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StoryCoaching ist wie gemeinsam Tandem fahren

Saskia Hagendorf ist Beraterin für effektive Zusammenarbeit, vielfältiges Allround-Talent als Assistenz und zuverlässige Sparringspartnerin für Führungskräfte. Ich darf sie seit Jahren auf ihrem Weg begleiten.

Saskia, wir kennen uns aus dem Frauen Netzwerk Ladies Mentoring. Dort hast du dich 2016 für ein Strategisches Karriere-Coaching beworben.

Wie beschreibst du heute deine Herausforderung von damals? Wonach warst du auf der Suche?

Ich war damals immer “nur” die Assistenz

Ich habe zu dem Zeitpunkt in einem kleinen Unternehmen als Assistentin der Geschäftsführung gearbeitet. Da landen viele Aufgaben auf dem Tisch der Assistenz.

Mein Ziel war, diese Assistenz-Tätigkeit als Karriere-Schritt ins Projektmanagement zu nutzen. Die Aufgaben einer Projektmanagerin hatte ich schon längst übernommen. Doch ich bekam den Titel nicht dazu.
Ich war „nur“ die Assistenz.

Wie stelle ich mir so eine klassische Assistenz von damals vor?

Das gute Mädchen im Unternehmen

Die klassische Assistenz – so die Geschichte in meinem Kopf – hat die ganzen Termine koordiniert, hat die Reisen gebucht, die Kalender gepflegt. Sie war für alle Themen da. Sozusagen das gute Mädchen im Unternehmen.

Doch du wolltest nicht länger das gute Mädchen, sondern viel mehr Projektmanagerin sein. Was war schwierig an diesem Schritt?

Die Herausforderung lag in der Unternehmensgröße. In kleinen Unternehmen sind natürlich nicht unendlich viele Stellen frei, um den nächsten Schritt in diese Richtung zu gehen.

Ich habe die Aufgaben übernommen, wirklich einige Projekte im Unternehmen umgesetzt, doch mir wurde kein Titel zugestanden, der der Verantwortung dieser Rolle gerecht wurde. Das hat mich gestört.

Jetzt könnte man natürlich fragen: „Ja, warum bist du dann nicht woanders hin gegangen?

Tja, es war einfach immer mein Traumjob. In meiner Traumbranche. Ich habe für dieses Unternehmen gelebt. Das heißt, ich habe auch private und sogar meine Familienpläne verschoben. Das zeigt mir, wie wichtig mir dieser Job an sich war. Ich wollte nicht weggehen, sondern mich im Unternehmen entwickeln.

An genau diesem Punkt stand ich zum Start des Karriere-Coachings. Ich wollte eigentlich im Unternehmen bleiben – doch mehr als die Assistenz sein. Und dachte mir:

Gut, wenn da mal jemand anders mit mir gemeinsam drauf schaut, wie das möglich wäre.

Assistenz damals und heute: Ich habe den Eindruck, da hat sich mächtig was verändert?

Für mich war eine Assistenz früher jemand, der von jemandem anders abhängig ist. Von einem Geschäftsführer oder Vorstand; immer diese Abhängigkeit von einer Person oder einem Team.

Assistenz als Sparringspartner – eine neue Story

Inzwischen habe ich mit vielen Assistenzen gesprochen. Ich habe mich in dem Bereich mehr vernetzt und gesehen, wie vielseitig dieser Beruf eigentlich ist.
2016 hatte ich noch nicht verstanden, wie wichtig die Rolle der Assistenz im Unternehmen ist. Dass sie wirklich ein Sparringspartner für die Führungskräfte ist.

Dass ich letztlich doch aus dem Unternehmen ausgetreten bin, hatte damit zu tun, dass ich Mama geworden bin. Ich habe deutlich gemacht, dass ich keine 40-Stunden-Woche im Event Management mehr machen will. Das funktioniert nicht mit kleinem Kind, und das wollte ich auch nicht für uns als Familie.

Damit begann mein Trennungsprozess vom Unternehmen. Ein emotionaler Weg, denn ich spürte: Ich kann jetzt nicht für irgendein anderes Unternehmen arbeiten. Ich konnte mich mit keinem mehr so identifizieren.

“Hinter mir selbst kann ich stehen”

Damit stand ich vor der Frage: „Okay, was mache ich jetzt?

Natürlich hatte ich Bewerbungsgespräche für Teilzeitstellen, auch bei großen Marken. Aber ich habe gemerkt, es catcht mich nicht. Es ist nicht so, dass ich dafür alles andere stehen und liegen lassen würde, um zu sagen: „Das ist jetzt mein Traumjob.“

Ich hing einfach emotional noch sehr am Unternehmen; konnte mir nicht vorstellen, für irgendjemand anders – vielleicht außer mir selbst – so viel Kraft und Zeit zu investieren.

Meine Entscheidung:
Dann mache ich mich selbstständig. Denn hinter mir kann ich stehen!“ So kam der Entschluss, als virtuelle Assistenz zu gründen.

Wie hat dir die Gründung dabei geholfen, den emotionalen Trennungsprozess für dich positiv zu gestalten?

Durch die Gründung habe ich mir auch jene Dinge sehr genau angeschaut, die mich in Unternehmen gestört haben. Zum Beispiel diese Abhängigkeit von anderen.

Ab sofort konnte ich entscheiden, welche Aufgaben ich wann mache, mit welchen Kunden ich zusammenarbeite. Ich war viel, viel selbstständiger. Konnte viel flexibler sein. Dadurch konnte ich mir auch meine Familien-Zeiten selber einteilen. Keiner schaut mich schief an, wenn ich drei Stunden Mittagspause mache und dafür am Abend noch mal arbeite.

Ich habe erkannt, dass es von den Rahmenbedingungen her deutlich besser lief, als es im Unternehmen möglich war.

Außerdem war meine Stelle im alten Unternehmen inzwischen komplett weg. Auch das hat mir bei meiner Entscheidung „geholfen“. Mein Job wurde nicht durch jemand anderen besetzt, sondern die Firma löste sich am Ende tatsächlich auf.

Vor neun Jahren haben wir ein Best- und ein WorstCase-Szenario erarbeitet, wir haben zwei mögliche Ausgänge der Geschichte entworfen. Wenn du dir das heute anschaust, wo siehst du dich?

Beispiel Zukunftsgeschichte mit Szenariotechnik Katrin Klemm

Die Geschichte ist gut ausgegangen

Wenn ich mir das anschaue, bin ich eindeutig auf der BestCase Seite.

Denn tatsächlich habe ich immer spannenden Projekte, ob lang- oder kurzfristig. Ich suche mir aus, welche Projekte ich machen möchte. Die wo ich sage: „Ach, das reizt mich irgendwie gar nicht“, die mache ich nicht.

Ich schlafe ruhiger, definitiv. Ich kann meinen Tag planen, habe die Flexibilität dann zu arbeiten, wann ich möchte und kann mir das so einteilen, dass es auch hier zu Hause mit der Familie gut funktioniert. Ich arbeite fast nur im Homeoffice, bin selten woanders. Urlaubstage brauche ich auch nicht einzureichen.

Natürlich hat Selbstständigkeit auch immer Schattenseiten. Da brauchen wir nicht drüber reden.

Wenn es einen roten Faden gibt – bestimmte Themen, die sich durch deine Entwicklung ziehen – welche sind es?

Gerade bei der Gründung habe ich mich viel damit befasst:

  • Was will ich eigentlich?
  • Wo soll es für mich hingehen?

Manche Geschichten muss man mehrmals lesen

Ich habe John Streleckys Café am Rande der Welt fünfmal gelesen. Das wurde mir ständig empfohlen. Doch ich konnte es nie greifen und dachte: „Was wollen die alle mit diesem Buch?

Dann habe ich es vor der Gründung noch mal gelesen und mir war klar: „Jetzt weiß ich es.“

 

Saskia Hagendorf Ich unterstütze andere dabei, Höchstleistungen zu bringen

Es geht im Buch um den Zweck der Existenz. Für mich habe ich dabei diesen roten Faden tatsächlich herausgefunden: Mein Zweck der Existenz ist, andere dabei zu unterstützen, persönliche Höchstleistungen zu bringen.

Das habe ich im Unternehmen gemacht. Das habe ich bereits mit 13 Jahren als Tischtennis-Trainerin gemacht. Das mache ich jetzt mit meinen Kindern.

Freiraum für Höchstleistungen schaffen

Und genau das tue ich für meine Kunden. Ich möchte, dass sie den Freiraum haben, persönliche Höchstleistungen zu bringen, also ihr Expertenwissen einzubringen, da, wo sie es können.

Genau das mache ich auch in meinen Workshops. Ich versuche immer, das Beste aus der Person rauszubekommen, ohne dass sie sich selbst in eine andere Person verwandeln müsste.

Dieser „Zweck der Existenz“ – vielleicht klingt das auch ein bisschen hochtrabend – ich nenne ihn lieber „meinen Leitstern“ – er hilft mir zu sondieren, was ist wirklich wichtig? Was passt zu mir?

Saskia, gab es auch Momente, in denen du gezweifelt hast? In denen du hinschmeißen wolltest? Denn eine Selbstständigkeit mit zuerst einem, dann zwei Kindern, ist ja nicht immer easy peasy…

Da fallen mir vor allem drei Momente ein.

Aufklärungsarbeit „Was bitte ist eine VA?“

Die erste Hürde war, dass ich 2018 – als ich gegründet habe – erst einmal viel Erklärungsarbeit leisten musste.

Der Begriff „Virtuelle Assistenz“ war in Deutschland noch nicht wirklich bekannt. Ich musste ganz, ganz viel erklären: Was ist das? Wie funktioniert das? Dass ich nicht Siri oder Google bin als virtuelle Assistenz, sondern wirklich eine reale Person, die Arbeit abnimmt. In den USA war das damals schon sehr groß, und jetzt auch in Deutschland gang und gäbe. Inzwischen sieht man gefühlt an jeder Ecke, was eine virtuelle Assistenz ist und dass es das gibt.

Die eigene Mutter Unternehmerin

Die nächste Schwierigkeit kam aus einer unerwarteten Ecke.

Ich komme aus einer Unternehmer-Familie. Meine Mama ist schon viele Jahre als Dolmetscherin und Übersetzerin selbstständig. Deshalb hatte ich mit einem Jubelschrei „Ja, mach das unbedingt“ gerechnet, wenn ich ihr erzähle, dass ich mich selbstständig mache. Doch sie hat mir erstmal aufgezählt, worauf ich alles achten muss, was Selbstständigkeit überhaupt bedeutet und dass man weiß, dass man selber für die Rente einzahlen und Krankenkasse selber tragen muss.

Ich sage: „Mama, ich weiß. Ich weiß das. Ich habe mich informiert.“

Aber ich hatte natürlich mit einer anderen Reaktion gerechnet als „Denk bitte daran, daran, daran, daran, daran.“ Ich weiß natürlich, dass sie es gut meinte und genau die Dinge aufdecken wollte, woran andere scheitern. Heute ist sie auch sehr stolz, dass es so gelaufen ist.

Selbstzweifel als Begleiter

Dann wurde es mit der zweiten Elternzeit – meine zweite Tochter ist im Juni 22 geboren – nochmal knifflig. Ich habe nach fünf Monaten wieder angefangen zu arbeiten. Zum einen hat mir die Arbeit wirklich gefehlt. Zum anderen wollte ich meine Kunden nicht so lange warten lassen.

Ich habe im März 24 einen neuen Kunden gewonnen, habe mir viele Gedanken gemacht: Wie funktioniert das? Wie arbeite ich mit langfristigen Kunden – die Betreuung umfasst viele Stunden – überhaupt zusammen?

Eines Tages kam unerwartet ein langes kritisches Feedback von einem Kunden: In einigen Punkten passe es nicht so. Er würde es hier und da und dort ganz anders machen.

In dem Moment habe ich sehr gezweifelt. An mir. An meiner Art zu arbeiten. Ich dachte: „Nein, bis Ende der Elternzeit brauche ich zwei feste Kunden und weitere Projekte. „Was passiert, wenn dieser Kunde nicht kommt? Oder keine langfristige Zusammenarbeit will?“

Der Druck, den ich mir selbst gemacht habe: „Jetzt muss es doch wieder richtig anlaufen. Jetzt muss es doch wieder funktionieren.“ haben mich das Feedback negativer aufnehmen lassen, als es eigentlich gemeint war. Doch ich habe mir intensiv Gedanken gemacht und meinen Mut zusammengenommen – vieles konnten wir klären.

Heute weiß ich, es gehört oft zum Anfangsprozess der Zusammenarbeit dazu, sich und die gegenseitige Arbeitsweise kennenzulernen und zu verstehen. So legten wir einige Grundregeln fest, diskutierten viele Punkte, wie wir besser und effektiver miteinander arbeiten können. Ich bin sehr froh, dass ich es angesprochen habe, denn jetzt arbeiten wir super seit über einem Jahr zusammen.

Doch Ja, das war ein Moment des Zweifels „Oha, ob das jetzt der richtige Weg war, das weiterzumachen?

Zweifel als Lernchance nutzen

Doch im Rückblick beweist es mir wieder: Jede Assistenz und jede Führungskraft müssen einen eigenen Weg finden, zusammenzuarbeiten. Es braucht diesen Prozess. Und diese längere Klärung – das war unser Prozess.

Es ist eine besondere Herausforderung, sich auf jeden Kunden einzeln einzustellen, oder? Das braucht viel Fingerspitzengefühl. Arbeitest du mit jedem Kunden? Wie wählst du Kunden aus, die zu dir passen?

Ich weiß nicht, ob das immer ein Fingerspitzengefühl ist. Es ist ganz, ganz viel Kommunikation.

Als gefühlte Norddeutsche bin ich Freund von direkter Kommunikation. Sobald ich bemerke, dass etwas nicht ausgesprochen wird, weiß ich, da passt irgendwas nicht. Doch es muss vor allem menschlich zusammenpassen.

Ich habe Kunden, mit denen arbeite ich seit 2019 zusammen, wirklich regelmäßig, wir verstehen uns richtig gut und können gut zusammenarbeiten. Doch nicht jede Assistenz passt auch zu jeder Führungskraft.

Ich bin zum Beispiel jemand, der Sachen auch schnell mal umschmeißt und sagt: „Das macht überhaupt keinen Sinn. Lass uns das mal anders aufbauen.“
Gerade bei Selbstständigen als Kunden – wenn sozusagen das eigene „Baby“ angefasst wird – und wir an diesem „Baby“ etwas verändern müssen, kann es manchmal schwierig sein. Doch wenn es nicht zu mir als Assistenz passt, nehme ich den Auftrag nicht an.

Das klingt, als würden deine Kunden und Kundinnen ein kleines „Assessment Center“ durchlaufen, um sicher zu stellen, ob ihr zusammenpasst?

Ich nehme meist nur zwei langfristige Kunden an, die ich wirklich täglich betreue. Denn ich gebe auch viele Workshops und will meinen Freiraum und genügend Flexibilität für kurzfristige Projekte haben.

Lerne ich einen neuen Kunden kennen, vereinbaren wir immer eine Testzeit. Wenn beide sagen: „Es funktioniert, unsere Arbeitsweisen passen zusammen.“, dann gebe ich noch einmal direkt Feedback, in dem ich alles ausspreche, was mir aufgefallen ist. Und dann sagt man immer noch mal: „Ja, das passt“. Oder man verlängert halt dann nicht.

Tägliche Kundenbetreuung und zusätzlich Projektarbeit? Wie vielfältig sieht dein Alltag heute aus?

Assistenz heißt Freiraum und Flexibilität

Ich gliedere meine Arbeit in zwei Bereiche. Einerseits das Operative, also die virtuelle Assistenz. Auf der anderen Seite die Beratung oder die Trainertätigkeit.

Als Virtuelle Assistenz übernehme ich fast alle Aufgaben außer das Buchen von Flügen. Reisebuchung und vorbereitende Buchhaltung habe ich schon im Angestelltenverhältnis nicht gern gemacht. Hier sage ich: „Das möchte ich einfach nicht, es gibt andere, die besser und auch effektiver sind.“

Aber dieses Thema Optimierung im Unternehmen, Aufgaben oder Projekte zu planen – wann muss was erledigt werden -, andere Menschen zu strukturieren, das fällt mir sehr leicht. Es ist die Event-Managerin in mir, die dann sagt: „Okay, das sind die Aufgaben. Das machen wir jetzt!“

Sparringspartnerin für meine Kunden

Ich bin für meine Kunden als Sparringpartnerin da. Wir sprechen Ideen durch, und ich bringe meine Expertise und meine Meinung als Unternehmerin mit ein. Wie können wir etwas aufbauen, es strukturieren und direkt im Unternehmen umsetzen?

Geht es zum Beispiel um eine neue Website gehe ich mit den Unternehmern ins Gespräch:

  • Wie könnte das aussehen?
  • Wie können wir das machen?
  • Wen holen wir als Dienstleister ins Boot?

Dann koordiniere ich das komplette Projekt.

Für einen anderen Kunden habe ich einen Onboarding-Prozess aufgebaut. Frage: Was steht an und was davon kann ich übernehmen? Oder: Wo suchen wir uns jemanden? Dann suche ich jemanden und briefe denjenigen, die Aufgaben zu übernehmen.

Solo-Selbstständige oder Start-ups schätzen es, mit jemandem zu arbeiten, der selbst gegründet, schon Erfahrungen in diesem Bereich hat, und selbst über ein großes Netzwerk verfügt, und damit weiß, wen er ansprechen kann.

Andere Menschen, andere Projekte zu strukturieren, das fällt mir total leicht. Das liegt an meinem starken Ordnungsmotiv. Ich brauche immer einen Plan und arbeite dann einzelne Schritte ab. Das ist genau das, was ich meinen Virtuelle-Assistenzkunden dann anbiete.

Diese Vielfalt und der Blick als Unternehmerin für andere Unternehmer, das gibt deinen Kunden ein fast unbezahlbares Extra obendrauf.

On top kommen dann noch die Workshops, die du gibst.

Das ist der andere Bereich, das Thema Beratung. Einerseits berate ich Führungskräfte, wie sie mit einer Assistenz effektiver zusammenarbeiten können. Wie sie Zeit gewinnen, entweder für strategische oder kreative Themen. Oder wirklich freie Zeit.

Auf der anderen Seite trainiere und schule ich Assistenzen, vor allem im Unternehmen zu neuen Tools, Strukturen oder darin, intern als Assistenzen besser zu netzwerken.

Du sagst oben: „Hinter mir kann ich immer stehen“. Wer ist die Person, hinter der du dann stehst? Was zeichnet sie aus?

Strukturiert – vielseitig – vernetzt

Ich habe das Ordnungsmotiv angesprochen, dieses Thema Struktur, Planung und Schritt für Schritt vorgehen. Das ist etwas, was mir total liegt, was mir Energie gibt, wenn ich einen Plan habe.

Ich brauche die Abwechslung und es zeichnet mich auch aus, dass ich in viele Themen reinschaue, mir Ideen hole. Teilweise tauche ich auch sehr tief in manche Themen ein, obwohl ich noch nicht weiß, ob ich es irgendwie brauchen kann. Doch es interessiert mich einfach in dem Moment.

“Ich muss nicht alles wissen.
Doch ich weiß, wer es weiß.”

Ich bin ein Mensch mit einem sehr guten Netzwerk in alle möglichen Richtungen. Das setze ich sehr gern ein und öffne meine Kontakte auch für andere. Bekomme ich eine Frage, auf die ich keine Antwort habe, dann kenne ich jemanden, der hat diese Antwort hat und kann die Person ansprechen.

Heute kann ich wirklich sagen: Ich liebe den Assistenzberuf.
Es ist ein wirklich toller Beruf und sehr, sehr vielseitig. Damals habe ich das noch nicht verstanden. Zusätzlich kannte ich keine guten Assistenzen, die ich durch meine Netzwerkkontakte jetzt habe.

Was hat die Arbeits-Welt davon, wenn das Verhältnis zwischen Führungskräften und Assistenzen heute ein ganz anderes ist?

Sobald eine Assistenz und eine Führungskraft im Unternehmen wirklich funktionieren, sich „blind“ verstehen, merkt man das im kompletten Unternehmen. Es spiegelt sich in alle Abteilungen oder Hierarchien hindurch.

Woran kann man das beobachten?

Moderne Assistenz: entspannte Führungskraft

Die Führungskraft ist entspannter. Sie hat jemanden, den sie ansprechen kann. Gleichzeitig ist sie erreichbarer durch die Assistenz. Bei einer Anfrage an die Assistenz kann man sich drauf verlassen, dass sie wirklich geklärt wird. Auch wenn die Führungskraft unterwegs ist.

Ich vergleiche es gern mit einer Ehe – zwei Personen, die viel Zeit miteinander verbringen und gemeinsam hinter einer Sache stehen. Es geht um Kommunikation und um gute Beziehungen zueinander. Wenn diese Beziehung funktioniert, funktioniert das komplette Konstrukt. Das gilt für die Familie genauso wie für ein Unternehmen.

Wenn sich Führungskräfte genau darauf fokussieren, was sie wirklich gut können und wofür sie gebraucht werden (und nicht noch alles andere machen, weil sie denken, sie müssen alles selber machen), wenn sie Dinge konsequent abgeben, bin ich sicher, dann hätten wir weniger Burnout in Führungsetagen. Wir hätten mehr Familien, in der die Eltern Führungskräfte sein UND ihre Kinder sehen können. Glücklichere Führungskräfte.

Im Briefing zum Strategischen Karrierecoaching hast du gesagt „Ich will mich nicht mehr herumärgern. Ich will glücklich sein. Und wenn ich raus will, lieber früher als später!

Du berätst heute andere Assistenzen. Begegnet dir das, was du damals erlebt hast, heute bei ihnen? Wenn du wahrnimmst, sie oder er sind nicht happy in dem, was sie tun, was empfiehlst du?

Das Wichtige ist, immer Alternativen aufzuzeigen. In einer solchen Situation kommt die Assistenz nicht darum herum, sich die Frage zu stellen: „Was will ich wirklich?“

Wenn sie, so wie ich damals, eigentlich nicht aus dem Unternehmen raus möchte, sollte sie überlegen:

  • Wie kann ich diese Position anders gestalten?
  • Welche Punkte sind es, die mich begeistern?
  • Warum möchte ich dortbleiben?
  • Hat das so viel Wert, dass sich andere Dinge vielleicht aufheben?

Ich ermutige Assistenzen immer dazu, offen auf die Führungskräfte zuzugehen, Feedback zu geben und sich auch Feedback zu holen. Es hilft keinem, dieses „Ja, ja, ja, mache ich, mache ich, mache ich…“ und dann abzuarbeiten.

Aktive Assistenzen gestalten selbstbewusst ihre eigene Job-Geschichte

Assistenzen dürfen auch fordern, selbst in eine gewünschte Position zu kommen und deutlich zu machen: „Ich möchte bitte diese Aufgabe übernehmen. Ich denke, weil ich die und die Punkte schon gemacht habe, kann ich das richtig gut.“

Assistenzen dürfen mehr Selbstbewusstsein für die eigene Rolle haben und für ihre Themen besser einstehen. Dann können sie sich vielleicht im Unternehmen entwickeln, falls das ihr Ziel ist. Spannendes Fachwort dafür ist Jobcrafting.

Das nächste, das ich zu hinterfragen rate:

  • Bin ich am richtigen Ort?
  • Bin ich in der richtigen Rolle?
  • Sind das die richtigen Aufgaben?
  • Was kann ich in meiner Macht tun und ändern, damit ich nicht in diese Situation komme, zu sagen: „Ich ärgere mich, ich bin nicht glücklich in meinem Job.“

Das Leben ist so kurz. Die Arbeitszeit nimmt so viel Raum ein. Ich möchte nicht, dass eine Assistenz sagt: „Es ist schon wieder Montag. Ich möchte da nicht schon wieder hin. Ich habe keine Lust auf meine Arbeit. Ich arbeite nicht gerne.“

Wir haben heute so viele Möglichkeiten zu sagen: „Mein Job soll mich glücklich machen. Er soll mich erfüllen.“ Der Sinn in der eigenen Arbeit kann ganz unterschiedlich sein. Doch ich möchte nicht, dass Menschen unglücklich auf der Arbeit sind. Denn da stimmt dann etwas nicht.

Diese starke Botschaft „Du kannst etwas tun für dich. Und zwar viel mehr als nur schnell wegzurennen…!“, die teilen wir, Saskia – du in Workshops für Assistenzen und ich als StoryCoach.

[Anmerkung: wenn du selbst JETZT etwas ändern willst, willkommen bei Design Your LifeStory]

Doch der Begriff „Story“ assoziiert oft blitzschnell die Nutzung als Marketing-Tool. Wie erklärst du jemandem, der sich unter meiner Arbeit als StoryCoach noch gar nichts vorstellen kann, was ich tue und wie es wirkt?

Kurzfassung?

Klar.

Katrin macht sichtbar, was bereits in uns ist. Das ist Storycoaching

Katrin macht das sichtbar, was bereits in uns ist, in Form von Geschichten.
Genau das ist dein Markenzeichen. Du schaust nicht, was alle anderen auch machen.

Sondern du schaust wirklich: „Was sind die Punkte und die wichtigen Aspekte in deinem Leben, in deiner Entwicklung, in deinen Kompetenzen? Wie kannst du die einfach anders ausdrücken?“

Wir kennen uns schon sehr lange. Du kennst meine ganze Geschichte. Deshalb wusste ich sofort, dass das passt, wenn ich jetzt noch mehr von meiner Geschichte draußen erzählen will.

Und weil du genau zuhörst, kannst du mit Leichtigkeit noch mal andere Sachen rauskitzeln und aussprechen:

  • Aber was ist denn damit?
  • Hast du daran schon gedacht?
  • Da war doch noch eine ganz andere Situation… erzähl mir mehr.

Worauf darf man sich einstellen, wenn man mit mir zusammenarbeitet?

Ich glaube, man muss selbst eine Offenheit und eine Neugier haben. Denn es kann auch tief gehen. Man beschäftigt sich mit sich selbst, und wenn man das noch nicht so oft gemacht hat, wenn man als Coachee noch nicht so erfahren ist, kann das im ersten Moment natürlich hart sein. Denn sich mit sich selber befassen ist immer schwieriger als mit anderen.

Wer sollte lieber Abstand von einer Zusammenarbeit nehmen?

Menschen, die sofort einen festen Fahrplan und alle Fakten von dir vorbereitet haben wollen, sollten eher nicht mit dir arbeiten.

StoryCoaching ist wie ein Tandem

Denn StoryCoaching ist immer eine gemeinsame Arbeit. Das ist immer ein Tandem. Man muss selber viel reingeben und du steckst genau so viel Arbeit rein, die ich zurückbekomme.

Gleichzeitig ist es kein: Du lehrst jetzt, wie das „funktioniert“. Sondern man nimmt immer alles aus der eigenen Geschichte, den eigenen Stationen im Leben raus.

Dadurch wird es viel, viel authentischer, als wenn du eine Schulung mit hundert Leuten machen würdest zum Thema Storytelling, und lernst, wie es theoretisch „funktioniert“.

Mit dir als StoryCoach im Einzelgespräch kommt viel mehr dabei raus.

Coaching ist wie Tandem-Fahren“. Danke für diese spannende Perspektive.

Stelle ich mir jetzt mal Assistenz und Führungskraft auf einem Tandem vor, was hältst du von der These: “Sobald ich als Führungskraft genügend Größe habe, mich von meiner eigenen Assistenz in Frage stellen zu lassen, bringt mich das enorm vorwärts…“?

Natürlich ist da was dran. Denn du hast mit der Assistenz eine direkte Feedback-Partnerin an deiner Seite. Die dir ja wohlgesonnen ist. Klar, sie ist angestellt, bekommt aber nicht wie ein externer Berater Geld dafür, dir zu sagen, wie du besser arbeiten sollst. Plus, die Person weiß alles im Unternehmen. Sie hat so viel Einblick in alle Prozesse, kennt dich als Person. Das ist die beste Verbindung, die du haben kannst.

Wenn diese Person dir Feedback gibt, dann eins, das wirklich relevant ist.

Schau, auch hier stecken schon wieder zwei Geschichten dahinter.

Die erste: Dein eigener Weg von der „Assistenz, als dem netten Mädchen für alles“ zur Sparringpartnerin auf Augenhöhe heute.

Die andere will noch erzählt werden. Deine Kolleginnen brauchen den Mut, ihre Rolle neu zu entdecken und ihre Kompetenz zu erzählen: „Ich bin ein wichtiger Wachstums-, Wirtschafts- und Erfolgsfaktor in Unternehmen!“

Ja, da arbeiten wir sehr, sehr hart dran, dass das Ansehen aufgewertet wird.

Wie kann man euch da unterstützen?

Assistenzen nach vorn

Saskia Hagendorf selbstbewusste Assistenz im BüroEs geht tatsächlich darum, die Assistenz in den Vordergrund zu stellen.

Assistenzen halten sich ja gerne im Hintergrund. Doch eine Führungskraft sollte die Anerkennung, die sie erhält, auch weitergeben oder deutlich sagen: „He, all das wäre nicht möglich ohne meine Assistenz. Dieses Projekt würde nicht funktionieren.“

Oder offen zu sein, zuzuhören und zu sagen: „Okay, die Assistenz möchte mehr machen, möchte was anderes.“

Es bringt immer mehr für das Unternehmen, wenn die Assistenz sich weiterbildet, wenn die Assistenz ein internes Netzwerk hat oder auf Netzwerkveranstaltungen geht.

Als ich in einem Unternehmen für ein internes Assistenznetzwerk einen ganztägigen Workshop angeboten habe, hörte ich als Gegenargument, das Unternehmen bräche zusammen, sobald alle Assistenzen daran teilnähmen.

Wow. Das illustriert, wie viel Einfluss Assistenzen im Unternehmen haben. Dass sie sich dieser Wirkung bewusster werden dürfen. Ein gutes Argument, die eigene Story als Assistenz neu zu erzählen.

Ja, das ist das eine.

Gleichzeitig bringt dieser eine Tag den Führungskräften, dem ganzen Unternehmen viel, viel mehr. Denn wenn die Assistenz neue Fähigkeiten mitbringt, sich intern besser vernetzt – jede weiß dann: Wer kann im Unternehmen was wirklich gut und wofür kann ich wen ansprechen – das zahlt sich doch aus.

Ich bin überzeugt, als Unternehmen diese Offenheit zu haben, Assistenzen freiwillig dabei zu unterstützen, sich weiterzuentwickeln, ist eine gute Investition in das komplette Unternehmen.

Meine KollegInnen und ich – beispielsweise das Assistenznetzwerk in Deutschland (ANID) – sind da dran, damit sich hier etwas ändert und die Rolle der Assistenz noch mehr zu stärken.

Dabei wünsche ich dir und deinen KollegInnen viel Erfolg.

 

Noch mehr zu Saskia? Du findest sie auch auf Linkedin und Instagram

 

 

Fotos: Svenja Henschel – Fotografie Wolkenlos

Das Wesentliche steht zwischen den Zeilen

Willst du deinen eigenen Film schreiben, hilft dir die richtige Lektorin, das Wesentliche auch zwischen den Zeilen zu entdecken!

 

Sandra, 2009 haben wir das erste Mal zusammengearbeitet. An welche Episode aus unseren ersten Coachings erinnerst du dich noch? Welche haben Spuren hinterlassen?

Sie haben vom ersten Moment an Spuren hinterlassen. Für das erste Coaching haben wir einen Gutschein von unserem damaligen Agentur-Chef bekommen. Das war mein allererster Kontakt mit Coaching überhaupt.

Coaching ist Raum für mich

Von Anfang an fand ich es wertvoll – denn das macht man viel zu selten –, diesen Raum zu haben, indem es wirklich nur um einen selbst geht. Ein safe space. Am Anfang musste ich mich damit erst mal zurechtfinden, ich dachte zuerst: „Ist das jetzt hier wie eine Therapie?“

Doch das war es mit dir zu keiner Zeit. Es war immer ein „Jetzt schauen wir nach vorn.“ Also Herausforderungen erkannt, besprochen und jetzt zielorientiert weitergehen. Ich erinnere mich noch an diese Methode – wie nennt sich das mit den Armen?

Wingwave.

Ja, stimmt, Wingwave war’s. Dabei kann man den Kopf ausschalten. Sich ein Stück seiner Intuition, seinem Körper, seiner Erfahrung überlassen. Antworten kamen leichter. Ein spannender Ansatz, mich Themen mal anders zu nähern, wie „Was beschäftigt mich eigentlich?“ oder „Was möchte ich denn eigentlich?“.

Ich war 2010 auf dem Sprung vom Account Director zum New Business Director. Dabei war das gar nicht mein Plan. Die Agenturchefs damals meinten: „Wir glauben, du kannst das! Willst du es machen?“

Dann stehst du da und denkst dir: „Das ist ja schön, dass ihr das denkt!

Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie darüber nachgedacht, ob das überhaupt eine Option für mich ist.

Neues finde ich erstmal immer spannend

Weil ich aber der Mensch bin, der ich bin (und das bis heute) ergreife ich gerne (interessante und neue) Optionen. Früher wahrscheinlich schneller als heute, denn die Entscheidungen sind größer geworden.

Doch ich wollte damals reflektieren und das mit Unterstützung von außen. Das war unser Start. Ich wollte mir bewusst machen:

  • Wer bin ich eigentlich?
  • Wo will ich hin?
  • Erfüllt dieses Angebot nicht nur mein Jobziel, sondern passt es in meine Lebenssituation?
  • Wie soll mein Leben ganzheitlich aussehen? Das war immer ein wichtiger Teil. Ich arbeite gerne. Aber die Arbeit musste schon immer auch zu meinem Leben passen.

Genau diese Themen konnte ich mit dir besprechen.

Es war nicht dein Plan, sagst du. Heute bist du Managing Director… was sagst du heute – 15 Jahre später – dazu?

In den ersten Tagen als Managing Director hat mich eine langjährige Kollegin daran erinnert, dass ich Jahre zuvor – ich hatte gerade besagte New-Business-Position übernommen – gesagt hätte: „Und irgendwann werde ich Geschäftsführerin.“

Daran konnte ich mich gar nicht erinnern, fand es aber interessant. Denn auch wenn ich mir diesen Plan niemals ganz bewusst gezeichnet habe, hat mich doch alles, was ich getan habe, genau dahin geführt.

Alle Anteile an Bord

In unserer Coaching-Serie gab es zwei große Handlungsstränge. Einerseits dein Auftrag gemeinsam herauszufinden, worin deine beruflichen Wünsche und Ziele liegen. Gleichzeitig fiel dir das Entscheiden schwer.

Wir haben die vielfältigen Aufgaben in der Agentur und die vielen inneren Ressourcen verbunden. Manche Stärken zeigten sich sofort. Andere innere Anteile haben sich im Drehbuch noch zurückgehalten.

Hier eine Erinnerung, daran, was du schon 2010 für dich mitgenommen hattest

Jede Stimme, jeder Gedanke, jedes Gefühl, das mich bei schweren Entscheidungen verunsichert hat, ist ein Teil von MIR! Also habe ich gelernt zuzuhören! Und mehr noch – wenn ich will, lade ich mittlerweile alle zu einem Kaffee ein und wir diskutieren die wichtigsten Themen aus – klingt verrückt? Nein, ist genial und erfolgreich! Aus vielem, scheinbar nicht koordinierbarem ein homogenes Ganzes machen, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

 

Das Zitat ist fünfzehn Jahre alt und macht mir deutlich, welchen Weg du seitdem gegangen bist und welche Bandbreite an Stärken du nutzen kannst.

Ich glaube, genau so muss es sein. Gerade in der Führung hat man viele, unterschiedliche Aufgaben, triffst die unterschiedlichsten Menschen. Dazu kommen all die anderen Dinge, die in deinem Leben eine Rolle spielen.

Für jeden Bereich brauchst du die verschiedenen Facetten. Es ist genau das, was mir Spaß macht. Ich mag meine vielen Dimensionen, auch, weil alles, was um mich herum passiert, nicht eindimensional ist. Diese Arbeit mit den inneren Anteilen finde ich total spannend.

 2022 hast du geschrieben: „Geschäftsführung war nie ein bewusster Teil meiner Geschichte, aber meine Geschichte hatte auch kein komplett vorgezeichnetes Ziel. Wenn es eine Storyline in meinem Leben gibt, die mich bisher immer angetrieben hat, war es, „schau es dir an und probiere es aus!“ Was ist der Antreiber dahinter?

Spaß ist für mich immer ein Antrieb gewesen. Spaß und Neugier an dem, was ich mache, was ich daraus lernen kann – und zwar in jedem Bereich. Das ist auf jeden Fall elementar.

Du hast jetzt die Chance bekommen, deine Stärken voll einzusetzen. Verbunden mit deinem Antreiber „Ich mach das jetzt mal und zwar voller Freude“ welchen Teil der Welt kannst du heute beeinflussen oder verändern?

Naja, es ist nicht die ganze Welt, die ich verändere. 😊

Ich arbeite in einem spannenden Konstrukt aus Führungskollegen. Natürlich nehme ich durch meine eigenständige Rolle in diesem Konstrukt anders Einfluss. Ich bringe meine Perspektiven ein, meine Erfahrung, gute Argumente in wichtigen Diskussionen. Themen, die mir wichtig sind, kann ich ganz anders priorisieren und sie viel stärker zum Teil einer Geschichte machen.

Meine Rolle ist größer geworden. Doch ich lebe sie mit Respekt und Bewusstsein, denn ich glaube, dass wir in dieser Zeit, in der wir heute leben, Dinge durch Kollaboration und durch Miteinander schaffen.

Ich habe einen Satz gelesen: „Niemand, der wirklich glaubt, dass er alles allein kann, ist ein guter Leader und ein guter Führer.“ Daran glaube ich. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass es jemandem geben muss, der am Ende die Richtung vorgibt.

 

 

Dieser Richtung sollten gute Gespräche und Austausch vorangegangen sein. Um Menschen zu motivieren und zu führen, musst du sie abgeholt haben. Genau diesen Prozess, dieses Mitnehmen kann ich heute beeinflussen; kann meine Gedanken und Ideen anders mit einbringen. Die Rolle befähigt dich dafür noch ein Stück weit mehr.

2022 konfrontiert mit der Frage, ob du die Rolle der Managing Director übernehmen wolltest, hast du dich mit dir selbst auseinandergesetzt, und überlegt, vielleicht einfach in der bekannten Rolle so weiterzumachen. Denn “das fühle sich doch eigentlich alles gut an“.

Und doch hast du dich für die höhere Position entschieden. Wie kam das?

Ich habe mich mit den Pros und Contras beschäftigt, mit all dem, was ich kann und nicht kann. Letzteres war weniger angenehm. Doch dann bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich all das, was ich noch lernen will, ja lernen könnte. Was anstrengend ist, aber auch aufregend.

Ich kann das einbringen, indem ich wirklich gut bin. Auch mit anderen Menschen zusammen, die etwas mitbringen, was ich nicht habe. Gemeinsam machen wir daraus dann etwas Komplettes.

Innen und Außen in Kongruenz

Hier verweben sich die beiden Stränge unserer Coachinggeschichte – innere Stärken zielgerichtet einsetzen um Aufgaben der Agentur gemeinsam mit anderen erfolgreich zu steuern.

Ja, es war meine Entscheidung. Hätte ich angefangen, zu sehr meinen Defiziten hinterher zu laufen und versucht, diese auszugleichen, also versucht, meine Schwächen zu stärken, wäre niemals eine gute Stärke dabei herausgekommen.

Mein Konzept „Stehe jeden Morgen mit Spaß auf!“

Vielleicht lautet mein „Konzept“ einfach: „Stehe jeden Morgen mit Spaß auf!“

Schon vor unserem Story-Coaching ist mir die Songzeile bei den Fantastischen Vier begegnet „Du siehst deinen eigenen Film und bist dein eigener Held.

Abgesehen davon, dass es ein cooler Song ist – und meine erste Band war, die ich live gesehen habe – ich glaube, dass es genau das ist. Niemand setzt mir die Pistole auf die Brust, es ist meine Entscheidung, die ich für mich treffe. Jedes einzelne Mal. Das ist der Punkt.

Deine Art, Entscheidungen zu treffen, zieht sich durch deine Geschichte. Wenn eine junge Führungskraft von dir wissen will, wie du deine Entscheidungen triffst, so, dass es eine gute Entscheidung wird – wie würdest du es erklären?

Also es hängt natürlich von der Entscheidung ab.

Natürlich.

Wenn es nicht komplett dein eigener Bereich ist, wirst du immer auf andere Menschen zugehen, die entweder das Fachwissen oder die Erfahrung haben. Oder die dich zumindest noch einmal in deinen Gedanken challengen. Bei großen Sachen lohnt es sich – und das dauert gar nicht lange – die eigene Antwort auch mal kurz zu hinterfragen. Wenn du eine andere Meinung dazugeholt hast, kann es manchmal dazu führen, dass du noch eine Extra-Gedankenschleife drehst. Das ist dann eben so.

Das große Ganze hängt manchmal von kleinen Entscheidungen ab

Erst wenn du die Entscheidung selbst zu treffen hast, lernst du, wie es wirklich funktioniert.

Theoretisch klingt vieles logisch. Wir haben im Coaching viel ausprobiert, ich habe viele tolle Bücher gelesen, mir Videos angesehen – alles war hilfreich. Man hat alles im Kopf. Wir sind in der heutigen Arbeitswelt sehr weit in Selbstreflexion und Selbstoptimierung. Aber wirklich real wird es erst dann, wenn du es tust, es erlebst, in einer konkreten Praxissituation stehst.

Das erinnert mich an eine Projektsituation. Mein früherer Chef wollte von mir wissen, wie es läuft. Ich meinte: „Ich halte alle Bälle in der Luft.“ Da sagte er: „Das ist erstaunlich und freut mich auch. Aber dir ist schon klar, dass du auch mal den einen oder anderen abwerfen musst?“

So ist es mit den ganzen Weisheiten und Themen, mit denen man sich beschäftigt. Theoretisch ist alles klar. Da kannst du lange schlau mit anderen drüber reden, aber für dich selbst musst du irgendwann den Ball mal abwerfen und in die Umsetzung gehen. Erst wenn du deine Weisheit im Alltag lebst, machen schlaue Dinge wirklich Sinn.

Im Rückblick ist es toll zu erleben: „Das stimmt ja wirklich.“

Und diese Erkenntnis im Alltag zu erleben, das macht Freude. Zu erfahren, dass die eigene Entwicklung einfach nicht aufhört. Wird sie auch nicht.

Dein berufliches Engagement als Geschäftsführerin verlangt dir viel ab. Wie schaffst du den Ausgleich? Wie findest du genügend Raum für dich persönlich?

Da ist noch Luft nach oben!

Das war ein Coaching-Thema, bei dem wir nicht mehr in die Umsetzung gekommen sind, weil die Führungs-Themen wichtiger wurden.

Stimmt, die Sache mit der Work-Life-Balance war auch so eine theoretische Weisheit, die ich früher gut vor mir herschieben konnte.

Doch die aktuelle Verantwortung geht doch noch mehr an meine Energiereserven. Ich spüre deutlich, dass es jetzt vorbei sein muss, mit dem Wegschieben.

Wenn ich meine berufliche Aufgabe ernst nehme, muss ich besser auf mich achten

Mein Bewusstsein wächst: „Wenn ich diese Aufgabe hier ernst nehme und weiter mit Freude daran arbeiten möchte, dann muss ich jetzt auf mich selbst achten!“ Das hat plötzlich eine neue Relevanz bekommen.

Mache ich das schon gut genug? Nicht immer. Aber ich bin auf dem Weg. Obwohl meine berufliche Situation für mich so wichtig ist, kommt parallel eine neue Wichtigkeit dazu.

Achtsamkeit hilft interessanterweise auch. Dinge einfach mal aussprechen.

Das beste Führungsentwicklungstraining, das man sich ansehen kann, war für mich gerade Achtsam Morden, die Netflix Serie. 😉

Weißt du, mein Kopf ist ein Biest. Das kommt gerne kurz vor dem Schlafengehen – eigentlich überall, wo es nicht hingehört – mit Themen um die Ecke, von denen mein Kopf dann denkt, dass er die unbedingt sofort noch bearbeiten oder lösen, oder einfach nur noch mal durchkauen muss.

Was hilft ist, sich selbst die Frage zu stellen:

  • Löse ich das jetzt wirklich gerade?
  • Macht es jetzt für die Gesamtheit der Dinge einen Unterschied?

Wenn es einen elementaren Unterschied macht, dann muss ich handeln. 80% dieser Dinge kann ich aber in diesem Moment, mitten in der Nacht, einfach wegschieben. Denn nur weil ich gerade darüber nachdenke, wird nichts passieren.

Der kommt aus dem Film, dieser Ratschlag.

Da bin ich gerade dran. Und ich schaffe es dadurch tatsächlich, ein bisschen schneller einzuschlafen. Tut gut.

Was ist dir heute wichtig, woran du früher nie gedacht hast?

Mein Bewusstsein dafür ist gewachsen, wie viel Zeit ich eigentlich wo verbringe, das heißt mit den Menschen, die mir wirklich wichtig sind – die einen persönlichen Beitrag im Leben haben.

Da ist die Familie. Da sind Freunde, am Ende ist das ja immer so eine Handvoll. Das ist mir heute wichtiger geworden. Das gehört für mich auch zu der Frage wie ich meine Balance finde aus beruflichen Anforderungen und dem, was ich auch gern bin und tue.

Was mir nicht mehr wichtig ist? Ich muss nicht mehr so viel Party machen. Ist das das Alter? (lacht)

Gedanken denken, die nicht deine sind? Oft Zeitverschwendung!

Früher habe ich mir gerne auch Gedanken gemacht, die einfach gar nicht meine waren. Was für eine Zeitverschwendung. Und heute weiß ich, es gibt Dinge, für die lohnt es sich mehr, meinen Kopf besser und effizienter einzusetzen.

Sandra, was bedeutet Story-Coaching für dich? Was gibst du in die Suchzeile ein, um eine Coach zu finden, die so arbeitet, wie du es mit mir erlebt hast?

Wahrscheinlich würde ich schreiben, „Suche Co-Autor für meine Biographie“. Oder „Suche Produzenten, der sich traut.“ Von Anfang an mochte ich den Gedanken, dass es eine Story, ein Filmdrehbuch ist, das du selbst schreibst. Das hat für mich etwas mit Eigenverantwortlichkeit zu tun; damit, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Ich will die Verantwortung für mein Leben selbst übernehmen. Wir können keinem anderen die Verantwortung dafür geben, ob etwas funktioniert oder nicht.

Vielleicht ist es auch „Suche erfahrene Lektorin, um zwischen den Zeilen zu lesen.“ Das ist dein Markenzeichen! Das weiß ich sehr zu schätzen. Denn wir haben viel über das geredet, was nicht gesagt wurde. Das kannst du. Das ist wertvoll!

Gerade jetzt in unserem Gespräch – wenn ich mir angucke, was die letzten 14 Jahre passiert ist – du hast viel zwischen den Zeilen gelesen, wir haben auch viel über Dinge gesprochen. Und ich habe auch Dinge mitgenommen, über die wir nicht gesprochen haben. Die aber im Raum standen und mit denen ich dann arbeiten konnte. Allein oder mit dir gemeinsam.

Das Offensichtliche kann ja jeder. Du liest zwischen den Zeilen.

Sandra, ich danke dir für dieses wunderbare Gespräch mit Tiefgang. Was ist dein Fazit?

Von 2009 bis 2025 – ich spüre, ich bin noch immer dieselbe. Und das ist gut. Mit mehr Erfahrung und die Neugier und das Lernen hören hoffentlich für mich auch nicht auf.

Du hast mich daran erinnert, dass ich meiner Führungsrolle damals zuerst eine Absage erteilen wollte. Doch hätte ich das wirklich getan, hätte ich wohl heute das Gefühl, ich hätte den Stift zur Seite gelegt. Doch man darf die Lust am Weiterschreiben seiner Story nicht verlieren. Und ich hoffe, dass ich immer weiter an mir selbst, an meiner Geschichte schreiben werde, weil ich es kann.

Das ist eine wichtige Erkenntnis. Und da gibt es sicher noch einiges zu schreiben.

 

 

 

Kommunikation: mein Schlüssel zur Freiheit

Silke, du bist im Februar 2022 durch eine Empfehlung zu mir gekommen. Meine ersten Notizen: „Assistentin der GF, ertrinkt in Arbeit, Bandscheibenvorfall, Tinnitus, sehr schwierige Gesprächssituationen im Office…“

Seit 2024 bist du selbständig als Virtuelle Assistentin. Was für eine Reise.

Für welche Herausforderung hast du mich damals als Coach gebucht?

An die Zeit damals kann ich mich sehr gut erinnern. Mein Körper sprach eine deutliche Sprache. Dabei machte es mir im Büro doch eigentlich Spaß. Aber mir war klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ich wollte lernen, meine Grenzen besser zu wahren. Ich konnte gar nicht für mich sprechen.

Mein Motto war: „Hauptsache allen anderen geht es gut“.

Deshalb mein Ziel: „Meine persönlichen Grenzen definieren, kommunizieren und wahren. Entspannt und gelassen zu dem stehen, was mir wichtig ist.“

Du hast mal gesagt “Kakteen gedeihen nicht in der Antarktis”. Was heißt das?

Ich war einfach in der falschen Umgebung.

Deshalb wollte ich genau hinschauen: Wer bin ich eigentlich? Wie fühle ich mich? Ich wollte endlich sagen können: „Ja, genau so bin ich. So bleibe ich. So bin ich völlig in Ordnung. Ich bin ich genauso viel wert wie alle anderen auch.

Es gab einen Moment, in dem ich feststellen musste, dass die aktuelle Job-Umgebung nicht mehr meiner eigenen Energie entspricht. Da war ich bereit, mich auf die Reise zu machen.

Der Schlüssel “Die sein, die ich wirklich bin”

Ich wollte herausfinden, wie ich dorthin komme, wo meine eigene Energie genau hinpasst. Wo ich die sein darf, die ich bin, weil ich genau richtig bin. Zu diesem Raum hat mich das StoryCoaching herangeführt.

Gab es einen bestimmten Augenblick, in dem du deine Entscheidung für unsere Zusammenarbeit getroffen hast?

Schon bei unserem ersten Gespräch sagte mein Bauchgefühl: „Das passt mit uns“.

Der endgültige Moment war, als du – die im Business- Coaching-Bereich unterwegs bist – plötzlich die Karten rausgezogen hast und wir begonnen haben, so ganz intuitiv zu arbeiten. Das war diese Mischung, wo ich dachte: „Ja, das ist meins.“

Ich erinnere mich noch genau an eine Karte, die zweimal auftauchte: „Die Friedensbewahrerin“. Die bewegt mich immer noch. Da sind immer noch Dimensionen offen, die ich mir erschließen kann.

Friedensbewahrerin aus kartendeck Engel und Ahnen von Kyle Gray - Illustration Lilly Moses

Kartenset Kyle Gray | Lilly Moses

Frieden hat immer zwei Seiten

Einerseits ist es die, die den Frieden bringt. Das habe ich oft gemerkt, wie sich um mich herum diese Ruhe ausbreitet, weil ich eine Lösung suche für alle Seiten. Und zum Wohle aller.

Andererseits geht es da auch um den Preis dieses Friedens. Lange Zeit war ich die Einzige, die draufgezahlt hat.

 

Eine Nachbarin meinte: „Du bist schon die, die den Frieden bringt. Aber zuerst reißt du alles ein, wie eine Urgewalt. Du walzt alles nieder, und daraus entsteht dann ein neuer Frieden. Das muss einer erstmal verkraften können. Doch wenn man sich entscheidet, diesen Weg weiterzugehen, merkt man, dass es wirklich friedlich wird.“

Katrin, das bringt die Aufgabe, die ich dir gestellt habe, auf den Punkt: „Hilf mir, mit dieser Energie, die ich heute kaum kontrollieren kann, die alles einreißen will, umzugehen. Wie kann ich diese Kraft besser nutzen, um das, was danach kommt, besser zu gestalten? Frieden zu schaffen. Innen und außen.

Gewaltige Energie friedlich nutzen

Mittlerweile weiß ich um diese Energie. Doch ich kann mich in eine Gelassenheit zurücklehnen, die auch mein Umfeld mir widerspiegelt: „Hey, wenn du sagst „Wir machen das nicht mehr, dann ist es auch in Ordnung“.

Inhaltlich arbeite ich heute an den gleichen Aufgaben wie vor zwei Jahren. Trotzdem ist es komplett anders.

Wir haben im Coaching erlebt, dass eine scharfe Trennung zwischen Business- und LifeCoaching überhaupt keinen Sinn macht…

Stimmt, das Thema Grenzen hat sich durch alles durchgezogen. Ich kenne es nicht nur im beruflichen Umfeld, sondern auch aus meiner Herkunftsfamilie. Ich wollte meinen Platz finden.

Wie hast du als “Urgewalt” deinen Platz gefunden?

Ich erlebe es überall. Du kannst in deiner Energie sein. Doch so lange du nicht in einem Feld bist, wo du gut hin passt, kommst du dir vor wie so ein Dum-Dum-Geschoss. (Anmerkung *Dum-Dum-Geschosse fügen dem Getroffenen schwerste Verletzungen zu und sind im Kriegseinsatz verboten  Quelle).

Deshalb war ich auf der Suche nach „meinem Feld“ – einem Raum, der meinem Sein entspricht. In dem alles leichter wird.

Dabei hast du mir mit deinem strukturierten Auseinanderdröseln meiner eigenen und fremder Kommunikationsmuster sehr geholfen. Du wolltest immer wieder wissen: Was steckt dahinter? Woran ich immer denke ist der Polarstern.

Der Polarstern leuchtet den Weg

Polarstern vor nachtblauem Himmel Orientierung im Konflikt

 

Mit dieser Frage: „Wo willst du wirklich hin?“ gelingt es mir, gerade in heißen Diskussionen über das eigentliche Problem hinweg zu blicken.

Ich kann mich auf mein eigentliches Ziel zu fokussieren, und so den anderen abholen: „Schau, wir beißen uns jetzt nicht hier in dem Moment fest. Wir wollen doch eigentlich genau dort hin.“

Inzwischen führe ich Gespräche mit klaren Ich-Botschaften: „Du, das kommt bei mir so nicht an!“ Wenn der Gegenüber dann sagt „Naja, das war ja auch für mich gemeint.“, kann ich ganz ruhig erwidern: „Du, dann darf das auch bei dir bleiben!

Wir haben ganz konkrete Gesprächssituationen am Online-Whiteboard auseinander gedröselt. Dadurch bin ich viel klarer geworden.

Einen Schritt zurücktreten, den ganzen Kommunikations-Wust nüchtern anschauen, und das Geschehen aus einer neutralen Position betrachten, das hat mir so geholfen. Ich habe entdeckt: „Ach, so kann ich das auch sagen.“

Ich habe heute den Mut, zu mir zu stehen.

Zum Mut gehört die Fähigkeit, zu mir zu stehen

Unser Auftrag war: „Gelassen zu mir stehen, und dem, was mir wichtig ist.“ Wie erlebst du das heute? Wie erleben es andere, wenn du klar zu dir stehst?

Ein paar Schlüsselmomente:

Eine meine ersten Kundinnen buchte mich als Urlaubsvertretung. Ich war so happy und dankbar, zu Beginn meiner Selbständigkeit Aufträge bekommen zu haben. Die Zusammenarbeit erwies sich für mich als nicht sehr erfüllend. Für sie schon. Sie hätte mich gern weiterbeschäftigt. Trotzdem habe ich ihr in einer freundlichen Mail die Zusammenarbeit aufgekündigt. In mir war dieses klare „Nein, so möchte ich keine Zusammenarbeit haben“.

Als Existenzgründerin in den ersten Monaten einer Kundin zu kündigen? Volles Risiko und Mut, zu sich zu stehen? Ja, das war definitiv die richtige Entscheidung. Einige Wochen später war ich komplett ausgebucht mit meinen absoluten Herzenskunden.

Auch im privaten Bereich gab es Momente, in denen ich früher um des lieben Friedens willen eingeknickt wäre. Es fällt mir um einiges leichter, freundlich eine Grenze zu ziehen und „Nein“ zu sagen und dann das folgende Unbehagen auszuhalten.

“Bis hier her und nicht weiter”, heißt Energie kontrollieren. Nie mehr unterdrücken

Diese unkontrollierte Energie – weswegen ich zu dir gekommen bin, um zu lernen, sie zu kontrollieren – heute unterdrücke ich sie nicht mehr. Jetzt sage ich: „Bis hierher, und nicht weiter!“  Damit lasse ich sie raus, und sie verwandelt sich in etwas, das beiden Seiten nutzt.

“Was raus muss, muss raus” – der Schlüssel dazu: der richtige Ton

Ja, ich arbeite noch ein bisschen am Feinschliff meiner Tonlage. Doch es ist erst mal raus: „Okay, Freund, das war jetzt meine Meinung. Über das WIE können wir noch sprechen. Aber nicht über das, WAS ich dir sagen wollte. Es entspricht meiner Wahrheit, und mit der musst du jetzt umgehen.“

So bin ich mittlerweile unterwegs.

Auch das diplomatische Nein gelingt mir mittlerweile ganz gut. Ich wusste gar nicht, in wie vielen Varianten ich „Nein“ sagen kann. Und dass ich das immer wieder sagen darf. Heute klappt das ganz entspannt mit „Ja, muss ich, kann ich, will ich aber nicht.“ Ist Übungssache.

[Du willst auch leichter Nein sagen? TIPP: Starte mit einem Selbstcheck für dich.]

Der richtige Impuls bewegt das ganze System

Es scheint, als wäre das ganze System durch deine Veränderung in eine neue Qualität gewachsen.

In der Familie war es die ältere Schwester, die früher von sich sagte, sie sei ja „nur“ ein Mädchen. Der jüngere Bruder war viele Jahre der Chef im Ring… Und jetzt dieser winzige Impuls damit zu experimentieren, was passiert, wenn ich dieses „nur“ aus meinem Wortschatz streiche.

Dadurch hat sich tatsächlich viel geändert. Die alten Rollen sind nicht mehr so zementiert. Ich bin tatsächlich wieder die Erstgeborene. Klar hat er komisch geguckt, als ich ihn meinen „kleinen“ Bruder nannte. Er ist schließlich einen Kopf größer als ich. Doch ich habe meinen Platz als die Ältere im Familiensystem wieder eingenommen und die alte Rollenzuschreibung „Mädchen sind still und dienen“ abgestreift.

Gleichzeitig habe ich meine Grenzen neu definiert. Das merkt meine ganze Familie.

Deine beruflichen Veränderungen: 2022 warst du angestellte Assistentin der Geschäftsleitung. Heute 2024 bist du selbständig als Virtuelle Assistentin. Erzähl von deinem Weg.

“Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füsse”

Im Februar 2024 war mein Startschuss als Selbständige. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich schon meine erste Kundin. Im April war ich ausgebucht. Im Mai habe ich eine Kundin gekündigt, weil wir nicht zusammenpassten. Im Oktober meine erste Mitarbeiterin auf Minijob-Basis eingestellt.

Irgendwann dachte ich: „Ja, wenn man seinen Weg geht…“. Das erinnerte mich an den Spruch von Martin Walser.

Der Mut, diesen Satz wahrwerden zu lassen; das war die größte Hürde. In dieses Vertrauen zu gehen, dass wenn ich jetzt losmarschiere, sich der Rest ergibt.

Gratulation. Seit 2022 sind erst zwei Jahre vergangen. Das ist rasant.

Das erste halbe Jahr der Transformation war nicht ganz so einfach. 2023 war ich lange krankgeschrieben. Ich musste erst einmal raus aus dem Alten, zur Ruhe kommen, die Dinge tun, die mir guttaten. Das klingt leichter, als es war. Ich war so erschöpft. Einkaufen war schon Königsdisziplin.

Dankbar für die Zeit, die ich mir geschenkt habe

Ich bin mir selbst dankbar, dass ich mir diese Zeit gelassen habe. Meinem Umfeld bin ich dankbar, dass sie mir keinen Druck gemacht haben. Jeder hat irgendwie gespürt: „Die geht jetzt ihren Weg und den lassen wir sie so gehen, wie sie möchte.“

Als ich das erste Mal bei der Agentur für Arbeit war, hatte ich eine tolle Sachbearbeiterin. Ich habe über den Gutschein das Gründungscoaching machen können. Und der Antrag auf Gründungszuschuss war erfolgreich. Ohne den hätte ich nicht in die Selbstständigkeit gehen können. Alleinerziehend mit Kind wäre das finanziell nicht möglich gewesen.

Dankbarkeit als Lebensgefühl

Dieser Rückenwind war eine mega Unterstützung. Mit dieser Freiheit kam eins zum anderen. Die erste Kundin, die zweite Kundin. Der Lebenspartner der ersten Kundin mitsamt Firma. Da bin ich jetzt Head of Finance. Die sind alle Anfang 30, ich bin echt die „Seniorin“ unter ihnen. Aber das ist so ein so herzliches Miteinander.

Das sind Momente, in denen ich immer wieder denke: „Boah, Dankbarkeit das trifft’s“. Dieses Gefühl ist mir immer präsent.

Silke, welchen Tipp gibst du Frauen, wenn nicht alles so schnell geht, wie man es sich wünscht?

Aushalten. Ja, aushalten.

Aushalten heißt was?

Die Situation aushalten. Dem Druck von außen standhalten.

Wie gelingt dir das?

Vertrauen wagen. Gegen Durststrecken und Enttäuschungen

Nicht in Panik verfallen, immer wieder ins Vertrauen gehen.

Mich erst mal fragen: “Ist der Weg der Richtige?” Und wenn das Gefühl sagt: „Ja, ich will …“, dann dem Weg folgen.

Vertrauen auch für die Momente, in denen ein Kunde anfragt, sich dann aber nicht mehr meldet.

Letzte Woche habe ich mit einem potentiellen Neukunden gesprochen; hatte ein tolles Gefühl dabei. Du denkst dir: „Okay, super, das passt.“ und dann kommt nichts mehr. Nicht mal eine Absage. Das ist enttäuschend, doch ich denke mir dann „Okay, ist so. Ich kann mich anderweitig beschäftigen. An Arbeit mangelt es mir nicht.“

Ganz überraschend ruft mich dann heute Morgen jemand an, der auf der Suche nach einer VA ist.

Ja, das muss du aushalten können, das geht nur mit diesem Vertrauen.

Wissen warum. Und das auch spüren können.

Zum Vertrauen gehört für mich auch zu klären: „Warum mache ich das, was ich tue?“ Das war im letzten Jahr auch so ein Schlüsselmoment für mich. Als ich mir mein „Warum“ klar gemacht habe, sind mir die Tränen gekommen. Es kam so tief aus meinem Inneren.

Verrätst du uns, was dein Warum ist?

Ein freieres Leben.

Also dieses Selbst und Ständig, das habe ich bis jetzt noch keine Sekunde gespürt. Das ist eher dieses „Selbstständig-Ich“. Ich habe die Freiheit und auch die Pflicht, meine Entscheidungen selbst zu treffen.

Und als ich letzte Woche gemerkt habe: „Hey, du stellst jetzt gerade jemanden ein, du bist wieder Chefin“ war das ein klares „Ja“ dazu. Vielleicht sitze ich auch mal zehn Stunden hier. Aber Ja, es ist MEINE Entscheidung. Ich bin nicht mehr von irgend jemandem abhängig.

Jetzt ist dieser Kaktus wieder da, wo er hingehört.

So also fühlt es sich an, wenn es richtig ist. Für mich richtig.

Silke, du hast für deinen Weg gekämpft, ich erinnere mich an eine große innere Hürde im Spätherbst 2022. 

Ich wurde Zeugin, wie du in ein altes Muster zurück gekracht bist. Man hatte dir im Job eine Karotte vor die Nase gehalten. Dein schlauer Körper hatte lange verstanden, dass das nur eine Finte war und rebellierte wieder. Doch du warst wie erstarrt. Da habe ich in meine Filmkiste gegriffen, die ich als StoryCoach gern nutze. Erinnerst du dich?

Oh ja. Du meintest, ich würde mich zum Spielball machen.

Ich dachte, „Okay, als Coach lehnst du dich jetzt ganz schön weit aus dem Fenster.“ Bis zu diesem Zeitpunkt warst du immer neutral geblieben, hast mich die Antworten finden lassen. Das war das erste Mal, dass du deine Meinung so deutlich kundgetan hast. Du hast es auf den Punkt gebracht und deutlich Position bezogen.

Doch genau das hat mir in dem Moment über die Hürde geholfen. Da warst du mein Polarstern, weil du ausgesprochen hast, was ich in diesem ganzen Tohuwabohu nicht mehr sehen konnte.

Dann habe dir erzählt, dass ich die Kündigung eigentlich schon geschrieben hatte.
Von dir kam: „Du hast dich also entschieden?“.

Ja, und es hat sich genau richtig angefühlt. Am dritten Arbeitstag 2023 war dann exakt der richtige Zeitpunkt für mich, zu kündigen. Ich bin gegangen und habe nicht ein einziges Mal zurückgeschaut.

Was gibst du in eine Browser-Zeile ein, um eine Coach wie mich zu finden?

Kommunikationstrainerin.

Weshalb gerade das?

Kommunikation ist der Schlüssel von allem

Weil Kommunikation der Schlüssel von allem ist. Du zeigst das Verborgene, was in der Kommunikation noch stattfindet. Das, was dahintersteckt. Du hast mich gelehrt, hinter die Kulissen zu schauen. Und mir das Werkzeug an die Hand gegeben, das es braucht, um selbständig dahinter gucken zu können.

Wem würdest du empfehlen, mit mir zu arbeiten? Wer sollte es besser lassen?

Also wenn jemand keine direkten, klaren Fragen möchte, nicht durch bisschen Provokation aus der Reserve gelockt werden möchte, wer lieber in seiner Hängematte bleibt, der soll nicht zu dir kommen.

Doch wer durch ganz klare fundierte Analyse der Situation „Was ist vorhanden?“, „Wo möchtest du hin?“ und „Was fehlt noch?“ geführt werden will, der ist bei dir genau richtig.

Dein neues Leben als Selbstständige Virtuelle Assistentin. Auf deiner Webseite steht: „Vertrauen, Abgeben, Freiräume schaffen.Was bedeutet das für dein Leben als Dienstleisterin? Was für die Menschen, mit denen du arbeitest?

Eine Kundin hat mir geschrieben, sie hätte seit ihrer Zusammenarbeit mit mir 6.000 Euro mehr Umsatz. Weil ich ihr das genau das abnehme, was sie so ungern macht und sie sich dafür auf ihre Kernkompetenz konzentrieren kann.

Also jede macht das, was sie am besten kann. Dann ist jede in ihrer Energie. Statt sich z.B. mit dem Steuerberater herumzuärgern, konzentriert sie sich auf ihre Stärken. Ich bekomme eine kurze Info und ich kümmere mich. Neulich sagte sie zu mir: „Wenn man dir etwas gibt, dann weiß man, dass es zu 120% erledigt ist. Und zwar in meinem Sinn.“ Sie meinte, es sein ein absoluter Geniestreich gewesen, mich zu engagieren.

Silke kümmert sich! Brauchst du auch eine Silke?

Eine andere Kundin hat zum ersten Mal wieder zwei Wochen wirklich Urlaub mit ihrer Familie machen können, weil sie genau wusste, das läuft daheim. „Silke kümmert sich“ – genau dieses Feedback kommt oft.

Das Schärfste war eine Anfrage über Linkedin: „Ich habe die Empfehlung von X bekommen, die meinte, ich brauche jetzt auch eine Silke“. 😊

Deshalb Danke Katrin für

  • dein Mut machen,
  • dein hinter-dem Ofen hervorziehen,
  • dein Wachrütteln.

Ohne dich wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

StoryCoaching schenkt die Fähigkeit, mit den eigenen Flügeln zu fliegen

Hast du dir 2022 vorstellen können, dich so schnell selbstständig zu machen?

Nein. Nein, nicht wirklich. Aber es war genau der richtige Zeitpunkt.

Klar, im Rückblick denke ich, hätte ich es vielleicht drei, vier Jahre früher machen können… Aber alles hat seine Zeit. Als würde eine Raupe, die sich im Kokon verpuppt hat, und eigentlich längst reif zum Schlüpfen ist, noch auf den richtigen Zeitpunkt warten.

Du hast gesehen, was schon da war, hast mir Auftrieb gegeben und geholfen, Vertrauen zu finden. Vertrauen in die Fähigkeit meiner eigenen Flügel zu fliegen.

Das strukturierte Ergründen, was ich mit Kommunikation erreichen kann, hilft mir noch heute, schwierige Gespräche zu führen. Denn die hat man als Virtuelle Assistentin häufiger. Im Auftrag seines Kunden unterwegs zu sein, heißt nicht immer eitel Sonnenschein.

Hat ein Kunde einen Steuerberater, mit dem ich zu tun habe, dann kann es sein, dass der Steuerberater und ich niemals beste Freunde werden. Doch das müssen wir auch nicht. Ich kann

  • ihn dort stehen lassen, wo er ist,
  • eine Kommunikationsebene anpeilen, die uns beiden dient.
  • in Mails emotionale Spitzen überlesen, mit denen ich gar nicht gemeint bin.
  • unterscheiden, ob da auf der anderen Seite alter Groll ist, der nichts mit mir zu tun hat. Wenn es nötig ist, spreche ich das ganz klar an.

Ich darf, wenn es nicht respektvoll läuft, den Kunden auch abgeben. Neulich fragte mich jemand: „Ja willst du mir drohen?“
Nein, das will ich nicht. Doch es gibt Dinge, die will, die brauche ich nicht mehr. Mit alten Geschichten, die mir nichts bringen, bin ich durch.

Genau das bedeutet für mich Freiheit. Gelassen zu dem stehen, was mir wichtig ist. Persönliche Grenzen setzen und wahren.

Deshalb ist Kommunikation mein Schlüssel zur Freiheit.

Du willst mehr Interviews aus dieser Reihe? Lies:

Teil  1: StoryCoaching gibt Sicherheit (Rose-Marie)

 

 

Fotocredit: Susanne Ganter

Storytelling für gute Geschäfte

Gute Gespräche führen zu guten Beziehungen. Gute Beziehungen zu guten Geschäften.

Sicher, Zahlen – Daten – Fakten sind ein wesentlicher Baustein für gute Geschäfte. Doch Menschen wollen persönlich angesprochen und überzeugt werden. Bevor sie eine Kaufentscheidung mit dem Verstand treffen, hat der Bauch schon längst entschieden. Je besser es dir gelingt, mit deinem Angebot Sympathie zu wecken, Vertrauen zu schaffen und eine Nähe herzustellen, die kein Fake sondern eine echte Herzensangelegenheit ist, desto erfolgreicher wirst du auf dem Markt sein.

Gute Geschäfte brauchen gute Geschichten

Dazu brauchst du gute Geschichten, die:

  • Am wahren Bedürfnis der potentiellen Kund:in andocken
  • Aus Daten und Fakten Bilder im Kopf entstehen lassen
  • Demonstrieren, wie du Kund:innen erfolgreich werden lässt
  • Szenarien anschaulich und greifbar werden lassen

Gaukle keine Traumschlösser vor. Deine Kund:innen sind zu klug dafür. Du hoffentlich auch. Geschichten sind ehrlich, authentisch und inspirieren unser Gegenüber dazu, das volle Potential einer Leistung zu erkennen.

Wenn deine Kund:in sich darauf verlassen kann, dass du sie ernst nimmst, ihren Bedarf verstehst und liefern kannst, was du versprichst, entsteht Vertrauen wie von allein. Das schaffst du indem du:

  • Ihre Geschichten entdeckst und mit dem Herzen zuhörst
  • Zeit und Verstand investierst und ergründest, was sie und ihr Umfeld bewegt
  • Radikal aus ihrer Perspektive und der ihrer Kund:innen denkst
  • Ihr durch deine Erfolgsstories hilfst, den Nutzen deines Angebotes für sich selbst zu erkennen

Gute Geschäfte brauchen passende Stories

Deshalb ist meine Toolbox für dich – je nach deinem Vorwissen und deinem aktuellen Bedarf – vielfältig. Zum Beispiel:

  • Die Heldenstory: Wie zeigst du deinem Kunden | deiner Kundin was sie von der Zusammenarbeit mit dir haben? Mach eine Kundenstory draus. So geht’s: Der Klassiker mit einem Twist.
  • Archetypische Muster: Wir schaffen Klarheit wofür du stehst und wie du arbeitest. Gibst du als Königin Strategie und Richtung vor (die klassische Beraterin)? Kämpfst du – wie die Kriegerin – mit allen Mitteln für den Sieg (die Anwältin)? Bist du stark mit deiner Intuition verbunden und entdeckst überall die Chancen (das ist eine Facette meiner Arbeit als Coach).
  • Bilder, Analogien und Metaphern erleichtern den Zugang zu deinem Angebot und schaffen einen Aha-Effekt

Wir arbeiten heraus, worin deine einzigartige Botschaft besteht und wie du sie deinen Wunschkund:innen so authentisch vermittelst, dass sie sich für dich entscheiden.

Eine Rückmeldung:

Liebe Katrin, am Freitagabend habe ich eine Präsentation für meinen Nebenjob als Farb- und Stilberaterin gehalten. Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, und ich habe sehr viel positives Feedback bekommen! Das führe ich nicht zuletzt darauf zurück, dass ich auf Basis deines wunderbaren Inputs zum StoryTelling eine ganz persönliche Geschichte erzählt habe, statt mehr oder minder nur die Fakten darzustellen. Ganz herzlichen Dank für deine Unterstützung, die ich auf diese Weise – auch ohne deine direkte Anwesenheit – noch mal erfahren habe! F.B. 

Danke für bessere Geschäfte durch Storytelling bei Katrin Klemm

Kundenstory = Heldenstory: der Klassiker mit einem Twist

Geht es um angewandtes Storytelling, gehört die Kunden-Story zu den klassischen Einsatzbereichen. Sie schafft Vertrauen und erlaubt potentiellen Auftraggebern besser zu verstehen, wie wir ihnen helfen, erfolgreich zu werden. Sobald wir ihnen transparent machen und sie daran teilhaben lassen, wie wir arbeiten.

Häufig orientiert sich die Kundenstory am Muster der Heldenreise. Ein uns menschlich vertrauter Held bekommt es mit einem menschlichen (andere Person, Krankheit, Tod, …) oder materiellen (kein Geld, keine Arbeit, kein…) Problem oder Gegner zu tun. Er macht sich – freiwillig oder unfreiwillig – auf den Weg ins Abenteuer. Muss sich mit Widerständen auseinandersetzen. Trifft auch unterstützende Kräfte (Mentoren draußen in der Welt oder Fähigkeiten, hilfreiche Überzeugungen in sich selbst). Er ficht den entscheidenden Kampf aus. Dann kehrt er mit einer Erkenntnis in seine Welt zurück, um dort von einer höheren Stufe aus die nächste Herausforderung anzugehen.

So einfach kann Kundenstory aussehen.

Die Heldenreise | Katrin Klemm Storytelling
So knapp, so gut.

Nun vergessen manche Dienstleister leider, dass es noch etwas Eleganteres  – und viel Erfolgversprechenderes – gibt, als sich als Held der eigenen Story zu inszenieren.

Unser Kunde möchte von uns wissen: Was habe ich davon, mit dir zu arbeiten? Potentielle Kunden möchten wissen, dass du liefern kannst, was du versprichst.

Welche Perspektive wählst du für deine Kunden-Story? Wie hebst du den Kunden in die Heldenrolle? Und wie trägst du als Mentor*in dazu bei, dass er SEIN (!) Ziel erreicht?

Neue Perspektive für deine Kundenstory

Perspektivenwechsel im Storytelling Katrin Klemm

 

Möchte ich meinen Auftraggebern zum Beispiel deutlich machen, was StoryCoaching in Verbindung mit Wingwave-Coaching für faszinierende Erfolge bringen kann, erzähle ich von meiner Klientin Claudia, einer Sales Managerin mit extrem schlechten Ausgangsbedingungen für ihre Produkt-Roadshow.

Ich baue meine Story so auf, dass zu erkennen ist:

  1. Was Claudia für sich erreichen konnte und
  2. Wie wir das gemeinsam geschafft haben

Als sie ins Coaching kommt, steht ihr eine Unternehmens-Roadshow für eine Produktplatzierung bevor. Während anderen beim Gedanken an einen mehrwöchigen 12-Städte-Dauerpitch der Blutdruck empfindlich steigt, durchflutet Claudia eher die Abenteuerlust. Doch ich höre ihr “Aaaber …” schon am Klang ihrer Stimme, noch bevor sie es ausspricht. Sie hat die Anweisung, Präsentations-Folien zu verwenden, die der Chef gebaut hat. Folien voller Zahlen-Daten-Fakten. Dazu war ihr auf zwei Testläufen mitten auf der Bühne die Stimme weggeblieben. Das hatte sie noch nie zuvor erlebt. Ein Alptraum.

So machen wir eine Erfolgsstory daraus

Für diese drei Schritte nehmen wir uns einen halben Tag Zeit, wir:

  • fokussieren auf ein Zielpublikum, entwickeln eine Kernbotschaft und die passende Story dazu
  • picken uns aus den Chef-Folien nur die heraus, die unbedingt sein müssen und zur Story passen
  • entschärfen mit Wingwave (einem speziellen Emotionscoaching) aktuelle Stresstrigger und sorgen dafür, dass ihre Abenteuerlust und eine Prise Entspanntheit sie auf der Bühne brillieren lassen

Das neue Kundenstory-Muster
Vorlage Kundenstory | Katrin Klemm Storytelling

Claudias Anruf kommt am zweiten Tag der Roadshow. Eine Welle puren Enthusiasmus rollt durchs Telefon. Unsere Strategie ist aufgegangen.

Sie war ein wahres Feuerwerk auf der Bühne und doch locker genug, um zu beobachten, dass ihr die Zuhörer an den Lippen hingen. Beim After Sales Team klingeln die Telefone. Und ja, der Chef war zu Beginn ein wenig knurrig gewesen. Sie hätte “seine Folien verbogen”. Doch die Anzahl der Gespräche mit Neukunden gibt ihr recht…

Eine einfache Arbeitsanleitung zum Aufbau einer solchen kundenorientierten Heldenstory findest du in Kapitel 10 von “Der Tag an dem Bella verschwand” (Selbstcoaching mit Business-Stories).

Für noch mehr Beispiele für praktisch angewandtes authentisches Storytelling hol dir dein eBook zum Download: Gute Gründe für gute Stories – 24 konkrete Situationen in denen eine authentische Story dein Leben & dein Business erleichert.

eBook Gute Gründe für gute Stories | Katrin Klemm Storytelling | easy download

 

 

 

Chancen für Erfolgsgeschichten gibt es jeden Tag

Intuition, Glück und Just do it schreiben tolle Lebensgeschichten

Miriam lebt in der Schweiz. Sie ist eine meiner Role-Models. Nicht nur wegen ihrer positiven Lebenseinstellung und ihrer Art, für das einzustehen, was sie erreichen will. Sie lehrt mich wie man fröhlich und flexibel bleibt. Deshalb habe ich sie gebeten, ihre Erfolgsgeschichte zu teilen. Zu Beginn klang es nur nach einem coolen Fahrstuhl-Pitch. Doch es wurde eine Story über Leidenschaft – eine klassische Held*innen-Story (auch wenn sie das selbst vermutlich nie so nennen würde).

Lassen wir sie selbst erzählen:

Juni 2003. Mein Job in England ging zu Ende. Dani, mein Mann wollte mit seinem Universitäts-Freund Marc eine Firma gründen. „Klar, lasst uns nach Kroatien gehen!“, war meine Antwort. „Da gibt es alles, was wir brauchen. Strand, Sonne, Essen, Berge!“ Marc‘s Antwort: „Das hast du alles in Australien auch. Zudem verstehen wir die Sprache und ich habe schon viele Kontakte dort. Außerdem sind die Flüge im Moment dank SARS günstig wie nie (2003, SARS-Pandemie – Vorläufer von Corona)

Also sind wir hingeflogen, um erst einmal eine Woche an einem Ort zu verbringen und herauszufinden, ob wir wirklich dort leben wollen. Wir haben bei Marc’s Freunden gewohnt und uns die Stadt angeschaut.

Ja, ich will.

Schon nach ein paar Tagen war klar: Wir wollen es wagen, wir wollen in Australien leben. Und es war klar: Damit die Männer ihr Unternehmen gründen können, muss ich eine Stelle finden. Sonst gibt es kein Arbeitsvisum. Mein Mann reiste zurück nach England um die Uni abzuschließen. Ich durfte weiter bei den Freunden wohnen und in ihrem Büro das Internet benutzen, um einen Job zu finden (2003 hatten Smartphones mit Internet noch Seltenheitswert).

Eines Abends wollte ich mich bei unseren Freunden mit Schweizer Leberli und Rösti – einem besonderen Schweizer Nachtessen – für ihre Gastfreundschaft bedanken.

Im Juni ist Winter in Australien. Das heißt, es kann durchaus kalt und gruselig sein. Wenn es regnet, fühlt es sich an, als stehst du unter einer voll aufgedrehten Dusche. Doch ich brauchte ganz frische Zutaten.

Der Elevator-Pitch

Also griff ich mir den größten Regenschirm, den ich im Büro finden konnte und nahm den Fahrstuhl nach unten, um einkaufen zu gehen. Der Lift hält, die Tür geht auf, ein Mann tritt herein und mustert mich grinsend: „Oh how clever to bring your umbrella“. Ich denke mir: „Was für eine Masche“, und muss doch gleichzeitig lachen. Wir kommen ins Gespräch. Als er wissen will, was ich hier mache, erzähle ich ihm, dass ich gerade im Haus ein Büro nutze, um ab September eine Stelle als Projektleitung für ein digitales Projekt zu finden. Ich berichte, wie ich in England gerade eine Webseite für eine Buchhandlung aufgebaut habe. Mein Gegenüber stellt sich als Jason vor. „Ich bin Marketingleiter eines Finanzunternehmens und brauche jemanden, der die Webseite meines Unternehmens analysiert und kundenfreundlicher macht. Hier ist meine Businesscard. Melde dich, wenn du im September wieder hier bist.“

Der Fahrstuhl kommt unten an, ich bedanke mich, stecke die Karte in die Hosentasche, überlege am nächsten Papierkorb, sie zu wegzuwerfen und behalte sie dann doch. Ich kaufe ein, koche und wir haben einen wunderschönen Abend. Beim Abwaschen entdecke ich die Karte. „Sag mal, kennst du die Firma?“, fragte ich meine Freundin Jenine. Ich erzähle ihr von meiner Fahrstuhlbegegnung „Ja klar, da musst du dich unbedingt melden. Das ist ein richtig aufstrebendes Unternehmen, supertoll.“

So ging auch ich zurück nach England, um schon mal die Container für unsere Überfahrt nach Australien zu buchen. Als wir im September 2003 wieder in Sydney landeten, rief ich Jason sofort an. Wir hatten einen super Austausch beim Kaffee und ich zeigte ihm, was man aus seiner Webseite alles machen könnte. Noch am gleichen Tag bot er mir die Stelle an. Ich wusste bereits, wie wir über eine Agentur die Visaangelegenheiten regeln können. Da war sie: unsere Chance, in Australien zu starten.

Rasanter Start

Ich trat die Stelle an und legte so richtig los. Es lief wie in einer echten Erfolgsgeschichte und ich buchte im November freudig euphorisch auch gleich teure Flüge, um Weihnachten mit unserer Familie in der Schweiz zu verbringen und unsere Ankunft in Australien zu feiern.

Anfang Dezember 2003.  Der Inhaber des Finanzunternehmens ruft mich in sein Büro: „Jason hat dir die Stelle gegeben, ohne sich mit mir abzusprechen. Doch für das nächste Jahr gibt es gar kein Budget dafür.” Und damit wär’s das. Anstellung vorbei. Zurück zu Feld 1.

Das war ein harter Schlag. Und das kurz vor der großen Pause. Weihnachtszeit. Sommerferien in Australien. Von Mitte Dezember bis Februar geht hier gar nichts mehr. Wie soll es ohne diese Stelle bloß werden? Denn an meinem Einkommen hängt unser Visum. Und ohne Visum dürfen wir nicht bleiben.

Schock

In meinem Schock konnte ich nur noch meine Freundin Jenine anrufen. Sie hat mich sofort mit dem Auto abgeholt und ich habe einfach nur geheult. Aus mir strömte mindestens so viel Wasser, wie an dem Regentag im Fahrstuhl. Gott sei Dank fand die Visa-Agentur eine Zwischenlösung und verschaffte mir eine kurze Atempause, um mich zu sammeln. Wenn wir bleiben wollten, musste ich eine neue Stelle finden. Und zwar schnell.

Das Abenteuer Australien abbrechen war einfach keine Option. Wir wollten hierbleiben. Außerdem waren doch eben erst unsere Container aus England angekommen.

Aufbruch

Also begann ich zu telefonieren, telefonieren, telefonieren und nochmals zu telefonieren, mich bei Beratungsagenturen und Stellenvermittlern vorzustellen „Ja, ich will hierbleiben! Ja, ich habe ein Arbeits-Visum. Ja, no worries, ich bringe die relevante Erfahrung aus Europa mit“. Doch wieder und wieder bekam ich zu hören: „Du hast die lokale Erfahrung nicht.“ Immer wieder die gleiche Antwort.

Doch es gab einen der Stellenvermittler, Edward. Aus unserer Arbeitsbeziehung entwickelte sich eine wunderschöne Freundschaft. Denn er verstand, dass wir wirklich hierbleiben wollen, dass wir wirklich schon hier sind und auch bereits ein Unternehmen in der Gründung haben. So wie wir kam er aus England und verstand, dass diese Erfahrung ebenfalls zählt.

Wir sind hier, um zu bleiben

Das Besondere an Edward? Er hat meine Emotionen wirklich verstanden und gespürt, dass der Wunsch und Wille echt sind. Viele andere haben sich nicht darauf eingelassen. Von Anfang hat er ehrlich gesagt, dass es nicht einfach wird. Doch eines Tages rief er an und hatte ein Unternehmen.

Dieses Unternehmen wollte mich zuerst gar nicht sehen. Es war die übliche Leier „sie hat keine lokale Erfahrung und und und und…“ Doch dann ist ihnen jemand abgesprungen. Das war meine Chance.

Auch Edward blieb dran. Immer wieder lag er dem Unternehmen in den Ohren: „Schaut sie euch wenigstens einmal an.“ Er hat an mich geglaubt und mich gestützt. So wurde er zum wichtigen Mentor meiner Erfolgsgeschichte.

Genau eine Woche vor dem geplanten Weihnachts-Abflug in die Schweiz – und ich wusste, wenn ich ohne eine Stelle abfliege, darf ich nicht mehr zurück – kam endlich die Einladung, mich vorzustellen.

Tollkühner Neustart

Die Personalleiterin und ich hatten ein tolles Gespräch. Mein Auftrag hieß, einen Pitch für ein Dummy- Meeting vorzubereiten. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das hinbekommen sollte. Ich habe zwar keine Scheu davor, mich vorn hinzustellen und einen Pitch zu präsentieren. Aber das optisch toll aufzubereiten, das ist für mich heute noch eine Herausforderung. Doch mit meinem Mann Dani habe ich es hinbekommen. Mit weichen Knien präsentierte ich an vier Personen aus dem Verkauf. Und direkt am Abend nach meiner Präsentation kam ein Anruf.

Und eine neue Herausforderung. „Miriam, du hast dich für eine Stelle im Direktvertrieb beworben und würdest super passen. Doch seit heute ist noch eine andere Stelle frei, bei der du im indirekten Vertrieb die großen Telekommunikationsunternehmen betreuen würdest. Du kommst aus diesem Bereich und hast so eine so schöne Energie die Leute abzuholen, dass wir dir die Wahl geben. Du darfst dich entscheiden: Möchtest du lieber das Neugeschäft im Direktvertrieb machen oder mit unseren großen Partner-Unternehmen ihr Business aufbauen?“

Ich hatte null Erfahrung im Verkauf. Es war aber der Strohhalm, damit wir überhaupt bleiben konnten. Doch das Telekommunikations-Business der Schweiz kannte ich gut und wusste, zusammen mit den Sales Spezialisten der lokalen Telekommunikationsunternehmen konnte ich es schaffen.

Vom Pitch zum Award – die Erfolgsgeschichte nimmt Fahrt auf

2004: Gleich im ersten Jahr gewann ich dann den „Rooky of the year“ den Award für Neustarter im Unternehmen.

Miriam Schnyder - Award für just do it - Heldinnenstory bei Katrin Klemm Storytelling

Zwei Jahre  später folgte der nächste Preis. Der Inhaber unseres internationalen börsennotierten Unternehmens lud jedes Jahr seine besten Verkäufer der ganzen Welt an einen besonders tollen Ort ein. Und so fand ich mich 2006 mit meinem Mann in Mexiko im One&Only Palmilla und hatte das Gefühl ich träume.

Miriam Schnyder - Award für just do it - Heldinnenstory bei Katrin Klemm Storytelling Adventskalender

Doch es war eine großartige Realität. Meine Realität. So knüpfte ich dort nicht nur viele internationale Kontakte zu den besten Verkäufern der Welt, sondern ich legte auch für uns ganz persönlich noch etwas drauf. Ich buchte ein Round-the-world-Ticket, um nach den intensiven Tagen in Mexiko noch einen Zwischenstopp in der Schweiz zu machen und mit meinen zwei geliebten Nichten ihr erstes großes Konzert zu besuchen.

2007 kam unser erstes Kind in Australien auf die Welt. Elf Tage später waren auch Dani und ich offiziell Australier. Wir fühlen uns mit der Mentalität tief verwurzelt und sind dankbar, für die Chance, die sich uns bot und die Energie, sie auch zu packen.

Das ist unsere Geschichte. Wir wussten nach ein paar Tagen als Besucher, dass wir in Australien leben möchten.

Und ich bin Jason aus dem Lift bis heute dankbar, dass er mir diese Stelle gegeben hat. Auch wenn es sich damals, als ich erfuhr „das klappt jetzt doch nicht“ wie eine Bruchlandung – mit dem Hinterkopf auf Asphalt plus Gehirnerschütterung – anfühlte.

Die Brücke ins Jetzt und Hier

Das ist jetzt neunzehn Jahre her. In dieser Zeit wird ein Mensch erwachsen. Und wo stehe ich jetzt? An der gleichen Stelle, wenn auch in der Schweiz.

2021 Zu Beginn des Jahres um Mitternacht hatte ich diese Idee, die ich in die Welt bringen will: Lernen im Tauschhandel. Weil ich dazu beitragen möchte, dass jeder Mensch das arbeiten kann, was sie/ihn wirklich erfüllt. Damit jede/r mehr Chancen bekommt seine/ihre ganz persönliche Erfolgsgeschichte lebendig werden zu lassen.

Make work a fulfilling part of life. Shine.

Ich weiß, ich werde Rückschläge hinnehmen müssen. Da gibt es in mir diese widerstrebenden Stimmen „Ach komm es gibt auch einfachere Wege“. Und dennoch weiß ich: ich werde es tun. Es lässt mir keine Ruhe. Ich könnte es verdrängen. Aber es ist jetzt da, es wird nicht weggehen.

Irgendwann kommen auch die Einsicht und Gelassenheit, dass es nicht sofort sein muss. Vielleicht dauert es halt ein bisschen länger, das macht gar nichts. Denn die Gewissheit ist da: Der Einsatz wird sich lohnen.

 

Dieser Artikel war ein Gast-Beitrag im Storytelling-Adventskalender 2021.

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Du willst gründen? Wieso denn das?

Deine Gründerstory – was steckt dahinter?

Weshalb es sich lohnt, die echten Motive unseres Handelns genauer unter die Lupe zu nehmen.

Überzeugende Gründerstories gehören zu den spannendsten Geschichten, mit denen du deine Kunden gewinnen kannst. Steve Jobs Garagengeschichte kennt heute die ganze Welt. Vielleicht träumst du ja davon, das nächste Apple-Imperium zu gründen?

Doch hast du eine überzeugende Antwort darauf, wenn man dich fragt, warum du unbedingt gründen willst? Oder schon gegründet hast?

Was treibt dich wirklich an?

Saskia Hagendorf ist Expertin – Motivationsexpertin – seit sie sich in ihrer Jugend mit der Motivation ihrer Tischtennis-Lehrlinge befasst hat. Damals ging es darum herauszufinden, was ihre Tischtennis-“Kinder” antreibt. Was motiviert sie besser zu werden und zu gewinnen und was nicht? Heute betreut sie UnternehmerInnen, GründerInnen und Personen in Veränderungsprozessen, um mit ihnen gemeinsam herauszufinden, worin die wahre Motivation für ihr Handeln steckt. Oder zunächst einmal herauszufinden, woran es liegt, wenn manche Projekte einfach nicht gelingen wollen.

Mit Saskia Hagendorf im Interview

sprechen wir über:

  • den Unterschied zwischen Werten und Motiven
  • die Motive hinter ihrer persönlichen Gründerstory
  • was du tun kannst, wenn es hakt im Job
  • deine Chance kostenfrei mehr über deine Motive herauszufinden

Saskia, denke ich darüber nach, was mich persönlich antreibt oder mir wichtig ist, habe ich bisher zuallererst über meine Werte nachgedacht. Du sprichst von meinen Motiven an denen ich mich noch viel besser orientieren kann. Worin liegt der Unterschied zwischen Werten und Motiven?

Frag doch mal eine Gruppe von zwanzig Menschen: „Wem von euch ist Sport wichtig?“. Nehmen wir an, es melden sich vierzehn. Das sieht auf den ersten Blick nach einer überdurchschnittlich sportbegeisterten Gruppe aus. Nun stell die Frage etwas anders: „Wer von euch hat ein Funkeln in den Augen oder ein Kribbeln im Bauch, wenn er nur daran denkt, in seine Sportschuhe zu schlüpfen?“ Wahrscheinlich sind das deutlich weniger. Genau hier erkennt man den Unterschied zwischen Werten und echter Motivation.

Am Funkeln?

Am Funkeln erkennst du die Echtheit

Das Funkeln steht für die pure Emotion, für ein „das fühlt sich gut an“, für ein „da hab ich richtig Bock drauf“. Hier erkennen wir, dass ein echtes Motiv angesprochen wird. Bei denjenigen, die zuerst zugestimmt haben, dass ihnen Sport wichtig ist, kann das ganz rationale Gründe haben. Der Arzt hat ihnen vielleicht eingeschärft, dass es Zeit ist, etwas gegen ihre Kurzatmigkeit zu tun.

Oder du hast selbst festgestellt, dass die Hosen nicht mehr zugehen und Sport beim Verlieren von Pfunden helfen soll. Hier braucht es eine Menge Willenskraft, um das tägliche Laufpensum zu bewältigen. Das kann anstrengend werden. Liegt ein Aktivitätsmotiv (definiert als „Freude an körperlicher Bewegung“) zugrunde, wird das nicht nur deutlich leichter, sondern bringt auch mehr Freude mit sich. Auch das Dominanzmotiv (definiert als „Freude am Gewinnen“) kann einen Einfluss auf unsere sportliche Aktivität haben. Und wenn man nur die beiden Motive – Aktivität und Dominanz vergleicht, sieht man direkt komplett andere Antreiber, unabhängig von den Werten.

Ok, das leuchtet mir ein. Und weshalb kann es jetzt für GründerInnnen nützlich sein, sich mit ihren Motiven auseinanderzusetzen?

Lass mich, liebe Katrin, meine eigene Gründerstory teilen, um es greifbar zu machen.

Die Motive hinter Saskias Gründerstory

Seit ich denken kann, wollte ich selbständig sein, aber wusste ehrlich gesagt nicht, womit ich mich selbständig machen könnte. Schaue ich heute auf meine Motive, weiß ich nun auch genau, woher dieser Drang kam und weshalb ich meinen Plan erst relativ spät umgesetzt habe:

Eines meiner höchsten Motive ist die Selbstentscheidung (definiert als „Freude an der Selbstbestimmung“). Dies bedeutet nicht, dass ich nicht auch gern mit anderen gemeinsam arbeite. Doch ich entscheide sehr gern für mich. Das könnte in Unternehmen auch Nachteile mit sich bringen. Im Gegensatz dazu ist mein Wagnismotiv (definiert als „Freude an Nervenkitzel“) sehr gering. Deshalb bin ich nicht einfach in die Selbständigkeit gesprungen. Ich brauchte einen Plan, der für mich funktionieren kann und der mir mehr Gewissheit über die Folgen gibt (in diesem Fall das Vorsichtsmotiv).

Drehen wir die Geschichte doch einmal um: stellen wir uns vor, mein Wagnismotiv, also die Freude am Nervenkitzel, und auch mein Statusmotiv (definiert als „Freude an der öffentlichen Achtung der eigenen Person“) wären viel stärker ausgeprägt. Vielleicht hätte ich mich dann direkt nach dem Studium als Eventmanagerin selbständig gemacht?

Saskia Hagendorf Motivationspotentialanalyse MPA Interview bei Katrin Klemm Storytelling

Unsere Motive bestimmen unseren Erfolg

Motive sind sehr stabil in uns verankert. Der Unterschied ist nur, dass sie sich je nach Lebensabschnitt anders ausleben können. Sie gehören einfach zu uns. Ich kann mich nicht vor ihnen drücken oder aus der Welt meiner Motive herausschlüpfen wie aus einem Mantel, den ich im Sommer an der Garderobe hängen lasse. Der Kontext – Beruf, Familie, Hobby – kann ganz unterschiedlich sein, die Rolle unserer unterschiedlichen Motive ist dabei relativ stabil.

Also ist es doch besser, ich lerne sie kennen und nutze sie für mich.

Aktuell bin immer wieder verblüfft, wer aus meinem Bekanntenkreis, besonders in der Generation Y, plötzlich unbedingt gründen möchte. Bei manchen mache ich mir schon Gedanken, ob sie nur einem aktuellen Trend hinterherlaufen oder ob sie das wirklich aus sich heraus wollen.

Unsere Ziele im Leben – ob privat oder beruflich – sind leichter erreichbar, wenn sie mit unseren Motiven in Einklang sind. Die Frage ist ja, ob auch jede/r eine Gründungspersönlichkeit sein kann! Ich denke es gibt verschiedene Möglichkeiten des Unternehmensaufbaus und jede/r kann seinen/ihren individuellen Weg finden. Soll das eigene Unternehmen die Persönlichkeit des Gründers/ der Gründerin widerspiegeln, dann lohnt sich hierbei ein Blick auf die eigenen Motive.

Wenn Projekte stocken

Ein Beispiel einer Kundin möchte ich gern hier teilen. Sie ist gerade in die Selbständigkeit gestartet und hatte so viele wunderbare Ideen. Irgendwann kam sie zu mir und meinte: „Saskia, ich weiß nicht, warum ich die Projekte nicht umsetzen kann! Ich habe doch jetzt die Zeit, mich voll und ganz auf mein Unternehmen einzulassen und es ist das, was ich immer wollte!“ Mit dem Blick auf ihre Motive wurde es deutlich: es fehlte ihr der Plan, der ihr nicht mehr von außen vorgegeben wurde (Ordnungsmotiv – die Freude am geordneten Vorgehen).

Wir haben uns die Zeit genommen und alle Ideen durchgesprochen, überlegt, welche Aufgaben dahinterstehen und einen konkreten Plan erarbeitet. Dadurch konnte sie nun viele ihrer Projekte einfacher umsetzen, da sie wusste, welche Abläufe dahinterstecken. Wenn die Ordnung aus einem vorherigen Anstellungsverhältnis auf einmal wegbricht, aber dies ein starkes Motiv darstellt, muss man sich selbst ein Raster schaffen, um motiviert tätig zu sein.

Bring Handlungsenergie zum Fließen

Ist also das Ziel, in diesem Fall die Unternehmensgründung, das ich mir gesetzt habe auch für meine Motive attraktiv, kann ich mir viel cleverer die richtige Strategie zusammenstellen, mein Ziel auch wirklich zu erreichen. Genau dann fließt Handlungsenergie wie von allein. So definiere ich Motivation.

Mal angenommen, ich habe durch die Analyse mehr über meine Motive herausgefunden und stelle plötzlich fest, dass ich in einem Bereich gegründet habe, der überhaupt nicht dazu passt. Was mach ich jetzt? Schließe ich mein Business wieder?

Verbindest Du die Auswertung Deiner Analyse mit der Erfahrung aus Deinem Joballtag, der Dich aktuell viel mehr Energie kostet als er Dir Erfüllung bringt, ist es eine legitime Frage, wie es jetzt weitergehen soll. Wir sind uns einig, dass es in jedem Job Anteile gibt, die nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen gehören, sondern manchmal einfach erledigt werden müssen. Darum geht es nicht.

Doch wenn dein gesamter Gründer-Job, Dein Angebot bzw. die Zusammenarbeit mit Deinen KundInnen im Widerspruch zu Deinen Motiven stehen, ist es wirklich an der Zeit, etwas zu unternehmen.

Möglichkeiten gibt es immer.

Dazu gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten.

  • Die erste – Du überprüfst für Dich, was Du an den Bedingungen Deiner aktuellen beruflichen Situation verändern willst und kannst. Danach schaust du, wie Du das am besten hinbekommst. Ist Dir vielleicht ein Feedback zu Deiner Arbeit wichtig (Motiv Fremdanerkennung „Freude an persönlicher Rückmeldung von Anderen“), doch aktuell nimmt scheinbar niemand die Ergebnisse Deiner Arbeit überhaupt zur Kenntnis? Hier liegt es in hohem Maße in Deiner Hand, das zu ändern.
    Du kannst mit Deinen KundInnen regelmäßige Updategespräche vereinbaren und so um Rückmeldung bitten. Vielleicht kostet das im ersten Moment Überwindung und braucht auch ein wenig Übung, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Doch wir sind nun mal für uns selbst verantwortlich also fordere es ruhig ein!
    Auf die Dauer wirst Du motivierter und mit mehr Leichtigkeit leben und arbeiten, außerdem stärkt dies auch die Zusammenarbeit mit Deinen KundInnen.
  • Die zweite Möglichkeit, falls Du in Deinem Job im Moment wirklich nichts ändern kannst, sich Dir auch nicht die kleinste Stellschraube anbietet: Mache Dir klar, dass Du neben der Zeit, die Du im Büro verbringst auch ein Leben außerhalb des Büros hast. Organisiere Dein Privatleben so, dass Du Deine starken Motive in Deiner Freizeit unterbringst, mit Freunden, Familie, Hobbies, Sport.
  • Wird das Stresslevel im Job jedoch auf die Dauer zu hoch, verändert sich trotz ernsthafter Versuche nichts und Du hast die Rahmenbedingungen einfach nicht in der Hand, dann bleibt Dir als dritte Variante immer noch, Dich wirklich aus Deinem Job zu lösen, vielleicht wieder in die Festanstellung zu gehen. Oder Dich ganz anders zu positionieren. Schau Dir dann aber – bevor Du wechselst – auf jeden Fall an, welche Art von Arbeit und welches Umfeld Du brauchst, um motiviert und leistungsfähig neu zu starten. Hier bietet eine Motivationspotenzialanalyse MPA häufig eine konkrete und umsetzbare Entscheidungshilfe.

So unterschiedlich diese drei Möglichkeiten sind, für eine solltest Du Dich auf jeden Fall entscheiden, sonst läufst du Gefahr in ein ernsthaftes Energieproblem zu marschieren. Im schlimmsten Fall kannst Du Dich über kurz oder lang zu gar nichts mehr aufraffen.

Unzufriedenheit im Job: ein Gründungsmotiv?

Viele Gründungen entstehen auch auf Grund von Unzufriedenheiten im Angestelltenverhältnis. Ist das eine gute Ausgangslage?

Das kommt auf die individuellen Situationen an. Doch es lohnt sich, einen Blick auf die Gründe für die Unzufriedenheit zu werfen. Aus welchen Gründen fühlst Du Dich nicht wohl? Sind es die KollegInnen, die Rahmenbedingungen oder die Arbeit an sich? Ich schaue dann gern noch tiefer – warum sind dies die Auslöser? Welche Motive wurden eventuell überstrapaziert oder unterdrückt? Wo wurde das volle Potenzial nicht ausgeschöpft? Dann kommt man der Ursache noch besser auf den Grund.

Perfekte Motive gibt es nicht, aber…

Was ich in meiner Arbeit feststelle: es gibt nicht das eine perfekte Motivbild für GründerInnen. Vielleicht fällt es bei manchen Motiven leichter beispielsweise, bei einem hohen Potenzial des Wagnismotivs (definiert als Freude an Nervenkitzel), weil sie eher intrinsisch ein Risiko auf sich nehmen. Aber Gründung heißt nicht automatisch Risiko. Eine interessante Sichtweise habe ich in Thilo Baums Buch „Mach Dein Ding“ gefunden. “Ist es nicht ein viel größeres Risiko, bei einem Arbeitgeber angestellt zu sein, der einen auch jederzeit kündigen könnte, als mehrere Standbeine oder auch KundInnen zu haben? Bricht ein Kunde weg, ist der Ausgleich deutlich leichter und das Risiko geringer.”

Nehmen wir an, ich habe die Ergebnisse meiner der Motiv-Auswertung. Doch sie gefallen mir nicht oder sind viel zu schwierig umzusetzen. Was dann?

Hier sehen wir uns im Sinne einer tiefer gehenden Beratung an, was Du benötigst, um Dein Unternehmen wirklich nach Deinen Bedürfnissen aufzubauen. Welche Rahmenbedingung solltest Du in der Zusammenarbeit mit Deinen KundInnen beachten, damit diese gleichzeitig effektiv und stressfrei gestaltet werden kann. Wir schauen gründlich hinter deine “Gründer-Kulissen”, denn Experte für seine eigenen Motive ist ja jede/r selbst. Ich unterstütze dabei, diese Motive so zu artikulieren, dass sie beim Gegenüber ankommen und nachhaltig verstanden werden.

Das klingt spannend, was kann ich tun, wenn ich mehr erfahren will?

Am besten probierst Du es gleich selber aus! Nutze die Möglichkeit die Kompaktversion der MotivationsPotenzialAnalyse MPA kostenfrei und unverbindlich zu testen und schon einmal etwas über 8 von insgesamt 26 Motiven zu erfahren. Hier geht’s zum Fragebogen

Sobald Du die Motiv-Analyse ausgefüllt hast, sende ich dir ein kurzes Auswertungsvideo inkl. der Auswertung zu. Durch das PDF und das Video kannst Du direkt in die Motivwelt einsteigen. Natürlich entstehen auch hierbei für Dich weder Kosten noch Verpflichtungen!

Ich danke Dir für das Interview Saskia und werde es gleich mal ausprobieren.

 

Wenn du dich in deinem Job nicht (mehr) am richtigen Platz fühlst, du aber noch gar nicht weißt, wohin das nächste Kapitel deines Lebens dich führen soll, schau dir die Kompaktwoche Design your LifeStory in Portugal an oder hör rein, was andere Teilnehmerinnen davon berichten.

 

24 gute Gründe für eine gute Story

Alles Story oder was?

Ende Oktober: Spaziergang um die Hamburger Alster

„Jaja, du schon wieder mit deinem Storytelling.“ Klara rollt die Augen zum Himmel und schenkt mir ein Lächeln. Eins von jenen, bei denen du nicht ganz sicher bist, ob das jetzt nachsichtiges Verständnis für einen Spleen, lauwarme Anerkennung für eine Leidenschaft oder einfach nur ein Mittel ist, dich ruhig zu stellen ohne zu verletzen.

„Ich verstehe ja“, meint sie, „dass das im Karrieregespräch gut ankommt, um zu zeigen, was ich wirklich drauf habe. Oder dass Stories in Präsentationen nützlich sind, um meine Botschaft rüberzubringen. Und dann gibt’s Insta-Stories, und jetzt auch Linkedin Stories. Irgendwie heißt jetzt alles Story-Irgendwas. Aber ehrlich, die Anlässe für Geschichten sind doch irgendwann erschöpft, oder?“ Ich steh auf diese Einladungen zum Dialog. Doch sie muss leider los. Und in mir beginnt eine Idee zu zappeln…

Szenenwechsel: 2. November. Kurz nach 3 Uhr.

Seit einer Stunde wälze ich mich im Bett herum. In meinem Kopf ein Staffellauf aus Stories. Eine drückt der anderen das Staffelholz in die Hand. Die hören nicht auf zu rennen. Da kann ich auch aufstehen, was soll‘s. Ich schnappe mir eine Decke, ein Klemmbrett und einen Stapel weißes Papier, und mach es mir gemütlich. Die Blätter füllen sich, eines nach dem anderen. Es ist noch keine Stunde um, da habe ich fünfzig ganz konkrete Situationen, in denen eine gute Story weiterhilft auf Papier. Und die nächste Idee…

24 konkrete Situationen in denen eine Story dein Leben erleichtert

Wir haben Advent. Adventskalender bringen ein bisschen Farbe ins graue Dezemberwetter. Und meiner macht nicht mal dick. Für Klara und alle, die ganz konkret wissen wollen, wann es sich lohnt, eine wirklich gute Story parat zu haben, gibt es vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag eine Antwort.

Achtzehn gute Gründe habe ich aus meinen eigenen Lebenserfahrungen als StoryCoach und Storytelling-Trainerin, aber auch als Führungskraft, Beraterin und Buchautorin zusammengetragen. Dazu habe ich sechs Expertinnen zu einem Gastartikel eingeladen. Danke an Petra Sammer (wir backen Verschwörungskekse) , Dr. Anja Timmermann (überwindet den Graben zwischen Wissenschaft und Storytelling) und Bettina Ramm (Geschichten gegen die Angst). An Miriam Schnyder (pitched erst im Fahrstuhl und erlebt dann eine echte Heldinnenstory) Susanne Schlösser  (rollt die Karriere-Story von hinten auf) und Verena Ielpo (schaut auf winzige Details der Employee Experience).

Wie der Kalender funktioniert

Vom 1. bis 24. Dezember begleite ich dich täglich hier im Blog mit je einer storyreifen Situation. Jeder Artikel ist nur genau 24 Stunden lang online. Die Gastartikel 48 Stunden.

Du hast keine Zeit, täglich in den Blog zu schauen, willst aber keine der guten Ideen und nützlichen Tipps verpassen?

Hier gibt’s alle 24 Artikel aus 2020 als  eBook zum Download .
Die zweite überarbeitete Auflage erscheint am 15. Dezember 2021.

Gute Gründe für gute Stories | 24 kapitel Storytelling | Katrin Klemm | eBook

Das sind die Inhalte der 2. Auflage 2021

Bewerbung und Karrieregespräch

  • Welche Stärken hast du? Und wo ist der Beweis?
  • Karriere mit 50+? Wieso haben Sie denn gekündigt?
  • Karriere-Story zweiter Band. Wie man die Geschichte von hinten aufrollt.
  • Was ist Ihre größte Schwäche?
  • Wieso haben Sie so oft gewechselt?

Präsentation | Marketing & Sales

  • “Think in terms of story” –  gerade dann, wenn du als Wissensarbeiter/in Erfolg haben willst
  • Wer bist du? Und warum soll ich dich buchen?
  • Hör auf zu langweilen: Zahlen – Daten – Fakten in überzeugende Stories einbetten
  • Der Klassiker – die Kundenstory

Change & Transformation

  • Zimtstern-Verschwörung: Backrezepte, die Storyteller/innen kennen sollten
  • Emotionen gehören nicht an den Arbeitsplatz!? Von wegen!
  • “Ich habe keine Zeit”! Stop this story!
  • Was heißt hier: „Ich kann nicht“?
  • Wie Intuition, Glück und just-do-it tolle Lebensgeschichten schreiben

Coaching | Mentoring | Beratung

  • Wenn der Klient nur einen kleinen Stups braucht
  • Wie du deinen Kunden hilfst, Selbstverantwortung zu übernehmen
  • Dein/e Klient*in lässt kein gutes Haar an sich selbst? Stories für mehr Selbstvertrauen
  • Wenn es genau die richtige Entscheidung sein muss

Mindset & Innerer Frieden

  • Danke sagen
  • Was für ein bescheuerter Tag! Zeit für den Loveletter to you.
  • Geschichten gegen die Angst
  • Geschichten für Abschied und Neubeginn
  • Wie du dir selbst deinen blöden Fehler verzeihst.
  • “Mama/ Papa, wo bist du, wenn du zur Arbeit gehst?”

Du willst gleich alle 24 guten Gründe auf einmal?

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In jedem Kapitel bekommst du

  • den konkreten Anlass, zu dem es sich lohnt, eine Story parat zu haben
  • den Trigger an dem du erkennst, dass Zahlen, Daten, Fakten nicht mehr reichen
  • zahlreiche Praxisbeispiele
  • Tipps und Ideen, wo du Stories finden und wie du sie erzählen kannst

Wann, wenn nicht jetzt?

Wenn du dich echt und authentisch zeigen willst oder den Jahreswechsel nutzen willst, um auch innere alte Stories auszumisten, dann finde deine Geschichten und beginne, sie zu erzählen.

Wann kommt jemals eine bessere Zeit, sich mit den eigenen Stories zu beschäftigen als genau jetzt? Wer soll sie erzählen, wenn nicht du?

Lege dir deine persönliche Sammlung für 2022 an!

Alle guten Gründe auf einen Klick.

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Finanzgeschichten – Frauen, reden wir über Geld.

Frauen und Geld. Darüber gibt es viele Geschichten. Die wenigsten Finanzgeschichten sind heiter. Das muss sich ändern.

Deshalb spreche ich als StoryCoach mit einer Fachfrau für finanzielle Selbstbestimmung über:

  • Stop- und Flow-Stories in Sachen finanzielle Freiheit
  • den Zufall und den Glücksfall
  • das Wesen einer echten Finanzheldin und die schlimmsten Wegelagerer auf ihrer Heldenreise
  • Zeit, die Geld ist und
  • einen Raum, in dem Finanzen richtig lecker werden.

Monika Borchert setzt als Finanzexpertin und zertifizierte Vorsorge-Beraterin seit mehr als 30 Jahren auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihren Klientinnen. Auch wenn wir alle wissen, dass in der heutigen Zeit nichts mehr wirklich sicher ist, tritt Monika an, das Sicherheitsgefühl ihrer Klientinnen zu erhöhen. Dazu nutzt sie nicht nur fachliche Erfahrungen und strategische Kompetenz. Sie hat ein Einfühlungsvermögen, bei dem du dich als Kundin – ich spreche aus eigener Erfahrung – wirklich sicher begleitet fühlst.

Stop- und Flow-Stories

Es geht um Stop-Stories, diese inneren Selbstgespräche, mit denen wir Frauen zuverlässig unsere finanzielle Freiheit und Unabhängigkeit verhindern. Das beginnt bei: „Ach, das Thema Geld. Ja, da kümmere ich mich irgendwann mal drum“. Und um Flow-Stories, die dafür sorgen, dass sich nicht nur meine Gedanken über Geld ändern. Die mich ins Handeln bringen und die Mauern einreißen lassen, die ich mir selbst im Kopf hochgezogen habe.

Du willst das Interview lieber hören oder sehen? Hier geht’s zu Vimeo.

Geldanlage und Altersvorsorge sind ja traditionelle Männerthemen. Der Begriff des Finanzberaters ist deutlich etablierter als der der Finanzberaterin.

Monika, wie kam es bei dir vor mehr als 30 Jahren zu der Entscheidung, dich diesem Thema zu widmen? War es eine Erleuchtung? Oder kam das eher nach und nach?

Jeder, der mich kennt weiß, dass ich heute das Thema Planung immer vorn anstelle. Deshalb ist es fast ein bisschen peinlich zuzugeben, dass bei mir damals überhaupt nichts geplant war. Ich bin mit neunzehn zu Hause aus- und zu meinem Freund gezogen. Ich habe keine Ausbildung gemacht. Aber bin dann arbeiten gegangen damals bei Gruner und Jahr. Ich hatte einen tollen Job, habe  super viel Geld verdient und sah gar keine Notwendigkeit, eine Ausbildung zu machen.

Dann wurde ich irgendwann schwanger – gewollt schwanger – und habe einen sehr tollen Sohn geboren. Aber wie das häufig vorkommt, ist dann meine Partnerschaft kaputt gegangen und ich stand da. Ich wollte mit meinem Kind zuhause bleiben. Ich war nicht abgesichert. Ich hatte keine Ausbildung und damit auch keine Einkünfte mehr. Und Sozialamt war für mich überhaupt kein gar kein Thema. Dann bin ich erst mal zum Arbeitsamt, weil ich dachte: Okay, du musst jetzt irgendwie arbeiten, du musst ja Geld verdienen.

Der Sachbearbeiter hat wirklich ziemlich mit mir gemeckert, wie ich einen so tollen Job aufgeben konnte. Für dieses Einkommen würde er mich überhaupt nie wieder unterbringen können. Ich sollte jetzt erst eine Ausbildung machen. Ich bekam einen Prospekt in die Hand gedrückt mit zwanzig kaufmännischen Berufen. War in Ordnung, ich wollte ja auch was Kaufmännisches machen. Verlagskaufmann kannte ich. Und Finanzen war ich auch nicht abgeneigt.

Entscheidung per Zufall – ein Glücksfall

Das war im Sommer, mein Sohn war damals noch nicht mal ein Jahr alt. Alle Ausbildungen fingen am 1. Dezember an. Die einzige, die am 1.6. des Folgejahres begann, war der Versicherungskaufmann. Die habe ich genommen. Das kann man nicht wirklich Planung nennen.

Dabei war es rückwärts betrachtet sowas von richtig. Ein echter Glücksfall. Doch damals hatte auch ich keinerlei Ahnung von Finanzen, von Versicherungen, von irgendwas. Ehrlicherweise – das war der Grund, warum ich die Ausbildung gemacht habe.

Finanzbildung in der Schule? Fehlanzeige!

Dass du so lange drangeblieben bist, heißt ja auch, dass man Finanzen lernen kann, oder? Und Spaß daran finden, selbst nach dreißig Jahren?

Unbedingt. Ich verwende etwa 20 Prozent meiner Zeit permanent für Fortbildung. Ich verstehe so gut, warum gerade Frauen sich mit diesem Thema so schwer tun. Weil wir keine Finanzbildung bekommen in Deutschland. Es wird in der Schule nicht unterrichtet. Die Eltern machen es auch in der Regel nicht mehr.

Früher gab es noch die Mutti, die ihre Umschläge auf dem Tisch hatte. Die Kinder sahen, wie Mutti das Geld für Miete, für Kleidung, für alles andere aufteilte.

Katrin Klemm im Interview mit Monika Borchert Finanzgeschichten

Das läuft heute alles elektronisch. Die Kinder lernen es nicht mehr. Infolge dessen traut man sich häufig da auch nicht ran. Aber in meiner Branche ist es ja nicht nur so, dass man Versicherungen kennen muss, auch das Steuerrecht spielt eine Rolle. Nimm die betriebliche Altersversorgung, da solltest du dich im Arbeitsrecht auskennen. Das ist schon sehr umfangreich.

Da ist schon eine dieser Stopp-Stories, die Frauen davon abhalten, sich endlich reinzuknien. Wenn ich mir vorstelle, was ich alles lernen müsste, um mich wirklich kompetent zu fühlen… Wenn wir Frauen was machen, dann möchten wir es ja bitteschön perfekt machen. Welche sind die gefährlichsten Widersacher, die dicksten Mauern, die wir Frauen immer noch im Kopf haben und die uns davon abhalten, endlich mal die Ärmel hochzukrempeln und uns um unsere Finanzen zu kümmern?

Dieses fehlende Finanzwissen das haben Männer wie Frauen. Die gehen ja auch mit uns in die gleiche Schule. Aber Männer gehen das pragmatischer an, Männer denken: Wenn ich krank werde, was kriege ich eigentlich an Geld? Reicht das oder nicht? Schließe ich eine Versicherung ab! Wenn ich gar nicht mehr arbeiten kann, woher kriege ich welches Geld? Also ganz pragmatisch. Während Frauen sich diesem Thema sofort emotional nähern, insbesondere wenn man Mutter ist.

Mütter werden nicht krank

Es ist ja nicht vorgesehen, dass man als Mutter krank wird. Da startet sofort dieser Film: „Ich darf eigentlich nicht krank werden“. Ich spreche hier nicht über eine Erkältung. Länger krank sein kann man sich als Mutter eigentlich kaum erlauben. Sofort kommt der Gedanke: „Oh Gott, was ist mit den Kindern? Wer bringt sie zur Schule, wer macht Essen? Wer macht also all diese Themen?“

Und schon ist man weg von der pragmatischen Lösung. Von dem „Was passiert dann wirklich mit mir?“

Genau das gehe ich mit meinen Kundinnen gemeinsam Schritt für Schritt durch: Was passiert denn, wenn du krank bist? Rein rechnerisch? Welche Zahl steht da? Wie viel Geld hast du an Einkommen, woher auch immer? Und was bedeutet das für dich? Und möchtest du da etwas aufbessern? Etwas verändern? Ja? Nein?

Da dränge ich niemanden. Mir geht es immer um Klarheit. Klar zu wissen, wo stehe ich? Wenn ich krank werde, wenn ich gar nicht mehr arbeiten kann? Wo stehe ich bei der Altersversorgung? Was, wenn mein Mann mich verlässt oder auch verstirbt? Also was bedeutet das rein finanziell und eben mal nicht emotional?

Geh die Geschichte pragmatisch an

Frauen gehen häufig blitzschnell in die emotionale Schiene und deswegen fällt es so schwer. Außerdem sind Frauen sehr viel sensibler als Männer. Männer packen an und machen. Die haben nicht so viel Angst vor Fehlern.

Frauen denken: Das ist alles so komplex. Es ist alles so schwierig. Aber bevor ich etwas falsch mache, mache ich lieber gar nichts. Ich muss mich erst einmal weiter damit erst mal befassen. Ich muss mich erst einmal schlau machen. Und so geht ein Jahr nach dem anderen ins Land. Das ist natürlich eine ganz große Katastrophe, weil neben Renditen oder Anlageformen auch Zeit ein ganz wesentlicher Aspekt ist. Je länger man Zeit hat, desto mehr erreicht man.

Ok, das mit der Zeit leuchtet mir ein. Aber meine Emotionen kleben so fest an meinen Geschichten. Die kann ich ja nicht einfach an der Türschwelle abgeben. Ich höre Stories von Frauen in denen ihre Finanzberater mit den Emotionen – Sorge oder Angst zum Beispiel – entweder nicht umgehen können oder sie schamlos ausnutzen, um Produkte zu verkaufen. Du sagst, du nimmst die Emotionen und stellst die Klarheit der Fakten daneben. Wie stelle ich mir so einem Gespräch mit dir vor?

Ja, unbedingt – beides hat Platz. Deswegen ist ein erstes Gespräch immer persönlich. Ich kann ja zwischen den Zeilen lesen, wenn ich einen Menschen ansehe. Was sagt sie mir und welche Emotionen sind da? Klar heute laufen Beratungen auch über Skype. Doch erst zu einem späteren Zeitpunkt. Ich finde es super wichtig, dass man sich mindestens einmal persönlich gesehen hat.

Finanzplanung heißt: Hose runter

Das hat mit Vertrauen zu tun. Frauen, die zu mir kommen, müssen mir ja vertrauen können. Finanzberatung und Finanzplanung bedeuten immer – nennen wir es „Hose runter“. Das heißt ja auch, sich zu öffnen, Dinge zu erzählen, auch unangenehme Dinge, wo man vielleicht Fehlentscheidungen getroffen oder sich in seinen eigenen Finanzgeschichten verirrt hat. Es heißt neues Vertrauen zu fassen.

Ich weiß, meine Branche hat ein grottenschlechten Ruf, und leider, leider immer noch zu Recht. Es gibt mittlerweile ganz viele gute Berater und Beraterinnen, aber es gibt leider auch noch viel zu viele schwarze Schafe, die dieses Thema eben nicht ganzheitlich planerisch angehen, sondern den Produktverkauf in den Vordergrund stellen. Denen eigentlich egal ist, was für Schicksale sich vielleicht dahinter bewegen.

Ich arbeite im StoryCoaching das universelle Modell der Heldenreise und erlebe immer wieder, dass es Frauen reflexartig ablehnen, sich selbst eine Heldin zu nennen.
Mein Verständnis von Held*innen: Es geht um Menschen wie dich und mich. Wir sitzen im Hier und Jetzt auf unserem vertrauten Sofa. Und möchten da auch gern bleiben. Manchmal zieht uns das Leben das Sofa unterm Hintern weg. Kind da, Job weg, Partner*in weg, usw.  = Finanzen im Eimer. Manchmal haben wir selbst das Gefühl, wir sollten jetzt mal… Vielleicht schaffen wir es. Wir ziehen los, überwinden Hürden und kommen irgendwo neu an. Damit die Heldin nicht alles allein durchkämpfen muss, trifft sie auf einen Mentor, eine Mentorin.
Ich sehe dich ganz klar als (m)eine Finanz-Mentorin. Deshalb interessiert mich deine Perspektive: Was zeichnet eine Finanzheldin aus?

Eine Frau wird in dem Moment zur Finanzheldin, in dem sie das Thema Finanzen als ihre eigene Verantwortung begreift. Viele Frauen wissen, dass es ein wichtiges Thema ist. Trotzdem lassen sie es häufig bei den Männern oder bei den Partnern.

Unabhängig heißt finanziell unabhängig

Wenn die Männer es denn besser können, finde ich das überhaupt nicht schlimm. Das macht ja eine Partnerschaft aus. Wenn ein Mann das besser kann, soll er das doch gerne tun. Oder der Partner, die Partnerin. Aber worum geht es mir? Um Klarheit. Eigenverantwortung heißt, das Frauen erkennen „Ich bin nur unabhängig, wenn ich finanziell unabhängig bin!“

In Hamburg, sagt die Statistik, gehen 50 Prozent aller Partnerschaften wieder auseinander. Doch selbst wenn man zusammenbleibt, und jeder hat sein eigenes Einkommen, dann hat das für mich was mit Selbstwertgefühl zu tun. Das hängt tief in meiner eigenen Geschichte. Ich habe mit 11 Jahren angefangen zu arbeiten, weil es für mich gruselig war, mit meiner Mutter über Geld zu sprechen. Und wenn ich einen Mann oder wen auch immer fragen müsste: „Ich möchte ein Paar Schuhe kaufen. Kannst du mir 100 Euro geben?“, ist das für mich furchtbar.

Finanzheldin übernimmt Eigenverantwortung

Deshalb übernimmt eine Finanzheldin Eigenverantwortung und fragt sich:

  • Was passiert eigentlich mit mir, wenn ich krank werde, wenn mein* Partner*in krank wird?
  • Was passiert, wenn er/sie gar nicht mehr arbeiten, wenn er/sie verstirbt?
  • Und was passiert, wenn ich nicht mehr arbeiten kann oder nicht mehr arbeiten möchte? Was bedeutet das für mich?

Katrin Klemm Storytelling mit Monika Borchert Finanzgeschichten

Stellen wir uns vor, die Heldin rüstet sich jetzt mit Eigenverantwortung und macht sich auf die Reise. Wie im Kino fiebern wir mit ihr. Wir drücken ihr die Daumen, dass sie es schafft.
Doch immer, wenn sie kurz davor ist, ihr Ziel zu erreichen – rumms – bricht mitten auf dem felsigen Weg zum Gipfel der Berg plötzlich weg oder lauert hinter der nächsten Ecke schon wieder irgendein fieses Monster. Was sind denn in Geldangelegenheiten die größten Hürden, die Frauen überwinden müssen, um in Sachen finanzielle Absicherung und Vorsorge wirklich siegreich zu sein?

Kaufen macht nicht (immer) glücklich

Altersvorsorge ist für viele der Kauf eines Produkts oder mehrerer Produkte. Das ist schon mal der erste Fehler. Bevor ich kaufe, muss ich doch erst wissen, wo ich denn überhaupt stehe. Wo will ich denn hin? Und wann brauche ich überhaupt welches Geld? Erst wenn ich den Weg und meine Ziele beschrieben habe, meine Eckdaten kenne, dann begibt man sich auf Produktsuche. Das wird wirklich sehr häufig falsch gemacht.

Natürlich, es gibt auch gute Bankberater. Aber viele Bankberater sind ja sehr unter Druck. Die müssen Produkte verkaufen. Jeder der da reinkommt – die Oma, die Auszubildende oder der Arzt – kriegt dann das Produkt des Tages.

Und es geht noch schlimmer. „Hast du schon eine Riester-Rente? Hast du schon eine Basis Rente, da kannst du Steuern sparen!“ Dann denkt unsere Heldin: „Ach, ich wollte mich ja sowieso mal mit Altersversorgung beschäftigen. Ich mach das jetzt. Dann spare ich auch noch Steuern! Wunderbar! Damit hab ich diese leidigen Finanzgeschichten auch gleich abgehakt.“ Irgendwann kommen diese Produkte bei mir auf den Tisch. Und ich stelle fest, die Kundin zahlt ja gar keine Steuern. Was ist denn das für ein Produkt? Das passt überhaupt nicht zu ihr.

Die größte Falle für mich ist es, einfach Produkte zu kaufen, die häufig nicht zueinander passen, die häufig gar nicht zu der Person passen. Deswegen ist das Thema Finanzplanung die allerwichtigste und die größte Hürde, weil eine Planung so oft leider so gut wie gar nicht vorhanden ist.

Corona ist auch nur eine Krise

Neben individuellen Schicksalen (zur kompletten Aufzeichnung HIER entlang) hatten wir seit Beginn der Corona-Krise auch ordentliche Schwankungen und unabsehbare Risiken in Börsen und Wirtschaft. Ganz viele Frauen wollen oder müssen gerade jetzt ihr Geld zusammenhalten und fragen sich: „Ausgerechnet jetzt soll ich mir auch noch Gedanken um meine Altersversorgung machen?“
Wann ist denn der beste Zeitpunkt zu sagen: “Ich schlage jetzt ein neues Kapitel meiner persönlichen Finanz-Geschichte auf”,  und wo fange ich am besten an?

Also das Thema Corona und Wirtschaft ist natürlich wirklich ein spezielles. Es ist eine Krise. EINE Krise. Im Laufe unseres Lebens haben wir ja viele Krisen zu meistern. Und dieses Thema Geld zusammenhalten, liquide sein halte ich grundsätzlich für gut. In dieser Zeit, weil die Märkte volatil sind und keiner weiß wie sehr, weil sich die Börse komplett entkoppelt hat von dem Marktgeschehen ist es  – ja, ich wiederhole mich – besonders wichtig, einen Finanzplan zu haben.

Schon wieder die Geschichte mit den Emotionen

Das ist auch genau das, was viele Menschen, insbesondere Frauen, falsch machen, wenn man anfängt mit Geldanlage. Zum Beispiel an der Börse. Dort darfst du nicht emotional sein. Dort brauchst du einen Finanzplan, den du dann auch durchhältst. Wichtig ist eine große Flexibilität. Man muss seine Geldanlagen seiner persönlichen Situation anpassen können. Es aber auf die lange Bank zu schieben oder selbst jetzt wieder zu sagen Ich warte nochmal ein Jahr halte ich für grundsätzlich falsch.

Die beste Zeit ist immer Jetzt

Fang jetzt und sofort an – das ist das A und O. Erstelle einen Plan. Beginne mit kleinen Beiträgen durchaus auch erstmal Rücklagen zu sparen. Denn Zeit ist neben Rendite und Höhe der Beiträge, die man sparen kann, das dritte ganz wichtige Standbein. Aufschieben ist wirklich der allerschlechteste Weg.

Also, Frauen, lasst uns über Geld reden.

Ein herzliches Dankeschön an Monika Borchert für deine Einblicke in Finanzgeschichten, wie du sie siehst und erlebt hast in 30 Jahren Berufserfahrung.