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Meilensteine deines Lebens

Mit den „Meilensteinen deines Lebens“ Klarheit für dein nächstes Kapitel gewinnen

Das Tool „Meilensteine deines Lebens“ hilft dir dabei, deine bisherige Lebensreise sichtbar zu machen und daraus wertvolle Erkenntnisse für eine aktuelle berufliche oder persönliche Herausforderung abzuleiten. Wann immer ich mit Frauen in der LifeStory gearbeitet habe – ob vor Ort in Hamburg oder Online – war es berührend zu sehen, welche tiefen Entdeckungen aus den Meilensteinen entstanden sind. Und wie viel persönliche Wertschätzung gegenüber dem eigenen Weg, der eigenen Person.

Vor diesen Herausforderungen stand Heinrike zu Beginn ihrer LifeStory-Reise. Lies mehr über ihre persönlichen Erfahrungen mit den Meilensteinen des Lebens.

In diesem Beitrag bekommst du:

  • eine detaillierte Schritt für Schritt-Anleitung
  • eine Arbeitsskizze
  • zwei weitere Praxis-Beispiele

Leg los.

Du wirst wichtige Ereignisse auf deiner Lebenslinie verorten, wirst Muster, Stärken, Werte und Chancen erkennen, die dir bisher vielleicht nicht bewusst waren. All das wirst du nutzen, um dir den nächsten Schritt leichter zu machen.

Vor welcher Herausforderung stehst du aktuell?

Deine Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vorbereitung

Überlege dir zuerst, vor welcher persönlichen oder beruflichen Herausforderung du gerade stehst. Schreibe sie in einem Satz auf. Denn je genauer wir unseren Fokus auf eine bestimmte Frage richten, desto konkreter werden die Einsichten, die wir mit einer Übung gewinnen.

Beispiele:

  • „Ich möchte mich beruflich neu orientieren, weiß aber nicht, in welche Richtung.“
  • „Ich überlege, ob ich eine Führungsrolle übernehmen oder im Team bleiben soll.“
  • „Ich möchte wieder mehr Leichtigkeit und Energie im Alltag spüren.“

2. Zeichne deine Lebenslinie

Nimm ein großes Blatt Papier  (mindestens A3, am besten einen Flipchartbogen). Zeichne eine waagerechte Linie von ganz links nach rechts.

Markiere darauf deine Lebensjahre – von 0 bis heute, am besten in 10-Jahres-Schritten.

Ziehe nun eine senkrechte Linie am linken Rand und markiere den Bereich oberhalb der waagerechten Linie als Bereich für die positiven Ereignisse (➕). Unter der Linie liegt der Bereich für negative Ereignisse (➖).

Das ist die Grundlage für eine visuelle Landkarte deines Lebens, auf der du gleich die wichtigsten Punkte platzieren kannst.

Unten im Beitrag kannst du dir eine Skizze anschauen.

Der Blick zurück auf deine Meilensteine

3. Finde 5–6 prägende Meilensteine

Überlege jetzt, welche Ereignisse deinen bisherigen Weg besonders beeinflusst haben. Schreibe jeden Meilenstein auf ein eigenes Post-it oder verwende ein Foto.

Meilensteine können sein:
ein Schul-oder Berufs-Abschluss, Geburt eines Kindes, Auszeichnung, Jobangebot, Beförderung, Krankheit, Unfall, Trennung, Neubeginn, Gewinn, Verlust eines Menschen oder Status, berufliche Krise, Erfolgserlebnis.

Sammle erst einmal alles, was dir in ca. 10-15 Minuten einfällt. Dann entscheide dich für 5 der wichtigsten Meilensteine.

Diese 5 ordnest du zeitlich passend auf deiner Lebenslinie ein.

  • Wann haben sie stattgefunden?
  • Wie hast du sie DAMALS empfunden? Positiv, dann gehören sie in den Bereich über der waagerechten Linie (➕). Unter die Linie kommt alles, was du als negativ empfunden hast (➖).

Jetzt hast du ein erstes Bild von zeitlichen Zusammenhängen, emotionalen Bewertungen und Wendepunkte deiner Lebensgeschichte.

Was war in dem Moment wichtig?

4. Analysiere jeden Meilenstein aus der Perspektive der Vergangenheit

Betrachte nun jeden Meilenstein einzeln und notiere auf jeweils einem Post-it:

Welche Werte waren betroffen? (Skizze unten: Symbol W)

Es gibt unendlich viele Werte. Spür hin, worum ging es bei dir? Vielleicht um: Freiheit, Sicherheit, Anerkennung, Fürsorge, Erfolg, Kreativität, Zugehörigkeit,…?

  • Welcher deiner Werte war erfüllt?
  • Welcher war verletzt?
  • Was hat diese Situation damals über dich offenbart?

Welche unsichtbare Kraft steckt darin?

5. Analysiere danach jeden Meilenstein mit deiner heutigen Sicht auf die damalige Situation

Häufig ist es ja so, dass wir mit dem Abstand der Jahre Dinge klarer sehen. Dass uns viel deutlicher wird, welches Glück wir vielleicht in einer bestimmten Situation hatten. Aber auch, wozu manche harte Momente in unserem Leben letztendlich gut – oder sogar nützlich – waren. Dieser Rückblick ist dein nächster Schritt.

Welche Chance oder Stärke steckte darin?(Skizze unten💡)

  • Welche Möglichkeit steckte in dieser Situation (erwartet oder unerwartet)?
  • Falls der Meilenstein im negativen Bereich lag: Wie hast du es geschafft, wieder herauszukommen? Welche Stärke hast du dafür genutzt?

Nutze diese Gelegenheit, dir unsichtbarer Ressourcen, Stärken und Muster bewusst zu werden, die dir heute weiterhelfen können.

Halte einen Moment inne und erlaube dir den Gedanken “Das alles habe ich bereits geschafft!”

6. Wechsle in die „Adlerperspektive“

Tritt gedanklich einen Schritt zurück und betrachte dein Lebensbild als Ganzes:

  • Was fällt dir auf?
  • Welche Muster erkennst du?
  • Tauchen bestimmte Werte immer wieder auf?
  • Welche Stärken haben dich immer wieder getragen?
  • Welche Botschaft sendet dir dein eigener Weg?

Schreibe deine Erkenntnisse auf.

Als Abschluss der Meilensteine deines Lebens vervollständige den Satz:

„Am stärksten verbunden fühle ich mich mit meinem Job | Leben, wenn ich …“

Diese Formulierung zeigt dir, was dir wirklich wichtig ist – und kann als innerer Kompass für deine aktuelle Challenge dienen.

All das steht dir zur Verfügung

7. Nutze diese Erkenntnisse für deine aktuelle Herausforderung

Kehre jetzt zu der Herausforderung zurück, für die du dich zu Beginn der Übung entschieden hast. Betrachte sie als das, was sie ist: “nur” ein weiterer Meilenstein auf deiner Lebensreise.

Notiere dir 3 Dinge – Stärken, Charaktereigenschaften, Strategien – die dir bereits einmal geholfen haben. Überprüfe, wie du sie bei der Bewältigung deine aktuellen Herausforderung einsetzen kannst.

Meilensteine des Lebens - Tool Tip Story Coaching Katrin Klemm

 

Lass mich dir noch zwei Beispiele geben

Berufliche Neuorientierung

Susanne, 42, nimmt jeder von außen die erfolgreiche Managerin ab. Keiner ahnt wie eingeengt sie sich innerlich fühlt. Die Frage, ob sie so weitermachen will, wird immer lauter. Sie sehnt sich nach Sinn, Authentizität und mehr Freiheit, fühlt aber auch Angst vor Veränderung. Ihre Ärztin schickt sie in eine Zwangspause.

Als wir auf ihre Meilensteine schauen, erinnert sie sich: der Abbruch ihres Studiums als Tiefpunkt, später der nachgeholte Abschluss – ein Moment der Selbstwirksamkeit. Ihre erste Führungsposition gab ihr Sinn, bis der Burnout sie stoppte. Erst im Sabbatical fand sie Ruhe und Klarheit.

In all dem entdeckt sie ein Muster: Sie blüht auf, wenn sie authentisch ist und Menschen entwickeln kann. Zurück im Job spürt sie sofort wieder die alte Enge. Doch diesmal hört sie darauf. Die Idee, als Beraterin selbstständiger und freier zu arbeiten, fühlt sich plötzlich richtig an.

Sie führt Gespräche, prüft Optionen und kündigt schließlich ihre alte Position. Sie sagt “Am stärksten verbunden fühle ich mich, wenn ich Menschen entwickle und mir selbst treu bleibe.“

Entscheidung für eine Führungsrolle

Marina wird von Kunden und Teamkolleg/innen als Projektmanagerin geschätzt. Doch als ihr eine Führungsrolle angeboten wird, kommen Zweifel hoch. Verantwortung zu übernehmen klingt nach Chance – aber auch nach Risiko. Sie erinnert sich an frühere Teamkonflikte und fürchtet, nicht genug Klarheit geben zu können.

Wir schauen uns die Meilensteine ihres bisherigen Weges an. Marina erkennt: Im Vereinsvorsitz hatte sie bereits früh erfolgreich Verantwortung übernommen. In einem heftigen Konflikt hätte sie am liebsten alles hingeschmissen. Doch er lehrte sie auch, Klarheit zu schaffen. In einer Weiterbildung lernte sie, heikle Gespräche souverän zu führen. Damit ist sie gut gerüstet.

Als ein Projekt ins Stocken gerät, übernimmt Marina spontan die Leitung, strukturiert das Team neu und bringt es zurück auf Kurs. Dieser erfolgreiche Projektabschluss ist ein besonderer Meilenstein, der bis heute trägt. Ein Muster wird sichtbar: Verantwortung, Klarheit und Wirkung ziehen sich durch ihr Leben. Dieser Moment zeigt ihr, wie sehr sie gewachsen ist.

Deshalb sagt sie Ja zur Führungsrolle mit dem inneren Wissen: „Ich bin am stärksten, wenn ich Verantwortung übernehme und Klarheit schaffe.“

Du suchst Sparring für deine Meilensteine des Lebens?

Du kannst der Schritt-für-Schritt-Anleitung zwar folgen, doch weißt, dass vier Augen mehr sehen als zwei. Lass von dir hören ich bin hier für dich. Gleich hier kannst du einen ersten kostenfreien Zoom-Call vereinbaren oder du schreibst mir hallo[at]katrinklemm.de

 

Filme fürs Leben

Ein Story-Buch mit vielen Facetten

Es ist trüb und grau draußen? Wunderbar! Die beste Zeit um Filme, Filme, Filme zu schauen und meine Story-Tanks wieder mit bestem Stoff aufzufüllen.

Gehörst du auch zu den Binge-Watchers?

Warum sehnen wir uns nach der Kinoleinwand, kleben vor dem Bildschirm oder können uns nur mühevoll von manchen Serien losreißen? Wir wollen unterhalten werden, uns mal ablenken, in fremde Welten verschwinden. Wollen vielleicht auch herausfinden, wie ein/e Regisseur/e das Lieblingsbuch, das wir verschlungen haben, verfilmt hat.

Doch ob bewusst oder nicht – manchmal wollen wir auch nur in eine gute Geschichte eintauchen. Und dabei – wie oft ist es dir schon so ergangen – ein kleines bisschen uns selbst begegnen. Der Vorteil? Wir können die Kämpfe, die wir selbst täglich ausfechten – im Job, mit Kindern, Partner*innen, … – im Außen oder in unserer eigenen Innenwelt, ganz entspannt von der Couch aus betrachten. Wir müssen uns kein bisschen anstrengen. So ist das mit guten Geschichten. Wir lernen ohne selbst auch nur den kleinsten Tropfen Schweiß zu vergießen.

Klingt gut, oder?

Filme zeigen uns unsere Welt: im Außen und Innen.

Rüdiger Dahlke – inzwischen 70 – hat richtig viele Filme davon gesehen. Er hat sie genauer unter die Lupe genommen und gemeinsam mit Margit Dahlke schon 2018 ein Buch daraus gemacht.

Rüdiger Margit Dahlke Hollywoodtherapie - Filme im StoryCoaching Katrin Klemm

 

Ein Buch ganz in meinem Sinne. Seit ich 2011 begonnen habe, Filme in meine StoryCoaching-Arbeit zu integrieren, nutze ich für und mit meinen Klient/innen diesen leichtfüssigen Weg, Zugang zu inneren Erlebnissen zu finden. Seit damals träume ich davon, so ein Buch zu schreiben, wie die Dahlkes es getan haben.

Ok, jetzt bin ich zu spät.

Macht nichts. Es gibt viele gute Gründe für dieses hier.

Leben im Film auf Lebensbühnen

Die Dahlkes nehmen Filme anhand von Lebensbühnen unter die Lupe. Lebensbühnen sind ein Konzept, nach dem sich Ereignisse und Erlebnisse der eigenen Biografie sortieren und strukturieren lassen. Bühnen wie Kampfgeist, Tatkraft, Selbstwert, Selbstverwirklichung, inneres Wachstum, Harmonie, Wandel greifen Themen auf, die im Coaching Dauerbrenner sind.

Auf die Einleitung, in der wir knapp erfahren, was es mit den Lebensbühnen auf sich hat, folgt eine kurze Erläuterung zur jeweiligen Bühne. Die Dahlkes zeigen Stärken und Schwächen dieser Bühne auf und ergänzen diese durch eine Reihe wertvoller Fragen zur Selbstreflexion. Jeder Bühne werden Filme zugeordnet (126 insgesamt), und unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten angeboten. Diese Deutungen verstehe sich als Einladung, nicht als Wahrheit.

Die Hollywood Therapie liest sich damit einerseits wie ein Roman. Zum anderen ist es eine umfangreiche Filmbibliografie und drittens auf anregende Weise zur Selbstreflexion/ Selbst-Coaching geeignet.

Jeder Film eine Entdeckung

Ich entdecke verblüfft, dass ich über 75% der Filme selbst schon gesehen habe. Gar keine schlechte Quote. Und doch entdecke ich viele neue Sichtweisen auf die Filme.

Vergissmichnicht, ein Film den ich vor zehn Jahren zum ersten Mal gesehen habe, gehört zu meinen persönlichen Favoriten.

Als Margaret ihren 40. Geburtstag feiert, klopft ein greiser Notar an und übergibt ihr einen Brief – von ihr selbst.

33 Jahre zuvor: Die kleine Margaret ist ganz und gar nicht damit einverstanden, was beim Erwachsenwerden alles schieflaufen kann. „Mit mir nicht“, beschließt sie. Sieben Briefe setzt sie auf, um sich daran zu erinnern. Sie übergibt sie einem jungen Notar. 33 Jahre später hält sie den ersten Brief in den Händen und wünschte, sie hätte diese verflixten Briefe nie geschrieben. Nur zögerlich beginnt sie, sich mit den Anordnungen zu beschäftigen, die sie sich selbst als Kind für die Zukunft gegeben hat. Erschrocken erkennt sie, dass all ihre Ideale von damals vollständig über Bord gegangen sind. Sie fasst sich ein Herz, ein paar Dinge ihres Lebens noch einmal zu überdenken. Ein Tauchgang in ihre Vergangenheit, der ihre Gegenwart zunehmend aufmischt.

Eine must-watch-Empfehlung vor allem an Frauen, denen auf ihrem Karriereweg der Kontakt zu sich selbst verloren gegangen ist. Frauen, die nicht mehr anders können oder wollen, als herauszufinden, was im nächsten Kapitel ihres Lebens für sie zählt, Frauen, die ihre LifeStory ganz neu schreiben wollen.

Aus welchem Film hast du bisher am meisten für dein Leben mitgenommen? Schreib es in die Kommentare.

 

 

 

Teebeutel-Stories auf Clubhouse und (mein) gesunder Menschenverstand

Was ich auf Clubhouse mache. Und warum. Und wie ich dazu gekommen bin. Mal wieder eine meiner ganz persönlichen technischen Heldenreisen.

Ihr redet über Teebeutel? Echt jetzt?

Als es mit Clubhouse zu Beginn des Jahres losging, lag mir der Gedanke, dort dabei zu sein ungefähr so fern wie die Idee, meine Zukunft aus Teeblättern zu lesen. Ich und iPhone? Niemals! Seit Jahrzehnten bin ich treue Android Nutzerin und Apple kommt mir nicht ins Haus.

Doch es kam.

Und zwar schon eine Woche später. Wenn meine Kollegin und Freundin Susanne eine Idee hat, die sie umsetzen will, dann kennt sie nix. Sie kauft ein gebrauchtes iPhone günstig und versichert mir „Wir machen jetzt Clubhouse. Du kannst das“. Naja, das war’s schon mit meinem Widerstand. Susanne kann sehr überzeugend sein.

Clubhouse-Stories und Warnungen

Was schwirrte da nicht alles durchs Netz  zu Beginn: Hype und Warnungen aller Arten. Als erklärte Leserin von Bedienungsanleitungen hab ich erstmal gelesen und geforscht. Bis es mir zu viel wurde und ich einfach mal gemacht habe. Und es bis heute noch keinen Augenblick bereut.

Pro und Con aus meiner ganz persönlichen Sicht

Man sagt:

Die saugen alle deine Daten ab und du kannst dich nicht wehren.

Ich finde:

Tun sie nicht, denn ich habe auf meinem neuen gebrauchten iPhone gar keine drauf. Doch selbst wenn ich welche hätte – zu Beginn deines Clubhouse Engagements wirst du gefragt ob du alle Kontakte hochladen möchtest. Und wie überall in der Welt kannst du Nein sagen. (Wenn du das noch nicht kannst, wird es Zeit das zu üben – so zum Beispiel )

Man sagt:

Es ist exklusiv nur für iPhone Nutzer und das schafft künstliche Verknappung.

Ich finde:

Ist doof (war zu Beginn so). Kann sein. Susannes pragmatische Lösung steht oben. Aber auch für Android ist es jetzt bald soweit sagt der STERN.

Man sagt:

Du musst eine Einladung haben. Das schließe andere aus oder verknappe den Zugang künstlich. Fear of Missing out würde dazu führen, dass alle unbedingt reinwollen.

Ich finde:

Ist für mich völlig in Ordnung. Wenn du dich wirklich von FOMO einfangen lässt, ist es Zeit, wieder mal darüber nachzudenken, wovon du dich steuern lässt. Alles was einen unangenehmen Druck erzeugt oder eine irrationale Angst, kann ein guter Anlass sein, mal wieder kurz die eigenen Bedürfnisse zu checken. Muss ich wirklich überall dabei sein? Geht die Welt unter, wenn ich es nicht sofort bin? Ausatmen, weiter leben.

Wenn du wirklich eine Einladung möchtest, frag herum und ich bin sicher, dass du rasch eine bekommst. Denn ehrlich – inzwischen gibt es Redner*innen und Clubs mit tausenden Followern und die müssen ja irgendwo her- also auch reingekommen sein. Entspann dich. Notfalls frag mich, nenn mir einen guten Grund und ich lade dich gern ein.

Man sagt:

Künstliche Exklusivität: hier  ab 7:00 erklärt Prof. Dr. Christian Rieck ein paar spannende spieltheoretische Hintergründe, wie man die Begehrlichkeit durch Schlangestehen vor den Türen erhöht und sich als Unternehmen in eine (angenommene) Machtposition setzt. Das wahrgenommene Kräfteverhältnis charakterisiere ein Monopol, sagt Herr Rieck.

Ich finde:

Erfahrung durch Schlangestehen schafft Exklusivitäts-Immunität.

Exklusiver Duft von frischem Brot

Als Fünfjährige in Sachsen stand ich freitags ab halb drei beim Bäcker nach frischem Brot an. Bis drei musste ich ausharren im verlockenden Duft aus der Backstube. Gequält von der Angst, es könnte ausverkauft sein, bevor ich dran wäre. Ist nie passiert. Ich konnte jeden, wirklich jeden Freitag genussvoll – und mit nur minimal schlechtem Gewissen – ein Loch in die knusprige Kruste des ofenwarmen Brotteigs knabbern. Bauchschmerzen waren mir egal. Ich war ein Kind.

Fühlte ich mich dem machtvollen Bäcker ausgeliefert? Vielleicht. Doch die Belohnung machte es wett.

Bis heute bin ich keine Clubgängerin und so blieb mir das „Trauma“ erspart, an der Tür eines angesagten Clubs abgewiesen zu werden. Jetzt soll ich das Clubhouse-Gebaren Exklusivität unanständig finden? Tu ich nicht. Manchmal muss man warten, bevor man etwa bekommt. Ja und? Ist halt so.

Man sagt:

Relativ hohe Kollektivität fördere intellektuelle Inzucht. Es unterhielten sich nur die, die sich eh schon kennen, sich gut finden und gegenseitig pushen.

Ich finde:

Kann sein. Ist mir aber auch egal. Denn niemand zwingt mich ja, Menschen zuzuhören, die ich nicht interessant finde. Wenn ich in bestimmten Räumen Dinge höre, die ich schon auf anderen Plattformen gehört habe, und ich keinen zusätzlichen anregenden Aspekt finde, dann verlasse ich den Raum. Die Freiheit habe ich jetzt (anders als damals im Osten kann ich einfach gehen). Und ich nutze sie.

Man sagt:

Soziale Kontrolle. Es wird angezeigt, wer durch wen eingeladen wurde. Wenn einer rausfliegt, weil er sich danebenbenimmt, fliegt der, der eingeladen hat mit raus. Rieck nennt das subtile Kleinigkeiten, die in dieser App mit drin stecken (und ich entnehme seiner Stimme, dass er das gar nicht lustig findet). Außerdem wird mir wird angezeigt, welche Menschen mit denen ich verbunden bin, gerade in welchen Räumen unterwegs sind.

Ich finde:

Ja, das ist soziale Kontrolle. Für mich bedeutet es in dieser Form nichts Ungehöriges – im Gegenteil. (Ich setze hier voraus, dass einer meiner Kontakte nicht durch einen technischen Fehler oder üble Nachrede gehen muss).

Und ja.  Ich kann mich auf die Aufgeschlossenheit und den guten Geschmack von Menschen, denen ich vertraue (meist) verlassen. Es fördert meinen Anreiz, mich auch in diesem Raum mal umzuschauen. (womit wir wieder bei der intellektuellen Inzucht wären 😉 ) Weil ich ja jederzeit selbst entscheiden kann, ob ich gehe oder bleibe. Ich finde soziale Interaktion großartig, weil wir aus meiner Sicht genau das brauchen.

Man sagt:

Zeitverschwendungspotential – man wird mit Infos überflutet, die man gar nicht so toll findet, und die die Zeit nicht wert sind

Ich finde:

Ja, manchmal frage ich mich schon, wie manche Empfehlungen bei mir eingespielt werden. Vor allem, wenn es russisch (meine Schulbildung ist schon Jahre her) oder chinesisch (leider nie die Lern-Geduld gehabt) ist.

Selbstbestimmte Interaktion

Ich nutze es für mich als Übung, rasche Entscheidungen zu treffen. Es ist wie ein Schnell-Check. Will ich weiter zuhören oder nicht? Wenn ja, warum? Will ich mich einfach nur mal ablenken? Ist auch in Ordnung. Habe ich zu einem Thema was zu sagen?

Eine super Übung, mir zu merken was ich sagen will – auch wenn ich mal länger warten muss, bis ich dran bin. Und es dann kurz und knackig auf den Punkt zu bringen. Am besten so, dass auch andere etwas davon haben. Kostenloses Entscheidungs- und Sprechtraining. Super Gelegenheit.

Teebeutel-Stories

Ihr sprecht wirklich über Teebeutel? Echt jetzt?

Ja genau – seit Jahren trinke ich eine bestimmte Teesorte nicht nur deshalb, weil ich fast alle Varianten köstlich finde. Sondern ich bin jeden Morgen neugierig auf den Beutel-Spruch. Mein tägliches Orakel. Wie eine ganz kleine Achtsamkeitsübung ohne Aufwand.

Storycoaching Storytelling auf Clubhouse Katrin Klemm

Seit Februar veranstalten Susanne und ich jeden Montagabend unseren Teebeutel-Talk. Ein schlankes Format, selten länger als eine dreiviertel Stunde. Wir verbinden diese Inspirationen mit Themen, die uns in unserem Business und im Alltag bewegen. Seit dem haben wir eine Vielzahl inspirierender Menschen kennengelernt, die mir sonst vielleicht nicht begegnet wären.

Die Anzahl der Follower interessiert mich nicht wirklich. Es ist großartig, wenn Menschen unseren Talk finden. Doch ich brauche keine Fake likes. Ich gönne Räumen mit 1000+ Zuhörer*innen ihre große schweigende Zuhörerschaft.

Echter Austausch mehr wert als Likes

Uns ist der Austausch wichtiger. Mit denen die da sind – und wenn es nur eine kleine Gruppe ist – wunderbar. So können wir sehr offen sprechen (ja, mir ist immer bewusst, dass wir nicht wirklich unter uns sind und deshalb gibt es Grenzen).

Wir nehmen uns Zeit, unsere Gegenüber ausreden zu lassen, ihnen zuzuhören, nachzufragen. Wir müssen auch nicht immer einer Meinung sein, sondern haben Zeit und die Gelegenheit zu verstehen, zu lernen und die Vielfalt zu akzeptieren.

Vor allem habe ich meine Lust am Moderieren wiederentdeckt. In einem für mich völlig neuen Medium. Da trauere ich jetzt auch dem Podcast nicht mehr nach, den ich aus Kapazitätsgründen im letzten Jahr auf Eis legen musste.

Hör zu. Bring dich ein. Du bist willkommen

Oder lade mich als Moderatorin ein. Wenn du ein spannendes Thema hast, komme ich gern.

Unsere nächsten Teebeutel- Talks:

17. Mai  | 19:30 Uhr – Entwickle die Fähigkeit zuzuhören
24. Mai | 20:30 Uhr – Innerer Wohlstand
31. Mai  | 20:30 Uhr – Selbstrespekt lernen

 

Wie erlebst du Clubhouse? Lass es mich wissen. Gleich hier im Kommentar.

 

Storytelling wenn es schnell gehen muss

Schöne Geschichte: Überraschung zum Start

Vor kurzem durfte ich als Dozentin bei der Evangelischen Medienakademie einen ganzen Tag zum Storytelling gestalten. Ich war top vorbereitet. Und gleich zu Beginn erstmal sprachlos. Die Überraschung: zwei Studenten stellten genau das Buch vor, das mein nächster Buchtipp hier im Blog gewesen wäre.

Sie waren großartig. Ich hätte es nicht besser hinbekommen. Deshalb habe ich Sebastian Stein gebeten, mir ihre Intro als Gastbeitrag zu schenken. Hier ist er. Herzlichen Dank, Sebastian.Buchempfehlung Tell me Mit Storytelling überzeugen Katrin Klemm StoryCoach

Februar 2021, Samstagabend.

Ich lese das erste Mal in meinem Leben ernsthaft ein Sachbuch. Ganz freiwillig hat es nicht den Weg in meine Hände gefunden. Aber ich muss als Teilnehmer des Studiengangs Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Medienakademie in Hamburg ein Buch vorstellen.

Meine Frau hat Spätdienst, ich sitze allein auf dem Sofa und lese. Die Kinder sind im Bett. Das heißt, sie sollten es sein. Mein jüngster Sohn (6 Jahre, 1. Klasse) schaut noch einmal im Wohnzimmer vorbei und kuschelt sich an mich.

Er schaut neugierig ins Buch. „Was liest du da Papa?

Ein Buch, dass ich für mein Studium lesen muss.“
M-mh…“ Stille.
Dann: „Um was geht es da?
In dem Buch wird erklärt, wie man gut Geschichten erzählt.“
M-mh…“ Ein fragender Blick trifft mich.

Ich zeige ihm den Buchdeckel. “Guck mal, was siehst du da?
Ein gelber Luftballon.
Richtig. Und was ist das daneben?
Ein Kaktus.
Was meinst du, wird wohl passieren?
Der Kaktus kommt zum Luftballon und der Luftballon platzt.
Siehst du, schon hast du eine Geschichte erzählt.

Und in dem Buch steht, wie man solche Geschichten erzählen kann, damit sie richtig spannend werden.”

Story-Modelle und Muster zum Üben

Thomas Pyczak erzählt in seinem Buch viele Geschichten, bringt Beispiele und erklärt ein Erzähl-Modell nach dem anderen. Dabei gibt es kleine Unterschiede zwischen Vorträgen, in denen meistens eine Idee verkauft oder ein Prozess beschrieben wird und reinen Erzählformen wie Romane und Filme, die eher unterhalten wollen. Dennoch sind alle Modelle in Teilen kombinierbar.

Vorträge

So lernt man, wie man möglichst schnell Menschen von einer Idee überzeugen kann – sei es mit einem Elevator- oder einem Match-Pitch: Wer nur eine Aufzugfahrt oder während des Abbrennens eines Streichholzes Zeit hat, seine Geschichte zu erzählen, muss schon sehr genau wissen, was er sagen will und Interesse wecken.

Ein anderes Modell ist die Sparkline (auf Deutsch: Funkenlinie). Sie nimmt den Zuhörer eines Vortrags mit auf eine Reise. Erst wird der Status Quo dargestellt. Anschließend wird die Frage gestellt, was morgen sein wird. Der Vortrag pendelt immer wieder zwischen heute und morgen. Das baut Spannung auf. Am Ende steht dann keine Handlungsaufforderung, sondern das, was der Zuhörer aus dem Vortrag mitnehmen soll: die Benefits.

Erzählformen

Das Pyramidenmodell basiert auf drei Punkten: Anfang – Mitte – Ende. Dazwischen gibt es die aufsteigende und die absteigende Handlung. Es ist ein sehr schlichtes Modell, das vor allem in Dramen, aber auch in Filmen Anwendung findet.

Märchen hingegen beginnen immer mit „Es war einmal…“. Sie erzählen über einen Spannungsbogen eine Geschichte, die beim Status Quo anfängt („jeden Tag…“), über ein Ereignis („Eines Tages…“) zur eigentlichen Handlung kommt („Und so…“, „Und dann…“) und abschließend zu ihrem Ende kommt („Bis schließlich…“, „Und seit diesem Tag…“). Gerade in der Werbung wird häufig dieses Modell eingesetzt, da es den Absender auf eine komprimierte Art eine schöne Geschichte erzählen lässt. Eines der bekannteren Beispiele ist der Edeka-Weihnachtsclip „#heimkommen“.

Die Heldenreise eignet sich für unglaublich viele Erzählstränge – von der Werbung bis zum Blockbuster findet sich dieses Modell. Es sieht auf den ersten Blick wahnsinnig komplex aus, bildet aber eine großartige Grundlage für gute Geschichten. Dabei teilt sie die Handlung in eine dem Protagonisten (also dem Helden) vertraute und eine fremde Welt. Die Geschichte folgt dann zwölf Punkten. Dieses Modell findet sich in vielen Romanen, Erzählungen und Filmen – von „1001 Nacht“ bis „Star Wars“, von „Orpheus und Eurydike“ bis „Findet Nemo“.

Welches Modell man wählt ist meist davon abhängig:

  • was die Story ist
  • warum wir sie genau jetzt erzählen und
  • wem wir sie erzählen.

Nur wer sich diese Punkte klar macht, wird seine Zuhörer, Zuschauer oder Leser packen, mitreißen und überzeugen können.

Luftballon und Kaktus: die Story geht weiter

Kommen wir noch einmal zu der Geschichte zurück, die mein Sohn erzählt hat: „Der Kaktus kommt zum Luftballon.“ Diese Geschichte kann das Titelbild dieses Buches erzählen. Die Rückseite des Buches erzählt aber eine andere Geschichte.

Was zum Beispiel könnte aus einer ganz anderen Beziehung von Luftballon und Kaktus entstehen?

Fazit

Ich habe drei Semester Jura studiert und dabei ganz grässlich langweilige Sachbücher lesen müssen. Dieses Buch hat es aber geschafft, meine tiefsitzende Abneigung gegenüber Sachbüchern aufzulösen. Ein Buch, dass wirklich Spaß macht zu lesen.

Ein für mich persönlich wichtiges Resümee aus diesem Buch egalisiert alle Modelle, Muster und Techniken: Die Technik ist unwichtig. Die Geschichte zählt.

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Sebastian Stein beschreibt sich selbst als Christ, Familienvater und Marketing-Fuzzi, der irgendwie auch Autor, Komponist und Musiker ist. Er arbeitet in der Öffentlichkeitsarbeit eines großen diakonischen Unternehmens in Niedersachsen und engagiert sich ehrenamtlich in seiner Kirchengemeinde. In seinem Blog beschreibt er, warum er das hier vorgestellte Buch nicht hätte lesen sollen