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Ich brauch keinen Purpose sondern Geld – Goodread Nr. 10

Geld oder Sinn? Oder beides? Und was noch?

Wir alle stellen uns irgendwann die Frage: Warum arbeite ich eigentlich? Ist es der Sinn, die Sicherheit oder etwas ganz anderes?

Als leidenschaftliche „Anwältin“ meiner Klientinnen, die sich nach einem erfüllenderen Jobleben sehnen, lese ich (fast) alles, was verspricht, dass sie den Job finden der wirklich zu ihnen passt.

Attila Albert – Ich brauch keinen Purpose, sondern Geld.

Weshalb ich es lese

Das Buch hinterfragt unsere Vorstellungen von Arbeit und Erfolg.

Unser Job hat einen bodenständigen pragmatischen Sinn. Wenn kein anderer dir das Leben finanziert, arbeitest du um Miete, Strom, Versicherung, Telefon, Internet, die Bahnkosten, Lebensmittel zu bezahlen.

“Ein eigenes Einkommen,” sagt Albert, “verschafft .. Respekt und Würde, befreit .. von ständigen Existenzängsten und der Scham, bedürftig zu sein.“ (Seite 22) .

Ich finde: Das muss mal gesagt werden

Attila Albert Ich brauche keinen Purpose, sondern Geld - 8 Motivatoren für den Job zu wechseln

In meiner Design your LifeStory-Arbeit spielt der finanzielle Aspekt erst im letzten Drittel eine Rolle.

Denn ich erlebe bei Teilnehmerinnen, wie sie sich beim Ausschöpfen ihrer Wünsche und Potentiale leider zu oft durch finanzielle (Zwangs-) Vorstellungen zu beschränken, wenn wir diesen zu früh zu viel Raum geben.

Wenn Albert das ganz anders sieht, muss ich schon aus professioneller Neugier meine Nase in dieses Buch stecken.

Worum es geht

Geld oder Sinn, was motiviert uns, zu bleiben?

Der Autor wirft einen Blick darauf, was Angestellte bewegen kann, in ihrem Job zu verharren. Oder warnt jene, die sich bereits auf dem Markt umschauen davor, auf hohle Phrasen und leere Versprechen von Unternehmen hereinzufallen.

Als ersten Job-Motivator führt er deshalb das Geld ins Rennen. Ein faires Gehalt sichert finanzielle Stabilität und ermöglicht persönliche Freiheit. An der Einkommenshöhe drücke sich neben der Deckung der Kosten auch Anerkennung und Bestätigung des Arbeitgebers aus. Damit würde es zur “Quelle des persönlichen Selbstwertgefühls” (Seite 28).

Auch ich kenne Menschen, bei denen es so funktioniert. Kenne den einen oder die andere (Kinder aus dem Haus, Haus längst abbezahlt, gesund & fit), die längst in der Lage sind, sich zu gönnen, was immer sie möchten. Doch die Panik vor möglicher Verarmung treibt sie so stark, dass sie im goldenen Käfig (Hamsterrad inklusive) verharren, statt sich auf den Weg zu machen, etwas zu finden, das sie vielleicht mehr erfüllt als finanzielle Sicherheit.

Neben Geld und Sinn gibt es noch mehr

Sieben Job-Motivatoren

Neben dem Einkommen stellt der Autor sieben weitere Job-Motivatoren vor die helfen können, die eigene Arbeitszufriedenheit zu reflektieren.

Familie: ein Balanceakt

Familie: betrachtet er vor allem unter dem Aspekt der Verantwortungsübernahme für andere. Und die kostet nun mal. Zum einen Geld (siehe oben). Zum anderen Zeit, um alle notwendigen Care-Arbeiten (ob nun für Nachwuchs oder alte Eltern) zu koordinieren.

Setzt du deine Priorität in diesem Bereich, wirst du dich kaum in einer Position wohlfühlen, die  selbstverständlich dauerhafte Überstunden und ständige Erreichbarkeit von dir fordert.

Team: Was ist das richtige Maß?

Team: Wenn du dir deinen nächsten Job vor allem aufgrund der Menschen suchst, die dort arbeiten, nach einem ausgeprägten sozialen Zusammenhalt suchst, hast du hier einen starken Antreiber.

Ich kenne Menschen, die ihren Job zwar doof finden, doch allein wegen der Kolleg:innen bleiben (oder dorthin gehen, wohin der Chef gewechselt ist).

Doch bei allem „We-are-family“-Gedanken, ein Unternehmen ist „eine zielorientierte Zweckgemeinschaft“(Zitat 52). Ihr bleibt Arbeitskollegen. Und eine gesunde Konkurrenz darf dazugehören. Bist du dagegen gar kein Gruppenmensch – willst nur in Ruhe deinen Job erledigen -, treibt dir die Aussicht auf regelmäßig verpflichtende Teamaktivitäten kalten Schweiß auf die Stirn.

Karriere: wie definierst du sie für dich?

Karriere ergänzt das Interesse und die Freude am Beruf um den Faktor Fach- (inhaltliche Spezialisierung) oder Führungsmotivation (Strategie, Budget, Personal). Du willst mehr entscheiden und gestalten. Immer neue (Projekt-)Herausforderungen und oder Verantwortung als Führungskraft treiben dich an. Für dich zählt Leistung, weil es dann einen Titel oder mehr Gehalt gibt. Oder du kannst deine eigene Expertise weiterentwickeln und erreichst mehr Sichtbarkeit.

Dann solltest du – wenn du befähigt und willens bist – aufsteigen können, und das funktioniert nicht in jedem Unternehmen.

Was lässt dich wachsen?

Weiterentwicklung: Du arbeitest nicht nur für Geld oder Status, sondern willst dich weiterentwickeln, wachsen und dazulernen.

Eine ausgewogene Berufstätigkeit“, betont Albert, „erlaubt fortlaufendes Wachstum und schützt vor geistiger und emotionaler Verarmung.“ (Seite 75) Schau rechtzeitig hin, dass dein Job dir neue Impulse bietet.

Wichtig ist das vor allem für Babyboomer, die bei der Weiterbildungsplanung gern übersehen werden. Doch die Personalabteilung ist nicht allein für deine Entwicklung verantwortlich, deshalb schau genau hin, was deine Aussichten verbessert UND dir persönlich Freude macht. Werde aktiv, bevor Stagnation dich frustriert.

Falls du schon jetzt den deutlichen Wunsch nach Veränderung spürst, lass uns am besten gleich miteinander sprechen.

Was bitte heißt gesund?

Gesundheit: Bist du in der Lage deinen Job so zu gestalten, dass du körperlich, geistig und seelisch fit bleibst und – gerade mit zunehmendem Alter – genügend Zeit hast, dich aktiv zu erholen? Oder bist du ständig „durch“?

Sobald dein Arbeitsalltag dich auf Dauer erschöpft (und sich das auch nicht mit Yoga & Co. beheben lässt 😉), wird es Zeit, genauer hinzusehen. Ein gesunder Arbeitsplatz bedeutet, dass Arbeitsbelastung und Wohlbefinden in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Zwei Denkanstöße finde ich besonders spannend:

  • Gerade bei gesundheitlichen oder altersbedingten Herausforderungen kann der Beruf aber auch ablenken und motivieren. Eine sinnstiftende Kontinuität bieten, wenn sich vieles andere verändert.“ Denn es wäre doch schade drum, “..gedanklich ab Anfang 50 bereits auf Altersteilzeit oder Vorruhestand zu schalten und dadurch die „besten verbleibenden Lebensjahre unambitioniert und abwartend verbringen.“ (Seite 89)
  • Der Hinweis, dass es sich “lohnt, genauer hinzuschauen, welche Mitverantwortung du vielleicht selbst dafür trägst“, (Seite 95) die eigene Gesundheit dem Beruf zuliebe ständig zu überfordern. Übernimmst du mehr Verantwortung und Aufgaben, als du langfristig verkraften kannst? Achte auf gut auf deine Körperspuren!

Checkfrage: „Gehe ich gern zur Arbeit“?

Spaß und Lebensfreude heißt: Arbeit kann und sollte Freude machen, auch wenn es nicht zu 100% der Traumjob ist. Bei aller nötigen Professionalität und dem Stress der (auch mal) auftritt, darf man eine gute Zeit haben und miteinander lachen, sagt Albert. Dann sei „Gehalt auch kein Schmerzensgeld sondern normale Entlohnung für eine Tätigkeit die an sich bereits bereichernd ist„ (Seite 108)

Doch Angst, Misstrauen und Feindseligkeit, die einen in ständiger Hab-Acht-Stellung und Abwehr halten, belasten die eigene Lebensqualität.

Macht mein Job (noch) Sinn?

Lebenssinn ist für den Autor damit verbunden, etwas Sinnvolles für andere zu tun. Du bist an der richtigen Stelle, so lange du dich als Teil eines größeren Ganzen siehst und dein Job dazu beiträgt, das zu beweisen. Dümpelst du in einem sinnentleerten Job herum, reichen Gehaltserhöhung oder Karrierestufen nicht mehr aus, um dich motiviert und leistungsbereit zu halten.

Mir persönlich schenkt das Bewusstsein, mit der eigenen Arbeit etwas Bedeutungsvolles beizutragen, eine tiefe innere Erfüllung. Geht’s dir genauso?

Wir stellen uns die Sinnfrage meist ab Mitte 40 (bei mir ging’s schneller). Denn dann reichen (soweit die Grundsicherung steht) Geld und Karriere allein nicht mehr aus, sich lebendig zu fühlen.

„Allerdings“, so Albert, „wünschen sich zwar viele Berufstätige ab der Lebensmitte mehr Sinnhaftigkeit, stehen sich dann aber selbst im Wege mit ihrer Auffassung „Ich kann ja eh nichts ändern“, oder „haben im Grunde Angst, sich auf etwas einzulassen, das ihre bisherigen Erfahrungen übersteigt oder hinterfragt.“ (Seite 116ff)

Jeden Tag ein neues Kapitel aufschlagen

Mit 20 Jahren Berufserfahrung bin ich überzeugt: da lässt sich was tun 🤩. Und jeder Tag ist ein guter Tag, um neu zu starten.

Wem ich das Buch empfehle

Allen, die sich fragen, ob sie in ihrem Job das Richtige tun – und ob es überhaupt ein Richtiges gibt. Besonders wertvoll ist es für dich, wenn du:

  • das Gefühl hast, du steckst in einer beruflichen Sackgasse,
  • nach Orientierung suchst,
  • dich ständig zwischen Sicherheit und Leidenschaft hin- und hergerissen fühlst,
  • deine eigene Definition von Erfolg (neu) entdecken willst.

Sobald du deine wahren Motive und Prioritäten kennst, sagt Albert,

  • suchst du zielgerichteter nach einem passenden Arbeitgeber,
  • argumentierst authentisch in deiner Bewerbung und
  • musst dich beim Vorstellungsgespräch nicht verstellen.

Das bemerkt dein Gegenüber im Jobinterview sofort.

Mein Fazit

Das Buch liefert keine einfachen Rezepte, sondern wertvolle Denkanstöße. Es macht Mut, dich ehrlich mit deinen Wünschen auseinanderzusetzen, und zeigt, dass es in Ordnung ist, wenn Geld eine Rolle spielt – genauso wie Sinn, Sicherheit oder Freiheit. Die Kunst liegt darin, deine eigene Balance zu finden.

Ein inspirierendes Buch für alle, die sich klügere Fragen stellen möchten.

 

 

Das Wesentliche steht zwischen den Zeilen

Willst du deinen eigenen Film schreiben, hilft dir die richtige Lektorin, das Wesentliche auch zwischen den Zeilen zu entdecken!

 

Sandra, 2009 haben wir das erste Mal zusammengearbeitet. An welche Episode aus unseren ersten Coachings erinnerst du dich noch? Welche haben Spuren hinterlassen?

Sie haben vom ersten Moment an Spuren hinterlassen. Für das erste Coaching haben wir einen Gutschein von unserem damaligen Agentur-Chef bekommen. Das war mein allererster Kontakt mit Coaching überhaupt.

Coaching ist Raum für mich

Von Anfang an fand ich es wertvoll – denn das macht man viel zu selten –, diesen Raum zu haben, indem es wirklich nur um einen selbst geht. Ein safe space. Am Anfang musste ich mich damit erst mal zurechtfinden, ich dachte zuerst: „Ist das jetzt hier wie eine Therapie?“

Doch das war es mit dir zu keiner Zeit. Es war immer ein „Jetzt schauen wir nach vorn.“ Also Herausforderungen erkannt, besprochen und jetzt zielorientiert weitergehen. Ich erinnere mich noch an diese Methode – wie nennt sich das mit den Armen?

Wingwave.

Ja, stimmt, Wingwave war’s. Dabei kann man den Kopf ausschalten. Sich ein Stück seiner Intuition, seinem Körper, seiner Erfahrung überlassen. Antworten kamen leichter. Ein spannender Ansatz, mich Themen mal anders zu nähern, wie „Was beschäftigt mich eigentlich?“ oder „Was möchte ich denn eigentlich?“.

Ich war 2010 auf dem Sprung vom Account Director zum New Business Director. Dabei war das gar nicht mein Plan. Die Agenturchefs damals meinten: „Wir glauben, du kannst das! Willst du es machen?“

Dann stehst du da und denkst dir: „Das ist ja schön, dass ihr das denkt!

Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie darüber nachgedacht, ob das überhaupt eine Option für mich ist.

Neues finde ich erstmal immer spannend

Weil ich aber der Mensch bin, der ich bin (und das bis heute) ergreife ich gerne (interessante und neue) Optionen. Früher wahrscheinlich schneller als heute, denn die Entscheidungen sind größer geworden.

Doch ich wollte damals reflektieren und das mit Unterstützung von außen. Das war unser Start. Ich wollte mir bewusst machen:

  • Wer bin ich eigentlich?
  • Wo will ich hin?
  • Erfüllt dieses Angebot nicht nur mein Jobziel, sondern passt es in meine Lebenssituation?
  • Wie soll mein Leben ganzheitlich aussehen? Das war immer ein wichtiger Teil. Ich arbeite gerne. Aber die Arbeit musste schon immer auch zu meinem Leben passen.

Genau diese Themen konnte ich mit dir besprechen.

Es war nicht dein Plan, sagst du. Heute bist du Managing Director… was sagst du heute – 15 Jahre später – dazu?

In den ersten Tagen als Managing Director hat mich eine langjährige Kollegin daran erinnert, dass ich Jahre zuvor – ich hatte gerade besagte New-Business-Position übernommen – gesagt hätte: „Und irgendwann werde ich Geschäftsführerin.“

Daran konnte ich mich gar nicht erinnern, fand es aber interessant. Denn auch wenn ich mir diesen Plan niemals ganz bewusst gezeichnet habe, hat mich doch alles, was ich getan habe, genau dahin geführt.

Alle Anteile an Bord

In unserer Coaching-Serie gab es zwei große Handlungsstränge. Einerseits dein Auftrag gemeinsam herauszufinden, worin deine beruflichen Wünsche und Ziele liegen. Gleichzeitig fiel dir das Entscheiden schwer.

Wir haben die vielfältigen Aufgaben in der Agentur und die vielen inneren Ressourcen verbunden. Manche Stärken zeigten sich sofort. Andere innere Anteile haben sich im Drehbuch noch zurückgehalten.

Hier eine Erinnerung, daran, was du schon 2010 für dich mitgenommen hattest

Jede Stimme, jeder Gedanke, jedes Gefühl, das mich bei schweren Entscheidungen verunsichert hat, ist ein Teil von MIR! Also habe ich gelernt zuzuhören! Und mehr noch – wenn ich will, lade ich mittlerweile alle zu einem Kaffee ein und wir diskutieren die wichtigsten Themen aus – klingt verrückt? Nein, ist genial und erfolgreich! Aus vielem, scheinbar nicht koordinierbarem ein homogenes Ganzes machen, das hätte ich nicht für möglich gehalten.

 

Das Zitat ist fünfzehn Jahre alt und macht mir deutlich, welchen Weg du seitdem gegangen bist und welche Bandbreite an Stärken du nutzen kannst.

Ich glaube, genau so muss es sein. Gerade in der Führung hat man viele, unterschiedliche Aufgaben, triffst die unterschiedlichsten Menschen. Dazu kommen all die anderen Dinge, die in deinem Leben eine Rolle spielen.

Für jeden Bereich brauchst du die verschiedenen Facetten. Es ist genau das, was mir Spaß macht. Ich mag meine vielen Dimensionen, auch, weil alles, was um mich herum passiert, nicht eindimensional ist. Diese Arbeit mit den inneren Anteilen finde ich total spannend.

 2022 hast du geschrieben: „Geschäftsführung war nie ein bewusster Teil meiner Geschichte, aber meine Geschichte hatte auch kein komplett vorgezeichnetes Ziel. Wenn es eine Storyline in meinem Leben gibt, die mich bisher immer angetrieben hat, war es, „schau es dir an und probiere es aus!“ Was ist der Antreiber dahinter?

Spaß ist für mich immer ein Antrieb gewesen. Spaß und Neugier an dem, was ich mache, was ich daraus lernen kann – und zwar in jedem Bereich. Das ist auf jeden Fall elementar.

Du hast jetzt die Chance bekommen, deine Stärken voll einzusetzen. Verbunden mit deinem Antreiber „Ich mach das jetzt mal und zwar voller Freude“ welchen Teil der Welt kannst du heute beeinflussen oder verändern?

Naja, es ist nicht die ganze Welt, die ich verändere. 😊

Ich arbeite in einem spannenden Konstrukt aus Führungskollegen. Natürlich nehme ich durch meine eigenständige Rolle in diesem Konstrukt anders Einfluss. Ich bringe meine Perspektiven ein, meine Erfahrung, gute Argumente in wichtigen Diskussionen. Themen, die mir wichtig sind, kann ich ganz anders priorisieren und sie viel stärker zum Teil einer Geschichte machen.

Meine Rolle ist größer geworden. Doch ich lebe sie mit Respekt und Bewusstsein, denn ich glaube, dass wir in dieser Zeit, in der wir heute leben, Dinge durch Kollaboration und durch Miteinander schaffen.

Ich habe einen Satz gelesen: „Niemand, der wirklich glaubt, dass er alles allein kann, ist ein guter Leader und ein guter Führer.“ Daran glaube ich. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass es jemandem geben muss, der am Ende die Richtung vorgibt.

 

 

Dieser Richtung sollten gute Gespräche und Austausch vorangegangen sein. Um Menschen zu motivieren und zu führen, musst du sie abgeholt haben. Genau diesen Prozess, dieses Mitnehmen kann ich heute beeinflussen; kann meine Gedanken und Ideen anders mit einbringen. Die Rolle befähigt dich dafür noch ein Stück weit mehr.

2022 konfrontiert mit der Frage, ob du die Rolle der Managing Director übernehmen wolltest, hast du dich mit dir selbst auseinandergesetzt, und überlegt, vielleicht einfach in der bekannten Rolle so weiterzumachen. Denn “das fühle sich doch eigentlich alles gut an“.

Und doch hast du dich für die höhere Position entschieden. Wie kam das?

Ich habe mich mit den Pros und Contras beschäftigt, mit all dem, was ich kann und nicht kann. Letzteres war weniger angenehm. Doch dann bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich all das, was ich noch lernen will, ja lernen könnte. Was anstrengend ist, aber auch aufregend.

Ich kann das einbringen, indem ich wirklich gut bin. Auch mit anderen Menschen zusammen, die etwas mitbringen, was ich nicht habe. Gemeinsam machen wir daraus dann etwas Komplettes.

Innen und Außen in Kongruenz

Hier verweben sich die beiden Stränge unserer Coachinggeschichte – innere Stärken zielgerichtet einsetzen um Aufgaben der Agentur gemeinsam mit anderen erfolgreich zu steuern.

Ja, es war meine Entscheidung. Hätte ich angefangen, zu sehr meinen Defiziten hinterher zu laufen und versucht, diese auszugleichen, also versucht, meine Schwächen zu stärken, wäre niemals eine gute Stärke dabei herausgekommen.

Mein Konzept „Stehe jeden Morgen mit Spaß auf!“

Vielleicht lautet mein „Konzept“ einfach: „Stehe jeden Morgen mit Spaß auf!“

Schon vor unserem Story-Coaching ist mir die Songzeile bei den Fantastischen Vier begegnet „Du siehst deinen eigenen Film und bist dein eigener Held.

Abgesehen davon, dass es ein cooler Song ist – und meine erste Band war, die ich live gesehen habe – ich glaube, dass es genau das ist. Niemand setzt mir die Pistole auf die Brust, es ist meine Entscheidung, die ich für mich treffe. Jedes einzelne Mal. Das ist der Punkt.

Deine Art, Entscheidungen zu treffen, zieht sich durch deine Geschichte. Wenn eine junge Führungskraft von dir wissen will, wie du deine Entscheidungen triffst, so, dass es eine gute Entscheidung wird – wie würdest du es erklären?

Also es hängt natürlich von der Entscheidung ab.

Natürlich.

Wenn es nicht komplett dein eigener Bereich ist, wirst du immer auf andere Menschen zugehen, die entweder das Fachwissen oder die Erfahrung haben. Oder die dich zumindest noch einmal in deinen Gedanken challengen. Bei großen Sachen lohnt es sich – und das dauert gar nicht lange – die eigene Antwort auch mal kurz zu hinterfragen. Wenn du eine andere Meinung dazugeholt hast, kann es manchmal dazu führen, dass du noch eine Extra-Gedankenschleife drehst. Das ist dann eben so.

Das große Ganze hängt manchmal von kleinen Entscheidungen ab

Erst wenn du die Entscheidung selbst zu treffen hast, lernst du, wie es wirklich funktioniert.

Theoretisch klingt vieles logisch. Wir haben im Coaching viel ausprobiert, ich habe viele tolle Bücher gelesen, mir Videos angesehen – alles war hilfreich. Man hat alles im Kopf. Wir sind in der heutigen Arbeitswelt sehr weit in Selbstreflexion und Selbstoptimierung. Aber wirklich real wird es erst dann, wenn du es tust, es erlebst, in einer konkreten Praxissituation stehst.

Das erinnert mich an eine Projektsituation. Mein früherer Chef wollte von mir wissen, wie es läuft. Ich meinte: „Ich halte alle Bälle in der Luft.“ Da sagte er: „Das ist erstaunlich und freut mich auch. Aber dir ist schon klar, dass du auch mal den einen oder anderen abwerfen musst?“

So ist es mit den ganzen Weisheiten und Themen, mit denen man sich beschäftigt. Theoretisch ist alles klar. Da kannst du lange schlau mit anderen drüber reden, aber für dich selbst musst du irgendwann den Ball mal abwerfen und in die Umsetzung gehen. Erst wenn du deine Weisheit im Alltag lebst, machen schlaue Dinge wirklich Sinn.

Im Rückblick ist es toll zu erleben: „Das stimmt ja wirklich.“

Und diese Erkenntnis im Alltag zu erleben, das macht Freude. Zu erfahren, dass die eigene Entwicklung einfach nicht aufhört. Wird sie auch nicht.

Dein berufliches Engagement als Geschäftsführerin verlangt dir viel ab. Wie schaffst du den Ausgleich? Wie findest du genügend Raum für dich persönlich?

Da ist noch Luft nach oben!

Das war ein Coaching-Thema, bei dem wir nicht mehr in die Umsetzung gekommen sind, weil die Führungs-Themen wichtiger wurden.

Stimmt, die Sache mit der Work-Life-Balance war auch so eine theoretische Weisheit, die ich früher gut vor mir herschieben konnte.

Doch die aktuelle Verantwortung geht doch noch mehr an meine Energiereserven. Ich spüre deutlich, dass es jetzt vorbei sein muss, mit dem Wegschieben.

Wenn ich meine berufliche Aufgabe ernst nehme, muss ich besser auf mich achten

Mein Bewusstsein wächst: „Wenn ich diese Aufgabe hier ernst nehme und weiter mit Freude daran arbeiten möchte, dann muss ich jetzt auf mich selbst achten!“ Das hat plötzlich eine neue Relevanz bekommen.

Mache ich das schon gut genug? Nicht immer. Aber ich bin auf dem Weg. Obwohl meine berufliche Situation für mich so wichtig ist, kommt parallel eine neue Wichtigkeit dazu.

Achtsamkeit hilft interessanterweise auch. Dinge einfach mal aussprechen.

Das beste Führungsentwicklungstraining, das man sich ansehen kann, war für mich gerade Achtsam Morden, die Netflix Serie. 😉

Weißt du, mein Kopf ist ein Biest. Das kommt gerne kurz vor dem Schlafengehen – eigentlich überall, wo es nicht hingehört – mit Themen um die Ecke, von denen mein Kopf dann denkt, dass er die unbedingt sofort noch bearbeiten oder lösen, oder einfach nur noch mal durchkauen muss.

Was hilft ist, sich selbst die Frage zu stellen:

  • Löse ich das jetzt wirklich gerade?
  • Macht es jetzt für die Gesamtheit der Dinge einen Unterschied?

Wenn es einen elementaren Unterschied macht, dann muss ich handeln. 80% dieser Dinge kann ich aber in diesem Moment, mitten in der Nacht, einfach wegschieben. Denn nur weil ich gerade darüber nachdenke, wird nichts passieren.

Der kommt aus dem Film, dieser Ratschlag.

Da bin ich gerade dran. Und ich schaffe es dadurch tatsächlich, ein bisschen schneller einzuschlafen. Tut gut.

Was ist dir heute wichtig, woran du früher nie gedacht hast?

Mein Bewusstsein dafür ist gewachsen, wie viel Zeit ich eigentlich wo verbringe, das heißt mit den Menschen, die mir wirklich wichtig sind – die einen persönlichen Beitrag im Leben haben.

Da ist die Familie. Da sind Freunde, am Ende ist das ja immer so eine Handvoll. Das ist mir heute wichtiger geworden. Das gehört für mich auch zu der Frage wie ich meine Balance finde aus beruflichen Anforderungen und dem, was ich auch gern bin und tue.

Was mir nicht mehr wichtig ist? Ich muss nicht mehr so viel Party machen. Ist das das Alter? (lacht)

Gedanken denken, die nicht deine sind? Oft Zeitverschwendung!

Früher habe ich mir gerne auch Gedanken gemacht, die einfach gar nicht meine waren. Was für eine Zeitverschwendung. Und heute weiß ich, es gibt Dinge, für die lohnt es sich mehr, meinen Kopf besser und effizienter einzusetzen.

Sandra, was bedeutet Story-Coaching für dich? Was gibst du in die Suchzeile ein, um eine Coach zu finden, die so arbeitet, wie du es mit mir erlebt hast?

Wahrscheinlich würde ich schreiben, „Suche Co-Autor für meine Biographie“. Oder „Suche Produzenten, der sich traut.“ Von Anfang an mochte ich den Gedanken, dass es eine Story, ein Filmdrehbuch ist, das du selbst schreibst. Das hat für mich etwas mit Eigenverantwortlichkeit zu tun; damit, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Ich will die Verantwortung für mein Leben selbst übernehmen. Wir können keinem anderen die Verantwortung dafür geben, ob etwas funktioniert oder nicht.

Vielleicht ist es auch „Suche erfahrene Lektorin, um zwischen den Zeilen zu lesen.“ Das ist dein Markenzeichen! Das weiß ich sehr zu schätzen. Denn wir haben viel über das geredet, was nicht gesagt wurde. Das kannst du. Das ist wertvoll!

Gerade jetzt in unserem Gespräch – wenn ich mir angucke, was die letzten 14 Jahre passiert ist – du hast viel zwischen den Zeilen gelesen, wir haben auch viel über Dinge gesprochen. Und ich habe auch Dinge mitgenommen, über die wir nicht gesprochen haben. Die aber im Raum standen und mit denen ich dann arbeiten konnte. Allein oder mit dir gemeinsam.

Das Offensichtliche kann ja jeder. Du liest zwischen den Zeilen.

Sandra, ich danke dir für dieses wunderbare Gespräch mit Tiefgang. Was ist dein Fazit?

Von 2009 bis 2025 – ich spüre, ich bin noch immer dieselbe. Und das ist gut. Mit mehr Erfahrung und die Neugier und das Lernen hören hoffentlich für mich auch nicht auf.

Du hast mich daran erinnert, dass ich meiner Führungsrolle damals zuerst eine Absage erteilen wollte. Doch hätte ich das wirklich getan, hätte ich wohl heute das Gefühl, ich hätte den Stift zur Seite gelegt. Doch man darf die Lust am Weiterschreiben seiner Story nicht verlieren. Und ich hoffe, dass ich immer weiter an mir selbst, an meiner Geschichte schreiben werde, weil ich es kann.

Das ist eine wichtige Erkenntnis. Und da gibt es sicher noch einiges zu schreiben.

 

 

 

Energiesanierung für mentale Fitness

Finde deine Energie-Quellen und -Staubsauger und gehe fit und gut gelaunt durch deinen Alltag

Manchmal zwingt uns das Leben zu einer Auszeit. Manfred – Protagonist in Der Tag des doppelten Neustarts – hatte die Signale seines Körpers viel zu lange überhört. Oder zumindest hatte er sich angewöhnt, sie zu ignorieren. Notwendige Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen hatte er auf später verschoben.

Richtig verstanden. Energiesanierung.

Denn betrachte deinen Körper doch einmal wie ein Gebäude. Dein Wohnhaus vielleicht. Dem muss Energie zugeführt werden – Strom, Gas, Warmwasser, Fernwärme – nur dann hast du es warm und hell.

Gleichzeitig gibt es Energie nach draußen ab, durch Fenster, Wände, das Dach oder elektrische Geräte. Solche Energiestaubsauger verpulvern wertvolle Ressourcen.

Starte deine Energiesanierung.

Manfred war am Ende nur der Notarzt und ein Krankenhausaufenthalt geblieben – doch soweit solltest du es nicht kommen lassen.

Durch diese Sanierungsübung verringerst du Energieverluste in deiner täglichen Arbeit. Noch besser: Du erkennst, wo deine Energietankstellen liegen und kannst dich entscheiden, dich genau denen viel häufiger aktiv zuzuwenden.

Bedenke dabei, dass sich die Zeit, die du für deine Energiesanierung hin und wieder aufwendest, durch die Energiekosteneinsparung mehr als refinanziert: Du schaffst mehr und erzielst bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit. Du bleibst langfristig fit, gut gelaunt und gewinnst mehr Zufriedenheit mit dem, was du täglich leistest.

Überzeugt?

Dann geht’s los: Finde die Gedanken, Menschen und Tätigkeiten, die dir Energie rauben oder schenken.

Wo lauern deine Energie-Staubsauger?

Gedanken: Manfred könnte sich von Gedanken wie „Ich bin schon zweimal gescheitert“ oder „Jetzt geht das Chaos schon wieder los“ völlig lähmen lassen.

Wie sieht das bei dir aus? Ergänze spontan:

Meine Staubsauger-Gedanken: ………….

Menschen: Es gibt Menschen, die rauben einem jede Menge Energie. Etwa die Kollegin, die ohne Punkt und Komma redet. Pausenlos. Oder der Telefonverkäufer, der dich mit seinen Anrufen terrorisiert.

Wer sind deine Energiefresser?

Meine Staubsauger-Menschen: ………….

Tätigkeiten: Es gibt Aktivitäten, bei denen wir uns verausgaben. So verschlingt vielleicht die jährliche Zielplanung Tage. Immer und immer wieder setzt man sich dran – doch noch immer ist sie nicht perfekt. Oder das regelmäßige Posten auf Social-Media zerrt an deinen Nerven.

Das kommt dir bekannt vor? Dann ergänze:

Meine Staubsauger-Tätigkeiten: ………….

Was sind deine Energie-Tankstellen?

Gedanken: Manfred erinnert sich immer wieder daran, die Dinge – erscheinen sie zunächst auch noch so gefährlich – nicht so dramatisch zu sehen. „Ganz gleich was geschieht“, sagt er sich, „die Erde wird sich weiter drehen“.

Welcher Gedanke gibt dir Kraft?

Mein/e Tankstellen-Gedanken ………….

Menschen: Das Hamburger Team hat in nur fünf Monaten ein neues Business an den Start gebracht – und das nach den vergangenen Schlappen. Dennoch sind sie voller Leidenschaft dabei, weil sie sich gegenseitig Energie geben.

Welche Menschen schenken dir neue Kraft?

Mein/e Tankstellen-Mensch/en………….

Tätigkeiten: Manfred hat erfahren, dass jede Umarmung, die länger als zwanzig Sekunden dauert, Glücksgefühle hervorruft. Er nimmt seine Frau Ginger fest in den Arm. Es funktioniert.

Was spendet dir Energie?

Mein Tankstellen-Tun ………….

Deine Energiebilanz für den Job

Oft ist es die Mischung aus Gedanken, Menschen und Tätigkeiten, die uns schlauchen oder stärken.

Betrachte deshalb zum Beispiel das Verhältnis zu deinen Mitarbeitern oder Kolleginnen, die Anzahl und den Umfang deiner Projekte, die Erwartungen an deine Erreichbarkeit und so weiter einmal insgesamt ein paar Tage hintereinander. Notiere so viele wie dir einfallen. Stelle alles was du findest in einer Tabelle nebeneinander.

Energietabelle - was bringt - was raubt dir Kraft - Storytelling für mentale Fitness Katrin Klemm

Danach übertrage deine Ergebnisse in die folgende Gebäude-Skizze. Und sei es nur, um dir, wie mit Aufnahmen, die Wärmekameras von Gebäuden noch einmal ganz deutlich zu machen, was  in deinem Energiehaushalt wirklich los ist.

Du kannst auf einem großen Flipchart mit Post it in unterschiedlichen Farben arbeiten.

Manchmal ist es ein heilsames Erschrecken, wenn wir so deutlich vor uns sehen, wo wir überall unsere kostbare Lebensenergie verpulvern, ohne dass wir uns erlauben, unsere Energiespeicher wieder aufzufüllen.

Sobald du das entdeckst, betrachte die Zeit, die du für deine Energiesanierung aufbringst, als lebensrettende Maßnahme.

Energiesanierung - was bringt - was raubt dir Kraft - Storytelling für mentale Fitness Katrin Klemm

 

Was fällt dir auf?

Notiere dein Fazit – ein Satz reicht. Heißt es „Alles im grünen Bereich“ oder leider „Teamarbeit kostet im Moment mehr Kraft als sie nutzt“?

Mein Fazit ………….

Ideen für mehr Energie

Jetzt weißt du, wo du stehst. Entwickle Ideen, was du als nächstes tun wirst, um das Energieleck zu stopfen oder dich häufiger deinen Energietankstellen zuzuwenden!

Meine spontane Idee ………….

Lege fest, wann du beginnen willst und womit. Am besten sofort.

Mein erster Schritt ………….

Wie erinnerst du dich daran deine Energiebilanz regelmäßig zu überprüfen?

Bei Manfred sind es drei Worte: Jetzt mal halblang.

Notiere dir deine persönliche Erinnerung

Wenn ich mich mal wieder energieleer fühle, sage ich mir ………….

Wenn du deine Erkenntnisse teilen willst – hinterlass mir gern einen Kommentar.

Diese Übung Energiesanierung ist ein Ausschnitt aus Der Tag des doppelten Neustarts. Selbstcoaching mit Business-Stories.

 

Die Idee gefällt dir? Du willst jetzt tiefer tauchen und herausfinden, was dir besonders viel Energie schenkt und warum. Hier findest du die SchnupperWorkshops. Buch dir Nr. 1, den nächsten DeepDive für nur 19,85 € und lass uns persönlich kennenlernen.

Chancen für Erfolgsgeschichten gibt es jeden Tag

Intuition, Glück und Just do it schreiben tolle Lebensgeschichten

Miriam lebt in der Schweiz. Sie ist eine meiner Role-Models. Nicht nur wegen ihrer positiven Lebenseinstellung und ihrer Art, für das einzustehen, was sie erreichen will. Sie lehrt mich wie man fröhlich und flexibel bleibt. Deshalb habe ich sie gebeten, ihre Erfolgsgeschichte zu teilen. Zu Beginn klang es nur nach einem coolen Fahrstuhl-Pitch. Doch es wurde eine Story über Leidenschaft – eine klassische Held*innen-Story (auch wenn sie das selbst vermutlich nie so nennen würde).

Lassen wir sie selbst erzählen:

Juni 2003. Mein Job in England ging zu Ende. Dani, mein Mann wollte mit seinem Universitäts-Freund Marc eine Firma gründen. „Klar, lasst uns nach Kroatien gehen!“, war meine Antwort. „Da gibt es alles, was wir brauchen. Strand, Sonne, Essen, Berge!“ Marc‘s Antwort: „Das hast du alles in Australien auch. Zudem verstehen wir die Sprache und ich habe schon viele Kontakte dort. Außerdem sind die Flüge im Moment dank SARS günstig wie nie (2003, SARS-Pandemie – Vorläufer von Corona)

Also sind wir hingeflogen, um erst einmal eine Woche an einem Ort zu verbringen und herauszufinden, ob wir wirklich dort leben wollen. Wir haben bei Marc’s Freunden gewohnt und uns die Stadt angeschaut.

Ja, ich will.

Schon nach ein paar Tagen war klar: Wir wollen es wagen, wir wollen in Australien leben. Und es war klar: Damit die Männer ihr Unternehmen gründen können, muss ich eine Stelle finden. Sonst gibt es kein Arbeitsvisum. Mein Mann reiste zurück nach England um die Uni abzuschließen. Ich durfte weiter bei den Freunden wohnen und in ihrem Büro das Internet benutzen, um einen Job zu finden (2003 hatten Smartphones mit Internet noch Seltenheitswert).

Eines Abends wollte ich mich bei unseren Freunden mit Schweizer Leberli und Rösti – einem besonderen Schweizer Nachtessen – für ihre Gastfreundschaft bedanken.

Im Juni ist Winter in Australien. Das heißt, es kann durchaus kalt und gruselig sein. Wenn es regnet, fühlt es sich an, als stehst du unter einer voll aufgedrehten Dusche. Doch ich brauchte ganz frische Zutaten.

Der Elevator-Pitch

Also griff ich mir den größten Regenschirm, den ich im Büro finden konnte und nahm den Fahrstuhl nach unten, um einkaufen zu gehen. Der Lift hält, die Tür geht auf, ein Mann tritt herein und mustert mich grinsend: „Oh how clever to bring your umbrella“. Ich denke mir: „Was für eine Masche“, und muss doch gleichzeitig lachen. Wir kommen ins Gespräch. Als er wissen will, was ich hier mache, erzähle ich ihm, dass ich gerade im Haus ein Büro nutze, um ab September eine Stelle als Projektleitung für ein digitales Projekt zu finden. Ich berichte, wie ich in England gerade eine Webseite für eine Buchhandlung aufgebaut habe. Mein Gegenüber stellt sich als Jason vor. „Ich bin Marketingleiter eines Finanzunternehmens und brauche jemanden, der die Webseite meines Unternehmens analysiert und kundenfreundlicher macht. Hier ist meine Businesscard. Melde dich, wenn du im September wieder hier bist.“

Der Fahrstuhl kommt unten an, ich bedanke mich, stecke die Karte in die Hosentasche, überlege am nächsten Papierkorb, sie zu wegzuwerfen und behalte sie dann doch. Ich kaufe ein, koche und wir haben einen wunderschönen Abend. Beim Abwaschen entdecke ich die Karte. „Sag mal, kennst du die Firma?“, fragte ich meine Freundin Jenine. Ich erzähle ihr von meiner Fahrstuhlbegegnung „Ja klar, da musst du dich unbedingt melden. Das ist ein richtig aufstrebendes Unternehmen, supertoll.“

So ging auch ich zurück nach England, um schon mal die Container für unsere Überfahrt nach Australien zu buchen. Als wir im September 2003 wieder in Sydney landeten, rief ich Jason sofort an. Wir hatten einen super Austausch beim Kaffee und ich zeigte ihm, was man aus seiner Webseite alles machen könnte. Noch am gleichen Tag bot er mir die Stelle an. Ich wusste bereits, wie wir über eine Agentur die Visaangelegenheiten regeln können. Da war sie: unsere Chance, in Australien zu starten.

Rasanter Start

Ich trat die Stelle an und legte so richtig los. Es lief wie in einer echten Erfolgsgeschichte und ich buchte im November freudig euphorisch auch gleich teure Flüge, um Weihnachten mit unserer Familie in der Schweiz zu verbringen und unsere Ankunft in Australien zu feiern.

Anfang Dezember 2003.  Der Inhaber des Finanzunternehmens ruft mich in sein Büro: „Jason hat dir die Stelle gegeben, ohne sich mit mir abzusprechen. Doch für das nächste Jahr gibt es gar kein Budget dafür.” Und damit wär’s das. Anstellung vorbei. Zurück zu Feld 1.

Das war ein harter Schlag. Und das kurz vor der großen Pause. Weihnachtszeit. Sommerferien in Australien. Von Mitte Dezember bis Februar geht hier gar nichts mehr. Wie soll es ohne diese Stelle bloß werden? Denn an meinem Einkommen hängt unser Visum. Und ohne Visum dürfen wir nicht bleiben.

Schock

In meinem Schock konnte ich nur noch meine Freundin Jenine anrufen. Sie hat mich sofort mit dem Auto abgeholt und ich habe einfach nur geheult. Aus mir strömte mindestens so viel Wasser, wie an dem Regentag im Fahrstuhl. Gott sei Dank fand die Visa-Agentur eine Zwischenlösung und verschaffte mir eine kurze Atempause, um mich zu sammeln. Wenn wir bleiben wollten, musste ich eine neue Stelle finden. Und zwar schnell.

Das Abenteuer Australien abbrechen war einfach keine Option. Wir wollten hierbleiben. Außerdem waren doch eben erst unsere Container aus England angekommen.

Aufbruch

Also begann ich zu telefonieren, telefonieren, telefonieren und nochmals zu telefonieren, mich bei Beratungsagenturen und Stellenvermittlern vorzustellen „Ja, ich will hierbleiben! Ja, ich habe ein Arbeits-Visum. Ja, no worries, ich bringe die relevante Erfahrung aus Europa mit“. Doch wieder und wieder bekam ich zu hören: „Du hast die lokale Erfahrung nicht.“ Immer wieder die gleiche Antwort.

Doch es gab einen der Stellenvermittler, Edward. Aus unserer Arbeitsbeziehung entwickelte sich eine wunderschöne Freundschaft. Denn er verstand, dass wir wirklich hierbleiben wollen, dass wir wirklich schon hier sind und auch bereits ein Unternehmen in der Gründung haben. So wie wir kam er aus England und verstand, dass diese Erfahrung ebenfalls zählt.

Wir sind hier, um zu bleiben

Das Besondere an Edward? Er hat meine Emotionen wirklich verstanden und gespürt, dass der Wunsch und Wille echt sind. Viele andere haben sich nicht darauf eingelassen. Von Anfang hat er ehrlich gesagt, dass es nicht einfach wird. Doch eines Tages rief er an und hatte ein Unternehmen.

Dieses Unternehmen wollte mich zuerst gar nicht sehen. Es war die übliche Leier „sie hat keine lokale Erfahrung und und und und…“ Doch dann ist ihnen jemand abgesprungen. Das war meine Chance.

Auch Edward blieb dran. Immer wieder lag er dem Unternehmen in den Ohren: „Schaut sie euch wenigstens einmal an.“ Er hat an mich geglaubt und mich gestützt. So wurde er zum wichtigen Mentor meiner Erfolgsgeschichte.

Genau eine Woche vor dem geplanten Weihnachts-Abflug in die Schweiz – und ich wusste, wenn ich ohne eine Stelle abfliege, darf ich nicht mehr zurück – kam endlich die Einladung, mich vorzustellen.

Tollkühner Neustart

Die Personalleiterin und ich hatten ein tolles Gespräch. Mein Auftrag hieß, einen Pitch für ein Dummy- Meeting vorzubereiten. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das hinbekommen sollte. Ich habe zwar keine Scheu davor, mich vorn hinzustellen und einen Pitch zu präsentieren. Aber das optisch toll aufzubereiten, das ist für mich heute noch eine Herausforderung. Doch mit meinem Mann Dani habe ich es hinbekommen. Mit weichen Knien präsentierte ich an vier Personen aus dem Verkauf. Und direkt am Abend nach meiner Präsentation kam ein Anruf.

Und eine neue Herausforderung. „Miriam, du hast dich für eine Stelle im Direktvertrieb beworben und würdest super passen. Doch seit heute ist noch eine andere Stelle frei, bei der du im indirekten Vertrieb die großen Telekommunikationsunternehmen betreuen würdest. Du kommst aus diesem Bereich und hast so eine so schöne Energie die Leute abzuholen, dass wir dir die Wahl geben. Du darfst dich entscheiden: Möchtest du lieber das Neugeschäft im Direktvertrieb machen oder mit unseren großen Partner-Unternehmen ihr Business aufbauen?“

Ich hatte null Erfahrung im Verkauf. Es war aber der Strohhalm, damit wir überhaupt bleiben konnten. Doch das Telekommunikations-Business der Schweiz kannte ich gut und wusste, zusammen mit den Sales Spezialisten der lokalen Telekommunikationsunternehmen konnte ich es schaffen.

Vom Pitch zum Award – die Erfolgsgeschichte nimmt Fahrt auf

2004: Gleich im ersten Jahr gewann ich dann den „Rooky of the year“ den Award für Neustarter im Unternehmen.

Miriam Schnyder - Award für just do it - Heldinnenstory bei Katrin Klemm Storytelling

Zwei Jahre  später folgte der nächste Preis. Der Inhaber unseres internationalen börsennotierten Unternehmens lud jedes Jahr seine besten Verkäufer der ganzen Welt an einen besonders tollen Ort ein. Und so fand ich mich 2006 mit meinem Mann in Mexiko im One&Only Palmilla und hatte das Gefühl ich träume.

Miriam Schnyder - Award für just do it - Heldinnenstory bei Katrin Klemm Storytelling Adventskalender

Doch es war eine großartige Realität. Meine Realität. So knüpfte ich dort nicht nur viele internationale Kontakte zu den besten Verkäufern der Welt, sondern ich legte auch für uns ganz persönlich noch etwas drauf. Ich buchte ein Round-the-world-Ticket, um nach den intensiven Tagen in Mexiko noch einen Zwischenstopp in der Schweiz zu machen und mit meinen zwei geliebten Nichten ihr erstes großes Konzert zu besuchen.

2007 kam unser erstes Kind in Australien auf die Welt. Elf Tage später waren auch Dani und ich offiziell Australier. Wir fühlen uns mit der Mentalität tief verwurzelt und sind dankbar, für die Chance, die sich uns bot und die Energie, sie auch zu packen.

Das ist unsere Geschichte. Wir wussten nach ein paar Tagen als Besucher, dass wir in Australien leben möchten.

Und ich bin Jason aus dem Lift bis heute dankbar, dass er mir diese Stelle gegeben hat. Auch wenn es sich damals, als ich erfuhr „das klappt jetzt doch nicht“ wie eine Bruchlandung – mit dem Hinterkopf auf Asphalt plus Gehirnerschütterung – anfühlte.

Die Brücke ins Jetzt und Hier

Das ist jetzt neunzehn Jahre her. In dieser Zeit wird ein Mensch erwachsen. Und wo stehe ich jetzt? An der gleichen Stelle, wenn auch in der Schweiz.

2021 Zu Beginn des Jahres um Mitternacht hatte ich diese Idee, die ich in die Welt bringen will: Lernen im Tauschhandel. Weil ich dazu beitragen möchte, dass jeder Mensch das arbeiten kann, was sie/ihn wirklich erfüllt. Damit jede/r mehr Chancen bekommt seine/ihre ganz persönliche Erfolgsgeschichte lebendig werden zu lassen.

Make work a fulfilling part of life. Shine.

Ich weiß, ich werde Rückschläge hinnehmen müssen. Da gibt es in mir diese widerstrebenden Stimmen „Ach komm es gibt auch einfachere Wege“. Und dennoch weiß ich: ich werde es tun. Es lässt mir keine Ruhe. Ich könnte es verdrängen. Aber es ist jetzt da, es wird nicht weggehen.

Irgendwann kommen auch die Einsicht und Gelassenheit, dass es nicht sofort sein muss. Vielleicht dauert es halt ein bisschen länger, das macht gar nichts. Denn die Gewissheit ist da: Der Einsatz wird sich lohnen.

 

Dieser Artikel war ein Gast-Beitrag im Storytelling-Adventskalender 2021.

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Sich selbst treu bleiben durch ein klares Nein

Es geht darum, Entscheidungen zu treffen und sich selbst treu zu bleiben“, sagt Tatjana Kiel auf die Frage, ob Nein sagen können zu einem erfolgreichen und glücklichen Berufsleben dazu gehört. Sie kümmert sich um die Planung und Verfolgung der nachhaltigen zweiten Karriere von Dr. Wladimir Klitschko. In diesem Zuge hat sie mit ihm die Methode F.A.C.E. the Challenge entwickelt.

Wie wichtig ist es, Nein sagen zu können, um beruflich und privat erfolgreich zu sein?

Nein zu sagen ist eine strategische Frage: Was tue ich und was nicht? Es ist mein Entscheidungsvermögen, ob ich A oder B wähle. Ich muss meine Kräfte bündeln, mich fokussieren auf das, was ich wirklich will. Sobald ich mich für das eine entschieden habe, sage ich zu dem anderen deutlich Nein und bleibe auch dabei. So bleibe ich mir treu.

Diese Haltung hat sich in meiner fast 15jährigen Zusammenarbeit mit Wladimir noch einmal stärker ausgeprägt. Durch ein klares „Nein“ gibt man sich selbst und seiner Umgebung ein orientierendes Wertesystem, an dem entlang alle arbeiten und die gesteckten Grenzen besser einschätzen können.

Ich will in den Spiegel schauen und hinter allem stehen können, zu dem ich Ja oder Nein, A oder B gesagt habe. Ich suche zuvor die Chancen, kläre die Risiken, finde Stärken und Schwächen heraus. Meine Entscheidungen basieren auf einer Kombination von Bauchgefühl und SWOT-Analyse. Auch in dieser Hinsicht macht es mir unglaublich Spaß, mit Wladimir Klitschko zu arbeiten. Er tickt da sehr ähnlich und unterstützt meine Art der Entscheidungsfindung für unser Unternehmen.

Strategisches Handeln bedeutet für mich, sich für eine Möglichkeit zu entscheiden und das Gedankenspiel „Was wäre wenn“ zu unterlassen. Wenn ich mich erst einmal entschieden habe, gehe ich diesen Weg und trauere nicht dem anderen hinterher. Ich bleibe bei meiner Entscheidung und fühle mich gut damit.

In unserer Methode F.A.C.E. the Challenge haben wir genau diesem Thema „Entscheidungen treffen und sich sämtlicher Konsequenzen bewusstwerden“ den gesamten ersten Prozessschritt „F“ für Focus gewidmet. Wir wissen, dass jede einzelne Entscheidung eine Richtung vorgibt. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, muss ich mich entscheiden und dabei bleiben, weil ich sonst in den Zick-Zack-Kurs verfalle. Und Zick-Zack führt nirgendwohin – nicht beruflich und auch nicht privat. Ausdauer, die wir in unserer Methode „E“ für Endurance nennen, gehört zum Nein-Sagen ebenso wie zum Ja-Sagen dazu. Jede Entscheidung erfordert Durchhaltevermögen.

Was sagst Du lieber: Ja oder Nein?

Mir persönlich fällt ein Nein fast leichter als ein Ja. Ich treffe eine Entscheidung – A oder B. Oft bedeutet ein Nein keine Entscheidung gegen etwas, sondern vielmehr ein Ja zu etwas anderem.

Wenn ich etwas wirklich will, von einer Sache wirklich überzeugt bin, gibt es da für mich auch keine Frage, ob es noch kleine „vielleicht wäre das und das auch nett“-Optionen gibt. Wladimir nennt das „Besessenheit / Obsession“ und meint das ganz positiv. Nur wenn man von einem Ziel wirklich besessen ist, wird man alles dafür tun, es zu erreichen. Ganz gleich ob es schwierig ist, egal, welche Abstriche man an anderer Stelle machen muss und egal wie viele Neins es kostet, dieses eine große Ja zu erreichen. Ich bin da nicht ganz so totalitär, verstehe aber, woher Wladimirs Einstellung kommt und habe da auch für mich viel rausgezogen.

Ein Nein kann für alle Seiten etwas Positives haben, auch wenn es meinem Gegenüber zunächst schwerfällt, das zu akzeptieren.

Entscheide! Sonst entscheiden andere über Dich.

Und es gibt eine weitere Wahrheit, die ich aus der Zusammenarbeit mit Wladimir gelernt habe: Manchmal treffen Menschen Entscheidungen einfach für dich, wenn du es nicht tust.

Dann musst Du in der Lage sein, zu Deinem Nein zu stehen. Dann muss man in der Lage sein, auch im Nachhinein klar Nein zu sagen und diese Entscheidungen wieder rückgängig zu machen. Solche Situationen sind besonders anstrengend, helfen jedoch dabei, die eigene Positionierung zu stärken. Sie spornen an, die Entscheidung das nächste Mal  früher zu treffen und damit die Fäden in der Hand zu behalten. Wer aber bei schwierigen Gesprächspartnern zu seinem Nein steht, verschafft sich Respekt und die Sicherheit, dass nichts mehr über den eigenen Kopf hinweg entschieden wird.

Wie sagst Du diplomatisch und gekonnt Nein?

Wenn ich für mich selbst eine Entscheidung treffe, spielt die Kommunikation darüber ja eher eine abschließende Rolle. Sie nimmt keinen Einfluss auf meinen Entscheidungsprozess.

Grundsätzlich nehme ich mir  – gerade wenn mein Bauch zu einem Nein tendiert – vorher die Zeit zu überlegen, welches meine stärksten Argumente sind – und beziehe dabei mit ein, was ihn oder sie verletzen könnte. Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein halbes Ja viel mehr und anhaltender verletzt als ein deutliches und begründetes Nein. Der andere spürt, wenn wir halbherzig Ja sagen, und läuft dann im Verlauf eines Projekts gegen unsichtbare Wände, die ihm schließlich doch zeigen, dass man das Ja nicht so gemeint hat.

Außerdem versuche ich, gleich zum Start eines Nein-Gesprächs zu vermitteln, dass ich Verständnis für mein Gegenüber und sein Anliegen habe. Zum Beispiel sage ich: „Ich weiß, ihr habt das Ziel…“ Anschließend mache ich deutlich, dass ich weiß, warum mein Gegenüber dieses Ziel hat. Wenn jemand beispielsweise mit uns zusammenarbeiten will, heißt das: „Ihr wisst, wir sind stark in diesem oder jenem Bereich“. Mit meiner Aussage „Eigentlich ist das eine tolle Idee..“ hole ich mein Gegenüber ab, gebe ihm meine Zustimmung.

Dadurch gelingt es mir, die Emotionen aufzunehmen, die der andere in der Angelegenheit hat. Dann bringe ich meine Argumente, die deutlich machen, warum etwas für mich nicht in Frage kommt: „Deshalb ist das nichts für uns…“. Diese Begründung ist sehr sachlich, ohne Emotionen. Das gelingt umso transparenter, je deutlicher ich weiß, wofür ich stehe und welchen Weg ich mit meiner Entscheidung verfolge. Im besten Fall kann mein Gegenüber so das Nein auch annehmen, verarbeiten und auch etwas für sich herausziehen.

Klappt das dann auch spontan?

Tatjana (lächelt): Ja, das klappt dann auch spontan. Wenn ich mir im Gespräch einen Augenblick nehme, mich zurückzulehnen und nur ganz kurz nachzudenken, funktioniert es gut. Allerdings nur, wenn man es ein paar Mal geübt hat. Dann bin ich auch in der Lage, mir die Konsequenzen aus einer Ja- oder Nein-Entscheidung sehr schnell vor Augen zu führen. Damit hat man die Fäden selbst in der Hand.

Was war das lehrreichste Nein, das Du bislang ausgesprochen hast?

Einmal kam ich als Teilnehmerin zu einem Termin. Erst im Termin selbst stellte sich heraus, dass ich das Treffen leiten sollte und unser Gegenüber am Tisch plötzlich all seine Erwartungen auf mich projizierte. Gut, ich bin ein pflichtbewusster Mensch. Ich habe in dieses Gespräch rasch Struktur gebracht und dafür gesorgt, dass wir eine Strategie entwickeln konnten. Das hatte sich einfach so ergeben und ich konnte meine Kompetenz unter Beweis stellen.

Plötzlich allerdings sah mich mein Gegenüber als seine direkte Ansprechpartnerin und ich hatte die Abwicklung des gesamten Projektes auf dem Tisch. Seit diesem Tag mache ich – selbst wenn solche Überraschungs-Meetings vorkommen – rasch klar, was die Konsequenzen sind, wenn ich zusätzliche Aufgaben ohne Unterstützung übernehmen würde. Ich grenze mich dann sofort ab, und kläre mit den anderen Anwesenden ihre jeweiligen Aufgaben in diesem Meeting und vor allem auch in der Nachbereitung und Nachbetrachtung. Das funktioniert sehr gut.

Das war von daher eher ein lehrreiches Ja.

 

 Seit 2007 arbeitet Tatjana Kiel mit den Klitschko-Brüdern. Seit 2016 ist sie als CEO von Klitschko Ventures für die Karriere nach der Karriere von Wladimir Klitschko zuständig. Sie bekommt jeden Tag zahlreiche Anfragen, die sich alle ein „Ja“ wünschen würden. Deshalb hat Tatjana Kiel in ihrer Position gelernt, zu einer charmanten Profi-Neinsagerin zu werden und sich auch in schwierigen Situationen durch ein klares „Nein“ Respekt zu verschaffen. Dies war ein einem männerdominierten Sport sehr wichtig,ist aber auch in der freien Wirtschaft eine Fähigkeit, von der sie stark profitiert.

Nein sagen ist für sie eine klare strategische Entscheidung.

 

Foto: Rieka Anscheit

Tu was dran ist. Das Wichtige. Das Richtige.

Genug vom täglichen To-Do-Marathon? Dann setzen Sie Prioritäten und entscheiden selbst, was Sie tun und was Sie lassen!

Wichtig oder Dringend? Finde es raus!

Kunde, Chefin, Telefon, WhatsApp oder Chat…, sobald etwas von außen unsere Aufmerksamkeit verlangt, (ver-)schenken wir die meist sofort. Selbst wenn es uns von unseren eigentlichen Zielen abhält! Doch wenn Ihr täglicher Deadline-Marathon Ausmaße angenommen hat, die Sie nachts nicht mehr schlafen lassen, dann ist es höchste Zeit für ein Zeit-Management, das Ihre Prioritäten berücksichtigt!

Klar, Zeit kann man nicht managen. Das ist bekannt.

Doch wie folgen Sie dem, was Ihnen am Wichtigsten ist? Was bekommt Priorität, wenn es ‚brennt‘? Finden Sie zuallererst heraus, welche Erwartungen Sie selbst und andere an Sie stellen. Erkennen Sie das „Wozu?“, dann das „Was?“ und das „Wann?“. So befreien Sie sich von versteckten Zeitfressern und schaffen Raum für das Wesentliche.

So geht’s

Zuerst Auftrag klären

Nehmen Sie ein leeres Blatt Papier und schreiben Sie auf, weshalb Sie überhaupt auf der Gehalts- oder Honorarliste stehen. Wie lautet Ihr Auftrag? Welche Ergebnisse werden von Ihnen erwartet? Wofür werden Sie bezahlt?

Dann Aufgaben zusammentragen

Teilen Sie ein zweites Blatt wie folgt.

Aufgaben Liste Katrin Klemm

Betrachten Sie jetzt einen typischen Arbeitstag und notieren im linken Feld alles, was Sie den Tag lang tun. Schreiben Sie wirklich alles auf.

Dann nehmen Sie zwei farbige Stifte. Markieren Sie mit der ersten Farbe alles, was direkt dazu beiträgt, Ihren Auftrag zu erfüllen. Mit der zweiten Farbe markieren Sie die Dinge, die Sie dabei unterstützen. Also all das, was – ließen Sie es ausfallen – es erschweren, aber nicht unmöglich machen würde, Ihren Auftrag umzusetzen.

Alles, was Sie künftig mit mehr Ruhe und Konzentration tun möchten, ist in der ersten Farbe markiert. Das übertragen Sie ins Feld rechts oben. In das verbleibende Feld schreiben Sie, wozu Sie „Nein!“ sagen werden (Farbe zwei).

 

Katrin Klemm StoryTelling Training StoryWork Coaching Prioritäten

 

Prioritäten setzen – das kleine ABC und D

Nach dem Eisenhower-Prinzip teilt man Dinge in dringende und wichtige Aufgaben ein.

Dringend sind Aufträge, die zu einem bestimmten Termin erledigt sein müssen. Präsentationen, die zu einem festgesetzten Zeitpunkt stattfinden und deren Termin durch nichts zu verschieben ist, zum Beispiel. Oder die Fertigstellung von Weihnachtskarten, deren Versand nach dem 24. Dezember keinen Sinn mehr macht. Weil Kunden, Chefs oder Kollegen hier oft Druck machen, konzentriert man sich schneller darauf, als einem lieb ist. Doch möglicherweise sind sie nicht wichtig für Ihre Ziele. Wichtig sind Aufgaben, die ertragreiche Auswirkungen haben. Das sind oft strategische, langfristige oder präventive Dinge wie Business-Pläne, Team-Aufbau oder Weiterbildungen.  Aus „dringend“ und „wichtig“ kann man ein Raster aufbauen, das für jeden – je nach Branche, persönlicher Einstellung (etwa: Wie schnell will ich mich zurückmelden, um als zuverlässig zu gelten?) oder Verantwortung im Job – unterschiedlich aussieht:

 

Prioritäten deiner Story Katrin Klemm

 

  • A-Aufgaben sind wichtig und dringend: Sie müssen sofort selbst anpacken. Hier steht viel auf dem Spiel. Entscheiden Sie sich, das Problem schnell zu lösen, manchmal ist es eine Krisensituation (etwa wenn ein wichtiger Kunde droht abzuspringen).
  • B-Aufgaben sind wichtig aber (noch) nicht dringend: Nehmen Sie sie in ihre Zeitplanung auf und bearbeiten Sie sie. Reservieren Sie sich dafür ein Zeitfenster und halten dieses unbedingt ein! Hier darf Sie kein Kollege und kein Telefon stören. So vermeiden Sie es, solche Aufgaben – im Strudel der Sofort-Anforderungen Dritter – auf die lange Bank zu schieben und dann in Hauruck-Aktionen abarbeiten zu müssen.
  • C-Aufgaben sind weniger wichtig bis unwichtig, aber dringend: Hier stecken sie, die typischen Unterbrechungsfallen (Anrufe, Mails, Kollegenwünsche). Wenn Sie delegieren können, tun Sie es. Bündeln Sie E-Mail-Bearbeitung, Telefonate, Recherchen und andere Termine in Blöcken. Wenn ein Kollege Ihre Hilfe braucht, vereinbaren Sie einen Termin (zu dem sie dann auch konzentriert für ihn da sind).
  • D-Aufgaben sind unwichtig und nicht dringend: Versenken Sie diese Aufgaben zügig im Papierkorb. Wenn Ihnen das zu heikel ist, legen Sie sie für eine Woche auf einen Extra-Stapel, prüfen Sie diese am Freitagabend und entsorgen Sie sie, wenn sie feststellen, dass kein Mensch danach gefragt hat.

Überprüfen

Schauen Sie sich jetzt noch einmal Ihre Liste von ganz oben an. Sagen Sie noch zu den gleichen Aufgaben ‘Ja’ oder ‘Nein’? Sortieren Sie sie neu.

 

Übrigens:
Es kommt vor, dass uns eine unwichtige oder nicht dringende Aufgabe Freude bereitet. Manche Dinge entspannen uns, selbst oder gerade weil sie keine große Bedeutung haben. Dazu gehören sowohl Social Media Aktivitäten im Netz als auch ein bisschen Klatsch auf dem Gang, manchmal sogar die Ablage, um den Kopf frei zu bekommen. Wenn Sie nicht darauf verzichten wollen, dann entscheiden Sie sich bewusst dafür, sie zu tun. Setzen Sie sich dafür ein Zeitlimit, stellen den Wecker und tun Sie es mit Genuss. Ist die Zeit abgelaufen, ist konsequent Schluss damit.

 

Diese Übung ist ein Auszug aus dem Buch Der Tag an dem Bella verschwand. Der Business-Roman für Berufserfolg und ein leichtes Leben im Alltag

Working Moms Hamburg: Can we have it all?

Stimmengemurmel im Saal bei den Working Moms in Hamburg. Hier treffen sich Frauen für die es selbstverständlich ist, beides zu wollen – Kinder und einen Job der sie erfüllt.

Was kann ich selbst tun?

Eine von ihnen, die Wirtschaftsjournalistin Stefanie Bilen, liest aus ihrem Buch „Mut zu Kindern und Karriere“. Unaufgeregt konstatiert sie Rahmenbedingungen, die noch immer nicht passen. Die Palette der bekannten Verdächtigen reicht von fehlenden Betreuungsmöglichkeiten über unausgegorene Elterngeld-Gesetze bis zu persönlichen Selbstzweifeln der Frauen. Doch darum geht es heute Abend nicht.

Die Frage, die ihr Buch in 40 Interviews beantworten will ist „Wo kann ich selbst ansetzen statt abzuwarten, dass die Gesellschaft etwas für mich tut?“ Es gibt eine Menge Antworten.

Job-Sharing, Teilzeit oder Baby an Bord.

Die erste, das gelingende Job-Sharing auf Top-Niveau, teile ich persönlich aus meiner Zeit als IT-Großprojektmanagerin. In der Doppelspitze habe ich gelernt: Die klare Absprache zwischen den Hauptbeteiligten entscheidet über Gelingen oder Verlieren.

  • Was ist Deine Verantwortung und was meine?
  • Was erwarten wir voneinander?
  • Worauf können wir uns gegenseitig verlassen?
  • Was tun wir, wenn was schief gegangen ist?

Geht es um den Wunsch nach Teilzeitarbeit, fühlt die Geschäftsführerin Isabell Hochgesang jungen Frauen genau auf den Zahn, was dahinter steckt. Geht es bei der Einschränkung ihrer Arbeitszeit wirklich um die gemeinsame Zeit mit dem Kind? Oder steckt der Haushalt dahinter, der wie selbstverständlich mit der Mutterschaft an ihr kleben bleibt? Die Optikerin Katrin Wagner, zuerst angestellt, dann selbständig, nimmt ihre Babies mit in den Laden und wird damit zur Marke. Gut, vielleicht funktioniert das noch nicht oft genug. Doch wenn frau es gar nicht erst versucht, dann auf keinen Fall. Es sind diese Beispiele, die das Buch lebendig machen und jede einladen für sich zu überlegen „Wie wäre das, wenn ich ….?“

Jede Mutter kennt Krisen. Und löst sie.

Marianne Grabrucker, Vorsitzende Richterin am Bundespatentgericht a.D. und mehrfache Buchautorin zum Thema, stellt sich als ‚Working Granny‘ vor. Wortgewaltig und voller “Mutterwitz” (sie definiert den als „die stetig vorhandene Fähigkeit, Sachverhalte schnell zu begreifen, zu beurteilen und auf solche zu reagieren“) brilliert sie mit Anekdoten über Scheitern und Erfolge. Es ist wichtig, sich selbst kennenzulernen, betont sie. Herauszufinden, was ich wirklich will, mich dann zu entscheiden und meinen Weg konsequent zu gehen. Will ich Karriere? Ja? Ja! Weil ich etwas bewirken will? Ja! Dann tu es! Will ich Kinder? Auch! Wird es anstrengend? Ja! Sehr wahrscheinlich! Bin ich bereit dafür? Wenn Ja, dann leg los!

Grabrucker bekennt sich zu ihrer bayrisch anarchischen Ader und stellt klar, dass das Leben – gerade als berufstätige Mutter – nun mal voller Krisen sei. „Also kremple die Ärmel hoch und pack sie an“, ist ihr Statement. Bleib persönlich flexibel und trau dem eigenen Kind mehr zu. Selbst „Sockentraumata“ könne man überleben. Natürlich spricht hier die Gelassenheit einer berufstätigen Mutter, die mit über 70 schon längst einen gelassenen Abstand zum Thema entwickelt hat. Doch wenn sie betont, dass Frauen hier wieder viel lauter politisch fordern müssen, blitzt die jugendliche Entschlossenheit der zwanzigjährigen Feministin durch.

Ihre Tipps

  • Lerne dich selbst kennen und werde dir klar was du bewirken willst.
  • Liebe das was du tust.
  • Vernetz dich mit Gleichgesinnten, Kinder fühlen sich auch bei anderen wohl.
  • Kommuniziere präzise, komm direkt auf den Punkt, Halbherzigkeit ist tödlich.
  • Fokussier Dich beim Arbeiten, dann hast du Zeit für deine Kinder.

Eva Buchhorn, Redakteurin des Manager Magazins, moderiert den Abend mit wohltuend klugen Fragen. Sie hat es nicht immer leicht, das Wort zurückzuerobern, sobald die engagierte Rednerin erstmal im Flow ist. Doch ihr Schmunzeln zeigt mir, dass auch sie eine gute Zeit hat.

Viele Wege. Viele Fragen. Von Working Moms. Und Dads!

Das Publikum – Frauen und Männer – fragt nach und kommentiert angeregt: Wie bekommen wir die Männer dazu mitzumachen, damit verkrustete Rollenbilder endlich fallen? Wie unterstützen wir Frauen, die (zu) viel über das erste wichtige Jahr mit dem Kind wissen und am schlechten Gewissen psychisch zerbrechen, wenn sie Karriere und Kind nicht so perfekt hinbekommen? Wann endlich bieten auch andere Bundesländer so vernünftige Krippen- und KiTa-Regelungen an wie Hamburg? Ein Vater stellt zur Diskussion, dass es mehr als die Jobanforderungen seien, die manche Männer so lange im Büro sitzen lassen. Sobald ein Vater nämlich den Müttern dauerhaft nichts recht machen kann, verliere auch er irgendwann die Lust früher nach Hause zu kommen.

Verflixte Selbstverantwortung. Immer wieder…

Tanja, eine jungen Mutter aus Bosnien, hält ein Schlusswort, das mich lange nicht los lässt. Sie stellt sich vor als „Tochter einer Hausfrau und Schwester einer Hausfrau“. Ihr ganzes Leben mit der klassischen Frauenrolle konfrontiert, sei sie die Ausreden irgendwann leid gewesen: „Ich kann nicht, weil ich kein Job habe, weil ich finanziell abhängig bin, weil ich Kinder habe, weil, weil, weil….“ „Trotzdem“, sagt sie „Bin ich etwas geworden.“

Ja, ganz gleich aus welchem Umfeld wir stammen, ob rund um die Uhr behütet oder Tochter einer Karrieremutter … letztlich liegt es immer bei uns selbst. Deshalb, sagt Tanja, “ Hör zu, was dein Inneres will und trag das in die Welt“. Die Working Moms hier im Saal können ihren Kids vorleben, wie das geht.

We can have it all.

Wenn wir es gemeinsam klug anstellen, auf Perfektionismus pfeifen und Spaß an Herausforderungen entwickeln…

Was ist Dein Weg? Welches sind Deine Fragen? Was probierst Du gerade aus? Wo brauchst Du Unterstützung? Lass es mich wissen.