Schlagwortarchiv für: Selbstbestimmung

Du weißt, was du willst! Was brauchst du wirklich?

Tag 16 von 365 in diesem Jahr.

Wie geht es deinen Vorsätzen, den Zielen und Plänen für 2026?

Du weißt, was du willst

Hast du dir etwas vorgenommen, das du erreichen WILLST (Want)? Oder dir mehr Zeit (und den Tiefgang) gegönnt, dir zu überlegen, was du wirklich BRAUCHST (Need)?

Du bist jetzt in deinen besten Jahren. Stehst an einer Schwelle zu entscheiden, wie es jetzt weitergeht. Doch dir ist noch nie aufgefallen, dass es da einen Unterschied gibt?

In diesem Beitrag

  • erfährst du, worin der wichtige Unterschied liegt.
  • beleuchte ich den Unterschied an einem meiner Lieblingsfilme des letzten Jahres.
  • bekommst du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um für dich herauszufinden, worum es für dich 2026 wirklich geht.
  • kannst du nochmal ins Feintuning gehen.

Der Unterschied

Auf einer tieferen Ebene beschreibt das Feld zwischen dem „was ich will“ und dem, „was ich brauche“ die Spannung zwischen einem allzu verständlichen Wunsch und dem, was für echtes Wachstum nötig (aber selten bequem) ist.

Was ich will

  • ist ein explizites Ziel.
  • meint etwas, das mich glücklich oder erfolgreich (oder… setze ein, was für dich passt) machen soll.
  • hat oft etwas mit äußeren Faktoren zu tun: Geld, Kontrolle („ich hab es im Griff“), Anerkennung („dafür winkt eine Belohnung“), Sieg („ich werde die Erste/Beste/Schnellste sein“).

Was ich brauche

  • meint die innere Transformation, die erforderlich ist, um wirklich erfolgreich zu sein. Erfolg meint hier das vollkommene Ankommen in der Persönlichkeit, die du wirklich bist.
  • ist häufig unsichtbar, unangenehm, unbequem und wird dich mit Widerständen konfrontieren, auf die du gern verzichtet hättest.
  • betrifft deine Werte und Einstellungen, deinen Blick aufs Leben. Es kommt von innen.

Betrachten wir das mal aus der sicheren Entfernung des Kinosessels von der Leinwand.

Im Film treibt das, was unsere Filmheldin WILL, die Handlung voran. Wir werden gut unterhalten von dem, was im Außen passiert. Das, was sie wirklich BRAUCHT ist es allerdings, was uns ihre innere Verwandlung miterleben lässt. Genau das ist es (Ausnahme: schlechte Filme), was uns berührt, bewegt, und einen Film nicht so schnell vergessen lässt.

Wunderschöner

Vielleicht hast du den Film Wunderschöner von Karoline Herfurth 2025 schon gesehen. Wenn nicht, es lohnt sich! Es geht um Schönheit, um Selbstbilder und Beziehungen von Frauen jeden Alters.

Was diese Frauen WOLLEN: Sie wollen als schön angesehen, wollen begehrt werden und sich dafür selbst „verbessern“ – ihren Körper, ihr Alter, ihr Selbstvertrauen, ihren Beziehungsstatus. Erstrebenswertes Ziel ist es, sich endlich in den Augen anderer als ausreichend zu empfinden. Logisch und nachvollziehbar, oder? Und doch vollständig von äußeren Blicken abhängig, sozial konditioniert und befeuert durch soziale Medien, Partner und das ewige Vergleichen mit anderen.

Was sie allerdings BRAUCHEN, das erkennen wir als neunmalkluge Zuschauerinnen in unserem gemütlichen Kinosessel viel schneller – wir leiden ja nur aus der Ferne mit ihnen – sind:

  • Selbstakzeptanz ohne Kompromisse.
  • Selbstwertgefühl, das sie nicht mehr von der Anerkennung anderer abhängig sein lässt.
  • eigene Maßstäbe, mit denen sie ihre Schönheit und ihren Wert definieren.
  • die Gelassenheit, ihre Unvollkommenheit ohne Panik zu tolerieren.

Doch genau diese Zutaten inneren Wachstums sind unbequem zu erreichen. Sie fordern die Filmheldinnen (genau so wie uns) bis an die Grenzen.

Sobald wir uns diesem wahren Bedürfnis stellen, darauf lauschen, was wir BRAUCHEN, dann ist es wurscht, ob wir in den Augen anderer „perfekt“ sind. Das Risiko: wir könnten die Garantie auf Anerkennung von außen verlieren.

Genau hier liegt das Spannungsfeld in diesem Film.

  • Want:Wenn ich mich ändere, werde ich am Ende glücklich sein.
  • Need:Es geht kein Weg daran vorbei, mich selbst zu akzeptieren, um wahre Glücksmomente zu erleben.

Vorsicht Spoiler:

Der emotionale Gewinn des Films (und befreiendes Lachen im Kinosaal) entsteht in den Momenten, in denen unsere Protagonistinnen ihren Optimierungszwang über Bord werfen, und sich stattdessen für Ehrlichkeit, für Grenzen, für Selbstachtung entscheiden.

Was wäre, wenn das, was du als Ziel verfolgst, genau das ist, was dich daran hindert, voranzukommen? StoryCoach katrin klemm

Was ist das, was du willst?

Weshalb ich – als StoryCoach – von der transformierenden Kraft guter Drehbücher überzeugt bin:

Durch die klare Unterscheidung in WANT und NEED ergeben sich einfach die besseren Fragen. Was wäre, wenn die zentrale Frage in „Wunderschöner“ auch für dich gilt?

Was wäre, wenn das, was du als Ziel verfolgst, genau das ist, was dich daran hindert, voranzukommen?

Was brauchst du wirklich? So findest du es heraus. Schritt für Schritt Anleitung von Katrin Klemm StoryCoach

Was darf sich 2026 für dich entwickeln?

Stell dir diese zwei Fragen. Unterscheide sie sauber.

  1. Was will ich – genau jetzt?
  2. Was brauche ich – genau jetzt?

Spürst du, welche unterschiedliche Energie sie in sich tragen, sobald du sie laut aussprichst?

Wenn du zwischen 45 und 55 bist, und an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt stehst, geht’s dir vielleicht ähnlich wie den Filmheldinnen in „Wunderschöner“.

Für mich ist das kein kritisches Alter. Es ist vielmehr eine Zeit der Klarheit.

45plus ist eine Zeit der Klarheit

Du hast schon viel erlebt, kannst dich auf bewährte Kompetenz verlassen. Das äußere Umfeld scheint stabil. Doch im Innen fühlst du dich erschöpft, weil du immer und immer wieder eine Rolle spielst. Langsam bröckelt deine Toleranz gegenüber dem gewohnten Selbstbetrug.

Das führt zu Spannungen zwischen dem was du willst – und dem, was du wirklich brauchst. In verschiedenen Bereichen deines Lebens.

Beruf – Karriere

Vielleicht hast du dir für 2026 vorgenommen: Sicherheit ohne Erschöpfung, Anerkennung ohne ständige Selbstdarstellung, eine Rolle, die deine Erfahrung respektiert. Kein ständiger Kampf.

Lausche deinen BEDÜRFNISSEN nach: Der Freiheit, über deine Zeit, deine Energie und deine Grenzen selbst zu entscheiden. Einer Aufgabe die deine Werte widerspiegelt, nicht nur deine Fähigkeiten. Dem Mut, deinen Job neu zu gestalten (nicht unbedingt zu kündigen). Oder das erschöpfende „Ich muss mich beweisen“ zu beenden?

Du willst dich nicht mehr fragen: „Wie passe ich hier hinein?“ Sondern dich lieber frei entscheiden: „Wofür stehe ich zur Verfügung?“

Selbstwertgefühl  – Beziehungen

Deine WÜNSCHE: Du willst weiterhin als wertvoll, relevant und attraktiv angesehen werden – für berufliche Rollen, Partner, Institutionen. Willst beruflich und sozial nicht in Vergessenheit geraten, nach äußeren Maßstäben „gut altern”. Nicht ständig als “zu viel” oder “zu anstrengend” angesehen, und doch gebraucht zu werden. So wie die Frauen im Film.

BEDÜRFNISSE, die darunter liegen: Du willst deinen eigenen Wert von innen heraus definieren, und aufhören, ständig über ihn zu verhandeln. Sehnst dich danach, den Druck loszulassen, ständig gefallen zu müssen. Möchtest dir lieber selbst treu bleiben, auch wenn es die Zustimmung anderer kostet.

Identität – Lebenszeit – Energie

WÜNSCHE: Du strebst nach mehr Energie, einer ausgeglichenen Balance, weniger Druck.

Doch geht’s mit Blick auf die echten BEDÜRFNISSE nicht eher um Prioritäten, die du nach deinem Gutdünken setzt? Um Rollen, die du loslässt, weil andere sie dir auf den Leib geschneidert haben (die inzwischen kneifen sie wie ein zu enger Hosenbund)? Das Ja zur eigenen Endlichkeit; und genau deshalb zur Freiheit, dich radikal für dich zu entscheiden?

Heißt deine Orientierung jetzt nicht eher: eine klare Identität, ein Nein zu allem, was nicht (mehr) passt? Der radikale Aufbau von Vertrauen in den Menschen, der du wirklich bist (statt jener Frau, die du vorgibst zu sein?)

ANMERKUNG Dies ist eine der schwierigsten Anforderungen – denn sie erfordert Trauerarbeit, nicht Lösungsorientierung.

Die stille Wahrheit

Viele Frauen wissen in ihren Vierzigern oft bereits, was sie brauchen. Was ihnen fehlt, ist nicht Einsicht. Es ist Erlaubnis.

  • Erlaubnis, andere zu enttäuschen.
  • Erlaubnis, sich neu zu definieren.
  • Erlaubnis, mit bestimmten Rollen Schluss zu machen.

Der Preis ist hoch, und oft nicht einmal bewusst: die ständige Distanz zu dir selbst.

Du entscheidest, was du willst. Und was du brauchst.

Nur du kannst entscheiden, ob du weiterhin an deinen Zielen festhältst. Oder ob du dein Leben neu nach deinen Bedürfnissen ausrichtest.

Erstes Anzeichen einer Schieflage deiner Vorhaben, Pläne und Ziele für 2026 kann es sein, wenn du schon jetzt Enttäuschung spürst. Bekommst du nicht, was du willst, kann es daran liegen, dass du vermeidest, was du wirklich brauchst.

Nicht dein Thema? Oder zu harte Vorstellung?

Dann lies jetzt bitte nicht weiter!

Du willst es jetzt wissen?

Doch wenn du jetzt sagst: Ich hab das echte Bedürfnis, meinen Blick auf das kommende Jahr noch einmal nachzujustieren, dann nutze diese Schritt für Schritt-Anleitung für dich. Schnapp dir Papier und Stift. Finde einen ruhigen Platz für eine gute Stunde. Mach dein Telefon aus und dann viel Spaß beim Entdecken.

Um welches Thema es für dich geht, entscheidest du selbst.

Hinweis: Für die bessere Verständlichkeit erläutere ich das Vorgehen bei Schritt 5 am Gedankenspiel “So geht’s nicht weiter in meinem Job” . Falls das gerade dein Thema ist, prima. Ansonsten bleibst du beim Thema, das du dir gewählt hast.

Wenn du weitergelesen hast, spürst du vermutlich schon, um welchen Bereich deines Lebens es geht. Damit kannst du sofort loslegen.

Schritt 1: Ergänze ehrlich folgenden Satz: (5 Minuten)

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem es mich ______ kostet, so weiterzumachen wie bisher.

Spüre in dich hinein, was an die Leerstelle gehört. Vielleicht: Energie? Oder Selbstachtung, Gesundheit, Neugier, Überwindung, …?

Vervollständige den nächsten Satz:

Was ich am meisten zu verlieren fürchte, ist ______.

Analysiere nicht zu viel. Schreib auf, was als erstes kommt.

Unterscheide klar

Schritt 2: Trenne Wünsche (WANT) von Bedürfnissen (NEED) (20 Minuten)

Falte ein Blatt Papier in der Mitte.

Überschrift linke Seite „Was ich WILL“.

Schreibe auf, was du erreichen willst, was du dir erhoffst, dir von anderen wünschst. Wovon du überzeugt bist, es würde dein Leben einfacher machen. Schreib runter ohne zu filtern.

Überschrift rechte Seite „Was ich BRAUCHE“.

Nimm dir Zeit, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • „Wobei habe ich es satt, so zu tun, als wäre es in Ordnung?“
  • „Wo übertreibe ich es, um akzeptiert/ angenommen zu bleiben?“
  • „Welche Wahrheit verdränge ich, anstatt sie zu leben?“
  • „Was weiß ich bereits, schiebe es aber immer wieder auf?“

Wenn es sich schwer anfühlt, bist du nah dran. Fühlt es sich clever an, was du da schreibst, bist du weit weg. Dann mach es nochmal.

Bleib realistisch

Schritt 3: Finde heraus, welche Bedürfnisse unverhandelbar sind (10 Minuten)

Kreuze von der rechten Seite BEDÜRFNISSE die 3 Punkte an, die dir am wichtigsten sind. Teste jeden dieser Punkte mit der Aussage:

Wenn sich hier in 5 Jahren nichts ändern würde, würde ich es bereuen.

Das hilft dir, aktuelle Stimmungen von wahrhaftigen Bedürfnissen zu unterscheiden.

 

Schritt 4: Notiere einschränkende Rahmenbedingungen (10 Minuten)

Sei klar und deutlich: Welche realistischen Einschränkungen gibt es in Bezug auf:

  • Finanzielles monatliches Minimum?
  • Menschen, die von dir abhängig sind?
  • Einschränkungen im Hinblick auf deine Gesundheit oder Energie?
  • Geografische oder juristische Einschränkungen?

Schreibe jetzt den folgenden Satz auf und vervollständige ihn:

Innerhalb dieser Einschränkungen habe ich immer noch Einfluss auf ______.

Spüre, wie dieser Satz dir deine Kraft zurückgibt, ohne unrealistische Traumschlösser zu bauen.

Es gibt immer Optionen

Schritt 5 – Wähle deinen Weg

Die Entscheidung, einen konsequenten Richtungswechsel vom WANT ins NEED vorzunehmen, geschieht selten mit einem Fingerschnipsen. Doch da ist ein Raum in diesem Spannungsfeld. Ein Raum, den du mit deiner Kreativität füllen kannst.

WICHTIG: Du wählst keine komplette Lösung. Du bestimmst nur deine Richtung.

Lass mich das am Beispiel “So geht’s nicht weiter in meinem Job” erläutern. Lenkt dich dieses Beispiel nur ab, wähle nur die Überschriften der Optionen A, B oder C und geh direkt zu Schritt 6.

A – BLEIBEN & UMGESTALTEN

Du behältst deine Rolle/ deinen Job im Unternehmen. Doch du:

  • Verhandelst deine Grenzen neu.
  • Gestaltest den Umfang neu.
  • Wechselst innerlich von „Ich muss mich beweisen” zu „Ich wähle aus, wo ich mich besonders engagiere”.

Teste diese Option, wenn dein Job noch zu retten ist und deine Bedürfnisse dem nicht vollkommen entgegen stehen.

B – VERÄNDERN UND NEU VERHANDELN

Du bleibst angestellt, aber:

  • Wechselst in einen anderen Bereich.
  • Veränderst oder reduzierst deine Rolle / Funktion, den Arbeitsrhythmus oder die Verantwortung.
  • Baust dir ein zweites Standbein auf (Side-Business, Studium, Ehrenamt).

Das kann deine Option sein, wenn du mehr leben willst, als es dein Job erfordert (und du gleichzeitig nicht alles hinschmeißen willst).

C – VERLASSEN UND NEU AUFBAUEN

Plane deinen Ausstieg mit:

  • einer neuen Idee und einem tragfähigen Timing.
  • finanzieller Realitätsnähe.
  • Selbstvertrauen (und ohne Zorn oder Verachtung).

Wenn ein weiteres Verharren in diesem Job gegen deine unverhandelbaren Bedürfnisse (siehe Schritt 3) verstößt, ist das deine Option.

Wähle jetzt eine Option aus.

 

Schritt 6 – Entwirf deinen ersten ehrlichen Schritt (10 Minuten)

Es geht nicht um den EINEN großen Sprung. Es geht um den ERSTEN Schritt auf deinem neuen Weg.

Notiere dir deine Ideen zur Frage:

Was kann (will und werde) ich in den nächsten 30 Tagen tun, um meinen Bedürfnissen näher zu kommen. Ohne so zu tun, als wäre alles in Ordnung?“

Du könntest:

  • Ein schwieriges Gespräch führen.
  • Eine Verantwortung reduzieren.
  • Ohne Erklärung „Nein“ sagen.
  • Etwas in aller Stille beginnen.
  • Um eine Veränderung bitten, die du bisher vermieden hast.

Wenn es sich dramatisch anfühlt, ist es zu groß. Fühlt es sich erleichternd an, hat der Schritt die richtige Größe.

 

Schritt 7 – Schaff dir einen Reality Check (3 Minuten)

Weil sich eine Neuausrichtung manchmal zuerst wie ein Verlust anfühlt (schließlich verlässt du vertrautes Gelände), bevor du die Freiheit erleben kannst, schreibe dir den folgenden Satz auf. Bewahre ihn gut auf. Oder bringe ihn an einer dir gut sichtbaren Stelle an.

Wenn ich mich schuldig, missverstanden oder vorübergehend verunsichert fühle, werde ich das nicht als Versagen interpretieren. Ich bin auf meinem Weg.“

 

Bleib dran.

Nimm dir deine Aufzeichnungen von heute aller 6 Monate zur Hand und frage dich:

  • „Welchem Wunsch aus dem Außen diene ich noch?“
  • „Welches Bedürfnis ist deutlicher geworden?“
  • „Wo habe ich neue Energie gewonnen?“

Fortschritt darf langsam sein.

Fortschritt bedeutet mehr Ehrlichkeit, nicht mehr Geschwindigkeit.

Wenn sich all das zu mächtig für dich anfühlt, und du den Weg nicht allein gehen willst, sag Bescheid. In einen kostenfreien Gespräch besprechen wir, wie ich dich auf deinem Weg unterstützen kann.

Ein gemeinsames Stop & Grow kann der Anfang sein. Wünschst du dir eine längerfristige Begleitung, kann auch die LifeStory eine kraftvolle Option sein.

 

In Resonanz mit mir und dem Leben

Heinrike Helm ist Kommunikationsspezialistin und diplomierte Designerin. Unser erster Kontakt entstand im LadiesMentoring Netzwerk letzten Sommer. Sie ist in München zuhause.

Noch.

Denn das wird sich ändern.

Von München in die Oberpfalz – neues berufliches Aktionsfeld gesucht

Heinrike, erinnerst du dich noch daran, wie alles begann?

Klar, erinnere ich mich. Mein Ausgangspunkt war unser bevorstehender Ortswechsel. Wir ziehen in die Oberpfalz, die Heimat meines Mannes. Nicht meine. In eine Kleinstadt, die vom dort ansässigen Kloster bestimmt wird. Es ist für mich nicht nur einem Ortswechsel, nicht nur ein Verlassen der Großstadt, es ist auch ein vollständig anderes Lebensumfeld, das ich bisher nur familiär und am Wochenende kennengelernt hatte.

Ich dachte „Was kann ich tun, um dort anzukommen, um Fuß zu fassen?“ Eine rein familiäre Anbindung reicht mir nicht. Ich brauche ein neues berufliches Aktionsfeld und wollte mich dafür neu aufstellen. Aber wie? Womit fange ich an? Was will ich, was würde mich interessieren, was würde dort passen und womit beginne ich?

Du hast nicht gleich blind Ja zur Online-LifeStory gesagt, wie hast du dich herangetastet?

Ich hatte, außer dass ich sieben Jahre mit einer Kommunikationsexpertin und Coach in einer eigenen Agentur zusammengearbeitet habe, selbst noch keinen so langen, eigenen Coaching-Prozess hinter mir. Unsere Agentur – Die Beetschwestern – haben wir 2019 aufgelöst, da sich meine Partnerin inzwischen ausschließlich auf Coaching und Trainings fokussierte. Deshalb wusste ich nicht, ob ein Coaching das Format ist, welches mir in meiner aktuellen Situation hilft.

Entscheidend war für mich auch, dass wir uns über das gemeinsame Netzwerk Ladies Mentoring kennen. Ich habe dann auch zuerst einmal eine dritte Lady gefragt. Anja Blau hatte bereits in Hamburg eine LifeStory bei dir erlebt. Sie hat nur Gutes erzählt.

Außerdem haben wir beide – Du und ich – Parallelen in unserer Vita durch unsere Herkunft. Diese Verbindung, war nicht unwesentlich für meine Entscheidung.

Was mir die Entscheidung zudem erleichtert hat, war dein Angebot eines Schnupper-Workshops. So konnte ich vorab bereits einen kleinen Einblick in deinen Life-Story Prozess bekommen. Und als wir dann auch noch einen individuellen Weg für die Finanzierung gefunden haben, konnte es los gehen.

Rückblickend kann ich sagen: Und es hat sich gelohnt!

Für mich hat es sich gelohnt

Wofür hat es sich gelohnt? Denn neben dem Honorar geht es ja um deine Zeit. Und um die Entscheidung und Bereitschaft, Gewohntes in Frage zu stellen.

Der Prozess hat sich gelohnt. Unsere Zusammenarbeit hat mich verändert, mir ist vieles klarer geworden, ich gehe mit einem anderen Gefühl aus dem LifeStory-Prozess, als ich gestartet bin. Du hast mir geholfen, meiner persönlichen LifeStory wieder näher zu kommen. Der Prozess hat mir geholfen, mich neu aufzustellen und ich bin mir bewusst geworden, was ich mitbringe in mein neues Lebensumfeld.

Es hat sich gelohnt, mir wieder bewusst zu werden:

  • Wo stehe ich?
  • Wo will ich hin?
  • Was sind meine Ambitionen?
  • Was ist mir wichtig?
  • Was kann ich vernachlässigen?

Eine Bewegung hin zum eigenen Wert.

Mir selbst die Zeit mit jemandem zu gönnen, der professionell hinterfragt und auch zuhört. Die Zeit, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Zusätzlich hast du als Coach dich ja auch noch mit mir beschäftigt. Das ist etwas, das definitiv seine Zeit, sein Geld wert ist und sehr dabei hilft, ein neues Gefühl für sich selbst, das eigene Leben, die eigene Person, den eigenen Wert zu bekommen.

Ich kann nicht genau sagen, ob es an einer bestimmten Stelle passiert ist. Vielmehr habe ich in dem LifeStory-Prozess, den 10 Monaten, eine Entwicklung, eine Veränderung erlebt. Es hat eine Bewegung stattgefunden.

Im ersten Briefing, Sommer 24, warst du sehr klar: „Ich will mir meines Wertes wieder mehr bewusstwerden, will meine Einzigartigkeit benennen können. Und damit auch an der Wahrnehmung meiner Person arbeiten!
Im Sommer 25 sagst du: “Sichtbarkeit und Wertschätzung haben eine neue Bedeutung für mich bekommen.“ Welche?

Ja, ich nehme mich jetzt selbst anders wahr. Ich fühle mich souveräner, ich weiß wieder, was ich kann und was ich will. Es ist dieses neue Gefühl, auf das ich mich heute konzentriere. Es integrieren und immer wieder intensivieren: „Wie geht es mir damit?“

Ich scheue den Vergleich mit anderen nicht mehr, ich frage mich nicht mehr: „Was stelle ich dar?” Sondern ich frage mich „Womit geht es mir gut? Was macht mich eigentlich aus?“ Die Fähigkeit, mich als kreatives Individuum zu erleben, mich als Unikat mit allen Facetten herauszuarbeiten, genau darum ging es.

Wenn man sich in der täglichen Reibung des Alltags mit anderen vergleicht, verliert man sich manchmal selbst aus dem Blick.

Auch in meiner Einstellung zur Sichtbarkeit hat sich definitiv etwas bewegt. Bisher habe ich mich eher im Hintergrund gehalten und wollte lieber ungesehen bleiben. Es geht mir in erster Linie um die Sache und weniger um meine Person, mein eigenes Image. Wenn ich aber begeistert bin von etwas, erfolgreich bin in dem, was ich tue, genieße ich die Wertschätzung anderer und habe dann auch kein Problem mit Sichtbarkeit. Dennoch drängt es mich nicht auf die Bühne, ich genieße den Applaus gerne auch hinter dem Vorhang, vor dem meine Kunden stehen. Wichtig ist mir jedoch die Wertschätzung meiner Kunden, dass sie wissen, welchen Anteil ich an ihrem Applaus habe.

Wie hat sich dieses neue Gefühl entwickelt?

Es hat sich über die Zeit entwickelt, fast nebenbei, fast unbewusst.

Wir sind in zwölf Sessions durch unterschiedliche Phasen gegangen. Die thematische Gliederung war da sehr hilfreich. Der Wechsel vom „Deep-Dive“, einem in-sich-hineinschauen und dem Betrachten aus der „Meta-Ebene“ schafft viele Möglichkeiten. Durch den LifeStory-Prozess gibst du immer die Sicherheit, das große Ganze im Blick zu behalten, selbst wenn man sich gerade in den Details bewegt.

Was ich wirklich bedauert habe, ist, dass ich nicht in Hamburg vor Ort in einer Gruppe dabei sein konnte. Diese dritte Dimension, die Kreativität in einer Kleingruppe, beflügelt bestimmt ungemein dabei, die eigenen Ideen durcheinander zu würfeln. Ich musste mich immer selbst spontan anders zusammenwürfeln.

Andererseits kam mir das flexible Timing der 1:1 Online-Arbeit sehr entgegen. Zu Beginn denkt man, zwölf Sessions aller vierzehn Tag, das geht flott. Doch es kommt einem immer das Leben dazwischen.

Das Wichtige hat Zeit, sich zu entwickeln

Die Flexibilität des Timings entspricht deinem persönlichen Arbeitsstil…?

Die Flexibilität war für mich extrem wichtig, denn meine Arbeit hat eine eigene Rhythmik, eine eigene Dynamik, die phasenweise wechselt. Wir haben aber immer einen Termin gefunden, der funktioniert hat. Mal waren es 14 Tage, mal 3 Wochen und mal gab es richtig lange Abstände. Und auch das war nützlich. Für mich ist es wichtig, dass es „wabern“ darf. Das heißt, es arbeitet in meinem Unbewussten, in meinem Unterbewusstsein. So hat, was wichtig ist, Zeit, sich zu entwickeln.

Ich habe beobachtet, dass ich mir in dieser „Waber-Zeit“ keinen Plan gemacht habe. Hatten wir ausgemacht, uns donnerstags zu treffen, habe ich spätestens am Dienstag angefangen, bewusst darüber nachzudenken und aufzuschreiben, was währenddessen in meinem Kopf und um mich herum passiert ist. Das fand ich sehr gut und hat sich bewährt.

Wir sind dem klaren Prozess aus Inspiration, Ideation, Implementation gefolgt. Doch wenn es für dich wichtigeres gab als den Prozess, sind wir individuelle Wege gegangen. An welche Tools erinnerst du dich besonders gern?

Es ist schwierig, hier auszuwählen. Einer meiner Favoriten ist das Soundboard des Lebens – die Arbeit mit Werten, mit dem Vorhandenen.

Dann folgte die Potenzialfeldanalyse, wo man erkennt, wie reich man ist, wie vielversprechend die Ausgangssituation ist. Ein wunderbares Gefühl.

Generell mochte ich besonders deinen Tool-Baukasten, der mir half, meine Möglichkeiten zu analysieren, zu hinterfragen, neu zu strukturieren. All diese spielerischen Möglichkeiten bei der kreativen Ideenentwicklung – die werde ich mir auf alle Fälle merken.

Was mich außerdem nachhaltig beeindruckt hat, waren die „Meilensteine des Lebens“. Hier geht es darum fünf – und nicht mehr – gute und schlechte Erlebnisse auf einem Zeitstrahl abzubilden und sich die Frage zu stellen, wie habe ich sie manifestiert oder aber, wie bin ich da rausgekommen?

Diese Arbeit fand ich richtig klasse.

Deine wichtigsten Erkenntnisse aus den Meilensteinen?

Hm, in meinem Alter ist der „Koffer“ ja schon groß. Und sehr gut gefüllt. Aus diesem heraus den Zeitstrahl meines Lebens aufzuzeichnen und fünf Ereignisse zu wählen und zu betrachten, wie sie mich nachhaltig beeinflusst haben, das war wirklich herausfordernd. Diese Beschränkung fand ich gut.

Ein wichtiger Meilenstein meines Lebens war sicherlich die Wende. In dieser Zeit kam bei mir viel zusammen, womit ich mich arrangieren musste. Die Wende war bei mir gleichbedeutend mit dem Abschluss meines Studiums, dem Beginn meines Jobs als Designerin und dem Ende desselben nach nur drei Monaten, verbunden mit Umstellung auf 100% Kurzarbeit. Da war alles drin, Höhen und Tiefen, Ende und Neuanfang.

Wenn alles durcheinander ist, dann werde ich ruhig, kreativ und erfinderisch

Durch diesen Blick von außen, den Blick zurück – bei den Meilensteinen – habe ich es für mich neu sehen und auch für mich benennen können: Es war auch meine Wendezeit. Sie hat mir bewiesen: Wenn alles durcheinander ist, wenn viel passiert und es eine Phase emotionaler Unsicherheit gibt, werde ich ruhig, kreativ und erfinderisch. Ich habe mich in dieser Zeit neu erfunden. Spannend war zudem die Erkenntnis, dass dies generell so ist, dass die scheinbar negativsten Erlebnisse langfristig beobachtet mehr positive Power und Strahlkraft haben als die Ereignisse auf der positiven Seite des Koordinatensystems.

„Aus nichts etwas machen!“

Nach der Wende war für mich eine gewaltige Umorientierung nötig.

Mein Gestaltungsansatz war bis dato: „Aus Nix was machen“ oder eben „Aus dem, was da ist, etwas machen“ – Beschränkung macht kreativ. Dieser Ansatz hatte sich durch die aktuelle Geschichte überholt, darum habe mich neu orientiert, viel Neues gesucht, viel ausprobiert und schließlich gefunden. Ich habe meinen Designansatz: „Aus Nichts etwas machen“ mehr oder weniger auf mein eigenes Leben angewendet und mich neu aufgestellt.

Das ist in gewisser Weise auch vergleichbar mit meiner aktuellen Situation. Ich gehe in eine neue „Ungewissheit“ und beginne nach Möglichkeiten zu suchen, neue Ideen zu entwickeln. Von außen betrachtet, gibt es da einige Beschränkungen für mich. Ich verlasse das überbordende „Alles ist möglich-München“ und gehe in eine der entlegensten Ecken in der nördlichen Oberpfalz. Da ist es landschaftlich wunderschön.

Gleichzeitig, ich gestehe es, habe ich dieses Gefühl „Was mache ich eigentlich dort?“ Da gibt es plötzlich wieder viele freie Flächen, die es für mich auszufüllen gilt.

Zufall, Chaos, Sehnsucht nach Struktur – alles Themen, die sich durch unsere gemeinsame Arbeit zogen. Wie bestimmen sie dein Leben, dein Arbeiten? Und nicht zuletzt, was haben deine Kunden und Kundinnen davon?

Den Zufall würde ich gerne noch mit der von Hartmut Rosa definierten Unverfügbarkeit verbinden wollen. Der Zufall und die Akzeptanz der Unverfügbarkeit – das ist doch ein herrlich offener Raum für das Spiel mit den Möglichkeiten.

Erlaube dir, offen und neugierig zu sein.

Gib dem Zufall eine Chance, sei bereit für das, was kommt (Literatur-Tip Christian Busch: „Erfolgsfaktor Zufall“). Erlaube dir, offen und neugierig sein. Es reicht mir nicht, fokussiert zu sein, alles strukturiert zu planen und den Plan abzuarbeiten, um mein Ziel zu erreichen. Wie gesagt, ich brauche das kreative „Wabern“.

  • Ich lasse zu.
  • Ich lasse es zu.
  • Ich lasse zu, dass sich neue Möglichkeiten auftun.
  • Ich lasse zu, dass es neue, andere Wege gibt, die ich erkunden kann.
  • Ich lasse zu, dass andere anders denken und ich dennoch mit ihnen zusammenarbeite.

Für mich ist dieses Offen-Sein für ein „In-Resonanz-Gehen“ ganz entscheidend. Hier kommt Hartmut Rosa ins Spiel, denn die Unverfügbarkeit bedeutet, dass die Resonanz nicht planbar ist, sie ist ein Wunsch, ein Traum, aber du kannst sie nicht provozieren, nicht erzeugen.

Deswegen arbeite ich sehr gerne mit Künstler*innen zusammen, denn genau dieses Spiel mit der Unverfügbarkeit, diese prinzipielle Offenheit und das Bedürfnis danach, brauchen Künstler*innen auch. Ich möchte nicht nach/mit/in vorgegebenen Strukturen arbeiten, sondern versuche, individuelle Strukturen für meine Kund*innen zu finden, die genau für sie passen. Das ist diese Sehnsucht nach Chaos oder vielleicht eher ein Zulassen von scheinbarem Chaos. Denn auch das trägt wieder ein System in sich, das man nur erkennen muss.

  • Was zeigst du, erzählst du mir?
  • Was ist dir wichtig?
  • Was löst es bei mir aus?
  • Welche Ideen habe ich dazu?
  • Was fällt mir ein dazu ein und aus welchem Grund?

Genau so entstehen meine Ideen, meine Konzepte. Ich mag das!

Resonanz lässt sich nicht erzwingen

Rosa sagt, dass sich Resonanzerfahrungen nicht erzwingen lassen und im Zweifelsfall eher ausbleiben, als sich einzustellen. Das nennt er die ‚Unverfügbarkeit‘, also das Unberechenbare in unserer Beziehung zur Welt.

Diese Beziehung entsteht, wenn man sich auf etwas Fremdes und Irritierendes einlässt, auf alles, was sich außerhalb der eigenen Kontrolle befindet, außerhalb der eigenen Reichweite liegt. Das Ergebnis solcher Begegnungen lässt sich nicht planen oder vorhersagen, weshalb das Moment der Unverfügbarkeit immer Teil des Resonanzprozesses ist.

Gibst du mir ein Beispiel?

Ich arbeite schon lange mit Künstlern und Künstlerinnen. Mir ist das kreative Arbeiten, diese Art, sich die Welt anzueignen vertraut. Am Beginn einer jeden Zusammenarbeit steht für mich ein „Sich-Aufeinander-Einschwingen“, ich frage, schaue und lerne, wie der-/diejenige arbeitet und versuche mich darauf einzulassen und schaue, ob es in mir Resonanz erzeugt. Ich hinterfrage, was ich sehe und höre und erfahre so den Bedarf, den Ansatz für meine Arbeit.

Aktuell arbeite ich beispielsweise mit den Kreativen des Kunstprojektes Badehaus Maiersreuth zusammen, die ein ehemaliges Badehaus zum Kunst-Raum umgewandelt haben und diesen für Kunst-Ausstellungen, Events, Installationen und Art-Sessions nutzen.

Es ist ein außergewöhnlicher Raum, der sofort Möglichkeiten freisetzt. Wunderbar. Und das wird noch potenziert mit der Anzahl derer, die sich hier engagieren… Es ist ein großes Vergnügen über die kreativen Projekte dieses Vereins zu sprechen, die Geschichte des Ortes und seiner Macher zu erzählen.

solitaer facetten im Licht Heinrike Helm Designerin Katrin Klemm Story Coaching onlineDiese Form von Begeisterung, eng geknüpft an die Menschen dort, die lerne ich inzwischen immer mehr kennen und schätzen. Jede*r ein Unikat, ein Solitär für sich. Das ist spannend, anregend und auch herausfordernd, gerade für mich, die ich Vereinsarbeit bisher immer bewusst vermieden habe.

Ich habe gelernt: Wenn es ein Verein von Menschen ist, die gemeinsam an einer künstlerischen Idee arbeiten, scheint mir das zu liegen. Das konnte ich mir bisher nicht vorstellen. Sie bringen meine Ideen zum Schwingen, ich kann in Resonanz gehen und meine Begeisterung weitertragen.

Resonanz in persönlichen Begegnungen

Generell bevorzuge ich persönliche Begegnungen und den direkten Austausch, wie beispielsweise klassische Branchen-Events, Netzwerk-Treffen, Messen oder auch persönlichere Formen des Treffens. Hier entstehen für mich die tiefsten Verbindungen.

Natürlich sind auch digitale Plattformen wie LinkedIn oder spezialisierte Communities wichtig, jedoch gebe ich zu, dass ich damit meine Schwierigkeiten habe. Ich weiß, dass diese Plattformen für Reichweite und Sichtbarkeit wichtig sind, habe aber für mich noch keine überzeugende Strategie gefunden. Zu oft wird beispielsweise LinkedIn nur zur Selbstdarstellung und zum Eigenlob genutzt. Davon hat niemand etwas.

Wenn, dann möchte über das sprechen, was ich tue, mit Augenmerk auf die Sache, die Marke, die Künstler, den Ort, das Projekt. Darauf, was sich hier bewegt, verändert, entwickelt. Meine Arbeit ist es, das Besondere herauszuarbeiten, das sogenannte Alleinstellungsmerkmal, welches ich dann in die Öffentlichkeit heben kann, wovon ich Menschen erzählen, wofür ich sie begeistern kann.

Auch in meiner PR-Arbeit setze ich eher auf den persönlichen Kontakt als auf Netzwerke. Ich pflege individuelle Kontakte zu verschiedenen Medien und deren Journalisten, habe ich sie nicht, baue ich sie auf. Je nach Thema des Journalisten, der Redaktion oder meiner Kunden kommen wir in Kontakt und ich biete ihnen Content an.

Du merkst, ich mag lieber, dass man über die Erfolge der Projekte, für die ich tätig bin auf mich aufmerksam wird. So möchte ich gefunden werden, so wünsche ich mir empfohlen zu werden.

Ich bin diejenige, die darüber spricht, die die Geschichte dahinter erzählt – auf neudeutsch – eine Content Creatorin.

Das bedeutet für deine Kunden und Kundinnen…

Der Anfang liegt im persönlichen Gespräch mit meinen Kunden. Ich suche, entdecke das Besondere ihrer Arbeit, ihrer Produkte, ihrer Unternehmen. Sie erzählen mir ihre Geschichte, die ich den passenden Multiplikator*innen weitererzähle, die sie entsprechend ihrer Leser*innen aufarbeiten, umsetzen. Es entstehen oft individuelle Beiträge, exklusive Interviews etc.

Genau das ist mein Verständnis von PR: Ich erkenne das Besondere im Angebot meiner Kunden und rede darüber. Und ich weiß, wie man darüber redet. Ich weiß es zu erzählen, finde individuelle Ansätze für meine Kunden ebenso wie für die Journalisten. Wenn dieser Begriff aus ostdeutschen Zeiten nicht so vorbelastet wäre, würde ich sagen: „Ich bin Informantin. Das ist genau das, was ich tue.“

Welche Begriffe stecken für dich zum Wohle deines Kunden in dem Begriff der “Informantin” ? Wie kann er/sie deine chaotisch strukturierte Art und Weise zu denken und zu sein nutzen, noch was anzubieten, was ihr/ihm wieder ein Stück aufs nächste Level hilft?

Das ist eine wahre Bandbreite. Sie umfasst

  • Informationen sammeln und weitergeben, Inspirieren
  • Neugierig machen und sein, Nachfragen, um Verständnis zu erzeugen
  • Fragen stellen, Freude erwecken, Fantasie freisetzen, (meine Fragen klären Positionen)
  • Ordnung in der Vielfalt/ im kreativen Chaos erkennen helfen
  • Respekt haben, in Resonanz gehen, (Ruhe und Gelassenheit bieten, wo nötig)
  • Mitteilen, Meinung bilden, miteinander arbeiten, miteinander reden
  • Anregung bieten, Austausch pflegen und individuell gestalten, Ansichten teilen
  • Nachhall erzeugen – Wertschätzung für meine Kunden erhalten
  • Theoretische Einordnung bemühen, Trends erahnen
  • Ideenreichtum erkennen, und anerkennen, Individualität unterstützen
  • Netzwerken, Nachhaken, Nachlese

Wenn ich es definiere, sage ich immer, ich möchte mich in die Themen meines Gegenübers einarbeiten. Es hat was mit Kunst & Handwerk zu tun oder mit Handwerk. Es gibt immer eine Kombination von Hand und Kopf. Immer.

Die Hände sind immer im Spiel

Die Hände sind immer im Spiel. Das bedeutet, es ist niemals wissenschaftlich, es ist niemals nur theoretisch, es ist eine Mischung aus Handwerk, Emotionalität und intellektuellem Verständnis von Kunst/ Handwerk. Dieses „Ich erzähle dir von mir und du erzählst mir von dir. Ich frage dich aus.“  Braucht jemand zum Beispiel eine neue Webseite, dann frage ich sie/ihn erst einmal aus. Ich entwickle dazu einen Fragebogen, der genau auf die Person zugeschnitten ist.

Das bedeutet, du gehst von Anfang an in Resonanz, damit du die Struktur im Tun des Gegenübers erfassen kannst?

Genau darum geht es. Wenn ich weiß, worum es geht, was meine Kund/innen, meine Designer*innen, meine Künstler *innen wollen, kann ich anderen mit meinen Worten davon erzählen.

Aktiv in Resonanz …

Heinrike Helm - Unterstützerin - Beraterin - Vermittlerin PR in ResonanzDer nächste Schritt der Resonanz ist, dass ich ihnen meine Ideen erkläre, nach dem Motto: „Schau, das würde ich machen. Das sind für mich die wichtigsten, nächsten Schritte und Aktionen. Siehst du das auch so?“

Es geht für mich immer darum, zusammenzuarbeiten. Ich habe da zwar ein eigenes Baukastensystem aber die benötigten Bausteine werden individuell ausgewählt und kombiniert. Gemeinsam mit meinen Kund*innen erarbeite ich ein Konzept für ihre Idee, ihre Marke, ihr Projekt. Es ist immer ein Zusammenspiel, und zusammen bringen wir das Projekt voran. Auf diese Weise baue ich auch meine Kommunikationskonzepte auf.

Und ja, ich sehe mich als Dienstleisterin aber mehr noch als Unterstützerin, Beraterin, Vermittlerin, Trommlerin, Informantin. Ich trage die Botschaft weiter, vermittle die richtigen Kontakte, die passenden Multiplikatoren und werde selbst zur Multiplikatorin.

Apropos Kopf und Hand… gelegentlich bekommt auch ein Produkt deines eigenen künstlerischen Ausdrucks eine eigene Bühne…

Ja, diese Lust am Schöpferischen ist mein Gleichgewicht, wie für dich das Kochen. Sie ermöglicht es mir, auch mit den Händen in Bewegung zu bleiben, zu arbeiten. Hier äußert sich meine Kreativität nicht in Worten oder Gedanken, sondern zeigt sich in Ideen, die ich in einem Objekt umsetze.

Resonanz: Spiel mit den Möglichkeiten

Das knüpft am „Aus Nichts etwas machen“ an, am Spiel mit den Möglichkeiten. Dieses Prinzip zieht sich immer bei meinen Designs durch.

Deshalb konnte ich nach der Wende auch nicht mehr als Designerin arbeiten. Es fehlte für mich die Begrenzung der Möglichkeiten. Das hat zwar die Kreativität bei mir nicht zum Erliegen, doch mich erst einmal zum Schweigen gebracht. Ich konnte mit dieser plötzlichen Überfülle nicht umgehen. Das Chaos war zu groß, es war nicht mein bisher gelebter kreativer Ansatz.

Deutschland hat gerade den 35. Jahrestag der Wiedervereinigung begangen. Und wer bist du heute?

Ich bin die Summe meiner Jahre

Wer bin ich heute? Die Summe meiner gesammelten Jahre.

Aber, ich bin noch nicht am Ziel. Ich werde nie am Ziel sein, denke ich.

Meine Form kreativen Lebens hat kein Ende. Es geht immer weiter. Aktuell sind es meine Ketten. Über diese ergeben sich neue Resonanzräume, neue Kontakte zu Menschen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte.

Das zweite Projekt sind meine Coaching-Cards in einer dekorativen Box. Diese Bildkarten sind ein erprobtes Arbeitsmittel für Visualisierungen und lassen sich als Bildanker, Symbol oder Assoziationshilfe gut verwenden. Die Box mit 35 Motiven im handlichen Format von 10x10cm, passt gut auf jeden Tisch. Es sind meine eigenen Motive, ausgewählt von einer befreundeten Coach. Diese Coachingcard-Box biete ich Trainern und Trainerinnen sowie Coaches als auch Coaching-Instituten an.

 

Du siehst, alles ist immer in Bewegung, die sich fortsetzt.

Was ist deine nächste kreative Challenge?

Der Umzug in unsere Wohnung in der Oberpfalz ist aktuell meine nächste kreative Challenge. Im Grunde ist auch das ein Kunstprojekt. Ich will es so gestalten, dass es ein Ort wird, an dem ich gerne bin und mich wohlfühle. Dabei geht es sowohl um den räumlichen als auch um den sozialen Ort, die Gesellschaft, in der wir leben werden.

Während es für meinen Mann eine Heimkehr ist, ist es für mich ein Neuanfang. Auch bei dieser Herausforderung stehe ich vor einem ständigen Auf und Ab, dem ständigen Spiel mit der Unverfügbarkeit. Aber, und das kommt mir zugute: ich bin offen für alles.

Du bist Designerin. Mit Design your LifeStory hast du statt eines Produktes dein nächstes Lebenskapitel entworfen. Wofür hat sich das für dich gelohnt?

Ich bin mir meiner Person und meiner Möglichkeiten wieder mehr bewusst geworden. Und kann nun den Wert dessen, was mich ausmacht, wieder klarer erkennen.

Und während ich in unserem LifeStory-Prozess neue kreative Ansätze entwickelt habe, haben sich parallel schon erste, neue Türen geöffnet. Das ist eine der wunderbaren Tatsachen, die sich immer wieder bewahrheiten: Geh los und halte die Augen offen. Gib dem Zufall eine Chance dir ein Angebot zu machen.

 

Als StoryCoach durfte ich “Hilfsmittel der Unverfügbarkeit”, ein bisschen Strukturgeberin sein. Wodurch zeichnet sich diese Rolle für dich aus? Worin lag für dich der Mehrwert?

Deine Strukturiertheit hat mich – die ich mich ja eigentlich nach Struktur sehne – sehr beeindruckt und mir geholfen. Mit den angebotenen vielfältigen Spielmöglichkeiten, den unterschiedlichen Bausteinen des LifeStory-Prozesses hast du mich darin bestärkt, mich einfach einzulassen. Ich war immer bereit in Resonanz zu gehen.

Ein Zuhause im strukturierten Chaos.

Beeindruckend fand ich auch, dass du dein Angebot jederzeit flexibel erweitern konntest. Du hast aus dem Hut gezogen, was exakt zur Situation passte.

Die unzähligen Möglichkeiten, an meine Fragen heranzugehen, fand ich großartig. Für jemanden, der nicht mit solcher Fülle umgehen kann, könnte das allerdings ein Problem werden.

Interessant. Wie meinst du das?

Du bist sehr strukturiert, wie schon gesagt. Und du hast einen scheinbar unerschöpflichen Koffer an Coaching-Tools. Diese Vielzahl könnte jemanden, der mit Fülle nicht umgehen kann, vielleicht überfordern.

Es ist kein kleines Methodenset, was du offerierst, sondern immer das Angebot: „Schau, was du möchtest, ich biete dir eine unendliche Vielfalt an. Such dir aus, was du nutzen willst!“ Ich habe mir dann das und das und das ausgesucht. Für mich war es großartig, diese Fülle.

Für mich war es ein Zuhause, weil es ein sortiertes Chaos war. Und weil du jeden einzelnen Schritt sehr gut erklärt hast.

Vielen Dank Heinrike. Ich habe mich auch von dir als Klientin reich beschenkt gefühlt. Durch deine persönliche Art, mit der LifeStory in Resonanz zu gehen, Dinge sich entwickeln – wabern – zu lassen, durfte auch ich viel dazulernen. Das ist es, was ich an meinem Beruf so liebe.

Würdest du mich fragen, ob ich die Life-Story anderen empfehlen würde, oder wann jemand sich bei dir gut aufgehoben fühlt, würde ich antworten: „Probier’s aus.“

Womit wir wieder bei den Schnupperworkshops wären. Oder der Einladung, mich beim StoryTeller an meinem Küchentisch kennenzulernen, und herauszufinden, wie die Chemie zwischen uns funktioniert.

 

Geh deinen eigenen Weg

Schon wieder…

Und dann hat mein Chef mich einfach abserviert. Schon wieder…

Brigitte sitzt mir gegenüber, entrüstet und aufgelöst. Seit Jahren entwickelt sie wieder und wieder brillante zukunftsweisende Projekte. Sie arbeitet die Nächte durch, steckt ihr ganzes Herzblut rein, präsentiert, dass allen der Mund offen steht.

Und dann…

Kurz vor der Umsetzung kneift die Chefetage. Wieder und wieder… alles umsonst.

Was ist denn falsch an mir?“, will sie unter Tränen wissen.

Gar nichts ist falsch. Du bist völlig ok.

Wenn auch du dir vorkommst wie in „Täglich grüßt das Murmeltier“, wenn du Dinge wieder und wieder in Dauerschleife erlebst und scheinbar nicht raus kommst, dann wird es Zeit, sich die Muster anzuschauen, die dahinter stecken.

Muster können alles sein:

  • Annahmen über das Leben, die wir irgendwann gelernt haben und deshalb für wahr halten.
  • Situationen oder Beziehungen, in die wir uns immer wieder begeben, obwohl wir es besser wissen müssten.
  • Verhaltensweisen, von denen du dir nicht erklären kannst, weshalb du sie wieder und wieder tust.

Diese Muster nenne ich Geschichten, die wir uns wieder und wieder erzählen. So lange bis wir sie glauben.

Ich sage: “Schlag ein neues Kapitel auf.”

Denn wenn uns diese Geschichten nicht voran bringen, dann wird es Zeit, entweder mit den Legenden der Vergangenheit aufzuräumen, sich eine neue Geschichte zu erschaffen oder beides zu kombinieren.

Die Reise der Heldin

Vielleicht hast du schon einmal von der “Reise der Heldin” gehört. Diese Erzählweise beschreibt den Entwicklungsweg einer weiblichen Person in ihrer äußeren und inneren Welt.

Dabei steht nicht – wie bei der bekannten Heldenreise nach Joseph Campbell – der Sieg über einen äußeren Gegner im Mittelpunkt.

Viel mehr geht die Heldin ihren Weg sich selbst entgegen. Sie stellt sich inneren Konflikten, setzt sich mit ihrer Sehnsucht auseinander, all den Emotionen und Ängsten, die ihr bei der Erfüllung im Weg stehen. Es ist eine abenteuerliche Reise, die nicht mal eben fix erledigt ist.

Doch den eigenen Weg zu gehen ist immer ein Weg, der sich lohnt.

Heldin? Aber ich doch nicht!

Als Heldin hast du dich noch nie gesehen? Helden sind vielleicht die anderen – siegreich, stark, überwältigend, schaffen sie alles, was sie sich vornehmen. Du bist überzeugt: das trifft auf mich nicht zu! Was macht dich da so sicher?

Heldinnen, die ihren Weg gehen, müssen nicht im Cape über die Dächer fliegen. Sie so viele unerwartete Gesichter.

Lass dich auf das Abenteuer ein, dir selbst zu begegnen. 

Wir schauen uns an, woher du kommst, mit wem du es bisher zu tun hattest und finden die Dinge, die du auf deiner Lebensreise bereits geschafft hast. Du wirst nicht nur verblüfft feststellen, mit welchen Gegnern du es bereits aufgenommen hast. Du wirst entdecken, wie viele nützliche Superkräfte und innere Weisheiten du inzwischen im Gepäck hast. Mal ganz abgesehen von den Mentoren – inneren und äußeren – , die dir zur Verfügung stehen…

Heldin! Denn alles andere wäre doch gelacht…

Sobald du die Macht deiner eigenen Geschichte(n) entdeckst, schreibst du das Drehbuch für deinen nächsten Schritt ganz neu. Damit pushst du deine Karriere oder kurbelst deine Geschäfte an.

Lass uns gemeinsam ungesunde Kreisläufe knacken. Ich unterstütze dich dabei, auch große Ideen zu realisieren.

Brigitte schrieb mir nach unserer gemeinsamen Arbeit:

Du hast ein einzigartiges Gespür für meine Themen und steuerst sie gezielt an. Nach einem Gespräch mit dir bin ich wieder mit mir selbst viel klarer und emotional aufgeräumter. Außerdem weiß ich auch objektiv, was ich als nächstes tun kann, um Verbesserungen einzuleiten. Besonders das letzte Gespräch hat wieder ziemlich “reingehaun” ;), weil mir klar geworden ist, dass man dieselbe Situation völlig anders interpretieren kann, auch emotional. Die Wirkung deiner Coachings ist langfristiger und weitläufiger als die anderer. Sie strahlt mehr in den Alltag und in Bereiche, an denen ich gar nicht arbeiten wollte. Ich spüre, wie sich wirklich etwas wandelt. Danke dafür. (B.R.)

Du spürst, dass es auch für dich an der Zeit ist.

Dann lass uns drüber sprechen, wie wir gemeinsam aufbrechen. Buch dir jetzt deinen kostenfreien Briefingtermin.

Wollen statt Müssen: Der Weg zur Klarheit

Yvonne Jacob – Team Coach, Wirtschaftspsychologin, Fan von Productivity-Tools. 2020 haben wir uns mit Design Your LifeStory auf unsere gemeinsame Reise gemacht. Kennengelernt haben wir uns an einem ungewöhnlichen Ort…

Kannst du dich erinnern, wie wir uns kennengelernt haben?

Auf jede Antwort eine neue Frage

An das Jahr kann ich mich nicht mehr erinnern. An den Ort noch ganz genau. Es war der Rücksitz eines Autos auf der Fahrt von der WomenPower Messe Hannover zurück nach Hamburg. Ich hatte schon einiges von dir gehört und war gespannt auf die „berühmte“ 😉 Katrin.

Du hast uns während der Fahrt mit Ideen versorgt, wie wir Frauen in unserem Netzwerk stärker einbeziehen können. Wie wir sie dazu bewegen, aktiver mitzugestalten, gerade in so einem Vorhaben, in das man freiwillig neben der Arbeitszeit viel Energie reinstecken muss.

Das war pures Netzwerk-Coaching und ich dachte: „Die Frau steht ja wirklich mittendrin. Sie hat auf jede Frage eine Antwort.“ Und besser noch, du hast auch eine neue Frage zu jeder Antwort. Dir gehen die Inspirationen nie aus, weil du immer einlädst: „Guck noch mal tiefer. Schau noch mal ein Stück hinter das, was offensichtlich ist!

Neue Sicht auf Produktivität gesucht

2020 – du warst noch Angestellte – dein Briefing an mich: „Ich brauche eine neue Sicht darauf, was Produktivität wirklich für mich bedeutet.“ Heute coachst du Teams genau darin, den besten Weg zu finden, gemeinsame Ziele zu erreichen. Was für eine Reise…

Ja, manchmal kann ich es selbst kaum glauben.

Die erste Aufgabe in der LifeStory war, eine Collage zu bauen. Die drei Frauen der Gruppe hatten sich nie zuvor getroffen und es ging darum, rasch Vertrauen aufzubauen. Das war deine Collage.

Collage LifeStory Design Start Whos life is itIch fand diese Aufgabe so cool. Der Auftrag: „Finde Bilder, die für dich eine Rolle spielen, die dich ausmachen. Doch du darfst nicht drauf zu sehen sein!”

In mich hinein zu spüren: „Was klingelt da bei mir? Was geht in Resonanz?“ Die eigene Collage zusammenzustellen, die der anderen zu betrachten, und dann einzuschätzen, zu welcher Frau im Raum sie gehörte. Es war so krass, wie viel man daraus schon lesen konnte und wie uns das sehr schnell miteinander vertraut gemacht hat.

➡️TIPP: Du willst das für dich selbst ausprobieren? Hier findest du die Anleitung.

Als Versprechen an dich selbst für das LifeStory-Semester hast du formuliert „Wohlwollend zu Wollen, nicht zu Müssen.“ Was hat es damit auf sich?

Dieses Thema ist tatsächlich ein roter Faden in meinem Leben. Früher hieß es fast ausschließlich „Ich muss!“ Doch es ist schon besser geworden. Es entwickelt sich weg vom Müssen, mehr zum Wollen. Das Müssen wird kleiner. Es gibt schon immer noch Imperative. Sobald ich denke, ich muss nicht mehr müssen, läutet eine kleine Alarmglocke in meinem Kopf: „Du musst aber schon!“ Aber dieses Wollen nimmt immer mehr Raum ein. Ich erlaube mir heute viel öfter, auch wohlwollend mit mir zu sein.

Von welchem Punkt aus bist du gestartet?

Mir selbst gerecht werden? Fehlanzeige!

Sagen wir mal, ich stand ziemlich im Nebel. Ich hatte Verantwortung für ein Team. In der Firma änderte sich die Organisationsform immer mal wieder. Aus der klassischen Teamleitungsstruktur wurde eine Matrix mit Chaptern und Tribes. In meiner Tribe-Lead-Verantwortung habe ich mich bemüht, meinem Team und meinen Kunden gerecht zu werden. Mir selbst gerecht zu werden, das fiel immer hinten runter.

Genau deshalb wurde mir klar: „Ich brauche ein anderes Verständnis von Produktivität!“ Ich habe immer versucht, viel zu machen, viel zu schaffen, viel abzuhaken. Doch gleichzeitig begleitete mich das Gefühl: „Ich komme nirgendwo hin. Ich komme nirgendwo weiter.“

Vielleicht passte ich noch nicht einmal richtig rein. Denn ich hatte oft eine andere Perspektive. Ich komme zwar aus der IT, ich bin aber keine klassische IT‘lerin. IT hat mich zwar immer fasziniert. Technik finde ich total spannend. Doch ich bin auch nicht die mit dem CT Abo.

2020 ging mein nebenberufliches Studium der Wirtschaftspsychologie zu Ende. Ausschlaggebend war, dass ich langsam fertig wurde mit meiner Masterarbeit.

Damit stellten sich Fragen:

  • Was mache ich jetzt damit?
  • Wie setze ich das ein?
  • Versuche ich es in meinem aktuellen Job?
  • Gehe ich in eine komplett andere Richtung?

Der Wunsch „Genuss ohne Auspowern”

Genau das war die Motivation damals loszugehen. Ich wollte herausfinden, wie es mir gelingen kann, aufregende Zeiten in meinem Leben zu genießen, ohne mich dabei versehentlich auszupowern.

So ganz habe ich das Problem bis heute nicht im Griff. Denn wenn mich etwas wirklich interessiert, dann werde ich sehr davongetragen, und komme in ein kleines High.

Warte, das ist gerade spannend – hast du gesagt, du wirst „davon getragen“ oder „davongetragen“? Fängt es dich auf oder spült es dich weg?

Es ist beides.

Es ist wie eine Welle, die ich aber nicht gut im Griff habe. Natürlich, Wellen hat man nie im Griff. Vielleicht habe ich mir die falsche Welle ausgesucht. Es fühlt sich manchmal an wie zu weit reinzugehen oder über meine Kräfte hinaus gehen.

Da kommt jetzt wieder dieses WOLLEN und MÜSSEN ins Spiel. Es gibt so einen bestimmten Grundstock, den ich einfach zu erledigen habe, wofür ich verantwortlich bin. Das passte dann nicht immer zu meinen Ansprüchen oder vielleicht auch zu meinen Werten.

Ich habe versucht, was draufzusetzen, was mich dann wiederum davonträgt. An manchen Stellen war das dann einfach zu viel. Deswegen hatte ich immer das Gefühl wenn ich was mache, was mich wirklich davonträgt: „Beißt mich das am Ende in den Hintern“?

Dann kam es wie ein Hammer und ich war einfach KO. Das ständige Ausgebremstwerden hat mich sehr genervt. Immer und immer wieder.

Dabei mochtest du deinen Job „ganz gern“, fandest es gut, in einem großen internationalen Unternehmen mit all seinen verworrenen Strukturen und Systemen zu arbeiten. Der Dreh- und Angelpunkt sei dein Rhythmus. Den müsstest du nur synchronisiert bekommen, hast du gesagt.

Das war damals auch so. So ein Konzern ist wie eine eigene Welt. Aber irgendwann kennt man die gut genug und ich wollte wissen, was es sonst noch für Welten gibt und in welchen Rhythmen die schwingen.

Unabhängigkeit erobert ihren Platz zurück

Wie ist das dann eigentlich mit der Selbstständigkeit passiert?

Als wir uns in der LifeStory intensiv mit unseren Werten auseinandergesetzt haben, tauchte – neben Neugier, Inspiration, Kreativität, Ruhe – die Unabhängigkeit wieder auf.

Unabhängigkeit war für mich schon immer sehr wichtig. Doch es gab Zeiten, da hat mein Bedürfnis nach Unabhängigkeit mein Bedürfnis nach Verbindung mit anderen Menschen beeinträchtigt. Ich wollte mir nicht helfen lassen, wollte alles alleine machen. Inzwischen lasse ich mir den Koffer tragen oder die Tür aufhalten. Warum denn nicht?

In unserer Arbeit wurde mir klar, dass es um die Balance geht. Unabhängigkeit ist ein Teil von mir, aber ich muss sie nicht mehr auf 100% hochdrehen. Sie ist mir wichtig, wird mir immer wichtig bleiben. Ich hatte sie eine Weile aus den Augen verloren, doch jetzt ist sie zurück.

Ich brauche einfach viel Zeit für mich

Gleichzeitig ist Ruhe ist immer ein Thema für mich. Ich bin ein introvertierter Mensch, brauche sehr viel Zeit für mich. Wenn ich Dinge wirklich zu regeln habe für mich, dann mache ich das erst mal mit mir aus. Dafür ist Ruhe einfach richtig. Das wird immer so bleiben.

Erstmal einen Schritt zurücktreten

Es gab einen Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich ganz schön ko war. An diesem Punkt kannst du nicht losgehen und Pläne für später machen. Ich musste erstmal einen Schritt zurücktreten.

Zunächst einmal habe ich versucht, im Konzern eine andere Ausdrucksform zu finden. Ich bin vom Operations-Management nicht weg, sondern habe on top noch das Migrationsprojekt eines Kunden gemanagt. Ich dachte, ich brauche mal was mit einem Anfang, einem Ende und einer Mitte, aber vor allem einem Schluss.

Gekündigt. Ohne wirklich zu wissen, was kommt.

Doch es hat sich herausgestellt, dass auch diese Veränderung mir nicht ausreichte. Ich war einfach müde. Ich war kaputt.

Dann habe ich gekündigt, ohne wirklich zu wissen, was danach kommt. Ich dachte: „Ich lege mich einfach mal zwei Monate auf die Couch, dann klärt sich mein Gehirn und dann weiß ich, was ich mache.

Puh, das finde ich mutig. Viele würden das in der heutigen Zeit nicht wagen.

Na ja, ich weiß nicht, Mut? Mir ist diese Postkarte begegnet mit dem Flemming-Gedicht von den vielen Gründen, alles beim Alten zu lassen. Der einzige, endlich etwas zu verändern: Man hält es einfach nicht mehr aus. (Quelle: Annäherung 2.0. Gedichte)

Gedicht Hans-Curt Flemming Brandherd

Und es ging halt nicht mehr weiter. Ich glaube, drin zu bleiben wäre nicht gut ausgegangen für mich. Ich hatte nicht das Gefühl, eine Wahl zu haben. So müde wie ich war, war es egal, was danach passiert. Erst mal raus.

Dann habe ich darauf vertraut, dass sich etwas ergeben wird, wenn ich erst einmal wieder mehr Kraft habe. Na gut, war nicht ganz so einfach mit dem Geistesblitz, wie es denn jetzt weitergehen soll 😉. Ich musste schon überlegen: „Was kann ich denn? Was mache ich denn?

Wenn du Mut eher skeptisch gegenüberstehst, welcher Anteil in dir ist es, der dich dazu bringt, mit immer wieder neuen Dingen rauszugehen? Dich damit zu zeigen?

Angst vor langweiligen Routinen

Für mich beantwortet Mut eigentlich nur die Frage: „Wovor hast du mehr Angst?

Größer als die Angst zu scheitern ist die Angst davor, in Routinen zu fallen die mich langweilen. Zusätzlich besitze ich eine gewisse Verbissenheit oder Sturheit. Ich denke mir: „Okay, da will ich hin und dann will ich dies und jenes machen.“ Mir macht Rausgehen – etwas von mir zeigen, mich ausprobieren – einfach Spaß.

In der agilen Welt sagt man: „Kill your darlings“. Meine Darlings sind mir vielleicht einfach nie so lieb, dass ich nicht gewillt bin, sie rauszuhauen: „Hier, guck mal. Ist gut? Nein? Ist nicht gut? Dann schmeißen wir es halt weg.“ Dann baue ich mir etwas Neues.

Es kommt auch durch den Job, den ich jahrelang hatte. Ein Team zu führen, vor Kunden Dinge zu vertreten und Zahlen zu verantworten, dazu braucht es eine gewisse „Rampensau-Mentalität“. Gerade in einer Telefonkonferenz musst du die Leute bei der Stange halten. Das habe ich gelernt und es macht mir vielleicht weniger aus als anderen.

Das ist eine echte Trumpfkarte auf meinem Weg.

Einfach mal machen

Wenn ich mich früher beschwert habe, dass nichts voran geht, hat mein Vater Kästner zitiert: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Also: Einfach mal machen. Vor allem selber machen, und nicht drauf warten, bis jemand anderes etwas tut.

Was war der Moment, in dem du dich entschieden hast: „Ich mache mich jetzt selbständig!“? Gab es den Point of No Return?

Ja, der war vielleicht schon viel früher als die Kündigung. Es war die Erfahrung, wenig Einfluss zu haben auf die großen Entscheidungen, die im Konzern getroffen werden. Ich hatte zwar einen gewissen Spielraum im eigenen Job und im eigenen Team, aber kam dann doch schnell an Grenzen. Das wollte ich einfach nicht mehr.

Es gab immer wieder Dinge, die wollte ich anders machen. Doch ich habe nicht die Freiheit gespürt zu sagen: „Ich mache es jetzt einfach mal anders!“ Der Wunsch, selbstständig zu arbeiten, war schon da, bevor mir richtig klar war, was es inhaltlich werden soll. Doch das darf sich immer noch weiterentwickeln.

Heute berätst du Teams, die abliefern und mit einem fetten High-Five nach Hause gehen wollen…

Ich durfte in meiner beruflichen Laufbahn so viele unterschiedliche Teamkonstellationen erleben, ich war Teil von Teams und ich habe Teams geleitet. Teams haben so viele Dimensionen: Wie sind sie räumlich verteilt, wie stabil sind sie, wie klar sind sie als Team überhaupt abgegrenzt, wie homogen oder heterogen sind sie zusammengesetzt?

Das ist superspannend.

Virtuelle Teams: für mich vertrautes Terrain

In meiner damaligen Firma schien man anzunehmen: “Wir brauchen nur ein Telefon und dann läuft das mit der Zusammenarbeit wie von allein”. Ich war ganz froh, wenn ich mal reisen durfte (auch wenn es nicht die spannendsten Reiseziele waren). Mit Corona war dann plötzlich überall zu lesen, wieviel anstrengender es sei, den ganzen Tag in Videokonferenzen zu sitzen.

Da dachte ich: „Aha, na so was...“

Deshalb ging es auch in meiner Masterarbeit um virtuelle Teams. Es war ein Feld, in dem ich viel gearbeitet und dabei selbst erlebt habe, wie schwierig und anstrengend das sein kann.

Mich ausprobieren im geschützen Rahmen

Dazu war es super hilfreich, dass man schon Leute kennt, also Netzwerke. Ich habe aus der Women@T-North-Community Unterstützung bekommen, auch wenn ich nicht mehr im Konzern war. Auch mit den Frauen der Life-Story treffen wir uns viermal im Jahr in Hamburg. So lerne ich immer wieder neue Leute kennen, bekomme neue Inspirationen, kann im geschützten Rahmen überprüfen, wie eigene Sachen funktionieren, die ich zum Thema Produktivität entwickelt habe.

Wie zum Beispiel meinen Workshop Entschlossen loslegen, achtsam umsetzen, zufrieden einschlafen! Zuerst habe ich den mit euch getestet; danach habe ich ihn Ladies Mentoring–Netzwerk gehalten.

Sich so ausprobieren zu können, das ist sehr, sehr wichtig gewesen.

Manche Hürden erkennt man erst im Nachhinein

Was war schwierig? Welche Hürden gab es auf deinem Weg zu überwinden?

Ich habe mir nicht früh genug ganz klar die Frage gestellt: „Mit wem will ich eigentlich arbeiten? Was sind das für Menschen?“ Darauf hatte ich am Anfang keine klare Antwort.

Klassischer Anfängerinnenfehler in der Selbständigkeit: Ich wollte erst mal so breit wie möglich aufgestellt sein. Dann ist es aber richtig schwer, eine Ansprache zu finden, die sich authentisch anfühlt. Je besser ich verstehe, mit was für Menschen ich wirklich arbeiten will, desto leichter wird es auch, über meine Arbeit zu sprechen.

Nächste Hürde: Über Akquise wusste ich gar nichts. Das lerne ich immer noch.

Überhaupt wusste ich sehr wenig darüber, wie Selbstständigkeit funktioniert. Heute bin ich froh, vorher nicht so viel gewusst zu haben. Vielleicht hätte ich es sonst nicht gemacht. Man muss sich ja mit sehr vielen Dingen intensiver beschäftigen, die sonst nie ein Problem sind.

Eben dieses Verkaufen. Das machen sonst andere Leute für dich. In der Firma musste ich damals nur dafür sorgen, dass wir liefern. Auch wenn wir uns oft genug darüber aufgeregt haben, dass das, was dem Kunden verkauft worden war, nicht ganz so leicht hinzubekommen war, wie Sales es dargestellt hatte.

Jeden Tag eine neue Entscheidung

Jetzt liegt alles in meiner Hand. Das ist nach wie vor total spannend. Man kümmert sich um alles selbst. Nicht alles funktioniert sofort. Vieles funktioniert einfach gar nicht. Dann probiert man weiter, steht immer wieder vor der Entscheidung: Gehe ich weiter gerade aus? Verlasse ich den Pfad? Versuche ich mal eine Abzweigung nach links oder rechts? Das ist nicht schlimm, aber es ist schon ganz anders als vorher.

Welchen nützlichen Umweg gab es auf deiner Reise?

In meinem alten Job habe ich sehr, sehr viel gelernt. Manchmal habe ich ihn zwar verflucht, doch es war schon nützlich, in diesem Konzern zu arbeiten. Es war wie ein kleiner Dschungel, in dem man viele Menschen trifft, die alle unterschiedliche Dinge gemacht haben (manchmal auch immer wieder dasselbe, ohne dass es wirklich jemanden weitergebracht hat 😉).

Doch ich habe früher nicht gut auf meine Grenzen geachtet.

Da hatte ich so ein BWL-Mindset: „Man muss etwas messen können, damit es einen Wert hat!“ Ich war ständig mit der Frage beschäftigt: „Wie misst man den Wert?“ Mittlerweile habe ich da eine sehr andere Sicht drauf.

Nicht nur Dinge, die man messen kann, sind wertvoll und wenn man sich zu sehr konzentriert auf die Dinge, die messbar sind, dann quetscht man am Ende die Seele aus allem raus, was der Mensch so tut.

Nicht nur Dinge, die man messen kann, sind wertvoll und wenn man sich zu sehr konzentriert auf die Dinge, die messbar sind, dann quetscht man am Ende die Seele aus allem raus, was der Mensch so tut. 

Ein nie dagewesener Gestaltungsspielraum

Was bedeutet deine Selbstständigkeit aktuell für dich und dein Leben? Was bedeutet sie für Menschen, mit denen du arbeitest?

Für mich bedeutet es einen vorher nie da gewesenen Gestaltungsspielraum. Ich habe manchmal das Gefühl, ich probiere jetzt aus, was ich Anfang der 20er – direkt nach der Schule – nicht ausprobiert habe. Damals bin ich direkt vom Abi – ohne zu experimentieren – ins BWL-Vernunft-Studium. Jetzt nutze ich die Möglichkeit, auszuprobieren was funktioniert.

So viele unterschiedliche Sachen zu lernen, das finde ich supercool: Ich lasse mich viel mehr davon leiten, was wichtig für mich ist. Muss nichts mehr lernen, was mir nichts bedeutet und nur für andere wichtig war.

Mein Ziel für Teams? Sich wirksam erleben!

Für Menschen, mit denen ich arbeite, bedeutet es Wege zu finden, sich wirksam zu fühlen. Sie sollen nicht länger das Gefühl haben, auf der Stelle zu treten. Nicht länger die Erfahrung machen: „Wir versuchen die ganze Zeit irgendwas und kommen zu nichts…“, sondern dass sie Wege finden, miteinander zu kommunizieren, einen Raum zu finden, der für alle funktioniert. Sie sollen erleben, was es bringt, im Team zu schauen: „Wo wollen wir eigentlich gemeinsam hin? Wie ziehen wir an einem Strang (statt jede/r in eine andere Richtung)? Wie wird es sein, am Ende anzukommen?“

Selbstverteidigung gegen die Einflüsse der Welt,

Es ist so viel los in der Welt heutzutage, es strömt so viel auf uns ein. Deshalb ist es nicht nur die Frage: Wie gut oder schlecht bist du organisiert? Ich sehe es als eine Selbstverteidigung gegen die Einflüsse der Welt.

Man muss hinschauen:

  • Wo will ich eigentlich hin?
  • Was steht mir dabei alles im Weg?
  • Wie komme ich mit so wenig wie möglich Blessuren durch?

Im Produktivitätsbereich klingt das oft nach: „Bam, bam, bam, mach das, dann schaffst du das, da, da, da…

Doch das ist ja nicht alles. Du kannst zwanzig Tipps bekommen, wie du deine To-Do-Liste machst. Doch du musst eine davon raussuchen, die für DICH funktioniert. Und die ist vielleicht eine andere als die deines Gegenübers. Frag dich auch immer:

  • Wie viel Struktur brauche ich in meinem Leben?
  • Ist es gut für mich, wenn ich alles durchplane (wie andere, die ihren Tag angeblich in einen 5-Minuten-Takt aufteilen)?
  • Wie viel Freiraum brauche ich? Und wann?

Das musst du für dich alles rausfinden und dir natürlich klar sein, wo du hinwillst. Erst dann kann man damit arbeiten:

  • Was ist dein System?
  • Was sind deine Tools?
  • Was ist dein Weg, damit du gut durchkommst?

Einen Schritt weiter statt nur Wassertreten

Ich habe nicht den Anspruch, dich zum Superman zu machen, sondern nur dafür zu sorgen, dass du am Ende des Tages das Gefühl hast „Ich bin einen Schritt weitergekommen auf dem Weg dorthin, wo ich hinwill.“

Auch ich will dieses Gefühl haben, einen Schritt weiter auf mein Ziel zugekommen zu sein und mich nicht nur mit Wassertreten beschäftigt zu haben.

Als Orientierung für Einzelne kann ich das sofort nachvollziehen. Aber wie funktioniert das für Teams?

Bevor man sich im Team darauf einigt, wo man gemeinsam hinwill, gibt es ein paar Hausaufgaben zu erledigen.

Man arbeitet ja nicht im luftleeren Raum. Zuerst schaut man: Was ist unsere Aufgabe als Team? Man ist ja für irgendwas eingesetzt worden. Vielleicht hat das Unternehmen eine Methode, dass z. B. mittels OKRs Ziele aufeinander abgestimmt werden. Vielleicht auch nicht.

➡️TIPP: Du kennst OKR nicht? Hier beschreibt Maren Martschenko, wie es geht.

Vielleicht bekommt man Unternehmensziele vorgesetzt. Vielleicht sind die auch gar nicht so konkret und greifbar.

In funktionierenden Teams steckt viel Arbeit

Trotzdem ist es wichtig, sich als Team dran zu setzen:

  • Was bedeuten dieser Auftrag, diese Ziele für uns?
  • Was ist denn unsere Mission? Wo wollen wir hin?
  • Was ist unser gemeinsames Verständnis unserer Aufgabe?
  • In welcher Qualität liefern wir?
  • Wie viel Aufwand wollen wir reinstecken?

In der IT zum Beispiel, ist es ein Unterschied, ob das System einfach „nur“ laufen soll. Oder wollen wir noch einen Service dazu bieten, und geben dem Kunden Empfehlungen dazu: Du könntest dort Kapazitäten einsparen, da noch einen anderen Service zubuchen, der nützlich ist. Du kannst dort ein bisschen mehr Housekeeping machen, dann hast du da weniger Aufwand …, was auch immer.

Gerade im Bereich Service – diesem Gesamtpaket, das der Kunde kauft, wenn er Betrieb der IT Systeme bestellt – gibt es oft Konflikte. Menschen haben ein unterschiedliches Verständnis davon, wie guter Service aussehen soll.

Dazu kommt ganz klassisch die Verteilung der Rollen. Wer macht eigentlich was? Das bedeutet nicht: Wer hat welchen Jobtitel? Sondern: Was machen wir tatsächlich? Wer fühlt sich wofür verantwortlich? Ist das klar abgegrenzt? Gibt es Überlappungen? Macht jede/r ungefähr das, worin er/sie gut ist? Oder werden da Leuten Sachen „übergezogen“, die ihnen nicht liegen? Das bringt nichts. Nur suboptimale Ergebnisse und Unzufriedenheit.

Dauerbrenner Kommunikation

Ein Dauerbrenner: Wie kommunizieren wir?

Yvonne Jacob: warum es Transparenz im Team braucht, um zu Wollen statt MüssenWollen wir wirklich noch E-Mails schreiben? Oder wie nutzen wir Chat?

Wie teilen wir Aufgaben auf?

Nehmen wir ein Ticketsystem oder ein Kanban-Bord?

Ist es okay, nachts noch was zu schreiben?

Dazu kommt die Sache mit den persönlichen Zielen.

Jede/r kommt ja aus einem anderen Umfeld. Die einen haben vielleicht Kinder, andere gesundheitliche Probleme. Die nächsten wollen ihren Sportverein ehrenamtlich unterstützen. Manche wollen gerne bis Mitternacht arbeiten, aber bis Mittag schlafen. All diese Sachen muss man im Team mal besprochen haben: Wo sind die Wünsche? Alle wird man nicht erfüllen können. Aber worauf einigen wir uns?

Spricht man über diese vielen Dinge, kann es einfacher werde. Wenn ich weiß, ich kann mich austoben und abends um neun Uhr noch E-Mails schicken, dann setzt das niemanden unter Druck. Ich kann morgens aber auch ausschlafen, weil wir das so vereinbart haben. Dann ist das was ganz anderes, als wenn ich nie weiß, kann ich jetzt gehen? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben?

An deinen Beispielen erkennt man die erfahrene Praktikerin. Du kennst dich wirklich gut aus. Wer wird sich ärgern, wenn er nicht – oder zu spät – mit dir gearbeitet (und sich stattdessen lieber weiter gequält) hat?

Zum einen sind das alle Unternehmen, in denen Nörgeleien an der Tagesordnung sind. Niemand ist so richtig glücklich, nichts funktioniert reibungslos. Doch sie unternehmen auch nichts. Dazu kommen Einzelne, die die ganze Zeit versuchen, Anforderungen abzuarbeiten und trotzdem das Gefühl haben, nicht hinterherzukommen.

Es sind auch Teams:

  • die keine neuen Ideen entwickeln, weil sie im eigenen Saft schmoren. Doch sie schaffen es nicht, miteinander zu reden.
  • aus denen nach und nach die talentierten Menschen verschwinden.
  • die es nicht schaffen, Ergebnisse pünktlich oder in der vereinbarten Qualität abzuliefern.
  • denen der Teamgeist abhandengekommen ist.
  • die mehr Energie darauf verwenden, Probleme vor den Kunden zu verstecken als sie anzugehen.
  • die frisch zusammengesetzt sind und sehr sehr schnell einen Arbeitsrhythmus finden müssen, bevor die ersten Deadlines fällig werden.
  • in denen es Konflikte zwischen den Generationen gibt, die nicht adressiert werden.

Der letzte Punkt erinnert mich daran, dass du während der LifeStory auch viele kreative Ideen hattest, wie du dazu beitragen kannst, das Leben von Senior:innen zu verbessern. Auch aktuell hast du was am Start. Was bewegt dich so an diesem Thema?

Mit Alter anders umgehen

Ich habe immer nach vorne geblickt, hatte ein Bedürfnis zu sehen, was kommt. Sagen wir so – ich gucke schon bis ans Ende, tatsächlich bis an mein Lebensende. Stelle dabei fest, dass meine Wahrnehmung davon, wie wir heute altern, nicht rosig aussieht.

Dachte ich als Teenager noch: „Ich will mal alt und weise werden“, denke ich mittlerweile, dass das mit der Weisheit wahrscheinlich schon viel früher passiert. Aber dann wird es schwieriger. Ich finde, wir gehen weder mit dem Altern noch mit Älteren gut um. Ich möchte später nicht so behandelt werden.

Gleichzeitig sehe ich, dass wir wahnsinnig viele Technologien haben, die uns das Leben leichter machen. Die würden auch super für Ältere funktionieren. Daher kam damals diese Senior-und-IT-Idee.

Aber ich bin keine Ingenieurin, kann nicht selber Technologien für Ältere entwerfen. Damit hat sich dieses Interesse weiterentwickelt. Heute arbeite ich mit einer ehemaligen Kollegin zusammen an der Webseite altershelfer.de.

Dort wenden wir uns an die Kinder derer, die jetzt gerade im hohen Alter sind und vielleicht Hilfe brauchen. Wir stellen Wegweiser auf, wenn die eigenen Eltern oder andere Zugehörige nicht mehr so richtig alleine klarkommen. Dort kann ich meine Skills sehr viel besser einsetzen.

Was kann man Mama, Papa, Oma, Opa an Technologien hinstellen, die das Leben interessanter machen? Zum Beispiel könnten sie mit Duolingo eine Sprache wieder auffrischen, die sie früher mal gelernt haben. Oder lass sie mit der KI reden, das ist super. Oder online Zeitungen lesen.

Doch es gibt auch praktische Fragen:

  • Wie organisiert man einen Pflegeplatz?
  • Was gibt es für Finanzierungshilfen?
  • Wo findet man Hilfe als Angehörige, sich auszutauschen?

Da gibt es ja schon ganz viel. Ich muss nicht selber was erfinden, was ich nicht kann, sondern mein Ziel ist zusammenzubringen, was schon da ist.

Ich will im Alter nicht so behandelt werden, wie man heute Ältere behandelt

Meine Absicht dabei: Wenn ich mal so alt bin, können wir besser darüber sprechen, bin ich auch persönlich besser darauf vorbereitet, und arrangiere mich besser damit, älter zu werden oder alt. Viele blenden aus, dass man schwächer und oder kränker werden könnte. Dabei kann es jedem passieren. Die Frage, die mich bewegt: „Was kann ich da noch?

Ich bin überzeugt, das ist eine ganze Menge. Auch im Alter kann man noch dazulernen. Allein schon Zurechtzukommen, ohne dass man richtig sieht, richtig hört, sich nicht mehr richtig bewegen kann. Man muss ja seinen kompletten Alltag umorganisieren, sich anpassen. Das ist eine riesengroße Lernleistung.

Kurz gesagt: Ich befasse mich mit diesem Thema, weil ich davon ausgehe, dass es irgendwann mal für mich relevant wird. Ich möchte vorbereitet sein.

Wenn du sagst „Ich möchte im Alter nicht so behandelt werden, wie man Ältere heute behandelt.“, entdecke ich hier wieder diesen roten Faden „Wollen. Nicht müssen!“ In unserer letzten Session der LifeStory hast du eine Entscheidung getroffen: „Ich entscheide mich für meinen Rhythmus!“ Dazu hatte ich euch gebeten, ein Manifest zu verfassen. Wie aktuell ist das heute noch?

Wollen statt müssen und andere StatementsDie Punkte sind nach wie vor relevant.

Lernen braucht keinen Zweck. Ist manchmal schwer. Oft denke ich: „Es muss sich am Ende rentieren.“ Aber so funktioniert das nicht. Manchmal setzt man sich mit Dingen auseinander, aus denen entstehen dann neue Ideen. Der Punkt darf gern ein bisschen größer werden.

Im Zweifel gehe ich davon aus, dass es gut genug ist. Das kann ich mittlerweile ganz gut. Klar habe ich in ausgewählten Projekten gern noch ein Schleifchen dran. Doch oft reicht auch gut genug.

Es ist okay, nicht da zu sein. Ich übe mich im Absagen. Auch wenn es mir noch sehr schwerfällt, weil ich oft denke: „Ich enttäusche die Leute so doll.“ Dabei ist das totaler Quatsch. Ich glaube, viele sind dankbar, wenn mal was ausfällt.

Wollen. Nicht müssen. Ja, das bleibt nach wie vor relevant. Denn es kann so viel Schwung geben, wenn man dem Wollen einfach folgt.

Zu anstrengend, sich in Schablonen zu pressen

Klar, manche Sachen muss man im Leben tun. Wir leben in einer Gesellschaft zusammen. Da gilt es, gewisse Kompromisse zu machen, sich an gewisse Regeln zu halten. Das ist schon richtig so. Aber sich komplett zu verbiegen, sich in Schablonen zu pressen oder vorgegebenen Lebenswegen folgen zu wollen, das ist unglaublich anstrengend.

Es fühlt sich an, wie in ein Gummiband reinzulaufen, das zwischen zwei Bäumen gespannt ist. Man läuft immer weiter, kommt vielleicht auch ein ganzes Stück. Doch irgendwann schleudert es einen mit Wucht zurück. Dann weißt du nicht, wo du landest und musst erst mal gucken, dass du wieder einen Weg findest.

Es lohnt sich mehr, auf sein WOLLEN zu hören

Deswegen lohnt es sich viel mehr, auf sein Wollen zu hören.

Oft ist die Antwort auf eine bestimmte Frage ja schon in uns. Man muss (sich) nur zuhören.

Zum Beispiel war mir Storytelling immer suspekt: „Was soll denn da rauskommen?“, fragte ich mich immer. Aber neulich bei diesem StoryCircle war ich sehr fasziniert, was aus einer halben Stunde erzählen plötzlich an Erkenntnissen entsteht.

Ich habe immer gerne eine Anleitung. Schritt eins, zwei, drei, vier, und dann kommst du am Ende irgendwo raus. Klar hat auch eine Geschichte eine Struktur, aber die fließt, sie mäandert so unscharf… Zu entdecken, dass auch auf diese Art gute Erkenntnisse, ein Sinn zustande kommen, da lerne ich sehr viel von dir.

Immer die richtige Intuition

Gibt es aus deiner Sicht noch andere Gründe, mit mir zu arbeiten?

In der Gruppe hast du ein so cooles Talent, Leute zusammen zusammenzubringen, ein tiefes Gespür dafür, wer zusammenpasst. Das ist wie bei der Collage in der LifeStory, über die wir vorhin gesprochen haben.

Auch beim StoryTeller an deinem Küchentisch, gibt es interessante Kombinationen von Menschen, wo du die Leute einfach super zusammenbringst. Man fühlt sich sofort wohl.

Du hast immer die richtige Intuition dafür, was dein Gegenüber gerade braucht. Im Einzelcoaching erinnere ich mich gut, dass wir mal um die Alster gelaufen sind. In dieser Session war ich innerlich so chaotisch, dass ich es im Raum nicht aushalten konnte. Ohne ein Wort von mir hast du gemerkt, da ist was, das ich noch nicht mal selbst artikulieren konnte. Du hast es angesprochen und ich habe bekommen, was mir gutgetan hat.

Orientierung selbst im Nebel

Manchmal sagst du: „Hier ist eine komische Stimmung im Raum. Lasst uns da mal reinbohren.“ Ich glaube, dieses „Reinbohren“ ist auch so ein Ding, das du gut kannst. Da habe ich Respekt davor. Du hast diese Gabe, Dingen auf den Grund zu gehen. Behutsam und sanft, aber konsequent. Auf jeden Fall kommst du am Grund an. Jeden Versuch, sich hinter bequemen Ausreden zu verstecken, bekommst du mit.

So „zauberst“ du manchmal auch Erkenntnisse hervor, von denen man gar nicht wusste, dass man damit ein Thema hatte. Das ist echt bereichernd.

Deshalb klare Empfehlung: Wenn jemand ein diffuses Gefühl hat, was für sie oder ihn als Nächstes dran ist, wenn man sich orientierungslos fühlt, irgendwie im Nebel steht, geh zu Katrin. Lass dich drauf ein, und sie wird dich leiten und dich halten, wenn du versuchst, wegzulaufen. Aber niemals so, dass es unangenehm wird.

Die Arbeit mit dir bringt einfach so viel Klarheit, wenn man nicht genau weiß, wo man steht, was man braucht, wohin man will und wie man dort hinkommt. Man bekommt so viel mehr Zufriedenheit.

 

Meinen Weg zu mir weitergehen

Wohin führt mich mein Weg?
Und wie will ich ihn weitergehen?

Nina-Kristin Lederer ist heute Management Consultant Digital Transformation. Sie trägt dazu bei, Leistungen und Prozesse der öffentlichen Verwaltung digital, sicher und für Bürger*innen zugänglich zu gestalten. Eine Sisyphus-Arbeit.

Doch kein “klassischer” Karriereweg.

Unser strategisches Karriere-Coaching startete 2017. Wonach warst du auf der Suche? Welche Hürden wolltest du wegräumen?

Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits neun Jahre – inklusive Babypause – bei meinem ersten Arbeitgeber. Das ist eine lange Zeit. Diese Zeit der ersten Berufsjahre, in der ich wahnsinnig viel gelernt habe, die hat mich sehr geprägt. Doch schon vor der Babypause habe ich bemerkt, wie Unzufriedenheit aufkam. Nicht mit den Aufgaben oder der Verantwortung, die ich hatte. Es war mehr das Gefühl, bei meiner persönlichen Weiterentwicklung an eine zu Grenze stoßen.

Der Common Purpose Standort in Hamburg  war eine kleine Organisation mit flacher Hierarchie. Durch meinen Wunsch, mehr Verantwortung zu tragen, war ich auf meinem Weg schon von der Programmkoordinatorin zur Programmmanagerin aufgestiegen. Doch mir war klar, der Posten zum nächsten Schritt – der Programmdirektorin – ist besetzt und wird besetzt bleiben. Da war ich ratlos, wo es für mich hingehen kann.

Gehen oder bleiben?

Einerseits gab mir der Job sehr viel Sinn, machte sehr viel Spaß. Ich hatte ein tolles Netzwerk aufgebaut. Dabei sind richtige Freundschaften entstanden, zu manchen Kolleg:innen habe ich heute noch Kontakt. Ich habe wahnsinnig viel erlebt, gesehen und erfahren. Und auf diesem Weg sollte es nicht mehr weitergehen?

Andererseits spürte ich die innere Unzufriedenheit und ahnte, dass irgendwann auch die Beziehung zu meinen Kolleg:innen darunter leiden würde. Ich wollte unsere großartige Arbeitskultur nicht gefährden.

Du hattest es damals als Sackgasse beschrieben.

Ja, genau so fühlte es sich an, dieses „Hier geht’s nicht weiter.“ Gleichzeitig hatte ich auch nicht das Gefühl, ich müsse jetzt nur mal einen Finger heben und würde dann schon irgendwo anders unterkommen.

Ich hatte ja selbst keine richtige Vorstellung davon, was der nächste Job für mich sein, in welche Richtung mein weiterer Weg mich führen könnte. Die internationale Organisation, die dahinter stand hatte mir sehr viel ermöglicht. Was könnte denn ein Job sein, der ähnlich bereichernd, ähnlich sinnvoll ist und mir ähnliche Möglichkeiten bietet, mich weiterzuentwickeln? Ich konnte mir allein kein Bild davon machen.

„Eigentlich stimmt alles. Und doch muss ich weiter!“

Das höre ich oft zum Coachingbeginn: „Eigentlich alles paletti, doch mein Gefühl sagt: Will ich mich entwickeln, muss ich weiter. Aber wohin?“

Dazu kommt bei aller Sinnerfüllung, dass man als junge Familie mit zwei Kindern auch von etwas leben muss, oder?

Als ich nach dem Studium eingestiegen bin, war das Einstiegsgehalt vollkommen okay, es hat mir gereicht. Es gab auch zwischendurch mal eine Gehaltserhöhung. Doch nach der Elternzeit hatte ich meine Stundenzahl auf dreißig Stunden reduziert. Das war von der Familienorganisation her nicht anders möglich, ich brauchte die zusätzliche Zeit.

Elternzeit: Im Gehalt Rolle rückwärts

Denn ich war mir bewusst, wenn ich etwas leisten möchte und das Gefühl habe, es kommt etwas Sinnvolles dabei raus, dann will ich nicht nur so ein bisschen Teilzeit machen, sondern volle Verantwortung übernehmen. Doch die Entscheidung für die dreißig Stunden hat mich fast auf mein Anfangsgehalt nach dem Studium zurückgeworfen.

Dabei hatten wir automatisch mit den Kindern steigende Lebenshaltungskosten, brauchten einen neue Wohnung. Der zukünftige Job musste mir also auf jeden Fall ein anderes Gehalt bringen.

Wohlbefinden hängt von vielen Faktoren ab.

Neben Sinn und Weiterentwicklung braucht es mehr. Deshalb haben wir im Strategischen Karriere-Coaching neben deinen Stärken und Wünschen auch die notwendigen Rahmenbedingungen unter die Lupe genommen.

➡️ Denkst du dir auch manchmal:

“Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld”?

schau dir den Buchtipp GoodRead Nr. 11 an.

Was hat dir am meisten geholfen?

Ich erinnere mich, dass ich mich tatsächlich hingesetzt und mir aufgeschrieben habe: „Was brauche ich eigentlich zum Leben? Wie hoch sind meine Kosten?” Ich habe mich mit meinen Finanzen auseinandergesetzt und überlegt: „Was wäre ein Gehalt, mit dem ich gut klarkommen würde?“ Wie viel monatlich möchte ich ausgeben für Sport, für Gesundheit, für Freizeit? Dieses analytische Herangehen, es schriftlich durchzurechnen, hat mir eine klare Orientierung gegeben.

Dazu haben wir andere wichtige Faktoren für einen neuen Job auseinander genommen. Die Arbeitsatmosphäre, Teamarbeit und die Chance, Verantwortung übernehmen zu können. Es war sehr, sehr hilfreich, mir genau zu überlegen, welche Aufgaben ich wirklich gern erfülle.

Dadurch hatte ich meine persönliche Checkliste für den Bewerbungsprozess und konnte sehr schnell abprüfen: Was wird erfüllt? Was wird nicht erfüllt? Oder zu welchem Grad? Was ist dann vielleicht in meiner Gewichtung wichtiger?

Du hast sehr intensiv reflektiert, was Karriere für dich überhaupt bedeutet. Ich zitiere dich:

Karriere wird ja oft damit in Verbindung gebracht, dass man viel verdient, dass man hohe Positionen bekleidet, dass man viel reist oder viel arbeitet. Dass man bekannt ist, als Expertin angesehen wird.

Ich weiß heute, dass mich nichts davon wirklich antreibt, außer dem positiven Feedback.

Wie hat sich das entwickelt?

Schon in der Studienwahl habe ich festgestellt: Für meinen Weg ist es nicht das klassische BWL-, Medizin- oder Jurastudium. Ich möchte etwas machen, was interessant ist, vielseitig, wo ich unterschiedliche Perspektiven einnehmen kann.

Mit meinem Magisterstudium Angewandte Kulturwissenschaften war mir von Anfang an klar, dass man damit vermutlich nicht reich wird. Mir war’s wichtiger, dass der Inhalt zu mir passt, dass es Felder sind, die mich interessieren. BWL habe ich trotzdem als ein Hauptfach gewählt, weil ich verstehen wollte, wie die Wirtschaft tickt. Ich habe festgestellt, wie viel Spaß es mir macht, dort hinzugucken, wo gesellschaftliche Entwicklungen sind.

Mein damaliges berufliches Interesse Corporate Social Responsibility lag genau an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Gesellschaft. Ich fragte mich:

  • Wie kann Wirtschaft sinnvoll passieren?
  • Wie kann Gesellschaft durch unternehmerisches Denken verbessert werden?

In meinen ersten Jahren Arbeit für Common Purpose habe ich festgestellt, wie wichtig mir das ist, mich selbst wirksam zu fühlen. Auf den regelmäßigen internationalen Treffen waren alle da, die Gründerinnen, Country Heads, unterschiedliche Kolleginnen und Kollegen aus allen möglichen Ländern.

Meine Chefin hat mir schon als junge Mitarbeiterin die Chance gegeben, mitzureisen. Vor Ort sind mir Ideen gekommen und ich hatte überhaupt keine Scheu, die vor allen vorzutragen.

“Ich denke in Wirksamkeit”

Ich habe nicht in Hierarchien gedacht, sondern in Wirksamkeit. Ich hatte Lust, was zu machen, hab Kolleg:innen gefunden, die Lust hatten, das mit mir umzusetzen und hab es gemacht. Meine Chefin meinte damals: „Du bist schon ganz schön mutig, dass du dir den Raum nimmst dafür!

Da hatte ich vorher nie darüber nachgedacht. Ich hatte einfach Lust darauf. Ich war intrinsisch motiviert und die vielen Begegnungen, die Moderationserfahrung, der Netzwerkaufbau, das hat mir einfach so viel Freude bereitet, dass ich erst später gespürt habe, wie wichtig mir das wertschätzende Feedback ist, um selber zu wachsen und das Gefühl zu haben: “Ah, hier liegt mein Potenzial“.

Es war nicht immer leicht, das aus mir heraus zu erkennen. Positives Feedback, Ermutigung und manchmal auch ein kleiner Schubs, mir was zuzutrauen, das ist mir unendlich viel wert.

Du hast mich mit deiner kreativen Wortassoziation zum deiner persönlichen Vorstellung von KARRIERE sehr beeindruckt. In seiner Ausgewogenheit ein Ausdruck echter Selbstwirksamkeit.

  • K Kooperation
  • A Anerkennung für Leistung
  • R Realität
  • R Ruhen in mir selbst
  • I Impulse
  • E Entwicklung
  • R Rahmenbedingungen
  • E Erfolg

 

➡️ Du willst selbst ein KaWa – eine Kreativ Analoggraffiti Wort Assoziation – erstellen? In diesesm Artikel findest du eine Anleitung dafür.

 

Sind das auch heute noch deine Keywords für eine gelingende Karriere?

Alle Punkte sind immer noch relevant für mein berufliches Wirken. Die Zufriedenheit in den Aufgaben und den Herausforderungen, die habe ich. Kooperation ist extrem wichtig. Ich arbeite super gern auf Augenhöhe im Team und mit Kundinnen und Kunden. Das ist mehr kooperatives Arbeiten als klassische Beratung.

Und Anerkennung für Leistung wird auch immer ein Motor sein, wenn ich meinen Weg weitergehe. Es geht um das bestärkende Feedback, darum, dass die Leistung gesehen wird.

Ruhen in mir selbst – extrem, extrem, extrem wichtig. Besonders in den letzten zehn Jahren – wenn es Themen gibt, die mich sehr stark beschäftigen oder Herausforderungen im Privatleben – sobald ich bemerke, ich ruhe nicht in mir selbst, versuche ich das wiederherzustellen.

Elternsein als berufliche Ressource

Ich reflektiere immer wieder für mich: “Was brauche ich eigentlich, damit das Ruhen im mir selbst möglich ist?

Die mit dem Alter zunehmende Erfahrung hilft dabei. Es wird immer wieder herausfordernde Situationen geben. Doch ich bin überzeugt, dass eine Elternrolle sehr stark zum Gefühl beiträgt: „Es gibt Dinge, die sind schlimm. Und es gibt Dinge, die fühlen sich schlimm an, aber sie sind eigentlich nicht schlimm.

Dadurch nimmt man bestimmte Herausforderungen nicht mehr so schwer, weil man einfach das Gefühl hat, hier geht jetzt gerade nicht die Welt unter. Es stirbt gerade niemand. Es ist nichts, das jetzt irgendwie einen langfristigen Schaden anrichtet. Und es wird eine Lösung geben.

In der Elternrolle bewältigst du im Familienalltag ganz andere Krisen. Schwere Erkrankungen im Familienumfeld zum Beispiel, die unerwartet viel Care-Arbeit erfordern, die kann man wirklich Krisen nennen. Das relativiert einige berufliche Situationen, in denen man tief durchatmet und dann auch durchkommt.

Kommen wir auf das I von Impulse in deinem Karrierebegriff

Impulse sind für mich vorrangig jene Impulse, die ich von meinen Kolleginnen und Kollegen bekomme oder durch Weiterbildung, durch Gespräche. Ich hab einfach nicht wahnsinnig viel Zeit, zu lesen oder Podcasts zu hören.

Jede Herausforderung ein Impuls zu lernen

Während sich andere darüber sehr viele Impulse in ihren Alltag holen, sind es für mich vor allem die Gespräche mit meinen Kolleginnen, Kollegen, Freunden über berufliche Themen. Die persönliche Herausforderungen vor denen wir stehen, sie werden gemeinsame Erfahrungen, die wir auf unserem Weg machen.

Nina, du hast dich seit 2017 stark weiterentwickelt. Wie stelle ich mir deinen Auftrag als Management Consultant Digital Transformation heute vor? Und welche Rolle spielen gute Geschichten dabei?

Als Beraterin arbeite ich primär für Auftraggeber:innen in der Freien und Hansestadt Hamburg, wie z.B. Behörden, Bezirksämter und Landesbetriebe.
Als ich damals als Strategieberaterin eingestellt worden bin, hatte ich noch keine praktische Erfahrung in Strategieberatung.

Und wie hat das funktioniert?

Ich habe mich in meiner Jobsuche damals primär auf meine Kernkompetenzen fokussiert. Dann habe ich geschaut, welche davon brauche ich für unterschiedliche Berufsfelder, die mich interessieren? Und habe mich getraut, mich auf diese Stelle in der Strategieberatung zu bewerben.

Denn ich wusste, ich kann Dienstleistung, ich kann Kommunikation und auch Führung. Ich hatte mit unterschiedlichen Menschen unterschiedlicher Ebenen gut gearbeitet. Das heißt, ich kann Augenhöhe auf unterschiedlichen Levels. Und damit bin ich da reingestartet.

In meinen Strategie-Beratungsprojekten geht es heute oft darum, eine Digitalstrategie für z.B. eine Behörde zu erstellen. Mit diesen Projekten sammeln und systematisieren wir in allen Abteilungen alle Digitalisierungsbedarfe. Mit der Führungsebene und ggf. weiteren Stakeholdern erarbeiten wir, welche Ziele und wie die Prioritäten zu setzen sind.

Wird es komplex, geh auf Augenhöhe

Behörden sind ja immer wahnsinnig groß. Sie haben sehr viele gesetzliche Aufgaben und eine unendliche Vielzahl von Themen zu bearbeiten. Hier braucht es noch ein ganzes Stück an Digitalisierung und Modernisierung. Nicht nur nach außen, um für Bürger und Bürgerinnen digitaler zu sein. Auch die internen Prozesse für ein besseres Zusammenarbeiten in der Organisation müssen angefasst werden.

In diesem Prozess bin ich in der Regel als Beraterin an der Seite meiner Kunden. Gemeinsam mit einer Ansprechpartner:in entwickeln wir, wie dieser Prozess aussehen soll.

  • Wen müssen wir beteiligen?
  • Wie wollen wir kommunizieren?
  • Wie wollen wir das Ganze durchführen?
  • Welche Analyseinstrumente nutzen wir?
  • Wie kommen wir auf Ziele?
  • Wie definieren wir Maßnahmen?

Und jeder einzelne Schritt braucht ganz viel Kommunikation.

Ah, jetzt kommen die Geschichten ins Spiel

Ja, in den letzten Jahren hat mich eine Kollegin sehr inspiriert, visuell zu denken und visuelle Geschichten zu erzählen.

Für Strategieprozesse, die wir nur virtuell mit Workshops begleiten konnten, habe ich Zeichnungen gemacht. Oder mir überlegt:

  • Was ist eigentlich die Geschichte?
  • Wie kommen die unterschiedlichen Bedarfe zusammen?
  • Wie sortieren die sich, wie entwickeln die sich weiter?

(c) Nina-Kristin Lederer

Ich habe dann z.B. in einem Projekt für einen virtuellen Analyseworkshop das Bild unterschiedlicher Trichter genutzt, in die die unterschiedlichen Bedarfe der Abteilung reinfließen.

Sie fließen in ein Reagenzglas, das für die aktuellen Projekte, Zukunftsthemen oder auch ganz akute Bedarfe steht.

So versuche ich immer, den teilnehmenden Partizipierenden dieser Workshops ein Bild zu geben.

Zur Digitalisierung der Verwaltung gibt es ja unterschiedliche Geschichten, die erzählt werden.

DIE Herausforderung dabei: diese Geschichten sind sehr langfristig gedacht. Man sagt: „Irgendwann haben wir viel mehr Zeit für die wesentlichen Dinge, weil dann die unwesentlichen Dinge automatisiert im Hintergrund ablaufen.“ Das sind Vorteile der Digitalisierung long term.

Die Herausforderungen: Keine Zeit, keine Ressourcen, kein Geld

Doch all das braucht unheimlich viel Zeit, viele Ressourcen und Menschen, die das realisieren. Und daran mangelt es einfach immer. Es gibt keine Zeit, es gibt keine Ressourcen, es gibt kein Geld, das alles so umzusetzen, wie man das möchte.

Deshalb muss man schauen, dass man andere Geschichten erzählt. Dass man Motivation aus anderen Dingen schöpft.

Weil in der Verwaltung Ämter – historisch bedingt – oft noch immer wie Säulen nebeneinander stehen, macht jeder so sein Ding. Also konzentriere ich mich darauf, die Geschichte zu erzählen, wie gemeinsame Arbeit aussehen könnte.
Wie könnte die Erfüllung dieser Vision – zum Beispiel in der Schulbehörde „Wir möchten Kinder, Jugendliche befähigen, in einer digital geprägten Welt zu bestehen…“ – wie könnte das aussehen, wenn man diese Grenzen zwischen den Säulen verschwimmen lässt? Wenn man es als gemeinsamen Weg sieht, viel stärker gemeinsam an den Themen arbeitet. Dazu muss man genau hinschauen, was genau die Personen motiviert, deren Mitwirken ich brauche. Welche Bilder helfen hier?

Kommunikationsabteilung fehlt auch

Eine weitere Herausforderung: In jedem größeren Unternehmen hat man eine Kommunikationsabteilung. Da gibt es Menschen, die sich um Kommunikation kümmern. Nach Außen und Innen.

In der Verwaltung gibt es das einfach nicht. Es gibt Pressesprecher in den Behörden, aber es gibt keine interne Kommunikation. Es gibt Orga-Abteilungen, aber die sind oft eher mit technischen prozessualen Organisationsthemen beschäftigt. Nicht mit interner Kommunikation. Das ist eine riesengroße Lücke.

In jedem Transformationsprojekt, muss man sich immer wieder seine eigenen Kanäle, seine eigenen Instrumente suchen. Es gibt keine bewährte Struktur, die dahintersteht, in die man seine Themen nur einspielen müsste. Nein, man designt alles immer wieder selbst.

Das bedeutet für uns Beraterinnen und Berater, dass wir teilweise sehr tief einsteigen in die Organisation, um das aufzufangen. Denn für Transformation braucht man Kommunikation, man braucht Geschichten, man braucht eine Vision – man braucht ganz viel Imagination sozusagen. Und kommt in einen Bereich, in dem es nur wenig Ressourcen gibt.

Wie also kann das aussehen? Wie können wir – auch langfristig in Projekten da herangehen, um die richtigen Geschichten zu entwickeln und zu nutzen?

Ich bringe selbst viel Beratungserfahrung aus Organisationsentwicklungs-projekten mit, habe vor Jahren damit begonnen, mit Geschichten zu arbeiten. Als StoryCoach nutze ich sie als Mittel, Kompetenzen oder Werte zielgerichtet zu erzählen.

Wie würdest du Menschen, die mit der Arbeit einer StoryCoach nicht vertraut sind, meine Art zu arbeiten beschreiben?

Du schaust genau hin: Wo wirkt eine Geschichte am stärksten?

Ich habe dich als einen Menschen kennengelernt, der sehr empathisch auf alle Beteiligten in einem Setting blickt. Ganz gleich, um welche Aufgabenstellung es geht, du schaust genau hin, wo eine gute Geschichte am stärksten wirksam werden kann. Gemeinsam mit deinen Kundinnen überlegst du:

  • Mit wem haben wir es eigentlich zu tun?
  • Welche Geschichten brauchen genau diese Beteiligten?

Man hat ja immer einen Inhalt, eine Botschaft. Man hat einen Sender, man hat einen Empfänger. Jede dieser drei Aspekte hat eine eigene Gewichtung. Empfänger und Sender, jeder hat seine eigene Emotionalität, persönliche Motivation, eigene Wünsche und Bedürfnisse.

StoryCoaching berücksichtigt komplexe Systeme

Du setzt deine Empathie dafür ein, dass nicht nur der Inhalt gut ist, sondern das ganze komplexe System berücksichtigt wird. Dadurch deckst du auch verborgene Ressourcen auf, die vielleicht sonst nicht zum Tragen kommen würden. Du hast das große Ganze im Blick.

Was ich an deiner Art zu coachen sehr schätze: Du versuchst das zu transportieren, was du selbst sehr intensiv lebst. Du bist wirklich sehr interessiert an Menschen. Immer wenn wir zusammenkommen, habe ich das Gefühl, du bist sehr, sehr interessiert an mir, an meiner Entwicklung, meinen Motiven. Du willst mich wirklich verstehen.

Dazu stellst du mir genau die richtigen Fragen. Mir macht es Spaß, sie zu beantworten, weil du eine gute Zuhörerin bist.

Geschichten beleuchten den eigenen Weg

Damals, als es um meine eigene Weiterentwicklung ging, haben wir meine eigenen Stärken, Erfahrungen in Geschichten verpackt. Dadurch habe ich ein viel besseres Bild von mir selbst bekommen:

  • Wie agiere ich eigentlich?
  • Was sind meine Gründe so oder so zu agieren?
  • Was steckt dahinter?

Sich das für die unterschiedlichsten beruflichen Situationen bewusst zu machen, das stärkt die Selbstwahrnehmung und erdet ungemein.

Heute, in meiner Arbeit als Beraterin nutze ich selbst Geschichten, um es meinen Kundinnen zu erleichtern, Zusammenhänge besser zu verstehen.

➡️Praxistipp Job-Stories entwickeln

Du tust dich schwer damit, relevante Geschichten aus deinem beruflichen Alltag zu finden und zu entwickeln? Probiere dieses Vorgehen aus.

Sortiere – so wie Nina – deine Bausteine einer guten Geschichte.

Tool um konkrete Stories zu entdecken, die deine Kompetenz unter Beweis stellen - mit Katrin Klemm StoryCoach

Frauen in der männerdominierten IT-Branche

Auch im Frauennetzwerk habe ich viel mit Kolleginnen zu tun, die in der Organisation arbeiten – in Teams, bei Dataport, in den Funktionen. Was uns verbindet, sind die spezifischen Herausforderungen, denen Frauen in der männerdominierten IT-Branche gegenüberstehen. Wir sind ja schon recht gut aufgestellt, haben für ein IT-Unternehmen schon relativ viele Frauen. Doch bestimmte Herausforderungen bleiben.

Nehmen wir mal die vielen Frauen, die Verantwortungen übernehmen wollen. Fachlich, oder in einer Führungsposition, das aber in Teilzeit. Dafür braucht es Akzeptanz in den Teams und Lösungen wie Tandemführung.

Inzwischen gibt es da immer mehr gute Beispiele bei Dataport, doch es ist und bleibt wichtig, seine eigenen Stärken zu kennen, und sich darüber auszutauschen. Genau das ist es, was wir im Netzwerk ermöglichen wollen.

Frauen stärken durch kraftvolle Geschichten

Wir schaffen ein entspanntes Setting, um anhand bestimmter Leitfragen voneinander zu erzählen.

Zum Beispiel:

  • Wie überwinde ich typische Hürden oder Glaubenssätze, denen Frauen oft in sich selbst begegnen?
  • Was kann ich von den Erfahrungen anderer Frauen, die bereits Führungspositionen in der Verwaltung übernehmen, für mich nutzen?

Hier schließt sich im Netzwerktreffen der Kreis zu den individuellen Geschichten. Jede Einzelne bekommt den Raum, sich zu fragen:

  • Welche Geschichte bringst du mit?
  • Was erlebst du im täglichen Geschäft?
  • Was ist dir wichtig?
  • Was ist es, das du hier erreichen willst?

Wir wollen die Selbstreflektion und das Vorankommen jeder einzelnen Frau in der Organisation stärken. Dafür schafft der Austausch so viel Klarheit. Das macht ihn so wertvoll.

Auch um unsere gemeinsame Unternehmenskultur weiterzuentwickeln brauchen wir Vernetzung und Austausch. Wir wollen Synergien schaffen und Potenziale ausschöpfen. Ich bin sicher, für beides bringst du aus deiner langen Erfahrung viele Methoden und Anregungen mit.

Und es muss Spaß machen, damit es etwas bringt, oder?

Genau. Das gehört für mich immer dazu, damit es leicht bleibt.

Nina, dein Resümee zu unserem Gespräch?

Wenn ich mir anschaue „Welche Geschichte hätte ich damals über mich erzählt, und welche Geschichte würde ich heute über mich erzählen?“, dann sehe ich, dass sich da wahnsinnig viel verändert hat.

Mich selbst positiv erzählen

Nicht in der Kernmotivation, in den Werten, die mich antreiben. Doch darin, wie ich meine Fähigkeiten einschätze, was ich bewältigen kann, habe ich eine so viel positivere Erzählung über mich selbst.

Dafür braucht es immer eine intensive Selbstreflexion, davon bin ich überzeugt. Danach suche ich immer wieder. Gleichzeitig ist es der Austausch mit Kolleginnen oder Freundinnen, der mich weiterbringt.

Immer wieder vor einer neuen Aufgabenstellung taucht doch noch der selbstkritische Gedanke auf: „Kann ich das eigentlich? Bin ich nicht irgendwie nur ‘Generalistin’?”

Der wohlwollende Blick auf mich selbst

Doch dann stelle ich fest: „Mit dem, was ich kann, was ich erlebt habe, was heute meine Erzählung ist, da fühle ich mich wohl. Ich habe einen viel wohlwollenderen, positiven Blick auf mich gewonnen.

Und nun stell dir vor, du streichst in deiner Aussage „nur Generalistin“ dieses kleine Wörtchen „nur“. Und mir ist sehr bewusst, welch intensiver Prozess für manche von uns dahintersteckt, auf diese drei Buchstaben zu verzichten.

Ja, ich glaube ich, das ist die Challenge für viele Generalistinnen. Diese Frage: „Was ist eigentlich meine Geschichte?“, das ist oft teilweise schon die Geschichte selbst.

Die wahre Transformation, die hinter den Worten „Own your story“ steckt, entfaltet sich erst, wenn man – wie du – den Prozess selbst erlebt.

Ich bin Generalistin. Punkt.

Es ist der wohlwollende Blick auf mich selbst, der zählt.

 

Ich brauch keinen Purpose sondern Geld – Goodread Nr. 11

Geld oder Sinn? Oder beides? Und was noch?

Wir alle stellen uns irgendwann die Frage: Warum arbeite ich eigentlich? Ist es der Sinn, die Sicherheit oder etwas ganz anderes?

Als leidenschaftliche „Anwältin“ meiner Klientinnen, die sich nach einem erfüllenderen Jobleben sehnen, lese ich (fast) alles, was verspricht, dass sie den Job finden der wirklich zu ihnen passt.

Attila Albert – Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld.

Weshalb ich es lese

Das Buch hinterfragt unsere Vorstellungen von Arbeit und Erfolg.

Unser Job hat einen bodenständigen pragmatischen Sinn. Wenn kein anderer dir das Leben finanziert, arbeitest du um Miete, Strom, Versicherung, Telefon, Internet, die Bahnkosten, Lebensmittel zu bezahlen.

“Ein eigenes Einkommen,” sagt Albert, “verschafft .. Respekt und Würde, befreit .. von ständigen Existenzängsten und der Scham, bedürftig zu sein.“ (Seite 22) .

Ich finde: Das muss mal gesagt werden

Attila Albert Ich brauche keinen Purpose, sondern Geld - 8 Motivatoren für den Job zu wechseln

In meiner Design your LifeStory-Arbeit spielt der finanzielle Aspekt erst im letzten Drittel eine Rolle.

Denn ich erlebe bei Teilnehmerinnen, wie sie sich beim Ausschöpfen ihrer Wünsche und Potentiale leider zu oft durch finanzielle (Zwangs-) Vorstellungen zu beschränken, wenn wir diesen zu früh zu viel Raum geben.

Wenn Albert das ganz anders sieht, muss ich schon aus professioneller Neugier meine Nase in dieses Buch stecken.

Worum es geht

Geld oder Sinn, was motiviert uns, zu bleiben?

Der Autor wirft einen Blick darauf, was Angestellte bewegen kann, in ihrem Job zu verharren. Oder warnt jene, die sich bereits auf dem Markt umschauen davor, auf hohle Phrasen und leere Versprechen von Unternehmen hereinzufallen.

Als ersten Job-Motivator führt er deshalb das Geld ins Rennen. Ein faires Gehalt sichert finanzielle Stabilität und ermöglicht persönliche Freiheit. An der Einkommenshöhe drücke sich neben der Deckung der Kosten auch Anerkennung und Bestätigung des Arbeitgebers aus. Damit würde es zur “Quelle des persönlichen Selbstwertgefühls” (Seite 28).

Auch ich kenne Menschen, bei denen es so funktioniert. Kenne den einen oder die andere (Kinder aus dem Haus, Haus längst abbezahlt, gesund & fit), die längst in der Lage sind, sich zu gönnen, was immer sie möchten. Doch die Panik vor möglicher Verarmung treibt sie so stark, dass sie im goldenen Käfig (Hamsterrad inklusive) verharren, statt sich auf den Weg zu machen, etwas zu finden, das sie vielleicht mehr erfüllt als finanzielle Sicherheit.

Neben Geld und Sinn gibt es noch mehr

Sieben Job-Motivatoren

Neben dem Einkommen stellt der Autor sieben weitere Job-Motivatoren vor die helfen können, die eigene Arbeitszufriedenheit zu reflektieren.

Familie: ein Balanceakt

Familie: betrachtet er vor allem unter dem Aspekt der Verantwortungsübernahme für andere. Und die kostet nun mal. Zum einen Geld (siehe oben). Zum anderen Zeit, um alle notwendigen Care-Arbeiten (ob nun für Nachwuchs oder alte Eltern) zu koordinieren.

Setzt du deine Priorität in diesem Bereich, wirst du dich kaum in einer Position wohlfühlen, die  selbstverständlich dauerhafte Überstunden und ständige Erreichbarkeit von dir fordert.

Team: Was ist das richtige Maß?

Team: Wenn du dir deinen nächsten Job vor allem aufgrund der Menschen suchst, die dort arbeiten, nach einem ausgeprägten sozialen Zusammenhalt suchst, hast du hier einen starken Antreiber.

Ich kenne Menschen, die ihren Job zwar doof finden, doch allein wegen der Kolleg:innen bleiben (oder dorthin gehen, wohin der Chef gewechselt ist).

Doch bei allem „We-are-family“-Gedanken, ein Unternehmen ist „eine zielorientierte Zweckgemeinschaft“(Zitat 52). Ihr bleibt Arbeitskollegen. Und eine gesunde Konkurrenz darf dazugehören. Bist du dagegen gar kein Gruppenmensch – willst nur in Ruhe deinen Job erledigen -, treibt dir die Aussicht auf regelmäßig verpflichtende Teamaktivitäten kalten Schweiß auf die Stirn.

Karriere: wie definierst du sie für dich?

Karriere ergänzt das Interesse und die Freude am Beruf um den Faktor Fach- (inhaltliche Spezialisierung) oder Führungsmotivation (Strategie, Budget, Personal). Du willst mehr entscheiden und gestalten. Immer neue (Projekt-)Herausforderungen und oder Verantwortung als Führungskraft treiben dich an. Für dich zählt Leistung, weil es dann einen Titel oder mehr Gehalt gibt. Oder du kannst deine eigene Expertise weiterentwickeln und erreichst mehr Sichtbarkeit.

Dann solltest du – wenn du befähigt und willens bist – aufsteigen können, und das funktioniert nicht in jedem Unternehmen.

Was lässt dich wachsen?

Weiterentwicklung: Du arbeitest nicht nur für Geld oder Status, sondern willst dich weiterentwickeln, wachsen und dazulernen.

Eine ausgewogene Berufstätigkeit“, betont Albert, „erlaubt fortlaufendes Wachstum und schützt vor geistiger und emotionaler Verarmung.“ (Seite 75) Schau rechtzeitig hin, dass dein Job dir neue Impulse bietet.

Wichtig ist das vor allem für Babyboomer, die bei der Weiterbildungsplanung gern übersehen werden. Doch die Personalabteilung ist nicht allein für deine Entwicklung verantwortlich, deshalb schau genau hin, was deine Aussichten verbessert UND dir persönlich Freude macht. Werde aktiv, bevor Stagnation dich frustriert.

Falls du schon jetzt den deutlichen Wunsch nach Veränderung spürst, lass uns am besten gleich miteinander sprechen.

Was bitte heißt gesund?

Gesundheit: Bist du in der Lage deinen Job so zu gestalten, dass du körperlich, geistig und seelisch fit bleibst und – gerade mit zunehmendem Alter – genügend Zeit hast, dich aktiv zu erholen? Oder bist du ständig „durch“?

Sobald dein Arbeitsalltag dich auf Dauer erschöpft (und sich das auch nicht mit Yoga & Co. beheben lässt 😉), wird es Zeit, genauer hinzusehen. Ein gesunder Arbeitsplatz bedeutet, dass Arbeitsbelastung und Wohlbefinden in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Zwei Denkanstöße finde ich besonders spannend:

  • Gerade bei gesundheitlichen oder altersbedingten Herausforderungen kann der Beruf aber auch ablenken und motivieren. Eine sinnstiftende Kontinuität bieten, wenn sich vieles andere verändert.“ Denn es wäre doch schade drum, “..gedanklich ab Anfang 50 bereits auf Altersteilzeit oder Vorruhestand zu schalten und dadurch die „besten verbleibenden Lebensjahre unambitioniert und abwartend verbringen.“ (Seite 89)
  • Der Hinweis, dass es sich “lohnt, genauer hinzuschauen, welche Mitverantwortung du vielleicht selbst dafür trägst“, (Seite 95) die eigene Gesundheit dem Beruf zuliebe ständig zu überfordern. Übernimmst du mehr Verantwortung und Aufgaben, als du langfristig verkraften kannst? Achte auf gut auf deine Körperspuren!

Checkfrage: „Gehe ich gern zur Arbeit“?

Spaß und Lebensfreude heißt: Arbeit kann und sollte Freude machen, auch wenn es nicht zu 100% der Traumjob ist. Bei aller nötigen Professionalität und dem Stress der (auch mal) auftritt, darf man eine gute Zeit haben und miteinander lachen, sagt Albert. Dann sei „Gehalt auch kein Schmerzensgeld sondern normale Entlohnung für eine Tätigkeit die an sich bereits bereichernd ist„ (Seite 108)

Doch Angst, Misstrauen und Feindseligkeit, die einen in ständiger Hab-Acht-Stellung und Abwehr halten, belasten die eigene Lebensqualität.

Macht mein Job (noch) Sinn?

Lebenssinn ist für den Autor damit verbunden, etwas Sinnvolles für andere zu tun. Du bist an der richtigen Stelle, so lange du dich als Teil eines größeren Ganzen siehst und dein Job dazu beiträgt, das zu beweisen. Dümpelst du in einem sinnentleerten Job herum, reichen Gehaltserhöhung oder Karrierestufen nicht mehr aus, um dich motiviert und leistungsbereit zu halten.

Mir persönlich schenkt das Bewusstsein, mit der eigenen Arbeit etwas Bedeutungsvolles beizutragen, eine tiefe innere Erfüllung. Geht’s dir genauso?

Wir stellen uns die Sinnfrage meist ab Mitte 40 (bei mir ging’s schneller). Denn dann reichen (soweit die Grundsicherung steht) Geld und Karriere allein nicht mehr aus, sich lebendig zu fühlen.

„Allerdings“, so Albert, „wünschen sich zwar viele Berufstätige ab der Lebensmitte mehr Sinnhaftigkeit, stehen sich dann aber selbst im Wege mit ihrer Auffassung „Ich kann ja eh nichts ändern“, oder „haben im Grunde Angst, sich auf etwas einzulassen, das ihre bisherigen Erfahrungen übersteigt oder hinterfragt.“ (Seite 116ff)

Jeden Tag ein neues Kapitel aufschlagen

Mit 20 Jahren Berufserfahrung bin ich überzeugt: da lässt sich was tun 🤩. Und jeder Tag ist ein guter Tag, um neu zu starten.

Wem ich das Buch empfehle

Allen, die sich fragen, ob sie in ihrem Job das Richtige tun – und ob es überhaupt ein Richtiges gibt. Besonders wertvoll ist es für dich, wenn du:

  • das Gefühl hast, du steckst in einer beruflichen Sackgasse,
  • nach Orientierung suchst,
  • dich ständig zwischen Sicherheit und Leidenschaft hin- und hergerissen fühlst,
  • deine eigene Definition von Erfolg (neu) entdecken willst.

Sobald du deine wahren Motive und Prioritäten kennst, sagt Albert,

  • suchst du zielgerichteter nach einem passenden Arbeitgeber,
  • argumentierst authentisch in deiner Bewerbung und
  • musst dich beim Vorstellungsgespräch nicht verstellen.

Das bemerkt dein Gegenüber im Jobinterview sofort.

Mein Fazit

Das Buch liefert keine einfachen Rezepte, sondern wertvolle Denkanstöße. Es macht Mut, dich ehrlich mit deinen Wünschen auseinanderzusetzen, und zeigt, dass es in Ordnung ist, wenn Geld eine Rolle spielt – genauso wie Sinn, Sicherheit oder Freiheit. Die Kunst liegt darin, deine eigene Balance zu finden.

Ein inspirierendes Buch für alle, die sich klügere Fragen stellen möchten.

 

Du willst deinen wahren Werten auf die Spur kommen? Für einen ersten Schritt brauchst du nur 1 Stunde. Lass uns bei einem Schnupper-Workshop “Wertvolle Werte” treffen.

 

Das Wesentliche steht zwischen den Zeilen

Willst du deinen eigenen Film schreiben, hilft dir die richtige Lektorin, das Wesentliche auch zwischen den Zeilen zu entdecken!

 

Sandra, 2009 haben wir das erste Mal zusammengearbeitet. An welche Episode aus unseren ersten Coachings erinnerst du dich noch? Welche haben Spuren hinterlassen?

Sie haben vom ersten Moment an Spuren hinterlassen. Für das erste Coaching haben wir einen Gutschein von unserem damaligen Agentur-Chef bekommen. Das war mein allererster Kontakt mit Coaching überhaupt.

Coaching ist Raum für mich

Von Anfang an fand ich es wertvoll – denn das macht man viel zu selten –, diesen Raum zu haben, indem es wirklich nur um einen selbst geht. Ein safe space. Am Anfang musste ich mich damit erst mal zurechtfinden, ich dachte zuerst: „Ist das jetzt hier wie eine Therapie?“

Doch das war es mit dir zu keiner Zeit. Es war immer ein „Jetzt schauen wir nach vorn.“ Also Herausforderungen erkannt, besprochen und jetzt zielorientiert weitergehen. Ich erinnere mich noch an diese Methode – wie nennt sich das mit den Armen?

Wingwave.

Ja, stimmt, Wingwave war’s. Dabei kann man den Kopf ausschalten. Sich ein Stück seiner Intuition, seinem Körper, seiner Erfahrung überlassen. Antworten kamen leichter. Ein spannender Ansatz, mich Themen mal anders zu nähern, wie „Was beschäftigt mich eigentlich?“ oder „Was möchte ich denn eigentlich?“.

Ich war 2010 auf dem Sprung vom Account Director zum New Business Director. Dabei war das gar nicht mein Plan. Die Agenturchefs damals meinten: „Wir glauben, du kannst das! Willst du es machen?“

Dann stehst du da und denkst dir: „Das ist ja schön, dass ihr das denkt!

Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie darüber nachgedacht, ob das überhaupt eine Option für mich ist.

Neues finde ich erstmal immer spannend

Weil ich aber der Mensch bin, der ich bin (und das bis heute) ergreife ich gerne (interessante und neue) Optionen. Früher wahrscheinlich schneller als heute, denn die Entscheidungen sind größer geworden.

Doch ich wollte damals reflektieren und das mit Unterstützung von außen. Das war unser Start. Ich wollte mir bewusst machen:

  • Wer bin ich eigentlich?
  • Wo will ich hin?
  • Erfüllt dieses Angebot nicht nur mein Jobziel, sondern passt es in meine Lebenssituation?
  • Wie soll mein Leben ganzheitlich aussehen? Das war immer ein wichtiger Teil. Ich arbeite gerne. Aber die Arbeit musste schon immer auch zu meinem Leben passen.

Genau diese Themen konnte ich mit dir besprechen.

Es war nicht dein Plan, sagst du. Heute bist du Managing Director… was sagst du heute – 15 Jahre später – dazu?

In den ersten Tagen als Managing Director hat mich eine langjährige Kollegin daran erinnert, dass ich Jahre zuvor – ich hatte gerade besagte New-Business-Position übernommen – gesagt hätte: „Und irgendwann werde ich Geschäftsführerin.“

Daran konnte ich mich gar nicht erinnern, fand es aber interessant. Denn auch wenn ich mir diesen Plan niemals ganz bewusst gezeichnet habe, hat mich doch alles, was ich getan habe, genau dahin geführt.

Alle Anteile an Bord

In unserer Coaching-Serie gab es zwei große Handlungsstränge. Einerseits dein Auftrag gemeinsam herauszufinden, worin deine beruflichen Wünsche und Ziele liegen. Gleichzeitig fiel dir das Entscheiden schwer.

Wir haben die vielfältigen Aufgaben in der Agentur und die vielen inneren Ressourcen verbunden. Manche Stärken zeigten sich sofort. Andere innere Anteile haben sich im Drehbuch noch zurückgehalten.

Hier eine Erinnerung, daran, was du schon 2010 für dich mitgenommen hattest

Jede Stimme, jeder Gedanke, jedes Gefühl, das mich bei schweren Entscheidungen verunsichert hat, ist ein Teil von MIR! Also habe ich gelernt zuzuhören! Und mehr noch – wenn ich will, lade ich mittlerweile alle zu einem Kaffee ein und wir diskutieren die wichtigsten Themen aus – klingt verrückt? Nein, ist genial und erfolgreich! Aus vielem, scheinbar nicht koordinierbarem ein homogenes Ganzes machen, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

 

Das Zitat ist fünfzehn Jahre alt und macht mir deutlich, welchen Weg du seitdem gegangen bist und welche Bandbreite an Stärken du nutzen kannst.

Ich glaube, genau so muss es sein. Gerade in der Führung hat man viele, unterschiedliche Aufgaben, triffst die unterschiedlichsten Menschen. Dazu kommen all die anderen Dinge, die in deinem Leben eine Rolle spielen.

Für jeden Bereich brauchst du die verschiedenen Facetten. Es ist genau das, was mir Spaß macht. Ich mag meine vielen Dimensionen, auch, weil alles, was um mich herum passiert, nicht eindimensional ist. Diese Arbeit mit den inneren Anteilen finde ich total spannend.

 2022 hast du geschrieben: „Geschäftsführung war nie ein bewusster Teil meiner Geschichte, aber meine Geschichte hatte auch kein komplett vorgezeichnetes Ziel. Wenn es eine Storyline in meinem Leben gibt, die mich bisher immer angetrieben hat, war es, „schau es dir an und probiere es aus!“ Was ist der Antreiber dahinter?

Spaß ist für mich immer ein Antrieb gewesen. Spaß und Neugier an dem, was ich mache, was ich daraus lernen kann – und zwar in jedem Bereich. Das ist auf jeden Fall elementar.

Du hast jetzt die Chance bekommen, deine Stärken voll einzusetzen. Verbunden mit deinem Antreiber „Ich mach das jetzt mal und zwar voller Freude“ welchen Teil der Welt kannst du heute beeinflussen oder verändern?

Naja, es ist nicht die ganze Welt, die ich verändere. 😊

Ich arbeite in einem spannenden Konstrukt aus Führungskollegen. Natürlich nehme ich durch meine eigenständige Rolle in diesem Konstrukt anders Einfluss. Ich bringe meine Perspektiven ein, meine Erfahrung, gute Argumente in wichtigen Diskussionen. Themen, die mir wichtig sind, kann ich ganz anders priorisieren und sie viel stärker zum Teil einer Geschichte machen.

Meine Rolle ist größer geworden. Doch ich lebe sie mit Respekt und Bewusstsein, denn ich glaube, dass wir in dieser Zeit, in der wir heute leben, Dinge durch Kollaboration und durch Miteinander schaffen.

Ich habe einen Satz gelesen: „Niemand, der wirklich glaubt, dass er alles allein kann, ist ein guter Leader und ein guter Führer.“ Daran glaube ich. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass es jemandem geben muss, der am Ende die Richtung vorgibt.

 

 

Dieser Richtung sollten gute Gespräche und Austausch vorangegangen sein. Um Menschen zu motivieren und zu führen, musst du sie abgeholt haben. Genau diesen Prozess, dieses Mitnehmen kann ich heute beeinflussen; kann meine Gedanken und Ideen anders mit einbringen. Die Rolle befähigt dich dafür noch ein Stück weit mehr.

2022 konfrontiert mit der Frage, ob du die Rolle der Managing Director übernehmen wolltest, hast du dich mit dir selbst auseinandergesetzt, und überlegt, vielleicht einfach in der bekannten Rolle so weiterzumachen. Denn “das fühle sich doch eigentlich alles gut an“.

Und doch hast du dich für die höhere Position entschieden. Wie kam das?

Ich habe mich mit den Pros und Contras beschäftigt, mit all dem, was ich kann und nicht kann. Letzteres war weniger angenehm. Doch dann bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich all das, was ich noch lernen will, ja lernen könnte. Was anstrengend ist, aber auch aufregend.

Ich kann das einbringen, indem ich wirklich gut bin. Auch mit anderen Menschen zusammen, die etwas mitbringen, was ich nicht habe. Gemeinsam machen wir daraus dann etwas Komplettes.

Innen und Außen in Kongruenz

Hier verweben sich die beiden Stränge unserer Coachinggeschichte – innere Stärken zielgerichtet einsetzen um Aufgaben der Agentur gemeinsam mit anderen erfolgreich zu steuern.

Ja, es war meine Entscheidung. Hätte ich angefangen, zu sehr meinen Defiziten hinterher zu laufen und versucht, diese auszugleichen, also versucht, meine Schwächen zu stärken, wäre niemals eine gute Stärke dabei herausgekommen.

Mein Konzept „Stehe jeden Morgen mit Spaß auf!“

Vielleicht lautet mein „Konzept“ einfach: „Stehe jeden Morgen mit Spaß auf!“

Schon vor unserem Story-Coaching ist mir die Songzeile bei den Fantastischen Vier begegnet „Du siehst deinen eigenen Film und bist dein eigener Held.

Abgesehen davon, dass es ein cooler Song ist – und meine erste Band war, die ich live gesehen habe – ich glaube, dass es genau das ist. Niemand setzt mir die Pistole auf die Brust, es ist meine Entscheidung, die ich für mich treffe. Jedes einzelne Mal. Das ist der Punkt.

Deine Art, Entscheidungen zu treffen, zieht sich durch deine Geschichte. Wenn eine junge Führungskraft von dir wissen will, wie du deine Entscheidungen triffst, so, dass es eine gute Entscheidung wird – wie würdest du es erklären?

Also es hängt natürlich von der Entscheidung ab.

Natürlich.

Wenn es nicht komplett dein eigener Bereich ist, wirst du immer auf andere Menschen zugehen, die entweder das Fachwissen oder die Erfahrung haben. Oder die dich zumindest noch einmal in deinen Gedanken challengen. Bei großen Sachen lohnt es sich – und das dauert gar nicht lange – die eigene Antwort auch mal kurz zu hinterfragen. Wenn du eine andere Meinung dazugeholt hast, kann es manchmal dazu führen, dass du noch eine Extra-Gedankenschleife drehst. Das ist dann eben so.

Das große Ganze hängt manchmal von kleinen Entscheidungen ab

Erst wenn du die Entscheidung selbst zu treffen hast, lernst du, wie es wirklich funktioniert.

Theoretisch klingt vieles logisch. Wir haben im Coaching viel ausprobiert, ich habe viele tolle Bücher gelesen, mir Videos angesehen – alles war hilfreich. Man hat alles im Kopf. Wir sind in der heutigen Arbeitswelt sehr weit in Selbstreflexion und Selbstoptimierung. Aber wirklich real wird es erst dann, wenn du es tust, es erlebst, in einer konkreten Praxissituation stehst.

Das erinnert mich an eine Projektsituation. Mein früherer Chef wollte von mir wissen, wie es läuft. Ich meinte: „Ich halte alle Bälle in der Luft.“ Da sagte er: „Das ist erstaunlich und freut mich auch. Aber dir ist schon klar, dass du auch mal den einen oder anderen abwerfen musst?“

So ist es mit den ganzen Weisheiten und Themen, mit denen man sich beschäftigt. Theoretisch ist alles klar. Da kannst du lange schlau mit anderen drüber reden, aber für dich selbst musst du irgendwann den Ball mal abwerfen und in die Umsetzung gehen. Erst wenn du deine Weisheit im Alltag lebst, machen schlaue Dinge wirklich Sinn.

Im Rückblick ist es toll zu erleben: „Das stimmt ja wirklich.“

Und diese Erkenntnis im Alltag zu erleben, das macht Freude. Zu erfahren, dass die eigene Entwicklung einfach nicht aufhört. Wird sie auch nicht.

Dein berufliches Engagement als Geschäftsführerin verlangt dir viel ab. Wie schaffst du den Ausgleich? Wie findest du genügend Raum für dich persönlich?

Da ist noch Luft nach oben!

Das war ein Coaching-Thema, bei dem wir nicht mehr in die Umsetzung gekommen sind, weil die Führungs-Themen wichtiger wurden.

Stimmt, die Sache mit der Work-Life-Balance war auch so eine theoretische Weisheit, die ich früher gut vor mir herschieben konnte.

Doch die aktuelle Verantwortung geht doch noch mehr an meine Energiereserven. Ich spüre deutlich, dass es jetzt vorbei sein muss, mit dem Wegschieben.

Wenn ich meine berufliche Aufgabe ernst nehme, muss ich besser auf mich achten

Mein Bewusstsein wächst: „Wenn ich diese Aufgabe hier ernst nehme und weiter mit Freude daran arbeiten möchte, dann muss ich jetzt auf mich selbst achten!“ Das hat plötzlich eine neue Relevanz bekommen.

Mache ich das schon gut genug? Nicht immer. Aber ich bin auf dem Weg. Obwohl meine berufliche Situation für mich so wichtig ist, kommt parallel eine neue Wichtigkeit dazu.

Achtsamkeit hilft interessanterweise auch. Dinge einfach mal aussprechen.

Das beste Führungsentwicklungstraining, das man sich ansehen kann, war für mich gerade Achtsam Morden, die Netflix Serie. 😉

Weißt du, mein Kopf ist ein Biest. Das kommt gerne kurz vor dem Schlafengehen – eigentlich überall, wo es nicht hingehört – mit Themen um die Ecke, von denen mein Kopf dann denkt, dass er die unbedingt sofort noch bearbeiten oder lösen, oder einfach nur noch mal durchkauen muss.

Was hilft ist, sich selbst die Frage zu stellen:

  • Löse ich das jetzt wirklich gerade?
  • Macht es jetzt für die Gesamtheit der Dinge einen Unterschied?

Wenn es einen elementaren Unterschied macht, dann muss ich handeln. 80% dieser Dinge kann ich aber in diesem Moment, mitten in der Nacht, einfach wegschieben. Denn nur weil ich gerade darüber nachdenke, wird nichts passieren.

Der kommt aus dem Film, dieser Ratschlag.

Da bin ich gerade dran. Und ich schaffe es dadurch tatsächlich, ein bisschen schneller einzuschlafen. Tut gut.

Was ist dir heute wichtig, woran du früher nie gedacht hast?

Mein Bewusstsein dafür ist gewachsen, wie viel Zeit ich eigentlich wo verbringe, das heißt mit den Menschen, die mir wirklich wichtig sind – die einen persönlichen Beitrag im Leben haben.

Da ist die Familie. Da sind Freunde, am Ende ist das ja immer so eine Handvoll. Das ist mir heute wichtiger geworden. Das gehört für mich auch zu der Frage wie ich meine Balance finde aus beruflichen Anforderungen und dem, was ich auch gern bin und tue.

Was mir nicht mehr wichtig ist? Ich muss nicht mehr so viel Party machen. Ist das das Alter? (lacht)

Gedanken denken, die nicht deine sind? Oft Zeitverschwendung!

Früher habe ich mir gerne auch Gedanken gemacht, die einfach gar nicht meine waren. Was für eine Zeitverschwendung. Und heute weiß ich, es gibt Dinge, für die lohnt es sich mehr, meinen Kopf besser und effizienter einzusetzen.

Sandra, was bedeutet Story-Coaching für dich? Was gibst du in die Suchzeile ein, um eine Coach zu finden, die so arbeitet, wie du es mit mir erlebt hast?

Wahrscheinlich würde ich schreiben, „Suche Co-Autor für meine Biographie“. Oder „Suche Produzenten, der sich traut.“ Von Anfang an mochte ich den Gedanken, dass es eine Story, ein Filmdrehbuch ist, das du selbst schreibst. Das hat für mich etwas mit Eigenverantwortlichkeit zu tun; damit, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Ich will die Verantwortung für mein Leben selbst übernehmen. Wir können keinem anderen die Verantwortung dafür geben, ob etwas funktioniert oder nicht.

Vielleicht ist es auch „Suche erfahrene Lektorin, um zwischen den Zeilen zu lesen.“ Das ist dein Markenzeichen! Das weiß ich sehr zu schätzen. Denn wir haben viel über das geredet, was nicht gesagt wurde. Das kannst du. Das ist wertvoll!

Gerade jetzt in unserem Gespräch – wenn ich mir angucke, was die letzten 14 Jahre passiert ist – du hast viel zwischen den Zeilen gelesen, wir haben auch viel über Dinge gesprochen. Und ich habe auch Dinge mitgenommen, über die wir nicht gesprochen haben. Die aber im Raum standen und mit denen ich dann arbeiten konnte. Allein oder mit dir gemeinsam.

Das Offensichtliche kann ja jeder. Du liest zwischen den Zeilen.

Sandra, ich danke dir für dieses wunderbare Gespräch mit Tiefgang. Was ist dein Fazit?

Von 2009 bis 2025 – ich spüre, ich bin noch immer dieselbe. Und das ist gut. Mit mehr Erfahrung und die Neugier und das Lernen hören hoffentlich für mich auch nicht auf.

Du hast mich daran erinnert, dass ich meiner Führungsrolle damals zuerst eine Absage erteilen wollte. Doch hätte ich das wirklich getan, hätte ich wohl heute das Gefühl, ich hätte den Stift zur Seite gelegt. Doch man darf die Lust am Weiterschreiben seiner Story nicht verlieren. Und ich hoffe, dass ich immer weiter an mir selbst, an meiner Geschichte schreiben werde, weil ich es kann.

Das ist eine wichtige Erkenntnis. Und da gibt es sicher noch einiges zu schreiben.

 

 

 

Plan A mit Mut und Konsequenz verfolgen

Wissen, wohin ich will. Wofür ich es tue. Schreiben und Leben.

Warum ein attraktives Ziel selten Plan B braucht

Ute, als ich dich um ein Interview gebeten habe, hast du sofort zugestimmt.
Wie kam das?

Ich habe mich gefreut, dass du mich fragst, weil du dir das zum 20. Unternehmensgeburtstag schenken willst. Ich dachte „Ich als Geschenk? Das ist ja mal eine spannende Idee! Ja, das mache ich auf jeden Fall.

Es war ein tolles Story-Coaching mit dir und hat mir so viel gebracht.

Danke. Was denn zum Beispiel?

Es hat mir geholfen, mich selbst zu sortieren, klarer hinzugucken:

  • Was ist das, was ich wirklich sagen möchte?
  • Mit wem spreche ich eigentlich, wenn ich etwas sage?
  • Für wen schreibe ich, wenn ich schreibe?
  • Wie bekomme ich meine Botschaft mit dem zusammen, was die Menschen brauchen, was sie hören wollen oder sollen?

Und es hat mir geholfen zu sagen: „Okay, weniger ist manchmal mehr.“

Erinnerst du dich noch an deine damalige Herausforderung?
Wonach warst du auf der Suche?

Als wir im Mai 2022 gestartet sind, war ich gerade aus meiner Teilzeitfestanstellung in der Diözese ausgestiegen und voll in die Freiberuflichkeit gegangen. Ich wollte mehr Power in die Werbung geben und packender schreiben.

Mir war klar „Ich brauche mehr Reichweite“. Ich möchte jene Menschen mehr oder anders erreichen, die sich oder etwas verändern wollen. Menschen, die Lust haben, das mithilfe von Bogenschießen und Coaching zu machen.

Zwar hatte ich schon einen Newsletter, aber noch keinen Blog auf meiner Homepage. Ich habe da vor mich hingeschrieben, wie ich dachte. Von Storytelling hatte ich gehört und dachte: „Ja, da kann ich auf jeden Fall was lernen. In eine Struktur reinzukommen zum Beispiel. Ich wollte von jemandem begleitet werden, der immer wieder sagt: „Guck noch mal hin. Viel zu viel. Kürzen!“, oder so etwas.

 

In unserer Arbeit mit „Großes Kino für dein Business“ nutzen wir eigene Widerstände gegen das Erzählen für deine besten Stories. Welche Widerstände waren es bei dir?

Es war dieses „Ich bin nicht gut genug. Der Text ist nicht gut genug, er ist noch nicht auf dem Punkt gebracht, um ihn veröffentlichen zu können. Ich mache es einfach nicht perfekt genug.“

Es gab einen inneren Zwist zwischen „Okay, eigentlich will ich raus, will dass es viele sehen, viele buchen.“ und „Wenn das jetzt alle sehen, was ich hier mache, ist es dann nicht vielleicht auch ein bisschen viel, das ich von mir preisgebe?

Kreativ starten. Perfekt liegenlassen.

Dazu kam noch meine Erfahrung, dass es nicht an der guten Anfangsidee scheitert. Doch gut zu schreiben und es zu Ende zu bringen, das war schwierig.

Dieses nicht zu Ende bringen, das kenne ich ja aus allen möglichen Bereichen des Lebens. Ich bin super im Anfangen. Habe sehr oft, schnell viele Ideen. Der Impuls, sofort loszulaufen ist immer da. Dann fange ich an, habe tausend Ideen, manchmal schreibe ich die auf, manchmal nicht.

Da war dein Tipp, sie in ein Diktiergerät zu sprechen, super. Das habe ich einige Male genutzt und dann geschrieben. Manchmal bleibt es immer noch liegen. Ich finde es Monate später und denke „Ach, guck mal. Dazu hast du auch schon was auf die Box erzählt.

Wenn nach der anfänglichen Euphorie die Energie weggeht, reicht es nicht mehr, den Text fertig zu machen. So als sei es irgendwie nicht attraktiv genug, es rund zu machen oder so. Keine Ahnung.

Ich schaffe den Zieleinlauf nur, wenn das Ziel attraktiv genug ist.

Ein spannender Gedanke…

Wenn ich nicht weiß, wofür ich etwas tue, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Das mit dem Ziel ist mir vertraut, weil es mir auch in meinen Coachings immer wieder begegnet. Ich finde es eine entscheidende Frage, ob ein Ziel auch attraktiv ist. Denn wenn es attraktiv ist, dann will ich da auch hin. Dann will ich es erreichen oder fertig machen.

„Wenn ich nicht weiß wofür, lohnt es sich genauer hinzuschauen.“
Das habe ich von dir gelernt.

Meist muss ich das Wozu dann viel genauer benennen. Mir überlegen, was die Leser*in von meinem Text oder meinem Angebot hat. Vielleicht, was ihr Nutzen ist. Und die kleinen Schritte sehen. Denn wenn ich erst in der Schweinehund-Schleife bin: „Das ist so viel, das mache ich lieber morgen“, dann wird es echt richtig schwer.

Zum Beispiel ist mir das ganz gut gelungen, als ich über das Hamsterrad geschrieben habe. Da wusste ich, „Ich will das in den in den nächsten Newsletter reinschreiben“. Okay, es ist erst der übernächste geworden, aber es war klar, „Ich will das in einem der nächsten Newsletter haben“. Genau so habe ich es geschafft.

Ein anderes Beispiel: Seit Anfang des Jahres begleitet mich das Thema „Loslassen“. Es taucht in vielen meiner Kurse und Wochenenden beim Bogenschießen auf. Es arbeitet in mir, und ich wollte gerne einen Artikel darüber schreiben. Anfang Dezember war es gut zu sagen: „Okay, das soll noch in diesem Jahr passieren!“
Ich brauche das wirklich manchmal, mir selber ein bisschen Druck zu machen.

Was gibt es für eine bessere Zeit als die Jahreswende, um übers Loslassen zu schreiben?

Stimmt. Alle reden davon. Und auf meiner Webseite findest du den fertigen Artikel jetzt natürlich.

Die Coach mit Bus und Bogen

Nach dem Großen Kino haben wir weiter gemeinsam an deinen Geschichten gearbeitet. Im Mittelpunkt stand die Coach mit Bus und Bogen. Für mich nach wie vor ein Super-Claim. Was bedeutet es für dich?

Durch den Bus habe ich ein ganz anderes Auftreten gewonnen, als ich es vorher hatte. Er ermöglicht mir, für mehr Menschen Coachingangebote zu machen. Ich bin gewachsen. Die Arbeit im Bus hat ein ganz anderes Selbstverständnis gebracht.

Und sie entspannt vieles. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken: „Wie komme ich an den Kursort? Wo lade ich mein Zeug ein und aus? Wo übernachte ich? Wann reise ich an?“ Es eröffnen sich viele neue Möglichkeiten.

 

Ute Zumkeller. Die Coach mit Bus und Bogen. Story Coaching mit Katrin

Wie wird deine ungewöhnliche Coaching-Location von Coachees angenommen?

Viele finden es total spannend, dass ich als Frau mit diesem großen Bus um die Ecke komme. Und dass ich auch so weit mit ihm unterwegs bin. Ich war in Spanien und Portugal, bin alleine hin- und zurückgefahren.

Der trockene, warme Bus mit seiner gemütlichen Sitzecke ist für meine Coachees einladend. Zielführend und offen besprechen wir hier, was ihnen wichtig ist. Ganz egal, was draußen passiert. Keine*r schaut zu oder hört, was wir sagen. Und einen Kaffee gibt es auch dazu.

Männer finden es spannend, dass ich ihn selber ausgebaut habe. Sie sind eher technikinteressiert. Vielen fällt auf, dass der Ausbau mit viel Liebe zum Detail gemacht ist und auch, dass es nicht ganz ohne handwerkliche Vorprägung passiert sein kann. Genau, da kommt mir meine Schreinerlehre sehr zugute.

Schreinerin – Jugendreferentin – Coach: Wie bist du die geworden, die du geworden bist? Welcher rote Faden hat dich zu Bus und Bogen geführt?

Der Klassiker ist: da entsteht eine Idee oder jemand setzt mir einen Floh ins Ohr; so wie mit dem Bus. Ich finde das super und ich mache es dann einfach. Also nicht ganz kopflos. Ich mache mir nur nicht so viele Gedanken darüber was wäre, wenn es nicht klappt.

Es gibt keinen Plan B

Es gibt eigentlich keinen Plan B. Plan A funktioniert. Und wenn Plan A nicht funktioniert, kann ich mir dann immer noch einen Plan B machen.

Das ist auf der einen Seite ganz cool, auf der anderen Seite stresst es mich natürlich manchmal. Weil es eben nicht immer so ist, dass Plan A funktioniert. Doch wenn es nicht funktioniert oder noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht zu Ende. Wie dieses Sprichwort vom Ende, an dem alles gut wird. Ist es das noch nicht, dann geht es  noch weiter.

„Da muss es noch irgendwie eine Abzweigung geben, an der ich an mein Ziel komme.“ Das zieht sich durch mein Leben: Ich habe eine Idee, dann gehe ich los und gucke, was daraus wird.

Woran ich noch übe, ist das Loslassen, wenn etwas wirklich nicht funktionieren will. Ich würde gern leichter sagen: „Okay, das war es offensichtlich nicht. Mal sehen, was es anderes gibt, das auch schön ist und machbar.“ Doch so oft kommt es nicht vor, dass Plan A nicht funktioniert 😊.

“Nie wieder!” Starker Antrieb für gute Stories

Wobei, eine Geschichte fällt mir da doch ein: Als wir das erste Mal telefoniert haben, saß ich hier bei mir auf dem Balkon. Du wolltest wissen, was mich zum Erzählen motiviert. Und ob ich spontan eine – für mich bedeutsame – Geschichte erzählen will.

Da habe ich dir von dem Moment erzählt, in dem ich vor dem Geldautomaten stehe und erlebe, dass kein Geld mehr rauskommt. Weil einfach nichts mehr da ist. Weil ich meinen Dispo so dermaßen überzogen habe, dass ich weiß: „Hier muss etwas ganz dringend anders laufen.

Genau das war mir auf der ersten Etappe meiner Selbständigkeit passiert. Es war der Moment, als ich wieder zurück in eine Festanstellung musste. Eine, die mir meine Brötchen bezahlt. Ich musste mir ein finanzielles Grundrauschen verschaffen. So wie ich das bis dahin mit meiner Selbstständigkeit gemacht hatte, funktionierte es nicht.

Neustart mit vollem Risiko (und besserem Plan)

Im Mai 2022, als wir beide über den Start des StoryCoachings gesprochen haben, war ich wieder dabei, den Schritt raus aus der Festanstellung und einen Neustart in die volle Freiberuflichkeit zu wagen.

Das Gefühl ohne Geld am Geldautomaten wollte ich nie wieder haben. Also musste ich etwas anders machen als beim ersten Mal und habe mich dazu entschieden, mehr für meine finanzielle Unabhängigkeit zu tun. Mir war klar, dass ich dafür mehr Menschen erreichen musste. Schon vorher hatten mir viele gesagt, dass ich unbedingt schreiben müsse.

Das wollte ich jetzt ausprobieren. „Vielleicht”, dachte ich, “ spreche ich die Menschen an, indem ich über mich erzähle. Und darüber, was ich tue. Meine Geschichten. Meine Irr- und Auswege.“

Und tatsächlich, seit ich bei dir zum Coaching war, schreiben mir Leser*innen: „Ach, das ist ja schön geschrieben.“ oder „Das ist eine gute Geschichte“. Also ich bekomme sogar positives Feedback.

Mit Pfeil und Bogen gut aufgestellt

Ute Zumkeller. Die Coach mit Bus und Bogen. Story Coaching mit Katrin KlemmDie Coach mit Bus und Bogen:
Worauf müsste die Welt verzichten, wenn es dich und dein Business, dein Angebot, dein Bogenschießen, wenn es all das nicht gäbe?

Die Welt müsste auf eine Frau verzichten, die mit viel Herzblut intuitives Bogenschießen anbietet und anleitet. Die Menschen authentisch in Veränderungsprozessen begleitet.

Sie müsste auf viele Frauen (und ein paar Männer) verzichten, die sich – durch meine Angebote mit Pfeil und Bogen – gut aufstellen und dadurch Selbstbewusstsein, Mut und neue Ideen finden, um für sich etwas neu zu gestalten.

Was macht die Arbeit mit Pfeil und Bogen so authentisch?

Du kannst dich nicht verstecken

Sobald du dich mit Pfeil und Bogen aufstellst, kannst du dich nicht verstecken. Der Bogen spiegelt dir, was gerade los ist. Er zeigt dir sofort, dass du nicht ganz hier bist mit deiner Aufmerksamkeit, sondern noch im letzten Meeting. Oder schon bei deiner nächsten Verabredung.

Er weist dich darauf hin, dass du zu angespannt bist, dass du ihn zu direktiv führst – also zu fest anfasst – statt ihn locker zu führen und so eins zu werden mit ihm. Das Treffen des Pfeils ist dann das Ergebnis aus dem, was du gemeinsam mit dem Bogen tust. Auch wenn der Pfeil woanders hingeht, als du es dir vorstellst. Manchmal ist das auch die Wiese.

Im Nachspüren merkst du, wie du damit in Resonanz gehst und kannst beim nächsten Pfeil etwas im Bewegungsablauf anpassen.

Ah, dieses „Wieder nicht getroffen…“?
Wie gehen Menschen damit um? Empfinden sie das als Misserfolg?

Ich erinnere mich an diese eine Frau. Sie kam mehrere Tage hintereinander. Beim Schießen traf kein einziger Pfeil die Scheibe. Gleichzeitig hatte sie aber am Tun – sich aufstellen und ausprobieren – Spaß. Ihre Motivation dranzubleiben lag darin, Teil der Gruppe zu sein und Spaß zu haben, auch wenn sie nicht getroffen hat. Am letzten Tag hat sie dann die ersten Pfeile auf die Scheibe getroffen. Sie hatte so eine Ruhe und wollte bis zum Ende dabei bleiben, obwohl sie sehr gezittert hat.

Sie hat über unsere Veranstaltung hinaus noch weiter trainiert. Im Jahr darauf war sie wieder dabei. Irgendwann hatte sie einen eigenen Bogen und hat in mini-kleinen Schritten für sich gemerkt: “Ah, wenn ich das auf meine Weise übe, dann wird es besser oder anders. Also probiere ich mich weiter aus.

Sie hat sich nicht unterkriegen lassen. Das war sehr beeindruckend zu beobachten.

Kannte sie das schon, was sie da beim Bogenschießen erlebt hat?

Ja, sie war Fastenleiterin in unserem Kurs und damit diejenige, die die Gruppe leitet. Jetzt war sie plötzlich Teilnehmerin. Einerseits war es nicht leicht für sie, den anderen gegenüber als Leitung nicht zu performen. Gleichzeitig war für sie aber wichtig, dass die anderen ihren Spaß und ihren Erfolg haben. Ihr eigener Erfolg stand da hinten an, das war vermutlich ihre Motivation.

Das ist drehbuchreif. Reese Whiterspoon in Wild befreit sich auf 4.260 km Pacific Crest Trail von ihren Dämonen. Matt Damon holt sich in Legende von Bagger Vance seinen Lebens-Drive auf dem Golfplatz zurück. Bei dir geschieht Entspannung beim Bogenschießen.

Wie ist dein Verhältnis zum Geschichten erzählen heute?

Oft mache ich das nicht bewusst. Das passiert, glaube ich. Manchmal überlege ich schon noch:

  • Wie ging diese Heldenreise?
  • Wo geht’s wirklich los?
  • Welche Unterstützer und Dämonen trifft die Person auf ihrem Weg?
  • Welche Fähigkeiten bringt sie als Lernerfahrungen mit in den Alltag?

Super Idee. Du kannst es immer von beiden Seiten angehen. Entweder nach Struktur. Oder einfach Geschichte erzählen und dann überprüfen, ob noch ein Strukturmerkmal fehlt, damit die Story funktioniert.

Gute Fragen öffnen Raum für gute Geschichten

Am besten gelingt mir das, wenn mich eine fragt. So wie du.

Beim StoryCoaching ging das ja häufig los mit: „Erzähl doch mal…

Was erzählst du Menschen, die mich noch nicht kennen, über meine Art zu arbeiten?

Du machst es – so wie ich auch – mit wahnsinnig viel Herzblut. Mit viel Zeit und Energie. Ich habe mich durch deine Art zu arbeiten sehr gesehen und wertgeschätzt gefühlt.

Es ist, als knipse jemand das Scheinwerferlicht an, richtet den Spot auf dich und erstmal denkst du: „Ui, ich will doch gar nicht. Wie komme ich nur schnell wieder weg hier?“ Der nächste Gedanke „Okay, ich hab mich angemeldet. Genau das wollte ich ja. Also geh ich da jetzt auch durch!

Später hab ich gesagt: „Ich schicke dir jetzt das ganze Geschreibsel einfach.“ Auch wenn ich es noch ziemlich schrottig fand.

Dabei kam es nie so schlimm. Aber eine Menge Arbeit war es dann meist doch noch!

Mit Herzblut bei der Sache

Wofür habe ich dich geschätzt – ganz kurz: Deine wertschätzende, authentische Art. Auch dein „den Finger in die Wunde legen“ und sagen: „Überleg noch mal: Für wen schreibst du? Was willst du eigentlich sagen? Aus all den schönen Ideen kannst du fünf Geschichten machen. Aber jetzt machst du erstmal eine.“

Noch kürzer:

Du bist

  • mit viel Herzblut bei der Sache.
  • eine wache Person.
  • mit deiner vollen Aufmerksamkeit da.
  • sehr gut vorbereitet. Immer.
  • wunderbar in der Lage, mich zurückzuholen, wenn ich anfange irgendwie bla bla auszuschweifen.
  • ein Mensch, der mit mir lacht und weint, je nachdem, welche Stimmung grad dran ist.
  • sofort in einer guten Verbindung mit mir ist; auch wenn es online ist. Und auch, als wir uns noch nicht persönlich kannten.

Ich finde deine Fröhlichkeit – dieses fröhliche Mitlachen – besonders. Du beherrschst den Spagat, professionell und ernsthaft zu sein und gleichzeitig freudig und neugierig mit deinem: „Erzähl mir doch mal davon.“ oder „Wie war das da eigentlich?“ Dieses Nachhaken hilft enorm.

Ja, du willst es wirklich wissen. Gleichzeitig kannst du Raum lassen.

StoryCoaching gibt Raum für die Geschichte

Ich bin selbst Coach und weiß, dass das typisch fürs Coaching ist. Wir fragen den anderen und hören zu.

Unterhalte ich mich mit Freunden, ist das meist so Ping-Pong-mäßig. Der eine sagt: „Ich habe das und das erlebt.“ Dann erwidert der andere: „Ja, genau, das kenne ich auch von so und so.“ Dann reagiert der eine immer auf das andere und so geht das hin und her.

Im Coaching mit dir ist das nicht so. Hier bleibst du bei der Geschichte der Klientin. Bei meiner Geschichte.

Ute, auf deiner Coaching-Webseite schreibst du: „Ich bringe Menschen in Bewegung.” Was hat dich dazu bewegt?

Ich habe in meiner Coaching-Ausbildung bemerkt, dass ich nicht so gut war in Eins-zu-Eins-Situationen, klassisch im Raum sitzend und Fragen stellen oder Fragen beantworten müssen. Ich bin eine, die gerne draußen in der Natur ist.

Eines Tages tauchte in einer Power-Point-Präsentation das Bild mit der Scheibe mit Pfeilen darin auf. Da dachte ich „Ach, Bogenschießen und Coaching. Das ist doch eine super Kombination. Eine Verbindung aus körperlich aktiver Bewegung in der Natur und mentaler Bewegung beim Coaching.

Gut, ganz so leicht war es dann doch nicht. Ich konnte ja selbst nicht Bogenschießen. Ich meinte, ich brauche jemanden, der Bogenschießen kann und ich mache dann das Coaching. Diese Partnerschaft hat aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. Rückblickend glaube ich, wir waren zu sehr mit uns selbst und dem Aufbau unserer jeweiligen Selbständigkeit beschäftigt. Ein Miteinander hätte zu viel Zeit und Energie gekostet.

Du konntest vorher nicht Bogen schießen?

Nein. Ich wusste, dass ich daran Spaß habe, weil ich selbst mal an einem Team-Workshop teilgenommen hatte. Aber andere anleiten im Bogenschießen? Dafür brauchste ja ne Trainer-Lizenz. Also habe ich die Ausbildung zum Coach für Intuitives Borgenschießen und angewandte Achtsamkeit beim Hakomi-Institut gemacht und bin alleine gestartet.

Plan A „Das wird schon“, wie gesagt. 😉

Was bewegt sich in deinem Leben, wenn du mit den Menschen arbeitest?
Und was bewegt sich in deren Leben durch die Arbeit mit dir?

Ich finde es spannend, wie sich durch das Bogenschießen sehr schnell zeigt, was bei den Schütz*innen gerade dran ist.

  • Wie bin ich hier?
  • Was brauche ich?
  • Warum gelingt mir dieses oder jenes heute gut oder nicht so wirklich gut?

Es bewegt mich, wie schnell dies offensichtlich wird. Die Menschen können das erst mal gut nehmen. Denn es geht für den Moment nur darum: Wie mache ich es beim Bogenschießen und mit dem Bogen? Ich muss das nicht gleich mit und in meinem ganzen Leben tun.

In einer Gruppe kommen wir über das gemeinsame Aufspannen des Bogens dahin, dass jede*r so viel von sich preisgeben kann, wie es passt. Die Themen ergeben sich durch das offene Miteinander manchmal wie von selbst.

In der 1:1-Arbeit wird das viel intensiver, weil ich andere Fragen in den Raum gebe.

Oder die Person will etwas ganz anderes; kommt mit der Motivation: Ich will wirklich im Leben etwas verändern.

Erst der Bogen. Dann das Leben.

Es ist super, wenn sich das bereits vor dem Aufspannen im Bogen zeigt. Wenn sich das dann wieder ins Leben integrieren lässt, wird es stimmig und rund.

Es beeindruckt mich sehr, dass ich Menschen mit kleinen Korrekturen beim Bogenschießen darin unterstützen kann, zu gucken: Okay, wenn ich das im Bogenschießen schaffe, wie funktioniert das dann erst in meinem echten Leben?

Was für ein fantastisches Schlusswort, liebe Ute.

Ja, finde ich auch.

 

Fotocredit Nathalie Michel

Entspannung für Kopfmenschen Goodread Nr. 10

Entspannung für Kopfmenschen

Eine Geschichte über Stress. Und wie unser Körper uns dabei hilft, ihn zu überlisten.

Schon 2018 – kein Mensch kannte das Wort Covid, den Ukraine Krieg hätte jeder für eine geschmacklose Dystopie gehalten – schreibt Sonja Panthöfer darüber, wie wir die Welt „gewissermaßen im Zustand eines Dauerbebens“ erleben. Diese Destabilisierung des Lebensgefühls sei oft „mit einem bangen Blick in die Zukunft verbunden.“

Gerade als Kopfmenschen überfordern wir unser bedauernswertes Hirn permanent. Nun versuche das arme Ding, irgendwie über den Tag zu kommen.

Ende 2024: aktuell keine Besserung in Sicht.

Entspannung für Kopfmenschen - Buch von Sonja Panthöfer GoodRead von Story Coach Katrin KlemmAls Rettung empfiehlt Panthöfer: Füße!

Denn unsere Füße sind es, die uns durchs Leben tragen. Sie nennt es “Haltung der geerdeten Zuversicht”, eine Stabilisierung, die tatsächlich von den Füßen ausgeht. Ausgerechnet der Körperteil, der am weitesten vom Kopf entfernt ist, könne unser Denken und Fühlen positiv beeinflussen.

Ihr Buch will uns mit klugen, pragmatischen und einfach machbaren Hacks zurück auf den Boden holen.

 

Weshalb ich es lese

Als ich den Buchtitel entdecke, denke ich spontan: Entspannung und Kopfmensch? Funktioniert niemals! Ich habe als ehemaliger nur-Kopfmensch da so meine Erfahrung.

Gut, in den letzten beiden Jahrzehnten habe ich mich selbst davon überzeugen dürfen, dass wir aus mehr als unserem explosiven Kernkraftwerk an Gedanken bestehen. Es macht sehr viel Sinn, gut zuzuhören, wenn unser Körper Geschichten erzählt. Mit den Jahren habe ich eine Ahnung davon bekommen, dass Frieden schließen mit Stress, mehr noch, das Gestalten von Stress eine Kooperation von Geist UND Körper ist.

Aber man lernt ja nie aus. Deshalb habe ich mich auf die unaufgeregte Schreibe der Autorin eingelassen. Sie piekt nicht mit ausgestrecktem Zeigefinger auf mich ein, sondern macht mir Vorschläge, die sie mit heiterer Überzeugungskraft begründet.

Worum es geht

Menschen, die durch ihre Art zu denken mental ständig auf höchstem Aktivitätsplateau verweilen, sind Meisterinnen darin, sich selbst unter Stress zu setzen. Dagegen hat Sonja Panthöfer was. Ihre Ideen und praktischen Anleitungen für mehr geistiges und körperliches Wohlbefinden geben Grund zur Hoffnung.

Wenn man sich drauf einlässt und einfach mal macht.

Kopfmenschen – wer gehört dazu?

Panthöfers Steckbrief – Kopfmenschen:

  • sind klug, wach, rational im Denken, logisch, strukturiert.
  • legen Fokus auf Fakten und eine analytischen Herangehensweise.
  • sind wissbegierig, effizient, bevorzugen intellektuelle Aufgaben.
  • Stress verstärkt ihre Neigung zum Grübeln. Denn weil sie Probleme mit dem Abschalten haben, krititisieren sie sich auch noch dafür.

In der Regel sind es besonders die klugen Köpfe die an Atem- oder Achtsamkeitsübungen scheitern, weil sie just in dem Moment wo es darauf ankäme, loszulassen in einer Ambivalenz stecken bleiben. Denn mindestens genauso lautstark wie die Sehnsucht nach innerer Ruhe meldet sich in diesen Momenten eine innere Stimme zu Wort die das kritische Hinterfragen nicht abstellen kann”. (S.54)

Die Denkfallen der Kopfmenschen

Sonja Panthöfer stellt uns eine Reihe Denkfallen vor, denen du als gestresster Kopfmensch mit Sicherheit schon begegnet bist

Denkfallen sind bei ihr “lieb gewordene Denkgewohnheiten, die das Gefühl von Stress verstärken können und die den Wahrnehmungshorizont einschränken. Es sind Gewohnheiten bei denen uns entfallen ist, dass es sich nicht um Charaktereigenschaften handelt“.

Genau das, was ich als StoryCoach Geschichten nenne. Geschichten, die wir uns in Dauerschleife erzählen, ohne dass sie uns auch nur ein Stück vorwärtsbringen.

Ein paar besonders fiese Geschichten von Kopfmenschen

  • Alles-immer-und-noch-nie-Credo: „Das passiert immer nur mir!“ oder „Bei so etwas habe ich nie Glück
  • Ach hätte ich doch nur (nicht)…“ – als „K2-Beschwörerin“ nutzt du den zweiten Konjunktiv, um zu betrauern, was du eh nicht mehr ändern kannst.
  • Opfermentalität: Selbstmitleid in Dauerschleife, mit dem du dir selbst und deinem Umfeld gehörig auf den Wecker gehst.
  • Perfektionismus, der deine Zufriedenheit mit zu erfüllenden Aufgabe immer wieder in die Zukunft verschiebt. Angegossen wie eine Rüstung funktioniert er gleichzeitig wie ein Korsett, das dir die Luft abschnür

 

Das Erfreuliche: Gewohnheiten lassen sich ändern.

Neue für Geschichten für Kopfmenschen

Neben der gut lesbaren Aufklärung über das, was wir im Oberstübchen treiben, um unseren Stress selbst herzustellen, findest du im Buch viele handfeste humorvolle Anleitungen.

Hier zwei meiner persönlichen Favoriten. Beide haben bei  mir den wiederholten Alltagstest mit 5 Sternen bestanden.

So lassen Kopfmenschen Dampf ab

Blitzableiter

Wenn du mal richtig “geladen” bist, mit deinem Ärger / Zorn / Hilflosigkeit nicht weißt wohin, nutze dein Ausatmen. Stell dich mit beiden Beinen fest auf den Boden und stoße beim Ausatmen ein kurzes kräftiges „Sch…“  aus (die ersten drei Buchstaben des beliebten Schimpfwortes genügen). Wiederhole das ein paar Mal und erlebe, wie dein Bauch sich dabei zusammenzieht.

On top lass deinen Oberkörper dabei nach vorn und unten fallen. Fünf bis sieben Mal, dann ist alles raus.

So freunden sich Kopfmenschen mit sich selbst an

Freundliche Geste

Denke an einen Menschen, der dir etwas bedeutet. Das geht mit geschlossenen, aber auch mit offenen Augen. Stell dir vor, dieser Mensch lächelt dich an. Vertiefe dich in dieses Lächeln. Spüre, was es auslöst. Wenn du magst, lächle zurück.

Und dann schenke dieses Lächeln dir selbst. Beobachte, was geschieht. Mit ein klein bisschen Übung gelingt es dir, diese Lächeln dorthin zu lenken, wo du dich verspannt fühlst. Genieße die Entspannung einen Augenblick lang.

 

Ich empfehle das Buch

Menschen, die

  • eine Sehnsucht nach einer Haltung der geerdeten Zuversicht spüren
  • erfahren wollen, wie sich unser Körper und Geist durch den Alltag bewegen
  • sich gern auf Augenhöhe aus vorgefassten Meinungen heraushelfen lassen. Die neugierig sind auf Experimente, die sich durch eingängige Alltagsbilder – Kompass – Wäscheleine – Barometer ohne viel Fachchinesisch ins Leben integrieren lassen
  • mehr gesunde Selbstliebe entwickeln, sich ok finden wollen, mit all ihren Stärken und Schwächen

Selbst wenn es für dich als aufgeklärten Skeptiker es eine Herausforderung sein kann auf eine solche Weise mit dem eigenen Körper zu kommunizieren. Aber eine die es wert ist.

Fazit

Gelassene Heiterkeit. Ein Zustand, in dem ich mich immer mehr zu Hause fühle. Dieses Buch zeigt dir, wie du sie herstellen, erleben und genießen kannst.

 

Wie es der Selbstbestimmung ergeht, wenn Träume platzen

Gestern ist der Flieger TG2102 wohlbehalten in Chiang Mai | Thailand gelandet.

Ich saß nicht drin.

Falls du eine geplatzte Workation für ein Luxusproblem hältst, lies jetzt bitte nicht weiter. Willst du hingegen wissen, weshalb das eine echte Challenge für mich ist, willkommen.

Katrin Klemm StoryCoach über Freiheit und Selbstbestimmung, auch wenn Träume platzen

 

Sieben Wochen Thailand bedeuten für mich weit mehr als nur barfuß am Sonnenstrand einen Cocktail schlürfen.

Sie verkörpern für mich kostbare Werte, nach denen ich mich lange Zeit in meinem Leben gesehnt, sie kaum für lebbar gehalten, später fremdbestaunt und schließlich doch erobert habe: Freiheit und Selbstbestimmung.

Freiheit und Selbstbestimmung

Warum?

Aufgewachsen hinter dem Eisernen Vorhang wusste ich damals nur aus dem Geographielehrbuch, dass Asien hinter dem Ural noch weiter geht. Familienurlaub fand an der Ostsee, oder auch mal in Ungarn am Balaton statt – das war schon ein gewisser Luxus.

Nach dem Mauerfall war erst einmal Überleben angesagt. Ich schliff mich stromlinienförmig, um in eine Konzernlandschaft zu passen. Dafür hat man mich gut entlohnt. Ich begann zu reisen. Thailand wurde mein Land. Ich verliebte mich auf Anhieb in die aufgeschlossenen Menschen, das phantastische Essen einfacher Garküchen, das farbenprächtige Leben über und unter Wasser.

Anfang der 2000er startete ich in die Selbständigkeit. Da machst du Pläne für alles Mögliche… Urlaub gehört nicht dazu. Auch später wurden es nie mehr als 2 Wochen. Das Business musste weitergehen. Und es ging weiter: Coaching, Training, Bücher – alles selbstbestimmt. Häufig anstrengend, doch ich beschwere mich nicht. Denn mein Business ist immer erfüllend.

Es gibt ja immer schlaue Leute, die empfehlen, ein Business nur dann zu machen, wenn wir es skalieren können. Doch ich will kein skalierbares Business. Denn meine 1:1-Coaching-, 1:4-LifeStory- oder 1:many-Moderations-Arbeit ist nicht nur das, was ich am meisten liebe. Es ist das, was meinen Klient*innen – jenen, die wirklich dicke Bretter bohren und nicht nur ein bisschen Kosmetik wollen – am meisten bringt.

Die Sehnsucht blieb

Doch da war diese Sehnsucht, für die ich noch keinen Namen hatte. Eine Sehnsucht nach tieferem Eintauchen, einem wirklich Da-Sein, sich aufs Land weit mehr einlassen als in zwei Wochen als Touristin möglich ist.

Practise what you preach. Zu meinen wichtigsten Arbeitsprinzipen gehört, dass ich nur von Klientinnen verlangen würde, was ich selbst bereit bin zu leisten. Ein LifeStoryDesign – ganz gleich ob in Hamburg oder Portugal – klingt auch in mir persönlich immer nach.

Der Sehnsucht auf die Spur kommen

Als Prototyp begann das Jahr 2019 mit Arbeiten und Leben in Thailand. Erst waren es vier, dann fünf, dann sechs Wochen. Menschen wurden zu Freunden. In diesem Jahr wären es sieben Wochen geworden. Doch eine Knieverletzung verbot das Fliegen.

Ja, ich war enttäuscht, wütend, abgrundtief traurig – das hatte seine Zeit. Jetzt nehme ich meine Challenge an: Freiheit und Selbstbestimmung im nasskalten deutschen Norden finden.

Aber wie?

  • Weiterarbeiten, als wäre nichts gewesen?
  • Mir warme Gedanken machen?
  • Täglich mit Laptop in die Sauna?

Ich weiß es noch nicht.

Erstmal muss ich Stiefel kaufen für den Winter in Hamburg. Ein anderes Luxusproblem? Oh nein, denn ich gehöre nicht zu den Frauen, die darin Freude finden. Lieber geh ich freiwillig zum Zahnarzt.

PS: Aber warte mal, eine Idee hab ich – jetzt wo ich im Lande bleibe, nutze ich doch meine Freiheit und lade einfach zu einem weiteren StoryTeller ein – am 31. Januar um 19 Uhr – Thema: Geplatzte Träume – Küche: Thailändisch. Lust dabei zu sein? Sei herzlich willkommen und sichere dir deinen Platz beim StoryTeller an meinem Hamburger Küchentisch.