst Unterstützung?

Dann komm 10 Tage mit nach Portugal – Fokus auf dich und ein starkes Buddyteam – am 17. Oktober geht’s los.
Oder hier in Hamburg für ein ganzes Semester – ab Juni.

Wann fällt es dir noch nicht leicht, über deinen persönlichen Rubikon zu kommen? Wo gehen Wunsch und Wille noch nicht ins Tun über? Schreib es mir in die Kommentare!

 

Weiterlesen in Kapitel 3 Der Tag des doppelten Neustarts.

Chancen für Erfolgsgeschichten gibt es jeden Tag

Intuition, Glück und Just do it schreiben tolle Lebensgeschichten

Miriam lebt in der Schweiz. Sie ist eine meiner Role-Models. Nicht nur wegen ihrer positiven Lebenseinstellung und ihrer Art, für das einzustehen, was sie erreichen will. Sie lehrt mich wie man fröhlich und flexibel bleibt. Deshalb habe ich sie gebeten, ihre Erfolgsgeschichte zu teilen. Zu Beginn klang es nur nach einem coolen Fahrstuhl-Pitch. Doch es wurde eine Story über Leidenschaft – eine klassische Held*innen-Story (auch wenn sie das selbst vermutlich nie so nennen würde).

Lassen wir sie selbst erzählen:

Juni 2003. Mein Job in England ging zu Ende. Dani, mein Mann wollte mit seinem Universitäts-Freund Marc eine Firma gründen. „Klar, lasst uns nach Kroatien gehen!“, war meine Antwort. „Da gibt es alles, was wir brauchen. Strand, Sonne, Essen, Berge!“ Marc‘s Antwort: „Das hast du alles in Australien auch. Zudem verstehen wir die Sprache und ich habe schon viele Kontakte dort. Außerdem sind die Flüge im Moment dank SARS günstig wie nie (2003, SARS-Pandemie – Vorläufer von Corona)

Also sind wir hingeflogen, um erst einmal eine Woche an einem Ort zu verbringen und herauszufinden, ob wir wirklich dort leben wollen. Wir haben bei Marc’s Freunden gewohnt und uns die Stadt angeschaut.

Ja, ich will.

Schon nach ein paar Tagen war klar: Wir wollen es wagen, wir wollen in Australien leben. Und es war klar: Damit die Männer ihr Unternehmen gründen können, muss ich eine Stelle finden. Sonst gibt es kein Arbeitsvisum. Mein Mann reiste zurück nach England um die Uni abzuschließen. Ich durfte weiter bei den Freunden wohnen und in ihrem Büro das Internet benutzen, um einen Job zu finden (2003 hatten Smartphones mit Internet noch Seltenheitswert).

Eines Abends wollte ich mich bei unseren Freunden mit Schweizer Leberli und Rösti – einem besonderen Schweizer Nachtessen – für ihre Gastfreundschaft bedanken.

Im Juni ist Winter in Australien. Das heißt, es kann durchaus kalt und gruselig sein. Wenn es regnet, fühlt es sich an, als stehst du unter einer voll aufgedrehten Dusche. Doch ich brauchte ganz frische Zutaten.

Der Elevator-Pitch

Also griff ich mir den größten Regenschirm, den ich im Büro finden konnte und nahm den Fahrstuhl nach unten, um einkaufen zu gehen. Der Lift hält, die Tür geht auf, ein Mann tritt herein und mustert mich grinsend: „Oh how clever to bring your umbrella“. Ich denke mir: „Was für eine Masche“, und muss doch gleichzeitig lachen. Wir kommen ins Gespräch. Als er wissen will, was ich hier mache, erzähle ich ihm, dass ich gerade im Haus ein Büro nutze, um ab September eine Stelle als Projektleitung für ein digitales Projekt zu finden. Ich berichte, wie ich in England gerade eine Webseite für eine Buchhandlung aufgebaut habe. Mein Gegenüber stellt sich als Jason vor. „Ich bin Marketingleiter eines Finanzunternehmens und brauche jemanden, der die Webseite meines Unternehmens analysiert und kundenfreundlicher macht. Hier ist meine Businesscard. Melde dich, wenn du im September wieder hier bist.“

Der Fahrstuhl kommt unten an, ich bedanke mich, stecke die Karte in die Hosentasche, überlege am nächsten Papierkorb, sie zu wegzuwerfen und behalte sie dann doch. Ich kaufe ein, koche und wir haben einen wunderschönen Abend. Beim Abwaschen entdecke ich die Karte. „Sag mal, kennst du die Firma?“, fragte ich meine Freundin Jenine. Ich erzähle ihr von meiner Fahrstuhlbegegnung „Ja klar, da musst du dich unbedingt melden. Das ist ein richtig aufstrebendes Unternehmen, supertoll.“

So ging auch ich zurück nach England, um schon mal die Container für unsere Überfahrt nach Australien zu buchen. Als wir im September 2003 wieder in Sydney landeten, rief ich Jason sofort an. Wir hatten einen super Austausch beim Kaffee und ich zeigte ihm, was man aus seiner Webseite alles machen könnte. Noch am gleichen Tag bot er mir die Stelle an. Ich wusste bereits, wie wir über eine Agentur die Visaangelegenheiten regeln können. Da war sie: unsere Chance, in Australien zu starten.

Rasanter Start

Ich trat die Stelle an und legte so richtig los. Es lief wie in einer echten Erfolgsgeschichte und ich buchte im November freudig euphorisch auch gleich teure Flüge, um Weihnachten mit unserer Familie in der Schweiz zu verbringen und unsere Ankunft in Australien zu feiern.

Anfang Dezember 2003.  Der Inhaber des Finanzunternehmens ruft mich in sein Büro: „Jason hat dir die Stelle gegeben, ohne sich mit mir abzusprechen. Doch für das nächste Jahr gibt es gar kein Budget dafür.” Und damit wär’s das. Anstellung vorbei. Zurück zu Feld 1.

Das war ein harter Schlag. Und das kurz vor der großen Pause. Weihnachtszeit. Sommerferien in Australien. Von Mitte Dezember bis Februar geht hier gar nichts mehr. Wie soll es ohne diese Stelle bloß werden? Denn an meinem Einkommen hängt unser Visum. Und ohne Visum dürfen wir nicht bleiben.

Schock

In meinem Schock konnte ich nur noch meine Freundin Jenine anrufen. Sie hat mich sofort mit dem Auto abgeholt und ich habe einfach nur geheult. Aus mir strömte mindestens so viel Wasser, wie an dem Regentag im Fahrstuhl. Gott sei Dank fand die Visa-Agentur eine Zwischenlösung und verschaffte mir eine kurze Atempause, um mich zu sammeln. Wenn wir bleiben wollten, musste ich eine neue Stelle finden. Und zwar schnell.

Das Abenteuer Australien abbrechen war einfach keine Option. Wir wollten hierbleiben. Außerdem waren doch eben erst unsere Container aus England angekommen.

Aufbruch

Also begann ich zu telefonieren, telefonieren, telefonieren und nochmals zu telefonieren, mich bei Beratungsagenturen und Stellenvermittlern vorzustellen „Ja, ich will hierbleiben! Ja, ich habe ein Arbeits-Visum. Ja, no worries, ich bringe die relevante Erfahrung aus Europa mit“. Doch wieder und wieder bekam ich zu hören: „Du hast die lokale Erfahrung nicht.“ Immer wieder die gleiche Antwort.

Doch es gab einen der Stellenvermittler, Edward. Aus unserer Arbeitsbeziehung entwickelte sich eine wunderschöne Freundschaft. Denn er verstand, dass wir wirklich hierbleiben wollen, dass wir wirklich schon hier sind und auch bereits ein Unternehmen in der Gründung haben. So wie wir kam er aus England und verstand, dass diese Erfahrung ebenfalls zählt.

Wir sind hier, um zu bleiben

Das Besondere an Edward? Er hat meine Emotionen wirklich verstanden und gespürt, dass der Wunsch und Wille echt sind. Viele andere haben sich nicht darauf eingelassen. Von Anfang hat er ehrlich gesagt, dass es nicht einfach wird. Doch eines Tages rief er an und hatte ein Unternehmen.

Dieses Unternehmen wollte mich zuerst gar nicht sehen. Es war die übliche Leier „sie hat keine lokale Erfahrung und und und und…“ Doch dann ist ihnen jemand abgesprungen. Das war meine Chance.

Auch Edward blieb dran. Immer wieder lag er dem Unternehmen in den Ohren: „Schaut sie euch wenigstens einmal an.“ Er hat an mich geglaubt und mich gestützt. So wurde er zum wichtigen Mentor meiner Erfolgsgeschichte.

Genau eine Woche vor dem geplanten Weihnachts-Abflug in die Schweiz – und ich wusste, wenn ich ohne eine Stelle abfliege, darf ich nicht mehr zurück – kam endlich die Einladung, mich vorzustellen.

Tollkühner Neustart

Die Personalleiterin und ich hatten ein tolles Gespräch. Mein Auftrag hieß, einen Pitch für ein Dummy- Meeting vorzubereiten. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das hinbekommen sollte. Ich habe zwar keine Scheu davor, mich vorn hinzustellen und einen Pitch zu präsentieren. Aber das optisch toll aufzubereiten, das ist für mich heute noch eine Herausforderung. Doch mit meinem Mann Dani habe ich es hinbekommen. Mit weichen Knien präsentierte ich an vier Personen aus dem Verkauf. Und direkt am Abend nach meiner Präsentation kam ein Anruf.

Und eine neue Herausforderung. „Miriam, du hast dich für eine Stelle im Direktvertrieb beworben und würdest super passen. Doch seit heute ist noch eine andere Stelle frei, bei der du im indirekten Vertrieb die großen Telekommunikationsunternehmen betreuen würdest. Du kommst aus diesem Bereich und hast so eine so schöne Energie die Leute abzuholen, dass wir dir die Wahl geben. Du darfst dich entscheiden: Möchtest du lieber das Neugeschäft im Direktvertrieb machen oder mit unseren großen Partner-Unternehmen ihr Business aufbauen?“

Ich hatte null Erfahrung im Verkauf. Es war aber der Strohhalm, damit wir überhaupt bleiben konnten. Doch das Telekommunikations-Business der Schweiz kannte ich gut und wusste, zusammen mit den Sales Spezialisten der lokalen Telekommunikationsunternehmen konnte ich es schaffen.

Vom Pitch zum Award – die Erfolgsgeschichte nimmt Fahrt auf

2004: Gleich im ersten Jahr gewann ich dann den „Rooky of the year“ den Award für Neustarter im Unternehmen.

Miriam Schnyder - Award für just do it - Heldinnenstory bei Katrin Klemm Storytelling

Zwei Jahre  später folgte der nächste Preis. Der Inhaber unseres internationalen börsennotierten Unternehmens lud jedes Jahr seine besten Verkäufer der ganzen Welt an einen besonders tollen Ort ein. Und so fand ich mich 2006 mit meinem Mann in Mexiko im One&Only Palmilla und hatte das Gefühl ich träume.

Miriam Schnyder - Award für just do it - Heldinnenstory bei Katrin Klemm Storytelling Adventskalender

Doch es war eine großartige Realität. Meine Realität. So knüpfte ich dort nicht nur viele internationale Kontakte zu den besten Verkäufern der Welt, sondern ich legte auch für uns ganz persönlich noch etwas drauf. Ich buchte ein Round-the-world-Ticket, um nach den intensiven Tagen in Mexiko noch einen Zwischenstopp in der Schweiz zu machen und mit meinen zwei geliebten Nichten ihr erstes großes Konzert zu besuchen.

2007 kam unser erstes Kind in Australien auf die Welt. Elf Tage später waren auch Dani und ich offiziell Australier. Wir fühlen uns mit der Mentalität tief verwurzelt und sind dankbar, für die Chance, die sich uns bot und die Energie, sie auch zu packen.

Das ist unsere Geschichte. Wir wussten nach ein paar Tagen als Besucher, dass wir in Australien leben möchten.

Und ich bin Jason aus dem Lift bis heute dankbar, dass er mir diese Stelle gegeben hat. Auch wenn es sich damals, als ich erfuhr „das klappt jetzt doch nicht“ wie eine Bruchlandung – mit dem Hinterkopf auf Asphalt plus Gehirnerschütterung – anfühlte.

Die Brücke ins Jetzt und Hier

Das ist jetzt neunzehn Jahre her. In dieser Zeit wird ein Mensch erwachsen. Und wo stehe ich jetzt? An der gleichen Stelle, wenn auch in der Schweiz.

2021 Zu Beginn des Jahres um Mitternacht hatte ich diese Idee, die ich in die Welt bringen will: Lernen im Tauschhandel. Weil ich dazu beitragen möchte, dass jeder Mensch das arbeiten kann, was sie/ihn wirklich erfüllt. Damit jede/r mehr Chancen bekommt seine/ihre ganz persönliche Erfolgsgeschichte lebendig werden zu lassen.

Make work a fulfilling part of life. Shine.

Ich weiß, ich werde Rückschläge hinnehmen müssen. Da gibt es in mir diese widerstrebenden Stimmen „Ach komm es gibt auch einfachere Wege“. Und dennoch weiß ich: ich werde es tun. Es lässt mir keine Ruhe. Ich könnte es verdrängen. Aber es ist jetzt da, es wird nicht weggehen.

Irgendwann kommen auch die Einsicht und Gelassenheit, dass es nicht sofort sein muss. Vielleicht dauert es halt ein bisschen länger, das macht gar nichts. Denn die Gewissheit ist da: Der Einsatz wird sich lohnen.

 

Dieser Artikel war ein Gast-Beitrag im Storytelling-Adventskalender 2021.

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Wenn du eine Sehnsucht im Herzen trägst

Design your LifeStory – ein Erfahrungsbericht.

Denise ist Event-DJane, spezialisiert auf Hochzeiten und Bälle. Gleichzeitig arbeitet sie in Teilzeit im Hotel Hanseatin Hamburg, mit Schwerpunkt im Marketing. Sie war 2020 bei Design your LifeStory dabei. Neun Monate später haben wir uns noch einmal unterhalten.

Denise, wie sah dein Alltag vor der LifeStory aus?

Ich habe schon immer unglaublich viel und gern gearbeitet, angestellt und freiberuflich. Ich bin der Typ “einfach mal machen ohne lange zu überlegen, wo etwas hinführen soll.” Aber da war so eine Unzufriedenheit. Mit der Zeit wurden die ToDo Listen endlos. Ich habe nur noch ziellos abgearbeitet und funktioniert. Nachts lag ich wach, dabei war ich doch unendlich müde und erschöpft. Mit der Erschöpfung kam das Bewusstsein: “Mein Körper ist endlich. Ich bin keine 20 mehr. Wenn ich jetzt einfach nur fortsetze, was ich schon immer tue – reinhauen, schleppen, abarbeiten – wo soll das hinführen?”

Ich hatte immer weniger Lust auf meinen Teilzeitjob. Das frühe Aufstehen war einfach gegen meinen Biorhythmus. Als mir dann sogar private Termine nur noch wie eine Pflicht erschienen, musste ich mir eingestehen, dass mir die Lust am Leben verloren gegangen war. Mich quälte der Gedanke: “Geht das jetzt alles immer so weiter”?

Von außen hat das niemand gemerkt. Schließlich ist man ja diszipliniert genug. Klar, die engsten Freunde haben immer mal Andeutungen gemacht, aber wenn man immer in der Mühle rennt, dann hat man ja auch gelernt, das auszublenden mit einem: “Jaja ihr habt schon recht, aber ehrlich, das bringt mich jetzt auch nicht weiter.” Man muss ja funktionieren heutzutage. Es darf ja niemand wissen, dass man eigentlich viel zu müde ist und keine Lust hat (was sollen die von einem denken).

Aber du lebst doch schon deine Leidenschaft, oder?

Ja, das mit dem DJ-ing ist ja auch genau richtig. Genau so habe ich es mir vorgenommen als ich mich vor acht Jahren selbständig gemacht habe. Es lief. Aber so wie es lief, konnte es die nächsten Jahre nicht weitergehen. Es hätte mich kaputt gemacht. Da musste sich irgendwas ändern. In diesem Tempo und der Intensität konnte ich so nicht weitermachen. Über kurz oder lang hätte ich mich aufgerieben.

Ich habe die Entscheidung getroffen: Ich will wieder mehr leben.

Da habe ich mitbekommen, was die Frauen aus der ersten Workshop-Reihe mitgebracht haben. Ich habe deine strahlenden Augen gesehen und erfahren, wie sich die Teilnehmerinnen gegenseitig motivieren und pushen und so schnell Sachen umgesetzt haben. Da war die Entscheidung plötzlich da: Ich will wieder mehr leben! Aber wie soll das aussehen? Wo will ich eigentlich hin? Was macht für mich das Leben lebenswert? Das wollte ich herausfinden und für mich klären, wie ich erfolgreich bleiben kann, ohne mich kaputt zu machen.

Design your LifeStory gibt es ja als Einzelarbeit, als Best-Buddies zu zweit mit einer Freundin oder als Semesterworkshop für 6 Monate. Warum hast du dich für den Semesterworkshop in der Gruppe entschieden?

Ja, das war ein großer Unterschied. Ich bin so ein Lehrerinnen-Typ (schmunzelt) : wenn ich was lerne, kann ich das schlecht vor dem PC oder einen Buch, ich brauche eine Art Lehrerin die liebevoll, humorvoll aber auch konsequent dafür sorgt, dass wir vorankommen. Ich bin zwar auch eine gute Einzelkämpferin. Aber in einer Gruppe, die funktioniert, deren Dynamik ich mag, da fängt man sich gegenseitig auf und pushed sich. Welche Ideen andere manchmal in dir wecken, da kommst du niemals allein drauf. Unglaublich!

Cool, wenn so viel Herz und Brain zusammenkommt.

Da kann jede von den Ideen der anderen profitieren. Diese echte Verbindung mit anderen Menschen, die du schaffst, sorgt auch für eine neue Verbindung meiner Synapsen. Und das setzt unendlich kreatives Potential in mir selbst frei. Außerdem finde ich es schön, auch den anderen zu helfen. Das macht Spaß – und zu sehen, wie ich ihnen helfen kann, erlaubt mir auch selbst immer wieder um Hilfe zu bitten.

Das ist ja auch ein Vertrauensvorschuss?

Ja klar – ich gehe immer grundsätzlich davon aus, dass das schon passt. Wenn ich merke, da wäre jemand dabei, mit der ich gar nicht kann, da gibt’s nur zwei Wege. Ich finde was, das ich an ihr mag und dann geht das schon. Oder ich halte mich fern. Das allerdings geht ja in einer Dreiergruppe nicht wirklich. Doch es hat gepasst – und ich glaube, das hast du schon gut ausgesucht – da kann man auf deine Menschenkenntnis vertrauen.

Was hast du für dich mitgenommen?

Ich weiß jetzt klar, wo ich hin will und habe das für mich formuliert. Allein die Erkenntnis: Obwohl ich super gern arbeite – und ich habe kein Problem damit, viel zu arbeiten – habe ich für mich herausgefunden, dass ich gar nicht so viel arbeiten will. Das war für mich eine der positivsten Überraschungen:

Zukünftig reichen mir wenige Stunden Arbeit am Tag.

Die müssen gut bezahlt sein. Dann bleibt mir wieder mehr Zeit für kreative Dinge, aus denen was Neues entsteht. Da will ich hin. Damit habe ich in dem Moment begonnen, als ich mich zur LifeStory angemeldet habe. Ich setze jetzt einfach Sachen um, die ich vorher immer vor mir her geschoben habe. Also die Dynamik über die du aus der Vorgängergruppe erzählt hast, spüre ich schon jetzt am eigenen Leib. Ich stehe zwar noch nicht da, wo ich in 2-3 Jahren sein will. Aber Dinge, die ich in den letzten Jahren vor mir hergeschoben habe, die habe ich jetzt schon mal umgesetzt. Das fühlt sich gut und richtig an.

Ich bin klar fokussiert.

Ich achte schon jetzt viel besser auf mich. Setze Dinge um. Am Berufsinhalt ändert sich zwar nicht viel, da habe ich schon vorher die richtige Entscheidung getroffen. Aber es haben sich mehr Felder und Zusatzmöglichkeiten ergeben, auf denen ich weitere Standbeine aufbauen kann. Also zum Beispiel die Schlepperei – du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Tonnen man als DJane im Jahr so bewegt. Wenn ich also in Zukunft nicht mehr schleppen will, dann source ich das aus. Dafür fange ich an, Brautleuten das Tanzen beizubringen, da muss ich nicht soviel schleppen und tue genau das was ich kann und was ich liebe. Ich will immer weiter lernen.

Deshalb werde ich jetzt andere Dinge testen und wagen.

Es ist schon etwas Besonderes, dass es in der LifeStory diese Prototyping-Phase gibt. Du lässt einfach nicht locker, damit wir das, was wir uns für unser nächstes Kapitel entwickelt haben, sofort da draußen im echten Leben auszuprobieren.

Design your LifeStory - Phantasie kennt keine Grenzen

Mein erster Gedanke, ganz schnell mein Profil als HighClass-DJane aufzubauen, ist doch eher ein Langzeitprojekt. Dafür schaffe ich jetzt erstmal die Voraussetzungen. Gut, dass mir das praktische Prototyping gezeigt hat, wo die Baustellen sind. Dann hat mich auch dieses verrückte Corona-Jahr hier ziemlich zurück geworfen.  Aber ich habe die Zeit gut genutzt. Statt verzweifelt abzuhängen, weil die Veranstaltungbranche brach liegt, habe ich meine Fähigkeiten verbessert. So steht jetzt ein echtes Herzensprojekt in den Startlöchern – stay tuned. Die Webseite kommt in den nächsten Wochen.

SPOILER: Hier schon mal ein kleiner Ausblick – Denise brandneues Video zeigt dir ihre Leidenschaft in Bild und Ton.

Und dann ist da draußen auch so viel Sehnsucht, endlich wieder mal zu tanzen. Deshalb habe ich ad hoc mein Angebot zum privaten Tanzen entwickelt. 15 Jahre Tanzerfahrung + passende Musik. Da geht so viel, wir müssen es einfach nur machen.

A propos “einfach mal machen”: Welchen Frauen empfiehlst du die LifeStory?

Ganz klar Frauen, die gefühlt im Hamsterrad oder in der Sackgasse stecken und sich aufreiben. Da macht es Sinn, genauer hinzuschauen und sich das halbe Jahr zu gönnen. Ich empfehle das LifeStory Designen jeder, die eine Sehnsucht im Herzen trägt, die aber nicht rauslassen kann, weil sie immer nur funktionieren muss. Wenn irgendwas in ihrem Inneren schon weiß: “Eigentlich sollte ich ganz was anderes machen”, dann sollte sie sich anmelden.

Denise, ich danke dir und wünsche dir auf deinem Weg alles alles Gute.

 

Wenn auch du 2022 deiner Sehnsucht Flügel verleihen und ein Fahrgestell zum Landen schaffen willst, dann sei dabei.

Die nächsten Start-Termine:

 

Finanzgeschichten – Frauen, reden wir über Geld.

Frauen und Geld. Darüber gibt es viele Geschichten. Die wenigsten Finanzgeschichten sind heiter. Das muss sich ändern.

Deshalb spreche ich als StoryCoach mit einer Fachfrau für finanzielle Selbstbestimmung über:

  • Stop- und Flow-Stories in Sachen finanzielle Freiheit
  • den Zufall und den Glücksfall
  • das Wesen einer echten Finanzheldin und die schlimmsten Wegelagerer auf ihrer Heldenreise
  • Zeit, die Geld ist und
  • einen Raum, in dem Finanzen richtig lecker werden.

Monika Borchert setzt als Finanzexpertin und zertifizierte Vorsorge-Beraterin seit mehr als 30 Jahren auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihren Klientinnen. Auch wenn wir alle wissen, dass in der heutigen Zeit nichts mehr wirklich sicher ist, tritt Monika an, das Sicherheitsgefühl ihrer Klientinnen zu erhöhen. Dazu nutzt sie nicht nur fachliche Erfahrungen und strategische Kompetenz. Sie hat ein Einfühlungsvermögen, bei dem du dich als Kundin – ich spreche aus eigener Erfahrung – wirklich sicher begleitet fühlst.

Stop- und Flow-Stories

Es geht um Stop-Stories, diese inneren Selbstgespräche, mit denen wir Frauen zuverlässig unsere finanzielle Freiheit und Unabhängigkeit verhindern. Das beginnt bei: „Ach, das Thema Geld. Ja, da kümmere ich mich irgendwann mal drum“. Und um Flow-Stories, die dafür sorgen, dass sich nicht nur meine Gedanken über Geld ändern. Die mich ins Handeln bringen und die Mauern einreißen lassen, die ich mir selbst im Kopf hochgezogen habe.

Du willst das Interview lieber hören oder sehen? Hier geht’s zu Vimeo.

Geldanlage und Altersvorsorge sind ja traditionelle Männerthemen. Der Begriff des Finanzberaters ist deutlich etablierter als der der Finanzberaterin.

Monika, wie kam es bei dir vor mehr als 30 Jahren zu der Entscheidung, dich diesem Thema zu widmen? War es eine Erleuchtung? Oder kam das eher nach und nach?

Jeder, der mich kennt weiß, dass ich heute das Thema Planung immer vorn anstelle. Deshalb ist es fast ein bisschen peinlich zuzugeben, dass bei mir damals überhaupt nichts geplant war. Ich bin mit neunzehn zu Hause aus- und zu meinem Freund gezogen. Ich habe keine Ausbildung gemacht. Aber bin dann arbeiten gegangen damals bei Gruner und Jahr. Ich hatte einen tollen Job, habe  super viel Geld verdient und sah gar keine Notwendigkeit, eine Ausbildung zu machen.

Dann wurde ich irgendwann schwanger – gewollt schwanger – und habe einen sehr tollen Sohn geboren. Aber wie das häufig vorkommt, ist dann meine Partnerschaft kaputt gegangen und ich stand da. Ich wollte mit meinem Kind zuhause bleiben. Ich war nicht abgesichert. Ich hatte keine Ausbildung und damit auch keine Einkünfte mehr. Und Sozialamt war für mich überhaupt kein gar kein Thema. Dann bin ich erst mal zum Arbeitsamt, weil ich dachte: Okay, du musst jetzt irgendwie arbeiten, du musst ja Geld verdienen.

Der Sachbearbeiter hat wirklich ziemlich mit mir gemeckert, wie ich einen so tollen Job aufgeben konnte. Für dieses Einkommen würde er mich überhaupt nie wieder unterbringen können. Ich sollte jetzt erst eine Ausbildung machen. Ich bekam einen Prospekt in die Hand gedrückt mit zwanzig kaufmännischen Berufen. War in Ordnung, ich wollte ja auch was Kaufmännisches machen. Verlagskaufmann kannte ich. Und Finanzen war ich auch nicht abgeneigt.

Entscheidung per Zufall – ein Glücksfall

Das war im Sommer, mein Sohn war damals noch nicht mal ein Jahr alt. Alle Ausbildungen fingen am 1. Dezember an. Die einzige, die am 1.6. des Folgejahres begann, war der Versicherungskaufmann. Die habe ich genommen. Das kann man nicht wirklich Planung nennen.

Dabei war es rückwärts betrachtet sowas von richtig. Ein echter Glücksfall. Doch damals hatte auch ich keinerlei Ahnung von Finanzen, von Versicherungen, von irgendwas. Ehrlicherweise – das war der Grund, warum ich die Ausbildung gemacht habe.

Finanzbildung in der Schule? Fehlanzeige!

Dass du so lange drangeblieben bist, heißt ja auch, dass man Finanzen lernen kann, oder? Und Spaß daran finden, selbst nach dreißig Jahren?

Unbedingt. Ich verwende etwa 20 Prozent meiner Zeit permanent für Fortbildung. Ich verstehe so gut, warum gerade Frauen sich mit diesem Thema so schwer tun. Weil wir keine Finanzbildung bekommen in Deutschland. Es wird in der Schule nicht unterrichtet. Die Eltern machen es auch in der Regel nicht mehr.

Früher gab es noch die Mutti, die ihre Umschläge auf dem Tisch hatte. Die Kinder sahen, wie Mutti das Geld für Miete, für Kleidung, für alles andere aufteilte.

Katrin Klemm im Interview mit Monika Borchert Finanzgeschichten

Das läuft heute alles elektronisch. Die Kinder lernen es nicht mehr. Infolge dessen traut man sich häufig da auch nicht ran. Aber in meiner Branche ist es ja nicht nur so, dass man Versicherungen kennen muss, auch das Steuerrecht spielt eine Rolle. Nimm die betriebliche Altersversorgung, da solltest du dich im Arbeitsrecht auskennen. Das ist schon sehr umfangreich.

Da ist schon eine dieser Stopp-Stories, die Frauen davon abhalten, sich endlich reinzuknien. Wenn ich mir vorstelle, was ich alles lernen müsste, um mich wirklich kompetent zu fühlen… Wenn wir Frauen was machen, dann möchten wir es ja bitteschön perfekt machen. Welche sind die gefährlichsten Widersacher, die dicksten Mauern, die wir Frauen immer noch im Kopf haben und die uns davon abhalten, endlich mal die Ärmel hochzukrempeln und uns um unsere Finanzen zu kümmern?

Dieses fehlende Finanzwissen das haben Männer wie Frauen. Die gehen ja auch mit uns in die gleiche Schule. Aber Männer gehen das pragmatischer an, Männer denken: Wenn ich krank werde, was kriege ich eigentlich an Geld? Reicht das oder nicht? Schließe ich eine Versicherung ab! Wenn ich gar nicht mehr arbeiten kann, woher kriege ich welches Geld? Also ganz pragmatisch. Während Frauen sich diesem Thema sofort emotional nähern, insbesondere wenn man Mutter ist.

Mütter werden nicht krank

Es ist ja nicht vorgesehen, dass man als Mutter krank wird. Da startet sofort dieser Film: „Ich darf eigentlich nicht krank werden“. Ich spreche hier nicht über eine Erkältung. Länger krank sein kann man sich als Mutter eigentlich kaum erlauben. Sofort kommt der Gedanke: „Oh Gott, was ist mit den Kindern? Wer bringt sie zur Schule, wer macht Essen? Wer macht also all diese Themen?“

Und schon ist man weg von der pragmatischen Lösung. Von dem „Was passiert dann wirklich mit mir?“

Genau das gehe ich mit meinen Kundinnen gemeinsam Schritt für Schritt durch: Was passiert denn, wenn du krank bist? Rein rechnerisch? Welche Zahl steht da? Wie viel Geld hast du an Einkommen, woher auch immer? Und was bedeutet das für dich? Und möchtest du da etwas aufbessern? Etwas verändern? Ja? Nein?

Da dränge ich niemanden. Mir geht es immer um Klarheit. Klar zu wissen, wo stehe ich? Wenn ich krank werde, wenn ich gar nicht mehr arbeiten kann? Wo stehe ich bei der Altersversorgung? Was, wenn mein Mann mich verlässt oder auch verstirbt? Also was bedeutet das rein finanziell und eben mal nicht emotional?

Geh die Geschichte pragmatisch an

Frauen gehen häufig blitzschnell in die emotionale Schiene und deswegen fällt es so schwer. Außerdem sind Frauen sehr viel sensibler als Männer. Männer packen an und machen. Die haben nicht so viel Angst vor Fehlern.

Frauen denken: Das ist alles so komplex. Es ist alles so schwierig. Aber bevor ich etwas falsch mache, mache ich lieber gar nichts. Ich muss mich erst einmal weiter damit erst mal befassen. Ich muss mich erst einmal schlau machen. Und so geht ein Jahr nach dem anderen ins Land. Das ist natürlich eine ganz große Katastrophe, weil neben Renditen oder Anlageformen auch Zeit ein ganz wesentlicher Aspekt ist. Je länger man Zeit hat, desto mehr erreicht man.

Ok, das mit der Zeit leuchtet mir ein. Aber meine Emotionen kleben so fest an meinen Geschichten. Die kann ich ja nicht einfach an der Türschwelle abgeben. Ich höre Stories von Frauen in denen ihre Finanzberater mit den Emotionen – Sorge oder Angst zum Beispiel – entweder nicht umgehen können oder sie schamlos ausnutzen, um Produkte zu verkaufen. Du sagst, du nimmst die Emotionen und stellst die Klarheit der Fakten daneben. Wie stelle ich mir so einem Gespräch mit dir vor?

Ja, unbedingt – beides hat Platz. Deswegen ist ein erstes Gespräch immer persönlich. Ich kann ja zwischen den Zeilen lesen, wenn ich einen Menschen ansehe. Was sagt sie mir und welche Emotionen sind da? Klar heute laufen Beratungen auch über Skype. Doch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Ich finde es super wichtig, dass man sich mindestens einmal persönlich gesehen hat.

Finanzplanung heißt: Hose runter

Das hat mit Vertrauen zu tun. Frauen, die zu mir kommen, müssen mir ja vertrauen können. Finanzberatung und Finanzplanung bedeuten immer – nennen wir es „Hose runter“. Das heißt ja auch, sich zu öffnen, Dinge zu erzählen, auch unangenehme Dinge, wo man vielleicht Fehlentscheidungen getroffen oder sich in seinen eigenen Finanzgeschichten verirrt hat. Es heißt neues Vertrauen zu fassen.

Ich weiß, meine Branche hat ein grottenschlechten Ruf, und leider, leider immer noch zu Recht. Es gibt mittlerweile ganz viele gute Berater und Beraterinnen, aber es gibt leider auch noch viel zu viele schwarze Schafe, die dieses Thema eben nicht ganzheitlich planerisch angehen, sondern den Produktverkauf in den Vordergrund stellen. Denen eigentlich egal ist, was für Schicksale sich vielleicht dahinter bewegen.

Ich arbeite im StoryCoaching das universelle Modell der Heldenreise und erlebe immer wieder, dass es Frauen reflexartig ablehnen, sich selbst eine Heldin zu nennen.
Mein Verständnis von Held*innen: Es geht um Menschen wie dich und mich. Wir sitzen im Hier und Jetzt auf unserem vertrauten Sofa. Und möchten da auch gern bleiben. Manchmal zieht uns das Leben das Sofa unterm Hintern weg. Kind da, Job weg, Partner*in weg, usw.  = Finanzen im Eimer. Manchmal haben wir selbst das Gefühl, wir sollten jetzt mal… Vielleicht schaffen wir es. Wir ziehen los, überwinden Hürden und kommen irgendwo neu an. Damit die Heldin nicht alles allein durchkämpfen muss, trifft sie auf einen Mentor, eine Mentorin.
Ich sehe dich ganz klar als (m)eine Finanz-Mentorin. Deshalb interessiert mich deine Perspektive: Was zeichnet eine Finanzheldin aus?

Eine Frau wird in dem Moment zur Finanzheldin, in dem sie das Thema Finanzen als ihre eigene Verantwortung begreift. Viele Frauen wissen, dass es ein wichtiges Thema ist. Trotzdem lassen sie es häufig bei den Männern oder bei den Partnern.

Unabhängig heißt finanziell unabhängig

Wenn die Männer es denn besser können, finde ich das überhaupt nicht schlimm. Das macht ja eine Partnerschaft aus. Wenn ein Mann das besser kann, soll er das doch gerne tun. Oder der Partner, die Partnerin. Aber worum geht es mir? Um Klarheit. Eigenverantwortung heißt, das Frauen erkennen „Ich bin nur unabhängig, wenn ich finanziell unabhängig bin!“

In Hamburg, sagt die Statistik, gehen 50 Prozent aller Partnerschaften wieder auseinander. Doch selbst wenn man zusammenbleibt, und jeder hat sein eigenes Einkommen, dann hat das für mich was mit Selbstwertgefühl zu tun. Das hängt tief in meiner eigenen Geschichte. Ich habe mit 11 Jahren angefangen zu arbeiten, weil es für mich gruselig war, mit meiner Mutter über Geld zu sprechen. Und wenn ich einen Mann oder wen auch immer fragen müsste: „Ich möchte ein Paar Schuhe kaufen. Kannst du mir 100 Euro geben?“, ist das für mich furchtbar.

Finanzheldin übernimmt Eigenverantwortung

Deshalb übernimmt eine Finanzheldin Eigenverantwortung und fragt sich:

  • Was passiert eigentlich mit mir, wenn ich krank werde, wenn mein* Partner*in krank wird?
  • Was passiert, wenn er/sie gar nicht mehr arbeiten, wenn er/sie verstirbt?
  • Und was passiert, wenn ich nicht mehr arbeiten kann oder nicht mehr arbeiten möchte? Was bedeutet das für mich?

Katrin Klemm Storytelling mit Monika Borchert Finanzgeschichten

Stellen wir uns vor, die Heldin rüstet sich jetzt mit Eigenverantwortung und macht sich auf die Reise. Wie im Kino fiebern wir mit ihr. Wir drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft.
Doch immer, wenn sie kurz davor ist, ihr Ziel zu erreichen – rumms – bricht mitten auf dem felsigen Weg zum Gipfel der Berg plötzlich weg oder lauert hinter der nächsten Ecke schon wieder irgendein fieses Monster. Was sind denn in Geldangelegenheiten die größten Hürden, die Frauen überwinden müssen, um in Sachen finanzielle Absicherung und Vorsorge wirklich siegreich zu sein?

Kaufen macht nicht (immer) glücklich

Altersvorsorge ist für viele der Kauf eines Produkts oder mehrerer Produkte. Das ist schon mal der erste Fehler. Bevor ich kaufe, muss ich doch erst wissen, wo ich denn überhaupt stehe. Wo will ich denn hin? Und wann brauche ich überhaupt welches Geld? Erst wenn ich den Weg und meine Ziele beschrieben habe, meine Eckdaten kenne, dann begibt man sich auf Produktsuche. Das wird wirklich sehr häufig falsch gemacht.

Natürlich, es gibt auch gute Bankberater. Aber viele Bankberater sind ja sehr unter Druck. Die müssen Produkte verkaufen. Jeder der da reinkommt – die Oma, die Auszubildende oder der Arzt – kriegt dann das Produkt des Tages.

Und es geht noch schlimmer. „Hast du schon eine Riester-Rente? Hast du schon eine Basis Rente, da kannst du Steuern sparen!“ Dann denkt unsere Heldin: „Ach, ich wollte mich ja sowieso mal mit Altersversorgung beschäftigen. Ich mach das jetzt. Dann spare ich auch noch Steuern! Wunderbar! Damit hab ich diese leidigen Finanzgeschichten auch gleich abgehakt.“ Irgendwann kommen diese Produkte bei mir auf den Tisch. Und ich stelle fest, die Kundin zahlt ja gar keine Steuern. Was ist denn das für ein Produkt? Das passt überhaupt nicht zu ihr.

Die größte Falle für mich ist es, einfach Produkte zu kaufen, die häufig nicht zueinander passen, die häufig gar nicht zu der Person passen. Deswegen ist das Thema Finanzplanung die allerwichtigste und die größte Hürde, weil eine Planung so oft leider so gut wie gar nicht vorhanden ist.

Corona ist auch nur eine Krise

Neben individuellen Schicksalen (zur kompletten Aufzeichnung HIER entlang) hatten wir seit Beginn der Corona-Krise auch ordentliche Schwankungen und unabsehbare Risiken in Börsen und Wirtschaft. Ganz viele Frauen wollen oder müssen gerade jetzt ihr Geld zusammenhalten und fragen sich: „Ausgerechnet jetzt soll ich mir auch noch Gedanken um meine Altersversorgung machen?“
Wann ist denn der beste Zeitpunkt zu sagen: “Ich schlage jetzt ein neues Kapitel meiner persönlichen Finanz-Geschichte auf”,  und wo fange ich am besten an?

Also das Thema Corona und Wirtschaft ist natürlich wirklich ein spezielles. Es ist eine Krise. EINE Krise. Im Laufe unseres Lebens haben wir ja viele Krisen zu meistern. Und dieses Thema Geld zusammenhalten, liquide sein halte ich grundsätzlich für gut. In dieser Zeit, weil die Märkte volatil sind und keiner weiß wie sehr, weil sich die Börse komplett entkoppelt hat von dem Marktgeschehen ist es  – ja, ich wiederhole mich – besonders wichtig, einen Finanzplan zu haben.

Schon wieder die Geschichte mit den Emotionen

Das ist auch genau das, was viele Menschen, insbesondere Frauen, falsch machen, wenn man anfängt mit Geldanlage. Zum Beispiel an der Börse. Dort darfst du nicht emotional sein. Dort brauchst du einen Finanzplan, den du dann auch durchhältst. Wichtig ist eine große Flexibilität. Man muss seine Geldanlagen seiner persönlichen Situation anpassen können. Es aber auf die lange Bank zu schieben oder selbst jetzt wieder zu sagen Ich warte nochmal ein Jahr halte ich für grundsätzlich falsch.

Die beste Zeit ist immer Jetzt

Fang jetzt und sofort an – das ist das A und O. Erstelle einen Plan. Beginne mit kleinen Beiträgen durchaus auch erstmal Rücklagen zu sparen. Denn Zeit ist neben Rendite und Höhe der Beiträge, die man sparen kann, das dritte ganz wichtige Standbein. Aufschieben ist wirklich der allerschlechteste Weg.

Also, Frauen, lasst uns über Geld reden.

Ein herzliches Dankeschön an Monika Borchert für deine Einblicke in Finanzgeschichten, wie du sie siehst und erlebt hast in 30 Jahren Berufserfahrung.

 

Teebeutel-Stories auf Clubhouse und (mein) gesunder Menschenverstand

Was ich auf Clubhouse mache. Und warum. Und wie ich dazu gekommen bin. Mal wieder eine meiner ganz persönlichen technischen Heldenreisen.

Ihr redet über Teebeutel? Echt jetzt?

Als es mit Clubhouse zu Beginn des Jahres losging, lag mir der Gedanke, dort dabei zu sein ungefähr so fern wie die Idee, meine Zukunft aus Teeblättern zu lesen. Ich und iPhone? Niemals! Seit Jahrzehnten bin ich treue Android Nutzerin und Apple kommt mir nicht ins Haus.

Doch es kam.

Und zwar schon eine Woche später. Wenn meine Kollegin und Freundin Susanne eine Idee hat, die sie umsetzen will, dann kennt sie nix. Sie kauft ein gebrauchtes iPhone günstig und versichert mir „Wir machen jetzt Clubhouse. Du kannst das“. Naja, das war’s schon mit meinem Widerstand. Susanne kann sehr überzeugend sein.

Clubhouse-Stories und Warnungen

Was schwirrte da nicht alles durchs Netz  zu Beginn: Hype und Warnungen aller Arten. Als erklärte Leserin von Bedienungsanleitungen hab ich erstmal gelesen und geforscht. Bis es mir zu viel wurde und ich einfach mal gemacht habe. Und es bis heute noch keinen Augenblick bereut.

Pro und Con aus meiner ganz persönlichen Sicht

Man sagt:

Die saugen alle deine Daten ab und du kannst dich nicht wehren.

Ich finde:

Tun sie nicht, denn ich habe auf meinem neuen gebrauchten iPhone gar keine drauf. Doch selbst wenn ich welche hätte – zu Beginn deines Clubhouse Engagements wirst du gefragt ob du alle Kontakte hochladen möchtest. Und wie überall in der Welt kannst du Nein sagen. (Wenn du das noch nicht kannst, wird es Zeit das zu üben – so zum Beispiel )

Man sagt:

Es ist exklusiv nur für iPhone Nutzer und das schafft künstliche Verknappung.

Ich finde:

Ist doof (war zu Beginn so). Kann sein. Susannes pragmatische Lösung steht oben. Aber auch für Android ist es jetzt bald soweit sagt der STERN.

Man sagt:

Du musst eine Einladung haben. Das schließe andere aus oder verknappe den Zugang künstlich. Fear of Missing out würde dazu führen, dass alle unbedingt reinwollen.

Ich finde:

Ist für mich völlig in Ordnung. Wenn du dich wirklich von FOMO einfangen lässt, ist es Zeit, wieder mal darüber nachzudenken, wovon du dich steuern lässt. Alles was einen unangenehmen Druck erzeugt oder eine irrationale Angst, kann ein guter Anlass sein, mal wieder kurz die eigenen Bedürfnisse zu checken. Muss ich wirklich überall dabei sein? Geht die Welt unter, wenn ich es nicht sofort bin? Ausatmen, weiter leben.

Wenn du wirklich eine Einladung möchtest, frag herum und ich bin sicher, dass du rasch eine bekommst. Denn ehrlich – inzwischen gibt es Redner*innen und Clubs mit tausenden Followern und die müssen ja irgendwo her- also auch reingekommen sein. Entspann dich. Notfalls frag mich, nenn mir einen guten Grund und ich lade dich gern ein.

Man sagt:

Künstliche Exklusivität: hier  ab 7:00 erklärt Prof. Dr. Christian Rieck ein paar spannende spieltheoretische Hintergründe, wie man die Begehrlichkeit durch Schlangestehen vor den Türen erhöht und sich als Unternehmen in eine (angenommene) Machtposition setzt. Das wahrgenommene Kräfteverhältnis charakterisiere ein Monopol, sagt Herr Rieck.

Ich finde:

Erfahrung durch Schlangestehen schafft Exklusivitäts-Immunität.

Exklusiver Duft von frischem Brot

Als Fünfjährige in Sachsen stand ich freitags ab halb drei beim Bäcker nach frischem Brot an. Bis drei musste ich ausharren im verlockenden Duft aus der Backstube. Gequält von der Angst, es könnte ausverkauft sein, bevor ich dran wäre. Ist nie passiert. Ich konnte jeden, wirklich jeden Freitag genussvoll – und mit nur minimal schlechtem Gewissen – ein Loch in die knusprige Kruste des ofenwarmen Brotteigs knabbern. Bauchschmerzen waren mir egal. Ich war ein Kind.

Fühlte ich mich dem machtvollen Bäcker ausgeliefert? Vielleicht. Doch die Belohnung machte es wett.

Bis heute bin ich keine Clubgängerin und so blieb mir das „Trauma“ erspart, an der Tür eines angesagten Clubs abgewiesen zu werden. Jetzt soll ich das Clubhouse-Gebaren Exklusivität unanständig finden? Tu ich nicht. Manchmal muss man warten, bevor man etwa bekommt. Ja und? Ist halt so.

Man sagt:

Relativ hohe Kollektivität fördere intellektuelle Inzucht. Es unterhielten sich nur die, die sich eh schon kennen, sich gut finden und gegenseitig pushen.

Ich finde:

Kann sein. Ist mir aber auch egal. Denn niemand zwingt mich ja, Menschen zuzuhören, die ich nicht interessant finde. Wenn ich in bestimmten Räumen Dinge höre, die ich schon auf anderen Plattformen gehört habe, und ich keinen zusätzlichen anregenden Aspekt finde, dann verlasse ich den Raum. Die Freiheit habe ich jetzt (anders als damals im Osten kann ich einfach gehen). Und ich nutze sie.

Man sagt:

Soziale Kontrolle. Es wird angezeigt, wer durch wen eingeladen wurde. Wenn einer rausfliegt, weil er sich danebenbenimmt, fliegt der, der eingeladen hat mit raus. Rieck nennt das subtile Kleinigkeiten, die in dieser App mit drin stecken (und ich entnehme seiner Stimme, dass er das gar nicht lustig findet). Außerdem wird mir wird angezeigt, welche Menschen mit denen ich verbunden bin, gerade in welchen Räumen unterwegs sind.

Ich finde:

Ja, das ist soziale Kontrolle. Für mich bedeutet es in dieser Form nichts Ungehöriges – im Gegenteil. (Ich setze hier voraus, dass einer meiner Kontakte nicht durch einen technischen Fehler oder üble Nachrede gehen muss).

Und ja.  Ich kann mich auf die Aufgeschlossenheit und den guten Geschmack von Menschen, denen ich vertraue (meist) verlassen. Es fördert meinen Anreiz, mich auch in diesem Raum mal umzuschauen. (womit wir wieder bei der intellektuellen Inzucht wären 😉 ) Weil ich ja jederzeit selbst entscheiden kann, ob ich gehe oder bleibe. Ich finde soziale Interaktion großartig, weil wir aus meiner Sicht genau das brauchen.

Man sagt:

Zeitverschwendungspotential – man wird mit Infos überflutet, die man gar nicht so toll findet, und die die Zeit nicht wert sind

Ich finde:

Ja, manchmal frage ich mich schon, wie manche Empfehlungen bei mir eingespielt werden. Vor allem, wenn es russisch (meine Schulbildung ist schon Jahre her) oder chinesisch (leider nie die Lern-Geduld gehabt) ist.

Selbstbestimmte Interaktion

Ich nutze es für mich als Übung, rasche Entscheidungen zu treffen. Es ist wie ein Schnell-Check. Will ich weiter zuhören oder nicht? Wenn ja, warum? Will ich mich einfach nur mal ablenken? Ist auch in Ordnung. Habe ich zu einem Thema was zu sagen?

Eine super Übung, mir zu merken was ich sagen will – auch wenn ich mal länger warten muss, bis ich dran bin. Und es dann kurz und knackig auf den Punkt zu bringen. Am besten so, dass auch andere etwas davon haben. Kostenloses Entscheidungs- und Sprechtraining. Super Gelegenheit.

Teebeutel-Stories

Ihr sprecht wirklich über Teebeutel? Echt jetzt?

Ja genau – seit Jahren trinke ich eine bestimmte Teesorte nicht nur deshalb, weil ich fast alle Varianten köstlich finde. Sondern ich bin jeden Morgen neugierig auf den Beutel-Spruch. Mein tägliches Orakel. Wie eine ganz kleine Achtsamkeitsübung ohne Aufwand.

Storycoaching Storytelling auf Clubhouse Katrin Klemm

Seit Februar veranstalten Susanne und ich jeden Montagabend unseren Teebeutel-Talk. Ein schlankes Format, selten länger als eine dreiviertel Stunde. Wir verbinden diese Inspirationen mit Themen, die uns in unserem Business und im Alltag bewegen. Seit dem haben wir eine Vielzahl inspirierender Menschen kennengelernt, die mir sonst vielleicht nicht begegnet wären.

Die Anzahl der Follower interessiert mich nicht wirklich. Es ist großartig, wenn Menschen unseren Talk finden. Doch ich brauche keine Fake likes. Ich gönne Räumen mit 1000+ Zuhörer*innen ihre große schweigende Zuhörerschaft.

Echter Austausch mehr wert als Likes

Uns ist der Austausch wichtiger. Mit denen die da sind – und wenn es nur eine kleine Gruppe ist – wunderbar. So können wir sehr offen sprechen (ja, mir ist immer bewusst, dass wir nicht wirklich unter uns sind und deshalb gibt es Grenzen).

Wir nehmen uns Zeit, unsere Gegenüber ausreden zu lassen, ihnen zuzuhören, nachzufragen. Wir müssen auch nicht immer einer Meinung sein, sondern haben Zeit und die Gelegenheit zu verstehen, zu lernen und die Vielfalt zu akzeptieren.

Vor allem habe ich meine Lust am Moderieren wiederentdeckt. In einem für mich völlig neuen Medium. Da trauere ich jetzt auch dem Podcast nicht mehr nach, den ich aus Kapazitätsgründen im letzten Jahr auf Eis legen musste.

Hör zu. Bring dich ein. Du bist willkommen

Oder lade mich als Moderatorin ein. Wenn du ein spannendes Thema hast, komme ich gern.

Unsere nächsten Teebeutel- Talks:

17. Mai  | 19:30 Uhr – Entwickle die Fähigkeit zuzuhören
24. Mai | 20:30 Uhr – Innerer Wohlstand
31. Mai  | 20:30 Uhr – Selbstrespekt lernen

 

Wie erlebst du Clubhouse? Lass es mich wissen. Gleich hier im Kommentar.

 

Schreib deine Story! Geh deinen Weg! Aber welchen?

Wir schreiben die Geschichte unseres Lebens, unserer Erfolge und Misserfolge, unserer Vorhaben, unseres Scheiterns und Gewinnens immer selbst. Die Frage ist, auf welchen Wegen wir unsere Ziele erreichen. Es gibt eine Menge Bücher, die uns dabei Unterstützung anbieten.

Zwei Neuerscheinungen hatte ich letzte Woche in der Hand. Beide von Menschen, die ich persönlich sehr schätze, die ich als sympathisch, überzeugend und inspirierend kennengelernt habe. Beide will ich unbedingt und sofort lesen. Doch mit welchem fange ich an?

Das eine

Face the Challenge. Entdecke die Willenskraft in dir.

Dr. Wladimir Klitschko und Tatjana Kiel.

FACE the Challenge | Klitschko Kiel | Storytelling Katrin Klemm

Das andere

Das muss doch auch anders gehen. Mach Erfolg auf deine Art – ohne Hamsterrad, Stress und Müssen.

Bettina Ramm

Bettina Ramm| Das muss doch auch anders gehen | Storytelling Katrin Klemm

Unterschiedlicher können Konzepte nicht sein.

Jetzt ist ein Experiment fällig. Ich lese die Bücher parallel.

Meine Entdeckungen teile ich mit dir.

Die Autor*innen

Zu Dr. Wladimir Klitschko muss man nicht viel sagen. Der ehemalige Box-Weltmeister aus der Ukraine, Doktor der Sportwissenschaften hat mit seiner CEO, Tatjana Kiel, und dem Team von Klitschko Ventures mit F.A.C.E. eine strukturierte Methode erarbeitet. Sie soll uns dabei unterstützen, aus Problemen Herausforderungen zu gestalten und unsere Vorhaben wirklich umzusetzen. Klitschko, der Ausnahme-Athlet lädt uns ein, die Methode anhand seiner eigenen Story, dem Weg aus der Fremd- in die Selbstbestimmung, als Erfolgsstrategie zu nutzen.

Bettina Ramm „dressiert“ mit Web-Grips seit 15 Jahren Technik. Sie entwickelt mit ihrem Team clevere Webseiten und Webshops, mit denen sie Unternehmer*innen unterstützt, ihr Business sichtbar zu machen. Darin war (und ist) sie richtig gut. Doch sie vermisste entscheidende Bausteine, um dauerhaft Freude und Sinn in ihrem Business zu finden. Auf ihrer persönlichen Reise der letzten Jahre entdeckte sie, worum es für sie geht: Selbstwertschätzung und Selbstliebe. Konsequent wendet sie diese jetzt auf sich und ihr Business an, und hat daraus ein Buch gemacht.

Worin unterscheiden sich die Wege?

F.A.C.E. the Challenge

Zugegeben, zu Beginn war ich zurückhaltend. Denn in meinen letzten 20 Jahren als Change-Management-Beraterin, Coach und Trainerin habe ich schon hunderte Methoden entdeckt, Dutzende getestet und genutzt. Ich war gespannt, ob sie mich mit Anwendbarkeit und Nutzen überzeugen. F.A.C.E. steht für Focus – Agility – Coordination – Endurance (Ausdauer). Vier Kernkompetenzen, die den Box-Champion auf seinem Weg zum Erfolg unterstützt haben. Wie lassen sich diese auf das Business oder persönliche Herausforderungen übertragen?

Sie schaffen mit der Methode ein Framework, das operativ dabei hilft, ein konkretes selbst gesetztes Ziel zu erreichen. Die grafische Gestaltung bietet mir sofort Struktur. Klar in Farben abgesetzt. Deutlich in die einzelnen F.A.C.E.-Bausteine und Bestandteile gegliedert. Mit Zusammenfassungen und Wiederholungen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse illustrieren das Vorgehen.

Beim Thema „Klarheit finden“ im ersten Schritt stolpere ich über Anweisung Nr. 2. Ich soll „vom Tun- in den Sein Modus wechseln“. Da bin ich sofort dabei – ich trainiere das schon ein paar Monate lang – und hoffe, dass ich gleich herausfinde, wie es geht. Leider geht’s hier nicht in die Tiefe und ich frage mich, wie das für Ungeübte Leser/ Anwender mal eben so schnell funktionieren soll. Mein Eindruck: das Buch ist eher als Inspiration denn als echte Anleitung gedacht. Wenn ich wirklich eine eigene Challenge angehen will, komme ich um das Übungsbuch nicht herum.

Stories helfen zu verstehen

Doch Unterstützung naht: Angie, Max, Tim und Julia helfen mir, mich auf die Methode ein- und die eher global gehaltenen Tipps an mich heranzulassen. Sehr coole Idee, mir vier lebensechte Persona an die Hand zu geben, die ihre eigene Challenge definieren und erleben.

Auf Seite 156 klappe ich das Buch für eine Weile zu. Der Ansage „nur Selbstdisziplin und tägliche harte Arbeit führen zum Ziel“ will ich an dem Punkt, an dem ich in meinem Leben stehe, nicht mehr folgen. Ich war mein Leben lang unglaublich diszipliniert. Das hat mich weit gebracht. Doch noch weiter von mir selbst entfernt. Hier bin ich jetzt hellwach. Denn sich auf diesem Weg an den Rand der vollständigen Erschöpfung zu manövrieren, geht schneller als du denkst.

Am Ende sind zwar für mich persönlich keine wirklich methodischen Überraschungen dabei. Vermutlich ist das heutzutage für keinen Autoren mehr leicht. Doch die strukturierte Zusammensetzung der einzelnen Schritte, die logische Aufbereitung und die lebensnahen Beispiele überzeugen mich von der F.A.C.E.- Methode.

Das muss doch auch anders gehen

In diesem Buch sind die Kapitel durch die Leitsätze und Entscheidungsfragen strukturiert. Wenn ich mit dem Lesen mal einen Tag ausgesetzt habe, musste ich mich erstmal wieder rein finden. Ideen wechseln mit Beobachtungen und werden illustriert an sehr persönlichen Erlebnissen. Die lassen mich hinter die Kulissen des Weges der Autorin schauen, machen sie nahbar. Manchmal versinke ich im Text. Philosophisch spirituelles Fließen in schlichten klaren Worten ohne Geschwurbel. Ein Buch das (auch ganz große) Fragen stellt und dir die Antwort überlässt.

Bettina Ramm folgt den Pfaden spiritueller Denker und Lehrer, bezieht sich auf Erkenntnisse aus Quantenphysik und Psychologie. Ihre Literaturempfehlungen liefern umfangreiches Material zum Tiefertauchen.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Eines meiner Lieblingskapitel „Was bedeutet Erfolg für dich?“. Was ist er und woher kommt er? Hier steckt einer der größten Unterschiede zwischen beiden Büchern. F.A.C.E. stellt Erfolg mit Willenskraft her. Dabei, so erläutert Tatjana Kiel im Gespräch, bedeute Willenskraft nicht, „mit dem dicksten Kopf durch die dickste Wand zu rennen“. Es gehe vielmehr um die Umsetzungsenergie, darum, dass ich weiß, wie ich den ersten Schritt machen und dranbleiben kann, um mein Ziel zu erreichen.

Dagegen entdeckt „Das muss anders gehen“ die natürlichen Erfolgsgeschichten bereits alle in uns selbst. Wenn wir uns nur erlauben würden hinzuschauen, was wir seit unserer Geburt alles „wie von allein“ gelernt haben. Ok, so habe ich es noch nie gesehen. Der Blickwinkel gefällt mir. Bettina Ramm sagt: „Kenne dein Ziel und lass dann los.“ Der sicherste Weg zu scheitern sei, etwas unbedingt zu wollen. Das Wollen verkrampfe uns. Wir fielen aus dem Fluss des Lebens heraus, merkten nicht, wo es knirsche, verlören damit den Blick für Chancen – und Abkürzungen.

Schon allein zu diesem Punkt würde ich die Autor*innen zu gern mal im direkten Dialog erleben.

Worin sich die Wege ähneln

Zentraler Ausgangspunkt bei beiden ist die Frage „Wer bin ich überhaupt?“. Bei F.A.C.E. ist das Schritt 2 von 16, und die Voraussetzung, überhaupt eine geeignete Challenge zu finden. Bei „Das muss anders gehen“ taucht sie erst in der Mitte auf und bleibt Wegbegleiterin für eine ausführliche Selbstentdeckungsreise in dein Inneres.

Bei F.A.C.E. heißt es: „Glaube an dich selbst“. Das ist die größte Challenge und das Buch dient als Wegweiser. Auch bei Bettina Ramm geht es immer um bewusste Entscheidungen. Die Bereitschaft, Verantwortung für das eigenen Leben zu übernehmen, ist zentrales Element.

Beide flechten persönliche Episoden und Erfahrungen ein, die den Texten Authentizität und Persönlichkeit verleihen. „Das muss anders gehen“ nutzt sie, um große Gedanken zu erden. Bei F.A.C.E. illustrieren die Episoden aus Klitschkos Leben ganz gezielt die methodischen Schritte.

Sie sind sich einig darin, dass Erfolg von innen nach außen entsteht. Beide nutzen den Körper als Ratgeber, Wegbegleiter und zuverlässige Rückmelde-Instanz. Wenn auch auf ganz verschiedene Weise.

Was ist dein Weg? Welches Buch für dich?

Meine Antwort: grundsätzlich lohnen sich beide.

Als Orientierung:

F.A.C.E. the Challenge ist eher etwas für dich, wenn du

  • ein großes Ziel finden und anpacken willst
  • dich nicht scheust, dich bis ans Limit zu pushen
  • verstehen willst, wie so ein Weg ganz klar und methodisch funktioniert
  • verbindliche Ziele und feste Strukturen schätzt, die deinen Weg unterstützen

Mehr Einblicke ins Buch

FACE the Challenge | Klitschko Kiel Storytelling Katrin Klemm

Greif zu „Das muss doch auch anders gehen“, wenn du:

  • schon lange einmal das Experiment wagen willst, durchs Leben zu fließen, dich überraschen zu lassen, was du alles noch in dir findest und dafür eine Begleiterin suchst
  • offen dafür bist, Zeichen von außen immer als Chancen zu sehen und bereit bist, ohne Druck Neues auszuprobieren
  • wirklich bei dir sein willst, auch wenn das länger dauern und manchmal schmerzhaft sein kann
  • auf Kategorien wie „richtig“ und „falsch“ wenig Wert legst

Zu Leseprobe und Inhaltsverzeichnis

Bettina Ramm| Das muss doch auch anders gehen | Storytelling Katrin Klemm

 

Ich werde 2021 beide Wege in vivo ausprobieren. Ich werde testen, wie ich sie kombinieren kann. Für meine Challenge nach F.A.C.E habe ich bereits eine erste Idee. Das strukturierte Vorgehen reizt mich, denn darin bin ich schon heute richtig gut.

Das Abenteuer, mich selbst zu erleben und meiner puren Intuition zu folgen, erlebe ich an jedem einzelnen Tag. Das hört nie auf.

Wie sieht es bei dir aus?

Wie wirst du 2021 deine Story schreiben?

Welchen Weg wirst du gehen? Schreib mir. Ich bin schon gespannt.

Sich selbst treu bleiben durch ein klares Nein

Es geht darum, Entscheidungen zu treffen und sich selbst treu zu bleiben“, sagt Tatjana Kiel auf die Frage, ob Nein sagen können zu einem erfolgreichen und glücklichen Berufsleben dazu gehört. Sie kümmert sich um die Planung und Verfolgung der nachhaltigen zweiten Karriere von Dr. Wladimir Klitschko. In diesem Zuge hat sie mit ihm die Methode F.A.C.E. the Challenge entwickelt.

Wie wichtig ist es, Nein sagen zu können, um beruflich und privat erfolgreich zu sein?

Nein zu sagen ist eine strategische Frage: Was tue ich und was nicht? Es ist mein Entscheidungsvermögen, ob ich A oder B wähle. Ich muss meine Kräfte bündeln, mich fokussieren auf das, was ich wirklich will. Sobald ich mich für das eine entschieden habe, sage ich zu dem anderen deutlich Nein und bleibe auch dabei. So bleibe ich mir treu.

Diese Haltung hat sich in meiner fast 15jährigen Zusammenarbeit mit Wladimir noch einmal stärker ausgeprägt. Durch ein klares „Nein“ gibt man sich selbst und seiner Umgebung ein orientierendes Wertesystem, an dem entlang alle arbeiten und die gesteckten Grenzen besser einschätzen können.

Ich will in den Spiegel schauen und hinter allem stehen können, zu dem ich Ja oder Nein, A oder B gesagt habe. Ich suche zuvor die Chancen, kläre die Risiken, finde Stärken und Schwächen heraus. Meine Entscheidungen basieren auf einer Kombination von Bauchgefühl und SWOT-Analyse. Auch in dieser Hinsicht macht es mir unglaublich Spaß, mit Wladimir Klitschko zu arbeiten. Er tickt da sehr ähnlich und unterstützt meine Art der Entscheidungsfindung für unser Unternehmen.

Strategisches Handeln bedeutet für mich, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden und das Gedankenspiel „Was wäre wenn“ zu unterlassen. Wenn ich mich erst einmal entschieden habe, gehe ich diesen Weg und trauere nicht dem anderen hinterher. Ich bleibe bei meiner Entscheidung und fühle mich gut damit.

In unserer Methode F.A.C.E. the Challenge haben wir genau diesem Thema „Entscheidungen treffen und sich sämtlicher Konsequenzen bewusstwerden“ den gesamten ersten Prozessschritt „F“ für Focus gewidmet. Wir wissen, dass jede einzelne Entscheidung eine Richtung vorgibt. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, muss ich mich entscheiden und dabei bleiben, weil ich sonst in den Zick-Zack-Kurs verfalle. Und Zick-Zack führt nirgendwohin – nicht beruflich und auch nicht privat. Ausdauer, die wir in unserer Methode „E“ für Endurance nennen, gehört zum Nein-Sagen ebenso wie zum Ja-Sagen dazu. Jede Entscheidung erfordert Durchhaltevermögen.

Was sagst Du lieber: Ja oder Nein?

Mir persönlich fällt ein Nein fast leichter als ein Ja. Ich treffe eine Entscheidung – A oder B. Oft bedeutet ein Nein keine Entscheidung gegen etwas, sondern vielmehr ein Ja zu etwas anderem.

Wenn ich etwas wirklich will, von einer Sache wirklich überzeugt bin, gibt es da für mich auch keine Frage, ob es noch kleine „vielleicht wäre das und das auch nett“-Optionen gibt. Wladimir nennt das „Besessenheit / Obsession“ und meint das ganz positiv. Nur wenn man von einem Ziel wirklich besessen ist, wird man alles dafür tun, es zu erreichen. Ganz gleich ob es schwierig ist, egal, welche Abstriche man an anderer Stelle machen muss und egal wie viele Neins es kostet, dieses eine große Ja zu erreichen. Ich bin da nicht ganz so totalitär, verstehe aber, woher Wladimirs Einstellung kommt und habe da auch für mich viel rausgezogen.

Ein Nein kann für alle Seiten etwas Positives haben, auch wenn es meinem Gegenüber zunächst schwerfällt, das zu akzeptieren.

Entscheide! Sonst entscheiden andere über Dich.

Und es gibt eine weitere Wahrheit, die ich aus der Zusammenarbeit mit Wladimir gelernt habe: Manchmal treffen Menschen Entscheidungen einfach für dich, wenn du es nicht tust.

Dann musst Du in der Lage sein, zu Deinem Nein zu stehen. Dann muss man in der Lage sein, auch im Nachhinein klar Nein zu sagen und diese Entscheidungen wieder rückgängig zu machen. Solche Situationen sind besonders anstrengend, helfen jedoch dabei, die eigene Positionierung zu stärken. Sie spornen an, die Entscheidung das nächste Mal  früher zu treffen und damit die Fäden in der Hand zu behalten. Wer aber bei schwierigen Gesprächspartnern zu seinem Nein steht, verschafft sich Respekt und die Sicherheit, dass nichts mehr über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird.

Wie sagst Du diplomatisch und gekonnt Nein?

Wenn ich für mich selbst eine Entscheidung treffe, spielt die Kommunikation darüber ja eher eine abschließende Rolle. Sie nimmt keinen Einfluss auf meinen Entscheidungsprozess.

Grundsätzlich nehme ich mir  – gerade wenn mein Bauch zu einem Nein tendiert – vorher die Zeit zu überlegen, welches meine stärksten Argumente sind – und beziehe dabei mit ein, was ihn oder sie verletzen könnte. Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein halbes Ja viel mehr und anhaltender verletzt als ein deutliches und begründetes Nein. Der andere spürt, wenn wir halbherzig Ja sagen, und läuft dann im Verlauf eines Projekts gegen unsichtbare Wände, die ihm schließlich doch zeigen, dass man das Ja nicht so gemeint hat.

Außerdem versuche ich, gleich zum Start eines Nein-Gesprächs zu vermitteln, dass ich Verständnis für mein Gegenüber und sein Anliegen habe. Zum Beispiel sage ich: „Ich weiß, ihr habt das Ziel…“ Anschließend mache ich deutlich, dass ich weiß, warum mein Gegenüber dieses Ziel hat. Wenn jemand beispielsweise mit uns zusammenarbeiten will, heißt das: „Ihr wisst, wir sind stark in diesem oder jenem Bereich“. Mit meiner Aussage „Eigentlich ist das eine tolle Idee..“ hole ich mein Gegenüber ab, gebe ihm meine Zustimmung.

Dadurch gelingt es mir, die Emotionen aufzunehmen, die der andere in der Angelegenheit hat. Dann bringe ich meine Argumente, die deutlich machen, warum etwas für mich nicht in Frage kommt: „Deshalb ist das nichts für uns…“. Diese Begründung ist sehr sachlich, ohne Emotionen. Das gelingt umso transparenter, je deutlicher ich weiß, wofür ich stehe und welchen Weg ich mit meiner Entscheidung verfolge. Im besten Fall kann mein Gegenüber so das Nein auch annehmen, verarbeiten und auch etwas für sich herausziehen.

Klappt das dann auch spontan?

Tatjana (lächelt): Ja, das klappt dann auch spontan. Wenn ich mir im Gespräch einen Augenblick nehme, mich zurückzulehnen und nur ganz kurz nachzudenken, funktioniert es gut. Allerdings nur, wenn man es ein paar Mal geübt hat. Dann bin ich auch in der Lage, mir die Konsequenzen aus einer Ja- oder Nein-Entscheidung sehr schnell vor Augen zu führen. Damit hat man die Fäden selbst in der Hand.

Was war das lehrreichste Nein, das Du bislang ausgesprochen hast?

Einmal kam ich als Teilnehmerin zu einem Termin. Erst im Termin selbst stellte sich heraus, dass ich das Treffen leiten sollte und unser Gegenüber am Tisch plötzlich all seine Erwartungen auf mich projizierte. Gut, ich bin ein pflichtbewusster Mensch. Ich habe in dieses Gespräch rasch Struktur gebracht und dafür gesorgt, dass wir eine Strategie entwickeln konnten. Das hatte sich einfach so ergeben und ich konnte meine Kompetenz unter Beweis stellen.

Plötzlich allerdings sah mich mein Gegenüber als seine direkte Ansprechpartnerin und ich hatte die Abwicklung des gesamten Projektes auf dem Tisch. Seit diesem Tag mache ich – selbst wenn solche Überraschungs-Meetings vorkommen – rasch klar, was die Konsequenzen sind, wenn ich zusätzliche Aufgaben ohne Unterstützung übernehmen würde. Ich grenze mich dann sofort ab, und kläre mit den anderen Anwesenden ihre jeweiligen Aufgaben in diesem Meeting und vor allem auch in der Nachbereitung und Nachbetrachtung. Das funktioniert sehr gut.

Das war von daher eher ein lehrreiches Ja.

 

 Seit 2007 arbeitet Tatjana Kiel mit den Klitschko-Brüdern. Seit 2016 ist sie als CEO von Klitschko Ventures für die Karriere nach der Karriere von Wladimir Klitschko zuständig. Sie bekommt jeden Tag zahlreiche Anfragen, die sich alle ein „Ja“ wünschen würden. Deshalb hat Tatjana Kiel in ihrer Position gelernt, zu einer charmanten Profi-Neinsagerin zu werden und sich auch in schwierigen Situationen durch ein klares „Nein“ Respekt zu verschaffen. Dies war ein einem männerdominierten Sport sehr wichtig,ist aber auch in der freien Wirtschaft eine Fähigkeit, von der sie stark profitiert.

Nein sagen ist für sie eine klare strategische Entscheidung.

 

Foto: Rieka Anscheit

Tu was dran ist. Das Wichtige. Das Richtige.

Genug vom täglichen To-Do-Marathon? Dann setzen Sie Prioritäten und entscheiden selbst, was Sie tun und was Sie lassen!

Wichtig oder Dringend? Finde es raus!

Kunde, Chefin, Telefon, WhatsApp oder Chat…, sobald etwas von außen unsere Aufmerksamkeit verlangt, (ver-)schenken wir die meist sofort. Selbst wenn es uns von unseren eigentlichen Zielen abhält! Doch wenn Ihr täglicher Deadline-Marathon Ausmaße angenommen hat, die Sie nachts nicht mehr schlafen lassen, dann ist es höchste Zeit für ein Zeit-Management, das Ihre Prioritäten berücksichtigt!

Klar, Zeit kann man nicht managen. Das ist bekannt.

Doch wie folgen Sie dem, was Ihnen am Wichtigsten ist? Was bekommt Priorität, wenn es ‚brennt‘? Finden Sie zuallererst heraus, welche Erwartungen Sie selbst und andere an Sie stellen. Erkennen Sie das „Wozu?“, dann das „Was?“ und das „Wann?“. So befreien Sie sich von versteckten Zeitfressern und schaffen Raum für das Wesentliche.

So geht’s

Zuerst Auftrag klären

Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und schreiben Sie auf, weshalb Sie überhaupt auf der Gehalts- oder Honorarliste stehen. Wie lautet Ihr Auftrag? Welche Ergebnisse werden von Ihnen erwartet? Wofür werden Sie bezahlt?

Dann Aufgaben zusammentragen

Teilen Sie ein zweites Blatt wie folgt.

Aufgaben Liste Katrin Klemm

Betrachten Sie jetzt einen typischen Arbeitstag und notieren im linken Feld alles, was Sie den Tag lang tun. Schreiben Sie wirklich alles auf.

Dann nehmen Sie zwei farbige Stifte. Markieren Sie mit der ersten Farbe alles, was direkt dazu beiträgt, Ihren Auftrag zu erfüllen. Mit der zweiten Farbe markieren Sie die Dinge, die Sie dabei unterstützen. Also all das, was – ließen Sie es ausfallen – es erschweren, aber nicht unmöglich machen würde, Ihren Auftrag umzusetzen.

Alles, was Sie künftig mit mehr Ruhe und Konzentration tun möchten, ist in der ersten Farbe markiert. Das übertragen Sie ins Feld rechts oben. In das verbleibende Feld schreiben Sie, wozu Sie „Nein!“ sagen werden (Farbe zwei).

 

Katrin Klemm StoryTelling Training StoryWork Coaching Prioritäten

 

Prioritäten setzen – das kleine ABC und D

Nach dem Eisenhower-Prinzip teilt man Dinge in dringende und wichtige Aufgaben ein.

Dringend sind Aufträge, die zu einem bestimmten Termin erledigt sein müssen. Präsentationen, die zu einem festgesetzten Zeitpunkt stattfinden und deren Termin durch nichts zu verschieben ist, zum Beispiel. Oder die Fertigstellung von Weihnachtskarten, deren Versand nach dem 24. Dezember keinen Sinn mehr macht. Weil Kunden, Chefs oder Kollegen hier oft Druck machen, konzentriert man sich schneller darauf, als einem lieb ist. Doch möglicherweise sind sie nicht wichtig für Ihre Ziele. Wichtig sind Aufgaben, die ertragreiche Auswirkungen haben. Das sind oft strategische, langfristige oder präventive Dinge wie Business-Pläne, Team-Aufbau oder Weiterbildungen.  Aus „dringend“ und „wichtig“ kann man ein Raster aufbauen, das für jeden – je nach Branche, persönlicher Einstellung (etwa: Wie schnell will ich mich zurückmelden, um als zuverlässig zu gelten?) oder Verantwortung im Job – unterschiedlich aussieht:

 

Prioritäten deiner Story Katrin Klemm

 

  • A-Aufgaben sind wichtig und dringend: Sie müssen sofort selbst anpacken. Hier steht viel auf dem Spiel. Entscheiden Sie sich, das Problem schnell zu lösen, manchmal ist es eine Krisensituation (etwa wenn ein wichtiger Kunde droht abzuspringen).
  • B-Aufgaben sind wichtig aber (noch) nicht dringend: Nehmen Sie sie in ihre Zeitplanung auf und bearbeiten Sie sie. Reservieren Sie sich dafür ein Zeitfenster und halten dieses unbedingt ein! Hier darf Sie kein Kollege und kein Telefon stören. So vermeiden Sie es, solche Aufgaben – im Strudel der Sofort-Anforderungen Dritter – auf die lange Bank zu schieben und dann in Hauruck-Aktionen abarbeiten zu müssen.
  • C-Aufgaben sind weniger wichtig bis unwichtig, aber dringend: Hier stecken sie, die typischen Unterbrechungsfallen (Anrufe, Mails, Kollegenwünsche). Wenn Sie delegieren können, tun Sie es. Bündeln Sie E-Mail-Bearbeitung, Telefonate, Recherchen und andere Termine in Blöcken. Wenn ein Kollege Ihre Hilfe braucht, vereinbaren Sie einen Termin (zu dem sie dann auch konzentriert für ihn da sind).
  • D-Aufgaben sind unwichtig und nicht dringend: Versenken Sie diese Aufgaben zügig im Papierkorb. Wenn Ihnen das zu heikel ist, legen Sie sie für eine Woche auf einen Extra-Stapel, prüfen Sie diese am Freitagabend und entsorgen Sie sie, wenn sie feststellen, dass kein Mensch danach gefragt hat.

Überprüfen

Schauen Sie sich jetzt noch einmal Ihre Liste von ganz oben an. Sagen Sie noch zu den gleichen Aufgaben ‘Ja’ oder ‘Nein’? Sortieren Sie sie neu.

 

Übrigens:
Es kommt vor, dass uns eine unwichtige oder nicht dringende Aufgabe Freude bereitet. Manche Dinge entspannen uns, selbst oder gerade weil sie keine große Bedeutung haben. Dazu gehören sowohl Social Media Aktivitäten im Netz als auch ein bisschen Klatsch auf dem Gang, manchmal sogar die Ablage, um den Kopf frei zu bekommen. Wenn Sie nicht darauf verzichten wollen, dann entscheiden Sie sich bewusst dafür, sie zu tun. Setzen Sie sich dafür ein Zeitlimit, stellen den Wecker und tun Sie es mit Genuss. Ist die Zeit abgelaufen, ist konsequent Schluss damit.

 

Diese Übung ist ein Auszug aus dem Buch Der Tag an dem Bella verschwand. Der Business-Roman für Berufserfolg und ein leichtes Leben im Alltag